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Gross-Berliner C.V.-Post · 1926-02-07 · 3 (7.2.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gross-Berliner C.V.-Post
Volume
1 (1925-1926)
Issue
3 (7.2.1926)
Date
1926-02-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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0 ROS S BERLIK IE Nr. 3 ppft 7. 11 . 26 Islachriehfenäiensf* des Verbandes Groß-Berliner Örhsqruppen* des CenFral-Verems aQuhscherS|~aarsbürgerjüdischen GIootzens e.V„ Führer der großen Parteien antworten auf eine Rundfrage der „C.V.-Post. Aue Einführung Vsn Dr. Bruru» Glasecfeld. Nachdem seit November 1918 der inner» politische Burgfrieden der Kriegszeit einem heißen politischen Ringen in unserem Laterlande Platz gemacht hat, haben die unentwegtesten Gegner des netten Staates keine Stunde vorübergehen lassen, um dem Volke klarzumacheil, daß die Juden seit neunzehnhundertsechsundzwanzig Jahren die Ursache allen Elends seien: sie sind die Väter der Revolution, sie sind die Drahtzieher des Versailler Friedensvertrages, sie haben die fürchterliche Inflation verschuldet! Leider hat das deutsche Volk diesen törichten Worten während der letzten Jahre öfters ein zu williges Ohr geliehen und es gelang den Volkeverführern, den Judenhaß aufs äußerste anzustacheln. So fiel unser Rathenau, der in prophetischer Gabe den politischen Weg vorgezeichnet hatte, den Deutschland in der Tat gegangen ist: das ganze Volk hatte in Genua seinen Worten beifällig gelauscht, aber den halbwüchsigen, unreifen „deutschen Helden" war er nur der verhaßte Jude, der fallen mußte. Immer höher schlugen die antisemitischen Wellen: die Reichstagswahlen, am 4. Mai 1924 brachten mehrere Dutzend reiner Antisemiten in den Wallotbau. Die Stabilisierung der Mark, die seit Unterzeichnung des Dawes-Abkommens gefestigte äußere Politik, die Gründung des Reichsbanners, das Einschreiten der staatlichen Polizei ließen den Antisemitismus der Straße abflauen. Aber man glaube nicht, daß unsere Gegner nach ihren verschiedenen Mißerfolgen und nach der Absage, die das deutsche Volk bei der Reichstagswahl Dezember 1924 ihnen erteilt hat, in der Verbreitung des Judenhasses Nachlassen. In Wort und Schrift versuchen sie ihre Unwahrheiten, ihre hetzerischen Verleumdungen in alle möglichen Kreise des deutschen Volkes yineinzubringen und das antisemitische Gefühl in die Gemüter aller derjenigen, die von der jetzigen Wirtschaftsnot betroffen sind, zu senken. Wir deutschen Juden sind auf der Wacht. In diesem stillen Kampf stehen wir ebenso unseren Mann, wie in der offenen politischen Schlacht, lind so wird es den völkischen Organisationen in Groß-Berlin und ihren Mitläufern nicht gelingen, die gewaltige Wirtschaftsnot dieses Winters zu parteipolitischen Geschäften zu mißbrauchen, wenn wir im C.V^ auf den» Posten sind. , Um zu erforschen, ob diese unsere Anschauung von den im Mittelpunkt de» kommunalpolitischen Lebens unserer Reichs- Hauptstadt stehenden Persönlichkeiten geteilt wird, hat die Schriftlettung der „C.V.-Post" Groß-Berltner Stadtverordneten folgende zwei Fragen vorgelegt: 1. Me beurteilen Sie das deukschvölkifche Treiben in der Reichshaupkstadt? 2. Inwieweit konnte in Wahrung des Ansehen» der Reichshauptstadt einem fortqefehtea hetzerischen Treiben dieser kreise durch oie Staat wirksam entgegLagctretea werden? Aus der Fülle der eingegangenen Antworten können wir des Rauinmangels wegen nur einige veröffentlichen. liest vor den Mitgliedern und Freunden des Verbandes Groß - Berliner Ortsgruppen aus Bibel und Klassikern. Nicht nur auS Berlin, sondern auch aus Nachbarstädten, die geeignete Eisenbahnverbindung haben, sind Karten für diese Veranstaltung an» 11. Februar in der „Gesellschaft der Freunde", PotdamerStr.9, bestellt worden. Sichern Sie sich sofort durch Anruf im Landesverband Groß - Berlin (Amt Dönhoff Nr. 3593) einen numerierten Plah, da nur noch wenige Plätze frei sind. Preis M. 1.59 (für den Kampffonds). Einge leitet wird der Jrene-Tciesch-Abend durch eine Ansprache des Direktors des Centralvereins Dr. Ludwig Holländer Der C>H. als unersetzliche Organisation im Kampfe gegen ömAuöerrhass Von Lehrer Hans Woywod. Stadtv. der SPD. Das deutschvölkifche Treiben in der Retchshauptstadi äußert sich hemmungsloser und gewalttätiger als in der Provinz. Dort —< abgesehen von den bekannten Brennpunkten der antisemitischen Hetze, wie München und einigen Orten Ostelbiens — ist es fast ausnahmslos möglich, ruhig angehörte kritisch« Ausführungen zu völkischen Referaten zu machen: hier kennt ja einer den andern, also sind auch die wenigen jüdischen Volksgenossen, die in den Provinzsiädten wohnen, der Umwelt in ihrer Wesensart und Lebensweise bekannt, so daß vielleicht ein Gefühl der Beschämung bei dem nicht von vornherein verhetzten Teil der Zuhörer einer völkischen Versammlung dem Gegenredner den Resonanzboden bereitet. — Ganz anders in der Großstadt! hier ist man in völkischen Versammlungen hübsch unter sich, und die wenigen Andersdenkenden, die etwa im Gedränge des Wahlkampfes oder durch Schlepper in derartige Veranstaltungen geraten, sind durch das Trommelfeuer der antisemitischen Schlagrind Hetzworte von den anfeuernden Schlagaus der Anhängerschaft des Redners derart betäubt, daß sie stillschweigend die hanebüchensten Lügen anhören, ohne zu widersprechen. Das bekünre ihnen auch meist schlecht: ich habe hochelegant gekleidete Damen mit Schirmen auf einzelne Gegner losgehen sehen, die Widerspruch gegen die Ausführungen eines ihrer „arischen" Halbgötter wagten -natürlich nur in Versammlungen, in denen das erdrückende Uebergewicht auf ihrer Seite war. — Ich wurde in einer von etwa 1300 Menschen besuchten Versammlung regelrecht niedergebrüllt, als ich mit ruhigen, maßvollen Worten gegen die unsäglich verhetzenden Ausführungen eines antisemitischen Pastors Stellung nahm, und wurde vor tat* lichen Angriffen nur durch das Eingreifen einiger beherzter Männer aus der Versammlung geschützt, die mich von meiner politischen und sozialen Tätigkeit her kannten. — Etwas ruhiger ist es ja in der letzten Zeit in derartigen Versammlungen geworden; denn die abstoßenden Roheitsszenen, die so oft den Abschluß bildeten, haben vernünftig denkende Zuhörer hinausgeekelt, so daß man noch mehr unter sich ist. Der R.ichetagrabgeordnele

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