Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 8 (15.4.1882)
- Date
- 1882-04-15
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 87 Urgrund aller Wunder für sich selber 3 ist, nämlich Vater Sohn und heiliger Geist, welche 3 sind und 1, so erhält diese Herrin diese Zahl 9 zur Begleiterin, um verstehen zu gehen, dem .sie selbst eine 9 ist, das heisst ein Wunder, dessen Wurzel einzig und allein die wunderooMe H Ewigkeit ist, Scharfsinnigere werden vielleicht noch scharfsinnigere Gründe entdecken. Dieses aber ist der, den ich entdeckt hohe, und der mir am meisten gefällt." Dante'© kühner Gedankenflug wurde von der alles beherrschenden Theologie gehemmt und gedämmt. Die wundervolle Kraft der 9 aber wurde von den lauteren Brüdern folgendermassen erklärt. Wenn man nämlich die 9 Zahlen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, in einen Kreis schreibt, und sie der Reihe nach multipiizirt, so ergibt es sich, dass das Product dieser Zahlen bereits fertig sich votfindet u. z. bei der Multiplication von 2X0 bis 5X9 die Einheiten rechts und die Zehner links; von 6 X 9 aber umgekehrt die Einheiten links und die Zehner rechts zu stehen kommen. /^^IT^v Auch wenn man die gegenüber- / °° \ stehenden Zahlen addirt, erhält man 2 1 \ durchgehends als Summe die Zahl U e j 9- $ / Es ist aber ferner bekannt, dass V-^* nach der herrschenden Ansicht im Mittelalter die 9. Sphäre die ganze Welt lenkte, und so mag auch diess für Dante sehr gut gepasst haben: da BeätriceZiel und Brennpunkt seines Strebens war. Je mehr man in den Inhalt des Buches eindringt, desto mehr sieht man, wie Dante sich geradezu abgemüht hat, soviel als möglich die Zahl 9 herauszubekommen. Dante sieht seiner Fa-- zählung nach 60 Frauen, wo wird nun seine Beatrice sein; nun er sagt es rund heraus, sie war in keiner anderen Zahl als in der 9 anzubringen. Doch selbst die 60 Frauen sind eine symbolische Zahl; man denke nur an die 60 Königinnen, sowie an die 60 Wächter des Königs Salomo, von denen im hohen Liede die Bede ist. Die Vita nuova ist, wie Wegele sie treffend nennt, die Psychologie der Liebe, aber es muss hinzugefügt verden, in dem mystischen Gewände der Zojhlen- Symbolik und im Dienste der mittela>lte7<richen Theologie. Maimuni s Jugendjahre und seine erste Wirksamkeit. (Fortzetzung.) Es folgen nun für die Familienglieder des Maimun eine Keine von Jahren, die z„ den unglücklichsten ihres Lebens gehörten. Sie mussten sehr oft, um der Verfolgungswuth der immer weiter vordringenden fanatischen Horden zu entgehen, den Ort ihres Aufenthaltes wechseln j und nicht selten mag es vorgekommen sein, dass sie, von | den raubsüchtigen Schaaren in ihrer Ruhe aufgeschreckt,! mit ihrem nackten Leben nur davonkamen. Unter solchen : traurigen Verhältnissen wäre es wahrlich kein Wunder j gewesen, wenn der alte Maiinun den Unterricht seines Sohnes Moses, der kaum das 13. Lebensjahr überschritten hatte, vernachlässigt oder wenn der Entwicklungsgang desselben eine einseitige Richtung angenommen hätte. Allein Maimonides gehörte zu jenen wunderbar angelegten Naturen, die gleich in ihrer ersten Jugend mit der Kraft bereits errungener Klarheit ihres Lebens Zweck und Ziel erfassen und datnach ihre Thätigkeit einrichten. Die traurigen Ereignisse und Erfahrungen waren daher nur j geeignet, den Keim, den die Vorsehung in ihn gesenkt, i bis in den innersten Kern anzuregen und frühzeitig zur; Entfaltung zu bringen. Er studirte mit unbeugsamer Willenskraft und nie ermüdender Geduld die jüdischen Wissensfächer, Bibel und Talmud, und fing an, sich in diesen Gegenständen Ruhm und Auszeichnung zu erwerben. Da nun im Talmud und den verwandten Schriften nicht selten wissenschaftliche Punkte, die dem Gebiete der Logik, Mathematik, Astronomie und Physik angehören, gelegentlich behandelt werden, so fühlte Maimuni, dessen | Geist überall klares, gründliches Wissen foiderte. das | lebhafte Bedürfnis sich auch andere profane Kenntnisse anzueignen und seinen Gesichtskreis zu erweitern. Ein ausgebreitetes, reiches Wissen, ja eine Durchforschung und Prüfung aller Resultate menschlichen Erkenntnisses schien ihm zu einer klaren, ungetrübten Erfassung der ewigen Wahrheiten des Judenthums unerlässliche Be-! dingung zu sein. So beschäftigte er sich neben den jüdischen Disciplinen mit der Philosophie und den zu ihr vorbereitenden Wissenschaften, der Astronomie, Logik und Mathematik. Ausser diesen Wissensfächern war es namentlich die Arzneikunde, der er sich mit grossem Eifer ' zuwandte: die praktische Ausübung dieser Kunst hatte | er schon jetzt zu einem spätem Erwerbszweige gewählt. Tage und Nächte sass der junge Maimonides forschend und denkend in seinem Studirzimmer, ohne sich von den weltlichen Angelegenheiten und den Verhältnissen seines väterlicht n Hauses, so traurig sie auch sein machten, stören oder beeinflussen zu lassen. Ie tiefer er in das unendliche Reich der Gedanken eindrang, desto grösser i und mächtiger wurde sein Wissensdurst, je mehr er die j grossen Fähigkeiten, womit ihn die Natur ausgestattet hatte, zur allseitigen Entfaltung brachte, desto erhabener und höher setzte er sein Ziel. Von seinem Vater wurde er in das innere Heiligthum der jüdischen Wissensfächer, von muhamedanischen Gelehrten in den ehrwürdigen Tempel der Philosophie und Heilkunde eingeführt. — Oft verliess er das väterliche Haus und begab sich auf eine kurze Frist nach einer der grössern Städte Spaniens,; um liier mit arabischen Gelehrten und Philosophen Um-! gang zu pflegen und sein Wissen zu bereichern. So i war er mit dem Sohne des berühmten Astronomen lbn ,-y's i ■ '' *-"v -.v Apla, mit vielen jungen Gelehrten, die aus der Schule 1