Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 9 (1958-1959)
- Issue
- 194 (30.12.1958)
- Date
- 1958-12-30
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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30. Dezember 1958. DAS ECHO SYLVESTER 1958 Originalbericht des Echo- Korrespondenten U. Topie i***********************************************************-**************************************************** Im David Ben Gurion-Seial in Jerusalem sind die treter der Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft, sowie das Sprechers der israelischen Regierung zu hoeren. Repraesentanten des israelischen Staates, hervorragende Verdiplomatische Corps versammelt ,um eine wichtige Rede des Jerusalem, Dezember 2008 Meine Damen und Werren: Ich habe die hohe Ehre, Ihnen einen Bericht ueber die Entwicklung des Staates Israel in den letzten 50 Jahren zu geben. Wenn wir heute in unserem schoennen und reichen Land Umschau halten, ist es sicher Vielen unter uns unwahrscheinlich, weiche Muehe und Kaempfe an Blut und Schweiss es gekostet hat, Israel zu dem zu machten was es heute ist Gestatten Sie mir, in kurzer Form chronologisch Rueckschau zu halten: 1947 wurde von den damaligen “Vereinten Nationen” Palaestina geteilt, und dem Juedischen Volk eine Nationale Heimstaette zugesichert. 1948 wurde der juedischte Staat “Israel” proklamiert. Danach gab es manche Wütige und verzweifelte Kaempfe um den Erhalt des isratelischen Bodens. Es ist noch in unserer Erinnerung, dass kn Jahre 1961 ein grösster konzentrierter Angriff der arabischen Nationen gegen Israel stattfand, der mit einem totale« Sieg unserer Waffen endete, und der nur Folge hatte, dass in Kairo eine Revolution ausbrach, die den da- «taligten Diktator Nasser vertrieb. Dieser grosse nationale Sieg, der von der ganzen Welt bewundert wurde, hatte zur Folge, dass das israelische Territorium sich erweitern konnte und dass die arabischen und afro-asiatischen Laender mit Israel nun aktiv zusamtnenarbeiteten. Unsere grossen wissenschaftlichen Institutionen gaben die Moteglichkeit, das ganze Nah)- und Mittel-Ost-Gebiet zu aktivieren, fruchtbar zu gestalten und den Wohlstand seiner Bewohnter ausserordentlich zu bessern. Wir koennen heute in Ruhe und mit grosszuegiger Planung unsere Arbeit Herrichten, ohne Gefahr zu laufen, dass an unseren Grenzen Unruhen herrschten. Die Araber, ein grosser Teil der Asiaten und Afrikaner, haben laengst erkannt, dass die israelische Wirtschaft und Wissenschaft Faktoren sind, die Schluesstel zum Aufbruch einer neuen und guten Zeit waren, die wir nun glücklicherweise erleben. In Jerusalem ist heute das kulturelle und geistige Zentrum des gesamten Orient-Gebietes, und seine Ausstrahlungen beleben dfc ganze zivilisierte Welt. Vor fuenfzig Jahren hatte unser Land eine Bewohnerschaft von zwei Millionen, heute leben in Israel dreizehn Millionen Juden und mehr .als 6 Millionen Christen, Drusen und Mohamedaner, sodass unsere Gesamt-Einwohnerschaft 19 Millionen Menschen betraegL ’ Unser Gebiet nimmt heute eine fuehrende Stellung ein in der Gewinnung von Petroleum und Uran, unsere Baumwollkulturen sind hteute die besten der ■Welt. Unsere israelische Schwer- und Leicht-Industrie hat eine Potenz erreicht, die mit dter grosser europaeischer Laender leicht konkurrieren kann. Worauf wir aber besonders stolz sind, ist unsere Entwicklung als Land der Wissenschaften. Unsere Universitaeten und Forschungsanstalten konnten nicht nur fuer uns, sondern fuer die ganze Welt Bedeutsames leisten. Wir moechten nur daran erinner, dass es israelische Forscher warten, die die Medizin pysikalisch und therapeutisch auf neue Bahnen brachten, dass es unser “Technikum” war, welches wesentlich dazu beitrug, die Atomenergien zu grossartigen Dienern fuer die Friedenswirtschaft zu machen. Darueber hinaus, konnten sich das israelische Theater, die israelische Literatur und andere Kutenste vortrefflich entwickeln, sodass mancher Israeli im letzten halben Saekulum Nobel-Praeistraeger wurdte. Israels Diplomatie, sein Wirken und Schaffen, schlugen eine feste Brueckie