Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 12 (16.6.1882)
- Date
- 1882-06-16
- Page
- Seite 144 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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144 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. Nachschrift der Redaction: Indem wir uns den lohenden Urtheile unseres ehrwürdigen Gediegen Dr. Spitzer über das lebireiche Buch Dr. Karl Schmid's anschliessen, wollen wir einige Bemerkungen hinzufügen. Die uralaltaischen Völker sind viel zu wenig berücktichtigt worden C as tren's diesbezügliche epochemachenden Schriften . werden nicht angeführt und Paul Hunfalvy's Werk über die Ostjaken, wovon die Einleitung von mir in französischer Uebersetzung erschien, hätte reiches Material zur Prüfung des Gegenstandes beigebracht. Vielleicht wird eine zweite Autlage, die wir diesem Buche herzlich wünschen mehrere Nachträge liefern. In den Ausführungen, dass in manchen Ländern (p. 38) ein fremder Mann eingeladen wird, den Bräutigam einen solchen Dienst zu erweisen, wäre die Bibelstelle, wo Loth seine beiden jungfräulichen Töchter den fremden Männern preisgibt, um sich Ruhe und Frieden zu verschaffen; wie überhaupt der Pentateuch so manche hochintoressannte Parallele bietet, so zB. dass lsak, Jakob Josef Benjanin Efraim als spätgeborene von den Vätern sichtlich bevorzugt werden so ferner zu p. 49 wo von der Herrschaft des Lehensherrn üher Frau und Kinder des Leibeigenen die Rede ist, Das 2. Buch Mosis (Abschnitt Mispatim) Zu Seite 128 (Brautlaut) so glauben wir, das diess auf der urspünglichen, besonders bei den südslavischenVölkern noch heute bestehenden Sitte beruht, dass man sich die Braut durch L auf erjagen und erfangen muss. Seite 135 „Nagelgeld" ist eine ähnliehe Sitte. Wir werden soGott will, auf diesesBuch, Ins primae noctis, zurückkommen, und wollen nur nochmals hervorheben, dass es ein fleissiges, wohldurchdachtes Buch ist. Dr. Jj. Mitnz. Rabbiner in in Kempen (Posen). Die modernen Anklagen gegen das Judenthum als falsch nachgewiesen: (Kommissionsverlag J. Kaufmanns Buchhandlung Frankfurt a. M. 1882. Der Reinertrag ist bestimmt zur Unterstütz ung unserer unglücklichen Glaubensbrüder aus Russland. Der Verfasser, als tüchtiger Kauzelredner durch se ine 3 Reden politischer Tendenz bereits vortheilhaft bekannt hat durch vorliegende Rede, die vor Purim gehalten wurde, von neuem den Beweis erbracht, dass er es verteht, die die Gegenwart bewegenden und tief in sie eingreifenden Fragen in dem Lichte der jüdischen Religion zu erörtern und zu erledigen. Denn es ist wahrlich keine leichte Aufgabe in den engen Rahmen einer Rede die modernen Anklagen gegen das Judenthum zu widerlegen und dies ist dem Verfasser dieser Rede in musterhafter Weise gelungen. Es ist sehr zu wünschen, dass dieser Rede die grösste Verbreitung zu Theil werde uud es sollte jeder Jude der in engerem Verkehr mit einer Christlichen Familie steht, und ich glaube dass es fasst keine einzige gibt, wo diess nicht der Fall ist, diese Rede lesen lassen; und die überzeugende Macht der Wahrheit und des Rechtes wird einen Sieg mehr feiern. Dr. Adolf tTellinelc Der jüdische Stamm in nichtjüdischen Sprichwörtern II. Serie, Wien 1882. Verlag von Bermann und Altmann. Der bestgehasste Stamm in alter und neuer Zeit ist ohne Zweifel der jüdische Stamm. Und in unserer politisch bewegten und von national und religiösscheinenden Trieben erfüllten Zeit ist es ein höchst verdienstliches Unternehmen die Ansichten, die die ver. schiedeuen Völker, mit denen