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Das Echo · 1958-10-15 · 190 (15.10.1958) · p. [Seite 3]

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Journal
Das Echo
Volume
9 (1958-1959)
Issue
190 (15.10.1958)
Date
1958-10-15
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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15 Oktober 1958. DAS ECHO 3. Israel, in christlicher Sicht: ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■hmmhhhhhhhhhhhhhh1110"11"1111"1"111111 Vor einigen Jahren war man einer Anerkennung Jerusalems durch Bonn naeher als heute. Der israelische Ministerpräsident hat des Oefteren beteuert, dass Israel Wert darauf lege, diplomatische Beziehungen mit West- Deutschland zu unterhalten. Immer aber wurde von deutscher Seite die Installierung dipiomtischer Beziehungen mit Israel verzoegert, nicht zui'et^t. durch den politischen und diplomatischen Einfluss von Karo. ¡*“1 sichtsnahme auf arabische Staaten, dieses Fehlen von hat ies bisher verhindert, dass Bonn den juediMhm Wir entnahmen den “Nuemb'erger Nachrichten folgenden mteres santen Aufsatz: WARUM Z0E6ERT BONN?.. Der israelische Delegierte auf dem Stuttgarter SPD-Parteitag, Dr. Berger, hat in seiner Begrüssungsrede eine Wendung gebraucht, die in der Bundesrepublik beachtet .werden sollte. Er sagte, dass man in Israel eine deutsche Wirtschaftshilfe an die arabischen Laender grundsaetzlkh begrüsste; aber er fügte auch hinzu, dass mit einer solchen Wirtschaftshilfe “nicht eine politische Benachteiligung für demokratisch regierte Staaten” parallel Haufen sollte. Man müsse im Gegenteil für die Herstellung eines “politischen Gleichgewichts in dieser Region” sorgen. Dr. Berger meinte damit, dass die Bundesrepublik Israel ebenso diplomatisch anerkennen sollte, wie es die arabischen Staaten anerkannt hat. Die israeilische Mahnung scheint sehr angebracht zu sein. Denn aus Kairo GLOSSF: Die deutsche Polizei Eine Korrespondenz, die sich mit jüdischen Fragen befasst, hat eine Statistik aufgestellt, die zu denken gibt. Es ist eine Statistik der Schaendung jüdischer Friedhoefe in der Bundesrepublik im Jahre 1957. In diesem Jahr wurden 47 Schaendungen jüdischer Friedhoefe festgestellt. Es wurden 350 Grabsteine demoliert, Graeber umgepflügt und mit Unrat besudelt. In all diesen Fael'len hatte die Polizei, nach offizieller Feststellung, umfangreiche Nachforschungen angestellt und auch Belohnungen für die Namhaftmachung der Attentaeter ausgesetzt. Die Korrespondenz kommentiert dies nicht. Sie zitiert nur eine deutsche Fachzeitschrift, in der es heisst: “Die Potlizesi in der deutschen Bundesrepublik ist wieder wie früher auf der Hoehe der Zeit. Sie ist schlagkraeftig, überaus gewissenhaft, und es gelingt ihr in der Mehrzahl der kriminellen Affairen sehr schnell, eine Aufklaerung herbeizuführen und die Taeter dingfest zu machen. Sie gilt alls eine der besten und erfolgreichsten Europas”... (DAZ) sowjetisch gestützte ' Koalition den Frieden im Orient braeche. Die Bundesrepublik würde zusammen mit allen westlichen Laendern bitter die tragischen Folgen spüren, die neue mitteloestliche Wirren um Israel haetten. Das machen sich vielleicht jene Beamten in Bonn nicht klar, die romantisierend von der traditionellen deutscharabischen Freundschaft sprechen. Wir müssen wirklich alles tun, um die Beziehungen zwischen uns und den Arabern zu verbessern, wir müssen ihnen alle erdenkliche wirtschaf tliche Hilfe gewaehren, und wir müssen die arabischen Sympathien gegenüber Deutschland — aus wie trüben Quellen und wie grossen Missverhältnissen sie teilweise auch stammen moegen — ,als Guthaben des gesamten Westens betrachten. Aber diese Verbesserung der Beziehungen muss auf dem Boden der Tatsachen erfolgen. Zu diesen Tatsachen gehoert auch, dass jeder zweite Bürger Israels vor den Gaskammern der Nazis geflüchtet ist oder den groessten Teil seiner Familie in Hitlers Konzentrationslagern verloren hat. Zu diesen Tatsachen gehoert ferner, dass die Stellung der Bundesrepublik in der Weilt mitnichten nur auf ihren Produktionszahlen beruht, sondern ebenso auf ihrer Entschlossenheit, moralisch von der Vergangenheit