zwischen Orient und Okzident. Unser Koennen und unsere Erfolge brachten es zuwege, dass es heute in der ganzlen Welt praktisch keinen Antisemitismus mehr gibt; der Jude in der Go ¡3h whid ate Angehörigen *iner» grossen Kultumation ueberall respektiert, besonders nachdem es der israelischen Regierung gelang, Juden in der Diaspora auf deren Wunsch, den Israeli-Pass zu ueberreichen. Unsere Wuesten wurden zu blueheuden Gaerten, der Negew wurdte zu einer Kornkammer, unsere Menschen sind gesund, zukunftsfroh und lteben gluecklich. Das ist fuerwahr eine Biianz, auf die wir stolz sein duerfen! Unsere Schiffe durchfahren die Weitmteere, unser Land ist eines der begehrtesten Turistenlaender der Welt, in der Weltpolitik spielt heute das Wort von Jerusalem eine gewichtigte Rolle - die Israelis haben in sechzig Jahren eine Arbeit vollbracht, die geschichtlich einzigartig ist. Es sei hier eingteflochten, das es nicht ganz einfach war, aus orthodoxen Juden liberale Israelis zu machen. Hier gab es manche harte Kulturkaempfte, die aber letztenendes die Neue Zeit, mit ihren besonderen Pflichten und Rechten, gewann. Es hat sich heute klar herausgeschaelt, dass der juedischeBewohner unseres Staates ein Israeli mosaischer Religion ist, dem es voellig frei ueberlassen bleibt, in dtem Sinne religioes zu leben, wie es ihm gefaellt Wir haben den Regierungsanspruch und den moralischen Druck der Orthodoxie aufgehoben, weil die die Entwicklung von Israel als modernen Staat auf das Schwerste gefaehrdeten. Unser Land basiert auf der Ethik der Bibel, wir fuerchten Gott, tuen Recht und scheuen niemand. Die. seEthik hat uns anfangs manche Verfremdung mit den Weltjuden eingebracht. Da aber heute eine allgemein freizuegigere Auffassung in konfessioneilen und religioesen Fragen besteht, konnten wir uns mit unseren Anschauungen durchsetzen. In diesem Komplex gehoert auch unser Verdienst, dass wir die hebraeische Sprache nicht nur zur Landessprache in Israel erneuerten, sondern dass es uns gelang, die hebraeische Sprache zu einem Idiom zu machen, welches heute im Ausland von angezaehlten Millionen gesprochen wird. Dagegen ist die jiddische Sprache in Vergessenheit gleraten un duerfte auch - zumindest in absehbarer Zeit - keine Auferstehung feiern. Meine Damen und Herren: Welchen erfolgiteichen Weg konnte unser Land gehen! Was wurde erreicht ¿eit dem Ersten Baseler Zionistenkongress, iteit der Ersten Alijah! Ich glaube, wir alle Israelis und Juden haben ein Recht, uns herzlich ueber das Erreichte zu freuen! Bei dlteser Gelegenheit wollen wir nicht nur alle unserer tapferen Soldaten gedenken, die mit ihrem Blut un!- sere Erdfe heiligten, sondern auch der grossen wirtschaftlichen Opfer, die wir einst fuer den Aufbau unserer Nation von den Juden in aller Welt erhielten. Das juedische Volk hat bewiesen, dass es wuerdig ist, ein so schoenes und reichlas Land zu besitzen, wie steh unser Israel heute vor unseren Augen bekundet. Humanismus, echter Sozialismus uns Toleranz waren seit dter Aera des 1. Israel -Präsidenten Chaim Weizmann die Saeulen, auf denen unser Staat ruhte. Stechzig Jahre nach Staatsgruendung koennen wir mit Genugtuung feststellen, dass unser traditioneller Weg der richtige war. Mit Arbeit, Optimismus und Mtenschlichkeit, wollen wir weiter diesen Weg gehen, damit unser Israel das wird, wofuer heute klaue An säet ze vorhanden sind: zum Kulturzentrum fuer die gesamte zivilisierte Welt! IN POLEN Vor weniger als 20 Jahren zaehlte die jüdische Bevodkerung Polens über dreieinhalb Millionen Menschen. Polen war ein Weltzentrum jüdischer Kultur und jüdischen Wissens und der wichtigste Nachschubplatz für eine Alija nach Israel. Von dieser reichen zweitgroessten jüdischen Gemeinde der Gola (nach den USA) blieb heute wenisr, oder fast nichts mehr übrig. Die Zahl der heute noch lebenden luden in Polen wird auf knapp 50.000 geschaetzt. In einer Reihe von Staedten sind Gemeinden mit Synagogen und anderen Gemeinde-Diensten organisiert, aber es gibt in Polen auch Hunderte von jüdischen Friedhoefen — darunter der Friedhof in Auschwitz — um die sich