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Das jüdische Centralblatt · 1882-04-15 · 8 (15.4.1882) · p. Seite 89

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
8 (15.4.1882)
Date
1882-04-15
Page
Seite 89 (sequence 5)
Language
German
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 89 Familiengüeder Maimun's wahrscheinlich durch die immer grässlicher wüthenden Religionsverfolgungen, genöthigt, Spanien, ihr geliebtes Vaterland, das ihnen und ihren ruhmgekrönten Ahnen seit Jahrhunderten eine warme Pflegestätte der Oultur und des Thorastudiums gewesen, zu verlassen und in der lieblosen Fremde eine neue Heimath sich aufzusuchen. Sie wanderten nach den Barbareskenstaaten, Nordafrika, aus und liessen sich in Fez nieder. Doch wie einem, der nach dem Gleichnisse des Propheten, der Schlucht entsteigt und in die Schlinge stürzt, so erging es auch der Familie Maimun. Die Gegend, nach der sie sich begaben war es, wo die Religionsverfolgungen und all die bösen Leidenschaften, die sie im Gefolge haben, am heftigsten wütheten. Hier hatte ja der schwärmerische Fanatiker Abdallah ibn Tummart vor einem Jahrzehnte die Sekte der Almnhadm gestiftet, jene verfolgungssüchtige Religionsgenossenschaft, die dann unter ihrem Anführer Abdulmumen, ganz Nordafrika ihrer blutigen Herrschaft unterworfen und alle Andersgläubigen ihres Reiches zur Auswanderung oder zur Annahme ihrer Religion zwangen. Fes, gleich allen andern nordafrikanischen Städten, war also der eigentliche, Herd der Unduldsamkeit und fanatischer Unterdrückung, Synagogen und Lehrhäuser waren zerstört und die Juden, die nicht geflohen waren, mussten bei Todesstrafe, zum Islam sich bekennen und den Glaubenssatz feierlich aussprechen: Es giebt keinen Gott als Allah und Muhamed ist sein Prophet. Auch die Familie Maimun war daher gezwungen, wenn auch nicht unter der Maske des Islam zu leben, so doch ihre Religion zu verheimlichen und mit ihrem Glaubensbekenntnisse nicht öffentlich aufzutreten. (1) Ihre Lage hatte sich also keineswegs gebessert. Aber warum haben nun Maimun und seine Familie gerade dieses Land, wo die Religionsverfolgungen am heftigsten wütheten, zu ihrem Wohnsitze gewählt? Vielleicht weil sie von dieser grossen Hafenstadt aus leichter nach Ost, nach einer Gegend fliehen konnten, welche freie Religionsübung gestattete: vielleicht in der edlen Absicht, ihren unglücklichen Glaubensgenossen, die unter dem Drucke des Islam schmachteten, zum treuen Ausharren im Glauben ihrer Väter zu ermuntern und durch Worte des Trostes und der Belehrung ihr gebeugtes Gemüth aufzurichten. (1) Der rühmlichst bekannte Gelehrte S. J. Halberstamm hat in der hebr. Zeitschrift „ Jeschurun" Jahrg. II. S. 23-36, diesen Punkt des Nähgrn beleuchtet. Er verwirft daselbst die Ansicht, daas die Familie Maimun bei ihrer Einwanderung in Fess unter der Maske des Islam lebte und weist mit grosser Gründlichkeit nach, dass sie nicht einmal zum Scheine das fremde Bekenntniss annahmen, sondern vielmehr nur so lebten, dasi sie bei den Andersgläubigen keinen Anstoss erregten, indem sie ihr Judenthum nicht zur Schau trugen. Es fiel den Eingewanderten nicht schwer, dem Religionszwange sich zu entziehen, da zu jener Zeit und in jenem Lande noch keine Glaubensgerichte une Inquisitionen bestanden, und nur diejenigen vom Tode bedroht waren, welche öffentlich und ungescheut dem Glaubensbekenntnisse der fanatischen Bevölkerung zuwider handelten. Und in der That machte der alte Maimun gleich nach seiner Ankunft in Fes die schmerzliche Wahrnehmung dass seine Glaubengenossen durch die anhaltenden Religionsverfolgungen in Unwissenheit und Irrthum gerathen waren, ja dass in vielen jeder Funke für das Wahre und Göttliche bereits zu erlöschen drohte. Er erliess daher (1160) ein Ermahnungsschreiben in arabischer Sprache an seine Glaubensbrüder, „an die Kinder Israels." in welchem er mit der ganzen Gluth seines gläubigen Gemüthes für Gott und seine Lehre j eiferte. Vor allem suchte er die grosse Menge von dem verderbenden Wahne zu befreien, als ob die Leiden und Verfolgungen, von denen sie heimgesucht werden, ein Zeichen dafür wären, dass Gott sich nunmehr von den Söhnen Israel's abgewendet und anstatt ihrer die Araber durch ihren Prophet Muhamed zum Träger der Gottesj lehre erwählt habe. Gott werde Israel, sein Volk, sagt I er unter Andern, das er gleich vom Ursprünge an vor allen andern Nationen auf Erden ausgezeichnet, niemals verlassen; selbst zur Zeit, wo sie Gott und seine Lehre verliessen. wurden die Nachkommen Jakob's im Gegensatze zu der übrigen Menschheit „Kinder des Ewigen" : genannt. Habe ja schon Moses, der grösste aller Pro- | pheten, im Geiste vorausgeschaut, dass für Israel nach \ schweren Kämpfen und Leiden eine glorreiche Zukunft beschieden sei. Diese gnadenreiche Zeit können wir aber j nur dadurch herbeiführen, dass wir die religiösen Vor-; schritten sorgfältig beobachten und an der heiligen Lehre ' mit gläubigen Sinn festhalten, wie ein Ertrinkender an einem Seile sich festklammert, Der Mensch könne aber I nur im inbrünstigen Gebete zu seinem Gotte sich erheben. ■ Dashalb seien die täglichen Gebete, die noch von unsern Erzvätern herstammen, sehr hoch zu halten, und selbst derjenige, der unter dem Drucke der Verhältnisse \ dieselben nicht ganz verrichten könne, sollte wenigstens in einem kurzen Gebete in hebräischer Sprache dreimal täglich zu seinem Gotte sich wenden. Ferner solle man 1 jede Gelegenheit ergreifen, Werke der Religiosität zu üben: denn hier auf Erden sei die Zeit der Arbeit und erst oben im Himmelreiche werden wir des Lohnes theilhaftig. gelangen wir zur Glückseligkeit. So suchte der alte Maimun gleich nach seiner Ankunft I in Fez seine unglücklichen Glaubensgenossen zu belehren,; zu trösten und ihren Geist zum himmlischen Vater emporzurichten. Das Altfranzösische bei Raschi. (Fortzetzung) 12. Zu WftTll Richter 164"' ist *7XsS^£ — palpar anfassen — nfz. palper. \

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