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Das jüdische Centralblatt · 1882-08-01 · 15 (1.8.1882) · p. Seite 180

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
15 (1.8.1882)
Date
1882-08-01
Page
Seite 180 (sequence 12)
Language
German
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180 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. keineswegs mit dem des eommentariusdenn jener enthält meistenteils Rechnungen oder Aufzählungen einer gewissen Reihe von Gegenständen oder Personen, während eommentarius doch zumeist die Erklärung eines Tages bedeutet, wiewol die ursprüngliche Bedeutung nicht diese ist, so zß. der Titel von Caesar's Commentariis de hello gallico et civili etc. Zweitens aber, und diess ist bis jetzt übersehen worden, deckt sich eommentarius auch nicht lautlich mit contres; wir glauben daher, dass conteres dem neufranzözischen comptoir, altfranzösischen conters gleichzustellen ist.;!as s am Schlüsse ist bekanntlich in Altfranzözischen ein Zeichen des Nominativs Singularis. Comptoir Schreibstube, Schreibraum, Rechenliste passt vorzüglich auf sämtliche CQ™^^!™1 Dr. M. Griinwald. R ECENSIONEN. I M. Mannheimer, Das Gebetbuch nnd der Reb'gionnvnterrirJitf 2 hochwichtige Fragen im jetzigen Judenthume, historisch-kritisch beleuchtet. Darmstadt 1881. Zu haben beim Buchhändler Lippe Wien Praterstrasse 15. Über unser altehrwürdiges Gebetbuch sind in früheren Jahrhunderten mancherlei Commentare erschienen, die aber meistens in agadischen Auslegungen oder mystischen Deutungen bestanden; sie hatten durchaus keinen wissenschaftlichen Werth. Da hat denn vor mehreren Jahrzehnten der gelehrte L. Landshut eine neue Bahn gebrochen. Die Werke jüdischer Forscher wie Brochmal, Zunz u. a. benutzend, hat er einen über unser ganzes Gebetbuch fortlaufenden Commentar verfasst und darin Alter, Entstehung und Abfassung eines jeden Gebetstückes nachzuweisen gesucht, eine Arbeit, die nicht nur zum Verständniss der Gebebte, sondern auch zur Erweckuug des literarhistorischen Sinnes von grösster Wichtigkeit ist. Und Herrn Mannhaimer gebührt das Verdienst, den wichtigsten Theil dieses in einem reinen und guten Hebräisch verfassten Commentors, nämlich von Ttf "15tV rD"Q bis nach mW HföV theils durch wörtliche Übersetzung, theils durch kurze Wiedergabe des Inhalts in deutscher Sprache, auch demjenigen zugänglich gemacht zu haben, die des Hebräischen nicht kundig sini, wobei er jedoch öfters die Ansicht Landshuts uns Gründen bekämpfte und seine eigene zur Geltung brachte. Aber noch mehr Dieser dem Gebetbuche gewidmete Theil des M annheimerischen Buches hat, ganz abgesehen von dem dem Religionsunterrichte speciell gewidmeten, auch für letzteren einen grossen Werth. Die pädagogische Erfahrung lehrt nämlich, das Kinder in der Regel zwar den anregenden Erzählungen der biblischen Geschichte recht viel Interesse entgegen bringen, jedoch nicht den trockenen nachbiblischen. Werden aber diese mit den Gebeten in Beziehung gebracht; wird den Kindern gezeigt, wie jedes Gebetstück in Ereignissen der Geschichte und dem daraus resultirenden religiösen Bedürfnisse seinen Grund hat; so lernen dieselben einsehen, wie wichtig für sie die Erlerung der nachbibiischen Geschichte ist, unV ihr Interesse daran erwacht. Hiermit soll jedoch nicht gesagt sein: der Lehrer lese den Kindern das Mannheimerische Buch vor, denn als ein populär-wissenschaftliches Werk steht es denselben zu hoch, sondern er?möge dasselbe als Leitfäden benutzen und Gedanken daraus entnehmen, mit welchen er den Unterricht in den Gebeten vertieft und befruchtet, deren Verständniss fördert und zugleich den Geschichtssinn der Kinder wachruft. Das Mannheimerische Buch sei insbesondere den Lelirern bestens empfohlen. AU und Neu. Vergangenheit und Gegenwart. In Sage und Geschichte dargestellt von Moritz Bermann. Mit 200 Illustrationen, Bildnissen, Ansichten, historischen Scenen von hervorragenden Künstlern. In 25 Lieferungen ä 30 Kr. 60 Pf. 80 Cts. (A. Hartleben's Verlag in Wien.) Von diesem äusserst