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Gross-Berliner C.V.-Post · 1926-02-07 · 3 (7.2.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gross-Berliner C.V.-Post
Volume
1 (1925-1926)
Issue
3 (7.2.1926)
Date
1926-02-07
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Das beste Mittel wäre: Zwang zur Beweisführung Von Stadkv. Max hake (Mrifchaslspariei). In Verfolg Ihrer gef!. Zuschrift vom 15. d. M. teile ich Ihnen ergebenst mit. daß meiner Ansicht nach das dcutschvölkifche Treiben in Berlin als überwunden anzufchen ist. Wenn man das Gebaren des Herrn Kunze und Genossen betrachtet, so muß jeder anständig denkende Mensch sich davon abgestoßen fühlen und die Schaumschlägereien . dieser Konsorten möglichst weit sich vom Leibe halten. Im Stadtparlamcnt selbst hat meines Erachtens nach dieser Herr mit seinem kleinen Anhang stets nur Lächerlichkeit erregt und wird von niemandem ernst genommen. Da es nun leider einmal so liegt, daß derjenige, der am meisten schimpft, auch Anhänger hat. so ist Ihre Vermutung richtig, daß die augenblickliche Arbeitslosigkeit und schlechte wirtschaftliche Lage van diesen Herrschaften als Sprungbrett benutzt wird, jedoch möchte ich behaupten, daß es in Berlin und auch sonst . sehr wenige Personen gibt, die sich durch die Tiraden der Deutschoölkischen einfangen lassen. Wirksam ealgegenzulrelen wäre diesem fchamkosen Trüben meines Erachtens, wenn es gelingen würde» diese Herrschaften zur Deweissührung ihrer Behauptungen zu zwingen. Auch ließe sich sehr gut Nachweisen, daß unter den in Konkurs geratenen Firmen und die damit verbundenen Geldverluste si) sehr viele jüdische Mitbürger befinden. Wer 6k Mgenö vergiftet/ ist ein Verbrecher Von Sladlv. De. Siegfried kawerau (SPD.). Die Betriebsamkeit der deutschvölkischen Bewegung ist zurzeit gesteigert. Es handelt sich um krampfhafte Zuckungen, die für die Welt der Erwachsenen kaum Anlaß zu besonderer Besorgnis bieten. Gefährlicher sind die leider häufig erfolgreichen Versuche, auf die Jugend Einfluß zu gewinnen. Wer Haß gegen Menschen anstatt freudigen Kampfeswillens gegen Mißstände und finstere Gewalten in die Jugend sät, ist ein Verbrecher. Die wirksamste Bekämpfung solcher krankheitsfympkome am sozialen Körper ist höchste _soziale Pflichterfüllung aller Einsichtigen. und das heißt weiter: Selbstbeschsldung auf die notwendigsten Bedürfnisse, Abgabe aller entbehrlichen Mittel für die ungeheure Not; Vermeidung aller Personalentlassung selbst unter Opfern. Nur unter diesen Voraussetzungen kann auch die Kommune Groß- Berlin erfolgreich arbeiten. Produktive Erwerbslosenfürsorge ist hier das Kernproblem. Dazu muß kommen: Großzügige Kulturpolitik für Erwachsene und für die Jugend: (z. B. Offenhaltung der Städtischen Büchereien, planmäßige Versorgung der Bevölkerung mit guter Lektüre, Sammlung und Beaufsichtigung der schulfreien Jugend an den Nachmittagen in geheizten Räumen, Unterstützung aller Art von Körperpflege). Oeffentliche Speisungen (mit Unterstützung aller derer, die noch etwas abzugeben haben,) find im Augenblick die notwendigste vorläufige Hilfe. Nur wenn auf diese Weise der soziale Boden vor Versumpfung geschützt wird, werden auch die Sumpfpflanzen absterben. I)er C.V. ist die Gewerkschaft der deutschen Juden. Ihr muh jeder deutsche Jude angehören, der nicht sich selbst verneinen will. Er muß ihr angehören „mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele". Wer sich so um unsere Buhne schart, wird auch den noch Außenstehenden das Bewußtsein beibringen, daß sie sich gegen sich selbst versündigen, wenn sie sich nicht zu uns bekennen. Jeder, der von diesem Geiste erfüllt ist, wird ohne weiteres unser Werber. Sei jeder dieser Pflicht sich bewußt. Justizrat Dr. Julius Brodnitz, 1. Vorsitzender des Central-Vereins. Anö frag! gar nicht warum ... Van Skadlv. Adolf H o f s m a n n (SPD.). Man schreit: „der Jude wird verbrannt!" Und fragt gar nicht, „warum?" Im freien deutschen „Denker"-Land Ist das nicht mehr wie dumm? SLmUsbürgerlLche Gesinnung in Behöröen unÜ Schuten Von Skadlv. Hugo S om m e r (DDP.). Jede Förderung des Raffen- und Klafsenhasies ist schon in ruhigen und sicheren Zeiten zu verwerfen; ln der Zeit der großen Bot des deutschen Volkes ist dis Auspeitschung der Mafseninstinkle ein Verbrechen. Zur Abwehr des gemernschädlichen Treibens haben sich gesetzliche Verbote als unzulängliche Mittel erwiesen; sie haben in der Regel den