Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 9 (1958-1959)
- Issue
- 191 (5.11.1958)
- Date
- 1958-11-05
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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5. November 1958. “DAS ECHO” 3. Arabisch Die juedisch-arabische Situation in Israel ist unhaltbar, und muss zu Katastrophe fuehren. Jerusalem kann sich nicht darauf verlassen, dass von Aussen her (UNO) eine Befriedigung erfolgt; der juedische Staat muss von sich aus alles unternehmen, um zu einer Verstaendigung mit Kairo und andern araebischen Zentren zu gelangen. D'as israelische Aussenamt konnte in letzter Zeit auf einige Erfolge auf dem Gebiet der afrikanischen Zusammenarbeit mit Israel hinweisen, aber diese Erfolge sind zu rar, um als gravierende Erfolge bezeichnet zu werden. “Das Echo” hat bereits viele Male betont, dass es fuer Israel wichtiger ist, im asiatischen Raum Fuss zu fasist, als nach der Pfeife von Undle Sam zu tanzen. Nicht nur die Menschheitszukunft liegt im asiatischen Raum, sondern auch die Gegenwart beweist, dass in Asien (China, Afrika, Arabien) ein grosser kultureller und wirtschaftlicher Aufbruch im Gange ist, und Israel nicht den Anschluss an diese Neugliederungen verpassen darf. Vor allen Dingen ist fuer Israel die freundschaftliche Beziehung zu den arabischen Laendern eine existenzielle Frage. Da der Westen bisher nicht imstande war, freundliche Beziehungen zwischen Jerusalem und Kairo zu schaffen, so muss nun Israel mit aller Energie selbst daran gehen, dass die ewigen arabisch-juedischen Spannungen beseitigt werden. Diese Aufgabe ist nur mit echt orientalischer Geduld zu loesen - aber sie ist zu loesen! Da zur Zeit die arabischen Laender keine Infiltration von israelischer Freundschaft wuenschen und diese Hassbastille im Moment uneinnehmbar erscheint, so muss man diese von Aussen her muerbe machen. Es darf nicht israelischer Privatinitiative Vorbehalten bleiben, den Versuch zu unternehmen, israelischarabische Freundschaft zu konstruieren; dieses Gebiet ist allzu delikat und taktische Fehler koennten hier mehr Schaden anrichten als wie diese Bemuehungen geeignet sind, im Positiven zu wirken Der Staat Isarel sollte mit grossem geldlichen Aufwand in allen juedischen» Zentren der Welt Ligas fuer eine israelisch-arabische Verstaendigung bilden, die unter Kontrolle der zustaendigen diplomatischen Behoerden Israels zu arbeiten haetten. Das Aufklaerungsgebiet waere genau abzustecken und sollte nach und nach erweitert werden. Fuer das erste, sollte man arabische .Studenten taktvoll fuer gesellschaftliche Veranstaltungen gewinnen, bei deren Gelegenheiten Vortraege ueber israelische Kultur und' Wirtschaft zu hallten sind. In diesen Kreisen sollte man israelische Filme projizieren, man sollte mit Literatur werben - in jedem Falle mit Tatsachen mit hieb- und stichfesten Argumenten! Ferner sollte man sich bemuehen, arabischen Kaufleuten den ehrlichen und guten Willen der israelischen Regierung aufzuzeigen, den Frieden im arabischen Raum zu schaffen Hier ist weniger an das Gefuehl sondern mehr an die Vernunft zu appellieren, indem man die grossen Vorteile fuer / arabischen Laender aufzeigt, wenn man auf die israelische Wirtschaftspotenz h¡inweist, die zum Nutzen Pan - Arabiens eingesetzt werden soll. Auch arabische Frauengruppen muessten bearbeitet werden, mit Hinweis auf die grossen medizinischen und sanitaeren Erfolge in lsrael unter besonderer Betonung des israelischen Schul- und Erziehungswesens. Diese Arbeit an der arabischen Aussenfront muesste weitraeumig und mit grossem Geschick durchgefuehrt werden. Immer wieder muesste betont werden dass Israel kein Anhaengsel von Washington oder London ist! sondern ein Staat der ur-traditioneli auf 'arabischem Boden beheimatet ist und nichts sehnlicher wuenscht, als! - Juedische Verstaendigung wflt seinen arabistdhen Nachbarn in Harmonie und Freundschaft zu leben. Es muss klar bewiesen werden, dass der semitische Staat Israel nicht daran denkt, weder heute noch kuenftig, eine Expansionspolitik zu treiben, sondern wuenscht, sich dem arabischen Leben voll und ganz einzuordnen. Diese