Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 12 (16.6.1882)
- Date
- 1882-06-16
- Page
- Seite 134 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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134 DAS JUDISCHE CENTRALBLATT. in den Augen unserer christlichen Mitbürger gewinnt. Wenn die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten (Rückert). Wir sind auch entschieden gegen ein täglich erscheinendes Blatt für das jüdische Lesepublicum. Wozu in aller Welt so viel der Neuigkeiten, wozu die Aufregung, die jede Neuigkeit, sei sie noch so angenehmer Natur, uns gewährt? Für die im civilisirten Europa lebenden Juden, die der Landessprache mächtig sind, genügt vollauf ein einmal in der Woche erscheinendes Blatt, das allerdings, so will es uns bedünken, stets am Samstag in die jüdischen Familien gelangen sollte. Denn an den 6 Werktagen ist man von des Tages Mühen oft so sehr überhäuft, dass man nicht die rechte Lust hat, sich noch mit dem nicht unbedingt nothwendigen zu befassen; am Tage des Herrn aber, wo man durch den Besuch der Synagoge auf die Lehre de^ Judenthums aufmerksam gemacht viel empfänglicher für dieselbe gestimmt wird, hat man auch mehr Bedürfniss sich mit den Ereignissen der Mitbrüder bekannt und vertraut zu machen. Auch sollte, so nebensächlich auch diess scheinen mag. in jedem jüdischen Wochenblatte das jüdische Datum unmittelbar neben dem deutschem stehen. Wenn zB. der Pester Lloyd nicht ansteht, immer das jüdische Datum dem deutschen hinzuzufügen, so sollte diess wahrlich in einer jüdischen Wochenschrift nicht fehlen. All diess sindÄusserlichkeiten, würde aber nicht dadurch die Kenntniss der jüdischen Monatsbezeichnung auf die leichteste Weise verbreitet werden. In der Erziehungskunst ist ja bekanntlich nichts unbedeutend, nichts geringfügig, nichts ohne Einfluss. und erziehend muss ja die Presse wirken, soll sie anders das sich vorgesteckte Ziel erreichen. Doch die Hauptsache fehlt noch. Die jüdische Publicistik hat in Folge des spärlichen Leserkreises allen möglichen und unmöglichen Anforderungen Genüge zu leisten; und de omnibus rebus et quibusdam aliis zu schreiben, wird einem gewissenhaften Manne unmöglich. Daher beantragen wir in der jüdischen Presse die stricte Scheidung zwischen wissenschaftlichen und populären Blättern. Damit soll aber ja nicht gesagt werden, dass der wissenschaftliche Aufsatz nicht auch deutlich und jedermann verständlich abgefasst werden könnte; dass diess möglich ist, haben die Franzosen schon vor einem Jahrhundert bewiesen; unter populär verstehen wir im vorliegenden Falle, dass sämtliche wichtige das Judenthum betreifende Neuigkeiten sowie Gemeindeangelegenheiten in eigenen Organen veröffentlicht werden; der Wissenschaft hinwiederum ein eigener Platz angewiesen werde. Aber, und diess führt der Autor sehr gut aus, gerade die hervorragendsten jüdischen Gelehrten sollten sich nicht vornehm zurückziehen. Andererseits aber begnügen wir uns durchaus nicht mit den Papier schnitzeln bedeutender Männer des modernen Judenthums, wir verlangen von ihnen,- denn wir haben ein Recht dazu,- dass sie das Beste was sie haben, auf Jen Altar des Judenthums niederlegen. "Und erst wenn diess gekommen, wenn die hervorragendsten jüdischen Männer eine vom wahren Geiste des Judenthums getragene Zeitschrift veröffentlichen werden, laesst sich eine Verbesserung der jüdischen Presse und damit auch des Judenthums erhoffen. Möge diese Zeit recht -bald herannahen. ( ') Autobiographie des S. D. Luzzatto. (Fortsetzung), Mein Vater bat den SchwagerJuda Lolli, bei der Hochzeit meine Erklärung vorzutragen, und mein Cousin Samuel, Sohn j Salomon Lohrs übernahm diess herzlich gerne. Sonntag den 14. Juni Abends wurden meine Verse gelesen und erhielten reichen Beifall.! Von da war ich nicht mehr unbekannt; man suchte meine I Bekanntschaft und wollte meine anderen Gedichte kennen, I und von demselben G. L. Morpurgo und von Isac, dem | Sohne Salomon Luzzatto's wurde ich in ebräischen Sonetten I gefeiert (;) und von einem tüchtigen Kupferstecher und deutschen Gelehrten in französischen Versen. Ich schrieb darauf ein Ode des Dankes an Gott, die ich bei der Veröffentlichung des 12**1 "11)3 zu drucken nicht den Muth hatte, da sie zu persönlich war, die ich aber auch nicht ganz unterdrücken wollte, da die Verse mir sehr schön schienen, und so behielt ich die drei ersten Strophen bei (3) und statt der übrigen setzte ich andere und machte eine Ode über den Frühling (4). (.*) Am Schlüsse sei es aus lioch gestattet, das auch äusser- I lieh schön ausgestattete Buch: Presse und Judenthum von Isidor Singer aufs wärmste und herzlichste, jedem bei den noch uicht j alles Gefühl für die heiligsten Interessen der Menschheit abgestorben, zu empfehlen. Abgesehen von dem edlen Zwecke, wozu i es bestimmt, das namenlose Elend unschuldig ins tiefste Elend i gestützter Familien zu lin!eru, wird man selbst durch die Leetüre angeeifert werden, wenn man es noch nicht ist, ein echter Jude dh. ein Kämpfer für das Währe, Gute und Schöne zu werden. (-) Siehe den 2. Theil von Kinnor Nai'm p. 105 und 109 und die Biographie J L. Morpurgo's, Gründer der Assicarazioni generali, in Jost's Israelitischen Anüalen, II. Jahrg. 1840 p. 104. J. L. ( ) Kinnor Nai'm p. 108—104, und Kinnor Nai'm II. Theil i p. 98—104. Ich hoffe, dass mein Bestreben das Dunkel der Jugendgedichte S. D. Luzzattos zu euthüllen, nicht getadelt werden wird. Seine eigenen Worte lauten: Noch viele andere Oden, die auf mein ei- I genes Leben Bezug haben, habe ich in früheren Jahren verfasst,! die ich aber aus Schüchternheit im Kinnor nai'm nicht veröffentlichen wollte; sie werden aber vielleicht einst mit Interesse werden gelesen werden. J. L. (4) Die 3 ersten Strophen sind ein Satyre gegen die lügnerischen und heuchlerischen Dichter. Er beklagt sich, 4ass die Ritter der Feder sich verleiten iassen die Schönheit einer gerstlosen Dame I zu verherrlichen. Er will den Schöpfer und nicht vergängliches, i loben, will seine Begeisterung vom Höchsten erhalten, und beschreibt in verschiedenem Metren die Jahreszeit, die Freude und Lust uns bringt.