abzurücken. An diese zwingende moralische Verpflichtung denken wohl jene nicht, die gelegentlich erk’laeren, die Bundesrepublik solle sich in dem arabisch-israelischen Konflikt “neutral” verhalten. Neutral koennten sich allenfalls Polen, England, Venezuela und die Schweiz erklaeren, die alle Israel anerkannt haben, nicht wir. Ist ein Akt der Selbstreinigung für das Bewusstsein eines Volkes vielleicht weniger wichtig als eine eventuelle Exportsteigerung um ein halbes Prozent? Es ist in der Vergangenheit —und nicht ohne Grund— die Befürchtung geaeussert worden, eine deutsche Anerkennung Israel werde zur sofortigen Anerkennung Pankows durch die arabischen Staaten führen. Dieses Argument ist, wie man weiss, auch auf israelischer Seite verstanden worden. Aber es wird immer weniger stlchhaltig. Es war sinnvoll so .lange, wie die deutsche Wiedervereinigung nach westlichen Vorstellungen im weltpolitischen Gespraech lag. Eine Anerkennung Pankows durch neutrale Staaten haette unter diesen Umstaenden die westliche und bundesrepublikanische Verh.a n dl u n gsp osi ti o n e rsc h w eren koennen. Aber heute sind die Traeume von einst verflogen. Die Welt und die Bundesrepublik finden sich damit, ab, dass die Teilung einstweilen —oder jedenfalls mit den bisherigen Vorstellungen— nicht zu überwinden ist. Die kompromisslose sowjetische Rückendeckung hat den ostdeutschen Teilstaat für uns in gesamtdeutschen Fragen leider zu einer Realitaet gemacht. Diese Realitaet wird schwerlich grosser oder geringer werden, wenn einige .arabische Staaten sich zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem SED-Regime veranlasst sehen sollten. Kann die Drohung mit der Anerkennung für uns noch ein Schreckgespenst sein, wo die schrecklxhe Realitaet doch schon eingetreten zu sein scheint? Das sind die Gründe, derenwegen die Bundesrepublik mit der Anerkennung Israels nun nicht mehr zoegern sollte. Es muss moeglich sein, den arabischen Staaten die Gründe für diese Haltung plausibel zu machen. Eine offene deutsche Erklacrung dazu werden sie ebenso respektieren, wie sie ja die Anerkennung Israel durch alle wichtigen Nationen der Welt respektiert haben. Und wir werden ihr Verstaendnis um so eher finden, wenn wir uns mehr als bisher um ein grosses wirtschaftliches Hilfsprogramm der westlichen Welt für den Mittelosten kümmern würden, um einen europaeischen Marshallplan für alle Laender dieser Region, der zur politischen Sanierung dieses Raumes beitragen würde. Israels dritte Generation Von Dr. Christoph Freiherr von Imhoff dringen Berichte nach Deutschland, die merkwürdig berühren. Die Bundesrepublik soll danach gleichzeitig mit der Gewaehrung des 400-Millionen-Mark-Kredites den Aegyptern versprochen haben, Israel in der voraussehbaren Zukunft nicht diplomatisch anzuerkennen. Treffen diese Berichte zu, so waeren sie ein Beispiel dafür, wie direktionslos unser diplomatisches Schifflein in den aufgeregten Wellen der Mittdostpolitik schaukelt. Statt mit unseren wirtschaftlichen Moeglichkeiten zur Stabilisierung des Mittleren Ostens beizutragen, würden wir durch solche Erklaerungen die die Unruhe noch foerdern. Denn sie waeren geeignet, jene arabischen Revisions- und Revanche-Hoffnungen anzufeuern, die den Mittleren Osten zur gefaehrlichsten Ecke der Welt machen. Der Westen ist auf vielfache Weise mit dem Staat Israel verbunden. Er kann ihn nicht fallen lassen, wenn morgen etwa eine übermaechtige, Israels Stabilisierung als Staat, sein langsam anwachsender Reichtum, der Erfolg seiner zaehen Arbeit —das alles ist den Syrien ebenso ein Dorn im Auge wie den Jordaniern und den Aegyptern die Moeglichkeit einer Kultivierung des Neveg. Die Araber befürchten -nicht ohne Grund, dass dies eines frühen Tages Rückwirkungen auf die arabische Welt haben werde. Vielleicht haben Jordanien, Aegypten und Syrien deshalb das Maerchen vom “israelischen Imperialismus” erfunden. Vielleicht glauben sie, mit ihm die Strahlkraft des jungen Staates gegenüber der Nachbarbevoelkerung in Syrien, Jordanien und Aegypten in ihr Gegenteil verkehren zu koennen. Viele der rund 150 000 Mohammedaner, die im Staate Israel leben, leugnen