Propaganda, diese planmaessige Aufklaerung von Arabern im Ausland, muesste zum Nachdenken und zu den gewuenschten Konsequenzen fuehren. Denn diese Araber wuerden nach Hause ueber ihren revidierten Standpunkt berichten, und die in der Heimat lebenden Araber koennten dann im israelischen Sinne wirken. Die israelische Regierung sollte auch an arabische Studenten im arabischen Ausland Einladungen ergehen lassen, Israel zu besuchen, damit diese an Ort und Stelle sich von dem friedliche Aufbau des Landes informieren koennen. i Vorerst wuerde ein Druck von ¡’ Seiten Kairos gegen diese Aufklae- : rung einsetzen, aber er wuerde sich mildern, wenn die israelische Aktion! im grossen Stile und wirkungsvoll ein-! setzen wuerde. Israel soll keinen Kanossag.ang nach Kairo antreten, es soll mit Stolz und Wuerde auf die Realitaeten hinweisen, dass die arabischen Laender viel mehr gewinnen koennen, wenn sie mit Israel gehn als wenn sie gegen diesen progressiven Staat agitieren.. Bei der Pro-Arabien-Werbung sind 3 Punkte wesentlich: Israel gehoert zur arabischen Welt, es wuenscht weder Angriff noch Expansion, es will gemeinsam mit anderen arabischen Laendern arbeiten, um diesen eine internationale Machtstellung zu geben. Israel braucht den Frieden zu seiiner Lebensentfaltung. Da es im Augenblick fast unmoeglich ist die arabischen Regierungen von seinem | guten Willen zu ueberzeugen, so muss diese Aktion von Aussen her geschehen. Das Glueck des Friedens und eine konstruktive isrealisch-arabische Freundschaft, .als wertvoller fuer alle Teile als einen grausamen Krieg zu demonstrieren, allle gutwillig«! Ausland-Araber zu einem anhaltenden israelisch-arabischen Gespraech zu gewinnen, ist eine edle und notwendige Aufgabe, der sich alle Golah-Juden (nach strikten Anweisungen diplomatischer Vertretungen) unterziehen sollten. Die arabische Welt muss fuer Israel gewonnen werden; ist der direkte Weg nicht moeglich, ,so muss ein Umweg unternommen werden! Das israelische Aussenamt sollte sich endlich zu einer grossangelegten Aktion in dem hier kurz skizzierten Sinne entschlossen. Ctirt Ludwig. WIR LESEN FUER SIE: "Das Evgl1. Darmstadt", Frankfurt a. M. “Das Echo” bemueht sich seit jeher, Brifecke fuer ein juedisch-christliches Zusammentreffen zu sein, da es glaubt, dass herzliche menschliche Beziehungen zv/ischen Rassen und Religionen wichtiger und wegweisender sind, als nuechtem-politische Aktionen. Isolation ist sowohl fuer das Individuum, besonders aber fuer eine Gemeinschaft gefaehrlich. Es ist Aufgabe der Juden immer wieder auf das ethische Wollen der Judenheit hinzuweisen, die Auffassungen juedischün Lebens zu klaeren, dte Bereitschaft zu demonstrieren, mit der christlichen Welt gemeinsam an dem Bau eines besseren Menschheitsg'ebaeudes zu arbeiten. . In diesem Sinnt; werden wir laufend Artikel bringen, die christliche Ansischten ueber Judenheit und Staat Israel Naufzeigen. Nachstehender Aufsatz sind die Aussagen dies deutschen Landesbi'- schof Dr. Lilje, einem deutschen Journalisten gegenuebre. Bischof Lilj; war drei Wochen in Israel und berichtet); nach seiner Rueckkehr ueber seine Eindruecke und Erlebnisse im Judenstaat Israel. Begegnung in Israel Ein Gespraech mit Landesbischof D. Dr. Lilje “Was mich am staerksten beeindruck hat”, begann der Landesbischof, “ist der entschlossene Aufbauwille, der das ganze Land durchzieht. Es ist erstaunlich, was dieses von allen Seiten bedraengte und gefaehrdete Land in den zehn Jahren seines Bestehens zuwege gebracht hat”. Der Landesbichof wies dabei auf die Tatsache hin, dass rund eineihalb Millionen Israelis etwa 40 Millionen Arabern jenseits ihrer Staatsgrenzen gegentiberstehen, die immer wieder ihre Ablehnung dieses jüdischen Staates geltend machen. Dabei hat Israel keine eigentlichen Bundesgenossen, wenn es auch mit grossen Geschick versucht, seine internationalen Beziehungen zu festigen .und besonders mit England, den USA und neuerdings auch mit der Bundesrepublik Kontakt zu halten. Das eigentliche Rückgrat des jungen Staatswesens liegt im Lande selbst, in der Tapferkeit und Zaehigkeit der Israelis, ihrem Bleiss und ihrer Organisationsgabe