interessanten Werke sind nunmehr die Lieferungen 3—6 erschienen, und, wie nicht anders zu erwarten, enthalten auch diese eine erstaunliche Fülle des Pikanten und Unbekannten. In der ergreifenden Schilderung des grossen Königs „Casimir von Polen und seiner holdseligen, hingemordeten Ester" lernen wir die Verhältnisse jener Tage, die Begründung so mancher noch heute bestehenden Nationalsitten (darunter besonders interessant das Entstehen der Fackelzüge bei Hochzeiten in Deutschland) kennen; — die „erste Industrieausstellung in Paris" führt uns eine Fülle der markantesten Persönlichkeiten jeder Tage: Den General Napoleon Bonaparte und seine leichtlebige Schwester Pauline, die Intriguanten Talleyrand und Fouche, die Incroyables und Merveilleuses unter dem Directorium Barras u. s. w. in originellster Weise vor. Das „Bunder der eingebrannten Hand", eine raffinirte Criminalgeschiente aus der Zeit Josefs II., bietet in ihren Be\ Ziehungen zu den Betrügereien der heutigen sogenannten Armenseelen-Erlöserinnen und dem spiritistischen Schwindel mit der Paraffinhand und den Geisterphotographien bemerkenswerthe Vergleiche von „Alt und Neu". Die „Puzsta einst und jetzt" versetzt die Leser in das eigenartige Flachland Ungars mit seinen Gutsbesitzern, Hirten, Zigeunermusikern, Volksliederdichtern und den Räubern, in die Csarda und auf die Haide, zu dem r blutigen Jeszanak" altberühmten Andenkens und zu dem Zauberrösslein dessen Abkömmlinge vermeintlich noch heute existiren. Es ist wohl nicht zu viel behauptet, wenn man sagt, es werde den folgenden Heften, sowohl was Text als oginelle Illustrirung betrifft, mit Spannung entgegengesehen. Adrian Balbi's Allgemein Erdeschreibung. Ein Hausbuch des geographischen Wissens für die Bedürfnisse aller Gebildeten. Siebente Auflage. Voihkommen neu bearbeitet von Dr. Josef Chavanne. Mit 400 Illustrationen und 150 Karten. In 45 Lieferungen ä 40 Kr. 75 Pf. — 1 Frc. =45 Kop., oder in 9 Abtheilung ä 2 fl. 3 M. 75 Pf. — 5 Frcs. 2 Rnb. 25. Kop. (A. Hartlebens Verlag.) Von der siebenten Auflage dieses vortrefflichen geographischen Handbuches liegen unz nun schon fünf Lieferungen vor, in welchen die Capitel über mathematische und physikalische Geographie zum Abschlüsse gelangen und die specielle Staatenkunde mit der Beschreibung des deutschen Reiches eröffnet wird. In knapper und doch anregender Form wird in den Abschnitten Geographie alles Wissenswerthe über das physische Klima, den Magnetismus der Erde, über den geologischen Bau, die Verbreitung der Pflanzen und Thiere und über den Menschen k/ar und leicht verständlich behandelt. An Stelle langathmiger und ermüdender Ausführungen treten 44 vorzüglich ausgewählte Illustrationen und 3 grosse in Fabendruck ausgeführte Uebersichtskarten, welche nicht nur das Verständniss wesentlich fördern, sondern auch das Buch vorteilhaft schmücken. — Einer allgemeinen physikalisch-statistischen Skizze Europas folgt in der 5. Lieferung die detaillirte Beschreibung des deutschen Reiches und als ersten Staates innerhalb desselben jene Preussens. Der Bestimmung des Werkes entsprechend, ein Hausbuch der Erdkunde für die Bedürfnisse aller Stände zu sein, ist in diesem Theile allen, selbst weitgehenden Ausprüchen Genüge geleistet. Die Bevölkerungsverhältnisse, Staatsverfassung und Verwaltung, materielle und geistige Cultur, Wehrkraft, Finanzen u. s. w. werden eingehend besprochen und liegen allen Angaben die neuesten amtlichen Erhebungen zu Grunde. Die Aufnahme eines Verzeichnisses der Stadtgemeinden und ihrer Bevölkerung in Preussen verdient besonders hervorgehoben zu werden. In gleich ausführlicher Weise sollen auch alle übrigen Staaten Europas behandelt werden so dass Balbi's Erdbeschreibung in ihrer siebenten Auflage ein durchaus verlässlicher und unentbehrlicher Führer auf dem Gebiete der Geographie sein wird. Schluss de ' Redaction 30. Juli 1882. Druck und Verlag von J. Fleischmann's Buchhandlung in Belovar. Verantwortlicher Redacteur Dr. M. Grünwald.

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