Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 18 (13.9.1882)
- Date
- 1882-09-13
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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208 DAS JÜDISCHE CENTRALBLA TT. 10. 4 Gewissheiten. Akademische Denkschrift 1847. Druck der Liviana. Gelesen in der Akademie zu Padua p. 46. 11. Bericht über die 10 Gemälde der Sacristei del Santo Padua. Druck von Bianchi 1848 in 8° p. 24. Verschiedene kleinere Aufsätze. In den Prinzipien religiöser Toleranz, die ich von meinem Vater geerbt habe, auferzogen, glaubte ich in der Geschichte meiner Familie einen Ehrenplatz dem Manne geben zu dürfen, der obwol in frühester Jugend seinen Glauben abtrünnig gewordea, dennoch durch sein tugendhaftes Leben und seine hervorragenden Verdienste um die Wissenschaft, es verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden. Es sei auch mir gestattet die Gelehrsamkeit, die sich mit einem unbescholtenen Leben vereint, zu ehren, wie jene sagten, welche das klösterliche Leben mit ihm theilten und in der kurzen biographischen Skizze, die sie einen Tag nach seinem Tode veröffentlichten, mittheilten. Aus jener Skizze, sowie aus einem grossen Theile seiner Schriften, welche ich zum Theiie im Nov. 1878 in den stillen Räumen der Antonianischen Bibliothek las. wo ich mit der grössten Liebenswürdigkeit und einem seltenen Vertrauen behandelt wurde, bildete ich diesse Notizen, welche, um aufrichtig zu sein, weder eine Biographie, noch eine vollständige Übersicht seiner Schriften bilden, aber mit deren Hilfe ich in Kürze ein synthetisches Bild seines Geistes bieten zu können glaube. Im 1. Theile werde ich versuchen seine geistige und sittliche Gestalt zu zeichnen, im 2. Theile werde ich seine Schriften betrachten, um seine Verstandesschärfe daraus zu erschliessen. Pater Pasquali war in der Philosophie, ebenso wie mein Vater, ein Anhänger der sensualistischtn Schule, und ihm gleich schämte er sich nicht, sich nach vielen Jahren von dem loszusagen, was er früher vertheidigt, Abraham Luzzatfo wurde in San Daniele im Friaulischen den 2. Mai 1771 geboren und starb in Padua den 11. September 1850. Kaum Jüngling strebte er das wahre Wissen an. konnte kindische Sachen nicht leiden, war rastlos in der Erforschung des Grossen und Erhabenen. Beim Studiren selbst entfaltete er eine leichte Auffassung, ein treues Gedächtniss, einen unermüdlichen Fleiss. Die hebräische Sprache war ihm vertraut: zu 16 Jahren war er Erzieher bei einer Familie in S. Vito del Tagliamento. Die Evangelien, so sagten seine Genossen, (die patres) hatten ihn dem Christenthum, dem Kloster, dem Heiligthum zugeführt. Sonderbar! Einige Jahre früher hatte ein Anvewandter die Unechtheit derselben bewiesen. Aber übergehen wir dieses heiklige Thema. Er hatte noch nicht 31 \; Lustra durchlebt und wohnte schon in dem Hause der Antoniani di S. Vito, und am 3. April 1790 wurde er in Venedig getauft. Es war der Samstag vor Ostern (Passah) und deshalb nahm er den Namen Pasquali an. und am 7. October desselben Jahres wurde er Mitglied des Ordens der Minori Conventuali. Theilweise in Venedig im Hause der Fratres, theilweise in Padua in dem Orden des S. Antonio, durch Antonomasie Santo genannt, widmete er sich mit grossem Eifer dem Studium, und war von Dankbarkeit und grösster Zärtlichkeit gegen jeden erfüllt, der ihn über theologische oder philosophische Dinge belehrte. Eine Frucht dieser Liebe zur Philosophie war ein Versuch, den er im Jahre 1800 über das Naturrecht veröffentlichte, ein Veisuch, den er 6 Jahre später zu dem grossen Werke über gesellschaftliches-und Völkerrecht erweiterte. Dass ein Ordensbruder, und noch dazu ein Neophyt seine literarische Cnrriere mit einer Abhandlung über das Naturrecht begann, wo wenige Pfleger desselben in den Zeiten der Tyrannei die Fahne der Freiheit und der menschlichen Wüide aufrecht hielten, scheint so manchem sonderbar, gewährt uns aber einen Einblick in die Natur seines Geistes. Übrigens lässt sich diess vielleicht seinem forscherischen Geiste zuschreiben, der vielleicht sich selber unbewusst, die Lehren der Sinaitischen Religion aufgenommen, welche die Forschung und nicht das Glauben an Dogmen gebietet, und andererseits war das Kloster der Antoniani in Padua von jeher durch die Liebe zum Studium berühmt, was auch die Paduaner Israeliten gerne dem Santo zugestanden. Als Doctor der Philosophie und Magister der Theologie war er im Kloster ein treuer und loyaler Genosse, ein weiser Lehrer der Jugend, ein Mann der es nicht wollte, und: nicht vermocht hatte, seine Autorität zu irgend jemandes Nachtheil zu verwenden. Er war Provinziale der Minori Conventuali del Santo, Definitor Generale, ordentlicher Professor der Aesthetik an der Universitaet zu Padua von 1820—1829, im Schulj Jahre 1845—46 war er Decan der damals mit einander | verbundenen 2 Facultaeten, der philosophischen und mathematischen nämlich, ferner war er correnspondirendes Mitglied der Academie der Wissenschaften und der Künste zu Padua und der Pontiticia zu Rom, Ehrenmitglied der Akademie der schönen Künste zu Bologna, des Athenäums zu Treviso und der Akademie dei Concordi I zu Bovolenta. Im April 1826, als der Orden der Padri Minori Conventuali im Convento del Santo zu Padua wieder hergestellt wurde, nahm er nach langer Zeit wieder sein Ordenskleid an, und als er bei der Eröffnung des zweiten Semesters vom Neuen in dem Gewände eines Fraters erschien, sagte er seinen Schülern: Zurückgekehrt in mein Asyl der Ruhe und des Friedens behielt ich doch die. Ehre des öffentlichen Lehramtes . . . jetzt wo ich mich wieder in dem Orden befinde, den ich schon von früher nach lange)- reiflicher Überlegung und mit entschlossenem Willen gewählt habe, in einer Einsamkeit, wo man, je mehr man von den Menschen und von den