sowie in der Tatsache, dass sie wie Pech und Schwefel Zusammenhalten. “Selbstverstaendlich begegnet”, berichtete der Landesbischof weiter “der Staat Israel (in dem übrigens auch heute noch fast 200 000 Nichtjuden leben) auch inneren Schwierigkeiten. So stehen Teile der jüdischen Orthodoxie nach wie vor auf dem Standpunkt, dass alte Palaestin.a der Staat Gottes sei, und fragen etwa: “Wie kommt ihr dazu, weltlich zu regieren, Steuern zu erheben usw?” Ihnen gegenüber aber steht die weit überwiegende Mehrheit. Sie bejaht den selbstaendigen Staat als Heimstatt der Juden aus vollem Herzen. Das bringt auch die Verfassung von 1949 zum Ausdruck, die in ihrer Praeambel den Dank an Gott für die Erloesung der Juden aus der Verbannung und ihre Rückkehr in die alte Heimat enthaeilt. Jeder nach Israel kommende Jude soll, so ist es in der Verfassung festgelegt, in Israel eine Heimat finden. Israel wird darin zur demokratischen Republik und zum Nationdlheim des jüdischen Volkes erklaert, in dem die •üblichen bürgerlichen Freiheiten garantiert werden. “Der jüdischen Orthodoxie, so sagte D. Lilje weiter, haftet noch etwa ein Drittel der Bevoelkerung an; ein grosser Teil ist religioes liberal, und bei dem Rest findet man nur wenig oder gar keine religioesen Elemente. Immerhin aber ist das gesamte Staatswesen doch jüdischreligioes fundiert. “Das kommt”, so fuhr Landesbischof Lilje fort, “u. a. auch in der Sabbat-Heiligung zum Ausdruck, die mit grosser Strenge gewahrt wird. Ab Freitag 18.00 Uhr ruht aller Verkehr Es ist dann Schluss für einen Tag mit Eisenbahn, Autos usw. Bei ailler Geschaeftst^ichtigkeit, die man den Juden nachsagen mag — in solcher strengen Sabbat-Heiligung zeigt sich doch, dass das Judentum auch heute noch aus tiefen biblischen Quellen lebt. Wo gaebe es eine aehnliche Sonntagsheiligung in einem christlich bestimmten Staat?” Es aeussert sich auch in der Wiederaufnahme der alten hebraeischen Sprache als der Staatssprache. “Und schliesslich kommt die ganze Strenge des jüdischen Glaubens auch in der Personenstandsgesetgebung zum Ausdruck. So hat z. B. 1953 die “Knesset” (Versammlung), das israelische Parlament, ein Ehegesetz auf rein religioeser Grundlage beschlossen. Es gibt danach weder Zivilehe noch Zivilscheidung, sondern nur das Rabbinatsrecht. Es erschwert die Ehe mit Andersglaeubigen ebenso wie die Scheidung und die Wiedervcrheiratung und greift auch in die kirchliche Erziehung über. Der Uebertritt aus der jüdischen Religion zur christlichen Kirche ist theoretisch moeglich, praktisch aber so gut wie unvollziehbar. Für die künftige Entwicklung des isrealischen Staates auf eine echte Demokratie hin darf dieser Problemkreis nicht ungeloest bleiben. Eine echet Demokratie wann nicht ohne echte Religionsfreiheit sein. Auch wenn man Verstaendnis dafür hat, dass Israel seine geistigen Kraefte im gegenwaertigen Stadium nicht zersplittern kann, sondern zusammenfassen muss, darf diese Aufgabe nicht ausgeklammert werden”. Einen Hass gegen Deutschland hat Landesbischof D. Lilje in Israel nicht angetroffen. Im Gegenteil: Es gibt in Israel, vor allem unter den Akademikern, viele, die mit Achtung und Dankbarkeit von dem sprechen, was ihnen Deutschland einst gegeben hat. Aber sie bleiben doch im Lande. Und die Welle des Zuzugs, die unfreiwilig durch die Judenverfolgungen oder freiwillig durch die Bewegung des Zionismus in den letzten Jahrzehnten Hunderttausende von Juden aus aller Welt nach Israel getragen hat, ist noch keineswegs abgeebbt. Auch heute noch erhaelt Israel laufend Zuzug. Sie alle wollen in das Gelobte Land zurück, und es muss ergreifend gewesen sein, sagte der Landesbischof, als etwa diese Juden aus Yemen, die noch nie ein Flugzeug gesehen haben, geschweige denn bestiegen hatten, auf dem Fluge über das Rote Meer nach Israel die alten biblischen Lobgesaenge anstimmten: Gott zu loben, dass er sie in das .alte Gelobte Land führe. Dr. Jürgen Bachmann Unser Herausgeber musste sich einem chrirugischen Eingriff unterziehen; demzufolge erscheint diese Ausgabe verspaetet. Wird bitten unsere Leser diesen Lieferungsverzug freundlichst zu entschuldigen. Revista DAS ECHO.