niemand kümmert und die verwahrlosen. Trotz aller Armut, trotz der geringen Zahl ihrer Mitglieder, trotz Mangel an Raeumlichkeiten und anderen tagtaeglichen Problemen bemühen sich die jüdischen Gemeinden weiter, den Rahmen für eine religioes nationale Betaetigung der in Polen verbleibenden Juden zu bieten. Die groesste Schwierigkeit besteht wahrscheinlich in der Notwendigkeit, sich einer staatlichen Kontrolle und' zum Teil einer halbstaatlichen Verwaltung zu unterwerfen. Neben jeder jüdischen Gemeinde besteht so ein “Kulturverband”, der vom Staat unterstützt wird. Der “Kulturverband” oeffnet seine Büros am Schabbat und an den jiidi- Jüdisches Leben in Sowjet - Europa sehen Feiertagen und schliesst sie am Sonntag und an den katholischen Feieri tagen. j Eine gewichtige Rolle im Kultur- | leben der polnischen Juden spielt die j ''Foikssztyme”, die vier Mal wöchentlich erscheint. Bis vor kurzem wurde die “Foikssztyme” auch in Russland und besonders in Kiew verkauft, doch wurde sie jetzt in de- USSR verboten. Das jiddische Volkstheater von Ida Kaminska erhae-lt staatliche Subvention. besitzt ein herrliches Gebaeude in Warschau und unternimmt regeK maessig Tourneen durch ganz Polen. Das Jüdische Historische Institut hat eine Sammlung von Büchern, Manuskripten lind Archiven von unsehaetzbarem Wert und unterhaelt eine staendige Ausstellung, die aber ausschliesslich dem Ghetto und seinem "Widerstand gegen die Nazis gewidmet ist. Seit einigen Monaten haben ORT und JOINT erneut ihre Aktivitaet in Polen aufnehmen koennen. Diese konzentriert sich in erster Linie auf eine berufliche Ausbildung der jüdischen | Rückkehrer aus der USSR. i Bisher kehrten ungefaehr 15.000 i Juden aus der USSR nach Polen zu- | rück, und viele tausend Rückkehrer j werden noch erwartet, wenn sich auch! in der letzten Zeit staendig weniger Juden unter den polnischen Rückkehrern aus der USSR befinden. Von den 15.000 Rückkehrern wanderte ein Drittel nach Israel weiter, doch wurden jetzt auf Druck von Moskau Bestimmungen erlassen, dass eine Weiterwanderung der Rückkehrer aus der USSR erst nach zwei Jahren gestattet werden kann. Die jüdischen Kommunisten in Polen lassen sich in zwei Gruppen teilen. Die Juden in führenden Partei- und Regierungsposten sind zweifelsohne vollkommen assimiliert und haben durch ihre Taetigkeit sicher wesentlich dazu beigetragen, dass langsam der Antisemitismus in Polen wieder aufflackerte, den die Behoerden im Laufe der letzten iahre langsam im Keim ersticken wollten. Weniger klar ist eie Stellung der jüdischen Kommunisten, die an der Spitze des Kulturverb-mdes stehen. Hier findet man hauptsaechlieh Opportunisten und Nutzmesser des Regimes ,die versuchen, ihre Taetigkeit zu rechtfertigen, in dem sie eine scharfe Kontrolle über die Aktivitaet und besonders die religioesen Diente i der jüdischen Gemeinden ausüben. | In Warschau zeugt nur noch der | grosse jüdische Friedhof von der veri gangenen Groesse dieser Gemeinde. Die deutschen Besatzungsbehoerden, die praktisch jedes jüdische Leben in Warschau ausgerottet haben, hatten den Friedhof offensichtlich übersehen. Heute besitzt die Warschauer Gemeinde eine Talmud - Thora - Schule, ein Tauchbad, eine Synagoge, ein koscheres Restaurant für jüdische Studenten und Rückkehrer aus Russland, sowie Verwaltungs. und Wohnraeume für den 85Jaehrigen Rabbiner David Percowitz und das andere Personal der Gemeinde. Aehnliche Ueberreste des jüdischen Lebens kann man in fast zwanzig polnischen Staedten finden, wenn auch in vielen anderen überhaupt kein jüdisches Leben mehr existiert, wie z. B. in Bialystock, Lublin oder Posen. In Lodz, wo einst eine blühende Gemeinde mit 200.000 Mitgliedern bestand,- leben heute nur noch knapp 5000 Juden. Wo früher die grosse Synagoge stand, befindet sich heute eine Tankstation, und die Gemeinde muss sich mit einem schaebigen Gebethaus im Hinterhof eines Wohnhauses begnügen, dessen Waende oefters nachts mit Hakenkreuzen beschmiert werden. Aber trotz aller praktischen Schwierigkeiten, trotz aller Noete und Bedraengnisse bemühen sich die Juden (Fortsetzung Seite 7)