Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 21 (15.1.1883)
- Date
- 1883-01-15
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS «JÜDISCHE CENTRALBLATT. 243 [Lev. 23. 26. Kus. 3. 4], der uns unsere Ohnmacht und Schwäche gegenüber der göttlichen Vollkommenheit fühlen lässt, und uns zur inneren Achtung und Ergebenheit, zur Demuth und Bescheidenheit anleiten soll, jenen Tugenden, die wenn sie im Judenthura freiwillig selbst im Wohlstande gegen die Feinde sogar geübt würden, nach der Ansicht des J. H. dessen baldige Erlösung aus der Verbannung bewirken mussten (1, 115. 4, 23). Die beängstigenden Erscheinungen, unter welche sich Gott am Siani offenbarte begründet die Thora mit den Worten: „Damit Seine Furcht auf eurem Antlize sei und ihr nicht sündigen sollt." Mit der hier ausgesprochen Wichtigkeit des des Moments der Einschüchterung rechtfertigt J. H. die in der Bibel vorkommende Darstellung Gottes in lieblicher Gestalt, die ihm beigelegten Prädieate, die erhabene Schilderung seines herrlichen Haushaltes bei dem Propheten, selbst seine Massbestimmung bei dem Kabbalisten (Buch Rasiel) weil in alldem etwas enthalten ist, was die Furcht in unserem Gemüthe einführt und diese dort gleichsam verkörpert. (4. 3). Unglaubwürdig ist die Behauptung der Philosophen, dass wenn Gott durch das Wissen seiner Einheit, Allmacht, Allweisheit, A2Jschöplung, Welterhaltung, Bedürfnislosigkeit in unser Bewusstsein einkehrt, zugleich schon die Furcht vor ihm einzieht und wir daher diese Versinnlichung nicht brauchen (3, 4). Denn die Erfahrung lehrt es, dass die menschliche Seele vor einem Schrecken erregenden Wesen nur dann sich fürchfet, wenn dieses wirklich vorhanden ist, nicht aber wenn von diesem blos wirklich erzählt wird, ebensowenig wie die blosse Erzählung von einer schönen Gestalt uns mit Liebe zu ihr erfüllt. Können wir doch nicht einmal den Inhalt des gewohnten Gebotes in Gedanken zusammenfassen, ohne dieses zu lesen, ja nicht einmal bis Hundert im Kopfe zählen, ohne die Zahlen auszusprechen, bosonders wenn sie von verschiedenen Gattungen sind. Ebensowenig können wir unsere Gedanken ordnungsgemäss verbinden und mit dem Verstände alle zur Gottheit gehörenden Begriffe erfassen, ohne sie an etwas Wahrnehmbares zu stützen; es sei ein ihnen ähnliches Wort Schriftzeichen oder sonst vorgestelltes Bild. Entbehrend solche sichtbare Erscheinungen und bewegliche Gestalten (ril^m JW£H:3 könnten wir unmöglich unsere Begriffe der Reihe nach zusammenhalten. Diese Stützpunkte des Denkens sind für den Gottbegeisterten die Antropomorphismen. Wenn er sich Gott nnter einer prachtvollen majestätischen Gestalt denkt, mit Werkzeugen ausgerüstet, die auf Macht deuten wie die ausgestreckte Hand, das gezückte Schwert, Wind, Blitz, Donner; wenn er die ganze Natur Menschen, Engel als seine gehorsamen Diener betrachtet, wie sie vor ihm sich beugen und demüthigen, seine Worte vollführen, dann veranschaulicht er sich hiedurch in einem Augenblicke seine Grösse, Allmacht, Barmherzigkeit, Weisheit, Existenz Ewigkeit, Herrschaft und Heiligkeit, fühlt er sich von dem Allgegenwärtigen umgeben, und Furcht und Liebs prägen sich fürs ganze Lebeu in seiner Seele ein. Der TJnterschied zwischen der abstracten und an Concretes. Empirisches sieb ansehenden Vorstellung von Gott wird am deutlichsten durch die Differenz gekennzeichnet, welche zwischen den durch eigene Anschauung von einem Bande und dem vom Lesen und Hören empfangenen Eindrücken besteht. Was jener in einem Augenblicke uns darbietet, das erzielt oft nicht ein ganzes Buch. Dieses gibt uns keinen einheitlichen Gesammtüberblick, weil man nicht gleichzeitig zwei verschiedene Dinge schildern kann, und wenn ja, man diese nicht auf einmal anhören kann. Das Gelesene oder Gehörte macht um so weniger Eindruck auf unsere Seele, als die zwischenlaufenden Xrrthümer unsern Gedankengang stören. fr-ükorL Vorstellungen die Ordnung unserer Urtheile unterbrechen und verwirren; und kein klares vollkommenes Bild in uns aufkommen lassen, wodurch die Gesammtwirkung verloren geht. So verhält es sich mit dem reinen abgezogt tverflüchtigten Gottesbegriff der Philosophen, der keine tiefere Wirkung auf ihn ausübt, weshalb er auch keine Furcht vor der Strafe des Diebstahls oder Mordes empfindet. Wo aber diese fehlt, werden wir nur solange das Gute, als das Angemessene und Lobenswerte thira, als wir dadurch keinen Schaden erleiden (4. 19) Daher gibt auch J. H. der Furcht in jener Schilderung des Tugendhaften die entsprechende Ausdehnung „Er sieht jeden Schritt und Tritt von der Vorsehung bewacht, welche das verwerfliche und Unzüchtige in seinen Gesinnungen, Worten und Handlungen bestraft. Er nimmt sich in Acht von jeder Verletzung der Ehrerbietung gegen Gott, er hütet sich vor jeder Verunreinigung beim Ausspreche*! seines Namens. Er hegt Ehrfurcht gegen seine Lehre und Gebote, gegen das Heiligthum und vermeidet alles, was die Andacht seines Gebetes stören könnte, welches er mit Angst und Zittern, in Heiligkeit und Keuschheit, tä Übereinstimmung des Gesagten mit dem Gedachten verrichtet. Überhaupt lebt er in beständiger Furcht und Niedergeschlagenheit, sich schämend wegen der begangenen Sünden (3. 11, 21). Doch soll die Furcht nicht jenen Grad erreichen, auf welchen man aus selbstquälendeft Gewissensbissen an Vergebung und Verzeichung verzweifelnd, und düsteres sorgenvolles Leben führt. Daher vereint die Thora mit der (Furcht die Liebe TÖiT0 um sie zu ergänzen und zu begränzen. (Fortsetzung folgt. ( ) HI^IS daselbst übersetzt Kassel Ülaube, Kaulmann (Attributenlehre S. 218) als Eigenschaft Gottes: „Sein Wissen." demiftach musste es aber t^y^-, heissen vielleicht ist *™) w» innn&i «u mm"'