diese Strahlkkraft nicht. Mit einem ihrer Klügsten habe ich mich fn Akko in seinem Amtszimmer unterhalten. Es war der Kadi, der keineswegs etwm ein blinder Parteigaenger der Juden ist. Er meinte, dass an den arabisch - israelischen Spannungen keineswegs ausschliesslich d:e Araber die Schuld trügen: “Auch Israel ist manchmal zu hart in seiner Auffassung gegenüber den Arabern, zu starr in seinen politischen Forderungen”. Aber er sagt selbst, dass das Zusammenleben beider im Staate Israel beispielgebend sei. Der Staat laesst den Moslems voellige reliigioese Freiheit. Dankbar erkennt er an, dass die Stadt Akko 80000 israelische Pfunde in die Restaurierung der alten Moschee gesteckt habe, dass die Mohammedaner politisch gleichberechtigt seien und als kleine Minderheit sogar den stellvertretenden Bürgermeister stellten. Wie leicht haette es sein koennen, dass sich gerade in dieser Stadt mit der groessten mohammedanischen Minderheit in Israel die aussenpolltischen Spannungen auch innenpolitisch auswirken. Aber der Bürgermeister und sein Stellvertreter, ein Jude und ein Mohammedaner bekunden in langen Unterhaltungen’ dass es im Zusammenleben der Menschen “keine Probleme” gibt. Im Bazar erfahre ich, das« genügend Geschaefte von Juden und Mohammedanern gemeinsam betrieben werden; im Spital, dass jüdische und arabische Pfleger gemeinsam ihre Patienten betreuen; in den Schulen, dass die mohammedanischen Eltern genauso für die Schulpflicht eintreten wie die jüdischen; in technischen Fachschulen, das der junge begabte Araber gleichberechtigt neben dem Juden sitzt. Ja, vielleicht ist es sogar der groesste Erfolg dieser sehr behutsamen Nationaliteaetenpolitik, dass die mohammedanischen Frauen sich von der Richtigkeit einer hygienischen Fürsorge überzeugen Hessen und ihre von den Geboten des Korans herrührende Scheu gegen den Arzt überwunden haben. Jahrelang waren seither die Betten in den Krankenhaeusern mehr von Arabern als von Juden besetzt. Aber man kann nun auch im Norden wie im Süden des Landes — und da wieder besonders unter den Beduinen — feststellen, dass die unter den Mohammedanern grassierende Seuche der Lungentuberkulose überwunden wird. Das wird von den Moslems anerkannt. Die Juden zeigen für dieses Zusammenleben ein erstaunliches Verstaendnis. “Wir wollen in den Mohammedanern keine Minderwertigkeitskomplexe hochkommen lassen. Wir wollen nicht, dass sie sich in ihrem Selbstbewusstsein gehemmt fühlen; denn wir wissen, was es heisst, als underdrückte Minderheit in fremden Staaten leben zu müssen”. Das war ■ der Kommentar, den mir der aktive und phantasievolle 42jaehrige Joseph Gadisch, der Bürgermeister von Akko, dazu gab. Wohl auch aus dieser Haltung und Ueberzeugung heraus haben die Juden in den zweieinhalb Monaten der Besetzung von Gaza durch israelische Soldaten eine “Politik der zarten Hand” walten lassen, die in allen arabischen Staaten bis zum heutigen Tag ein erstaunlich positives Echo ausgeloest hat; ein viel nachhaltigeres als die rasche Niederwerfung der aegyptischen Armee auf der Halbinsel Sinai. Denn hier wurde und wird vor aller Augen die voellige Gleichberechtigung .aller Araber in der politischen Praxis des Alltags durchexerziert. Un das ist gleichbedeutend mit einem tiefen Einbruch in die feudälische Gesellschaftsordnung, wie sie bis zum heutigen Tag jenseits der israelischen Grenzpfaehle von den regierenden arabischen Schichten aufrecht erhalten wird. Nur die Furcht vor den sich daraus ergebenden Folgen erklaert die eiserne Abriegelung des Staates Israel durch die arabische Nachbarwelt. Nur sie erklaert auch die bewusste Diskreditierung des Juden, wie sie in den arabischen Flüchtlingslagern in Aegypten, Syrien und Jordanien und in den daraus rekrutierten Todeskommandos auf israelischem Boden gepflogen wird. Der Kadi von Akko kommentierte es kurz, diplomatisch und treffend mit dem Satz: “Die Araber verhalten sich gegenüber den Juden noch nicht richtig. Das Flüchtlingsproblem spielt dabei eine grosse Rolle”. Aus einem Artikel in der “Aussenpolitik“ (Zeitschrift für internationale Fragen), Stuttgart.

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