Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 9 (1958-1959)
- Issue
- 191 (5.11.1958)
- Date
- 1958-11-05
- Page
- [Seite 7] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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5. November 1958. ‘DAS ECHO” 7. IMPRESSIONEN VOM KRANKENBETT Krankenhaus - Geschichten Eine Krankenhaus-Geschichte ist eine ernste volumroese Angelegenheit. Krankenhaus - Geschichten koennen aber etwas humoräges und intimes sein, die sicher auch dem Echo-Leser einigen Spaiss bereiten duerften. Vor der Hitlerei erschien in Deutschland ein knappe« Baendchen von H. Siemsen: “Patient, Arzt und Helfen”, in welchen der Autor sich mit ziemlicher Bitternis uleber die Zustaende in deutschen Krankenhaeusem beklagte; u.a. meinte der Autor: “Ein Kranker muss schon leine recht gesunde Natur haben, um Krankenhaeuser ueberwinden zu koennen”. Wenn man im Krankenhaus liegt und vton Krankheit in dile Gesundheit daemmert, soll man kein zu scharfer Kritiker der klinischen Umwelt Sein. Aber man bleibt Beobachter, und Beohachtunglen gibt es manche, die es verlohnen registriert zu werden. Die Blume des Humors gedeiht auch im Schatten des Krankenhauses; ich will Innige dieser erfreulichen Fruechte ernten. AERZTLICHE WEISHEIT Einen Tag nach der Operation. Der junge Chefarzt visitiert mein Zimmer. Nach den ueblichen Mediziner - Phrasen, wie: “Na, es geht ja prima!”, sagte ich ihm, dass ich recht schmerzhafte Schluckbesehwerden haettle. Worauf dieser Juenger des Heiligen Aeskulapius, mir stolz und ueberfegen antwortete: “Sie koenen ruhig husten, wenn Sie wollen!” Von dieser Tiefe aerztlicher Erkenntnis war ich einfach ueberwaeltigt. NO HAY. . Ich werde von einer Herzattacke befallen. Ich laeute Sturm nach der Pflegerin; nach laengerer Zeit erscheint diese. “Sofort 30 Tropfen Coramin!”, rufe ich ihr zu. Sie aber schdettelte nur ihr Kioepfchen und meinte: “Es liege dafuer keine Anweisung vom Arzt vor”. Nachdem meinte Frau der Schwester ein energisches Kurz-Ko- Ueg ueber “Pflegliche Kranken-Betrliuung” hielt, murmelte sie “werde sehen, was sich tun laesst”. Nachdem der Anfall vorueber war (wie gltnecklichweise hier in Bolivien sich “altes von selbst reguliert”), kam die Pflegerin zurueck mit einem leeren Flaeschchen. “Coramina, no hay... ”, sprach sie und meinte ich solle doch auf den Arzt warten. Es geht doch nichts ueber Gemuetsruhe.. MEDI - ZYNIK An einem Vormittag habe ich Haematcrrhoe im Darm und befuerchte diese Blutung als postoperativen Kausaleffekt. Ich sage der Schwester, sie solle sofort den behandelnden Arzt anrufen. Der Arzt war nicht da, ein Anstaltsarzt nicht zu erreichen. Nach Stunden sagte sie mir, sie haette mit rheinem Arzt gesprochen, der meinte “es waeren sicher nur Haemorrhoiden - no imporfca!”. Die Haemorrhoiden waren klug, sie wussten wo sie sich befanden, und beruhigten sich von allein. 4 HYGIENE Am Tage wurde X-mal die Temperatur gemessen, eine ziemlich unnoetige schwesterliche Taetigkeit, da die Temperaturen nicht im Konnex mit dem Gesamtbefinden gebracht wurden. Mit Grauslen sah ich wie die Schwester ein Thermometer aus dem Koech^r nahm, und mir einfach in dem Mund steckte. So gilng das Messinstrumlant von Mund zu Mund, was ich nicht ganz verstehen konnte und eine i Desinfektion des Thermometers vor Gebrauch verlangte. Dfe Schwester schuettelte nur den Kopf vor soviel europaeische Dummheit. “Das Thermometer ist sauber, denn ich wische es immer mit Watte ab!”