die Juden im Berührung kamen, von berufener Hand angeführt zu sehen. Und fürwahr, nur ein Meister der Beredsamkeitin der Beschränkung zeiget sich der Meister und ebenso grosser Gelehrter und Kenner der asiatischen und europäischen Sprachen, und ein genauer Psycholog wie der Wiener Prediger Dr. Adolf Jellinek ist, konnte eine so gediegene Arbeit, wie die die uns vorliegt liefern. Nicht nur das Judenthum sondern die Sprichwörterliteratur ist tür diese neue Gabe dem Autor zu Dank verpflichtet. Und gerade die Sprichwörter, sie sind es die uns die innersten Geheimnisse der Volksseele offenbaren, weil sie der unmittelbare Erguss, ich möchte fast sagen, der mit der Zeit, durch die Erfahrung und dennoch fast unbewusst gebildete Schluss der Volksseele ist. Und im Sprichwort trifft meistentheils das sooft misbrauchte Wort Vox populi vox Dei, dass die öffentliche Meinung eine göttliche ist zu. Und somit empfehlen wir jedem Psychologen, sowie jedem, dem es darum zu thuu ist, ein aufrichtiges Urtheil nicht gerade sehr judenfreundlicher Völker (iber's Judenthum zu hören, die Schrift aufs wärmste. Mannheimer Moses. Die Judenverfolgungen in Speyer Worms und Mainz im Jahre 1096 während des 1. Kreuzzuges Darmstadt 1877 Literarisch-artistische Anstalt (Adolf Lange). In einer Zeit wie die unsrige, wo leider Racen und Religionshass unglaubliche Dimensionen annimmt, ist diese Schrift wol wert, von jedem Glabensgenossen gelesen und beherzigt werden. Und zu dem Feste, das soeben gefeiert wurde, dem Schebuothfest an dem nach der Tradition die Thora Israel gegeben wurde, sollte diese Schrift in jedem jüdischen Hause gelesen zu werden. Denn Israel ist und bleibt das Volk der Lehre wie es schon in der ältesten Zeit von den Arabern genannt wurde, und für die Lehre opferte es alles. Aber auch einen Mahnruf enthält diese Schrift, der nicht leer verhallen sollte, sondern jeden Israeliten zur Einkehr in sich anregen; denn wenn sie auch keinen Schutz gegen die wilden thierischeD Leidenschaften der gebildeten Aussenwelt bietet, so hat man das Bewusstsein das Unglück nicht verschuldet zu haben, und wahr bleibt das Dichterwort, Der Uebel grösstes ist die Schuld. Mannheimers Schrift ist um 30 Pfennige bei dem Verfasser, zu habin uud empfiehlt sich auch durch den billigen Preis die schöne Ausstattung und leider auch durch zeitgemässe Analogien. Bei Gelegenheit des Doppelbrith am 5. Juni im Hanne des Herrn II. Moses iu Harn wurden auf meine Anregung folgende Gaben für die russ. Juden gespendet Herr Fleischmann 2 fl. — Herr Moses 2 fl. — Herr N. Weiss 1 fl. — Herr M. Storch 1 fl. — Herr C. Steiner 50 kr. — Herr Rosenberg 1 fl. — Herr Pollak 1 fl. — Herr J. Liebermann 2 fl. — Herr A. Liebermanu 2 fl. — Hochwürden Herr Pfarrer Mikac Raca 1 fl. — Herr Low Operatur aus Kreutz 1 fl. — Herr Weiss 2 fl. — Herr Singer Bulinac 1 fl. — Herr David Moses 2 fl. — Herr Bernhard. Moses 2 fl. Summa 21 fl. Briefkasten der Redaction. IL'ustr. Dr. Isaja Luzzatto Padova. Ho ricevuto il libro anglese e l'argento di 30 lire; vive grazie. — Illustriss. sign, cavaliere abbate Pietro Perreau. Vivissime grazie pei tri libri inviatomi, ne parlero nel numero 13 del mio Centralblatt. — Dr. Frankl-Grüu Znaim. Bitte um Angabe eines Schematismus der Rabbinen Oesterreich-Ungarns, danke für Ihre Aufsätze- H. Dr. Aug. Wünsche. — Besprechung von De'barim rabba folgt in Nr. 13. Danke bestens. Schluss der Redaciion am 15. Juni. Druck und Verlag von J. Fleischmann s Buchhandlung in Belovar. Verantwortlicher Redacteur Dr. M. Grünwald.