Widerstand verstärkt und zu gefährlicher Geheimbündelei geführt. Notwendig ist eine gesunde staatsbürgerliche Gesinnung, die von den Behörden. Schulen und Erziehungseinrichtungen planmäßig geweckt und gepflegt werden muh; insbesondere die Heranwachsende Jug-md muh zu staatsbürgerlicher Gesinnung — die jede Verhetzung an sich ansschließt — erzogen werden. Energische Bekämpfung öer Kot! Von Sladlv. Dr. Siegfried Weinberg, Mitglied des Slaatsrals (SPD.). Die deutfchvölkischen Demagogen haben in der Berliner Stadtverordnetenversammlung noch niemals irgendwelche Beachtung gefunden.' Die Wortmeldung eines dieser Apostel der Dummheit bildet stets ein Signal für eine allgemeine Flucht aus dem Sitzungssaal. Nur die furchtbare Not, die nicht nur im Proletariat, sondern auch in weiten Kreisen des früheren Mittelstandes herrscht, und die sittliche Verwilderung durch den Krieg waren imstande, die Denkfähigkeit eines Teils der Bevölkerung so völlig auszuschalten, daß derselbe sein Heil bei Menschen vom Schlage Richard Kunzes suchte. Las Ende der allgemeinen Bot wird auch das Ende der deutschvölkischen Bewegung bedenken. Die Stadt kann m. E. am wirksamsten dem hetzerischen Treiben der Deutschoölkischen entgegentreten, durch energische Bekämpfung der Not, insbesondere der Arbeitslosigkeit. Daneben mühten die städtischen Behörden selbstverständlich in ihrem Bereich unerbittlich gegen alle judenskindlichen liebergriffe vorgehcn. Für besonders wichtig halte ich die Bekämpfung des deutschvölkischen Ungeistes, der sich noch immer in einem Teil unserer Schulen breit inacht. Das Hefte Kampfmittel rst öie Aufklärung Von Skadlv. Redakteur M. kayfer (SPD.). Der Judenhaß, den die Völkischen predigen, ist ein Atavismus. Was im Mittelalter verständlich, wenn auch nicht berechtigt war, ist heute sinnlos. Bei der geistigen Verfassung der Völkischen wäre es aber auch Unrecht, von ihnen zu verlangen, daß sie ihr Treiben logisch begründen. Es ist bekannt, daß nach dem Dreißigjährigen Kriege Banden von Landsknechten, die durch den Friedensfchkuß erwerbslos geworden waren, das Land durchzogen. um auf eigene Faust den Krieg fortzusetzen. Mit jenen Elementen sirrd unsere Deutschvölkischen am ehesten zu vergleichen, wenn sie auch ihr Treiben selbstverständlich den modernen Verhältnissen angcpaßt haben. Den modernen Zeitläuften entsprechend muh auch der Kampf gegen diese asozialen Zeitgenossen geführt werden. Sie bilden, wenn sie auch viel Lärm verursachen, doch nur eine kleine Minderheit in der Bevölkerung und man muh es vermeiden, ihnen durch übertriebene Beachtung eine größere Bedeutung zu geben, als ihnen zukommt, oder ihnen sogar durch besondere gesetzgeberische Maßnahmen Märtyrerkronen zu winden. Von Polizei und Justiz mutz allerdings verlangt werden» daß sie deutschvölkischen Exzessen gegenüber in unparteiischer Weife ihre Pflicht erfüllen. Leiocr jst es, wie so viele Beispiele bewerfen, auf diesem Gebiet nicht zum besten bestellt. Deshalb ist auch der republikanische Selbstschutz, wie wir ihn im Reichsbanner „Schwarz-Rot-Gokd" haben, notwendig und zurzeit noch nicht entbehrlich. Dem völkischen llebennut wird ein heilsamer Dämpfer aufgesetzt durch die Tatsache, daß organisierte Kräfte vorhanden sind, die sie mit ihren eigenen Waffen schlagen. Das Reichsbanner ist eine Schutz- und Abwchrorganisation. Es soll nicht provozieren, aber Provokationen gegebenenfalls mit gebührender Deutlichkeit zurückweisen. Das beste Karnpfinittel gegen das gemeinschädliche Treiben der Völkischen aber ist die Aufklä - r u n g. Das geistige Rüstzeug hat sich auf die Dauer noch immer als stärker erwiesen als die rohe Gewalt. Aber auch das soziale Moment darf nicht außer acht gelassen werden. Die arbeitende Bevölkerung leidet furchtbar unter den Folgen des Krieges. Die Massenarbeitslosigkeit ist eine Geißel, unter deren Schlägen sich leicht gesunde Vernunft und ruhige Uebcrlegung verflüchtigen. Sie ist der beste Zutreiber für die extremen Parteien. Wenn es auch über die Kraft des einzelnen geht,' diese böse Kriegsfolge zu beseitigen, so sollte doch jeder nach seinen Kräften dahin wirken, daß nicht die allgemeine Not durch besondere Härten verschärft wird. Die deukschvölkifche Bewegung ist eines der Geschwüre am Volkskörper, welche die Nachkriegszeit hervorgebracht hat. Sie wird mit der wirtschaftlichen Wiodergesundung des Volkes verschwinden.

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