. Sie zeigte mir ein kleines Stueckchen Watte, an welchem sie die Quecksilberspitze fluechtig abrieb. Hygiene, wie man sie versteht.. HARTE BOLIVIANER Ich erzaehle der Schwester von deutschen Krankenhaeusem, insbesondere von der langwierigen Ausbildung des Pflegepersonals. Ich berichte von der sterilen Sauberkeit, von dem medizinischen Koennen der europaeilschen Berufsflegerinrten - und einiges mehr ueber dieses Thema. Das Schweseterchen denkt leine Weile ueber das Gehoerte nach und meint endlich: MJa, hier bei uns braucht man nicht soviel herzumachen, der Bolivianer ist halt widerstandsfaehiger als der Europaieer!”. Gesund i(st, wer trotzdem nicht stirbt... ..ABER ES SCHMECKT! Obstipation. Ich verlange eitle wirksame Purgantia. Die Schwester bringt mir eine laxative Harmlosigkeit die ich zurueckweise, da bei mir erfahrungsgemaes nur Drásticas wirken. Die Schwester aber will sich nicht von meinem Wunsch ueberzeugen lassen, denn “Das Mittel ist gut, »ind es schmeckt soo guut!”. Leider Hess sich mein Darm nicht von der schwesterlichen Suggestion beeinflussen... MUSIK ERFREUT.. Sonntag am abend. Ich habe eine grosse Besuch'eranzahl hinter mir und liege nun ermuedet und bin recht ru-! hebeduerütig. Besucher am Krankenbett sind wohltuend, jedoch nur in der richtigen Dosierung; ist diese i ueberschritten, so waechst Wohlthat | zur Wehtat. i Ich will also ruhen. Im benachbari ten Schwesternzimmer spielt “Nationale Musik”. Ich rufe die Schwester j und bitte sie, dass Radio abzustellen. Die musikfreudige Pflegerin aber me- | inte: “Wenn Ihnen das nicht gefaellt, spiele ich Tango!", und schon ging sie! tangei-pfeifend hinaus, j Ich sagte nichts mehr - denn ich > hatte Angst vor Marsch- oder gar I Blas-Musik.. ' AUF WIEDERSEHEN! Schliesslich ueberstand ich die | Operation und die Krankheit, und es i kam der Tag der (ersehnten) En- | tlassung. Ich verabschiedete mich von; ter, die mit herzlichen Haendedruck 1 meinte: I “Auf Wiedersehen, kommen Sie! recht bald wieder!”. Das Krankenhaus liegt zurueck, der Alltag mit allen seinen Pflichten hat micht wieder beim Schopf. Rueckschauend erkenne ich, dass das Hostpital eine ei gebe, sehr eigene Welt! ist, angefuellt mit sehr viel Liebe und | Arbeit, aber auch mit Toerichtheiten. I Nichts ist vollkommen auch im Krani kenhaus steht das Grosse neben dem i Kleinen. Dieses “Kleine!” mit Humor i zu fassen, ist wichtig fuer den Paj tlenten und seinen Behandler. | Lassen wir uns von keinen Situa-; tionen unterkriegen, dramatisieren wir nicht die Dinge sondern bemuehen wir uns, in allem das glitzemd-menschli- I che und das heitere zu sehen, i Quod erat demonstrandum. I LUDWIG K. STARGARDT. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme anlaesslich des Hinscheidens meiner geliebten Frau, unserer unvergesslichen, treusorgenden Mutti, Oma und Schwiegermutti, Frau HELENE ABER geb. HEILBORN (früher Liegnitij/ Berslau) danken wir iaiuf diesem Wege Allen herzlichst. La Faz, im Oktober 1958. Emst Aber Casilla 1884 Jose u. Dorith Sztedn gb. Aber Kurt u.Eva Koziner gb. Aber z. Zt„ Bin- Wilmersdorf und G Enkelkinder m STATT KARTEN! Fuer die vielen Bewiese wohltuender Teilnahme an dem schmerzlichen Verluste, den wir durch das ploetzliche Ableben unseres unvergesslichen geliebten Vaters und Grossvaters, Herrn MORITZ WEINHEBER (Stockholm, frueher Fuerth/Bayem) e.j'ltten haben, danken wir allen Freunden, Bekannten und Organisationen auf das Herzlichste. La Paz, Oktober 1958. Im Namen aller Hinterbliebenen: Alfred Weinheber und Frau Trudl, geb. Schreiber WENN REISEN -- DANN DURCH EXPRINTER IHRE PASSAGEN fuer Flugzeug, Schiff oder Eisenbahn IHRE HOTEL - RESERVIERUNGEN besorgt Ihnen schenellstens, zuverlaessig und preisguenstig SERVICIO MUNDIAL Dt VIAItS EXPRINTER LA PAZ Av. Camacho (Edif. Yugoeslavo) Telef. 2560 u. 9265 HOTEL AUSTRIA Yanacocha 531 a.d.C. Comercio Telef.: 8915 — Casilla 946 IHR Hotel im Geschaeftszentrum von La Paz! 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