Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 7 (1.4.1882)
- Date
- 1882-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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§tio. 7. ^dovax (Smaüen) 1. jt y i i f ^_1882. DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. (ZUGLEICH AR CHI 7 FÜR DIE GESCHICHTE DER JUDEN IM KGR, KROATIEN). Herausgegeben von Rabbiner Dr. HC. Grilnvmld. 1. JAHR GAN Gr-. Das jüdische Centralblatt ersehest alle 14 Tage in V/2 bii 2 Bogen; Prei3 bei allen Buchhandl"rqen (in Bdovarbei J. Meischmanv) pro Jahrgang 4 fl. Inserate werden mit 10 Kreuzern die 3 gespaltene Petitzeile berechnet und auschlicsslich entgegengenommen durch die Annoncen-Expedition ran Fletschmann in Belovar. (Manuscripte werden nicht retournirt). m«. ■ mSr«^—p«^^—m^mmm^m^—^—rmm—— INHALT. I. Halachisten und Agadisten von «Tosef Löwy in Gross-Kanizsa und Nachschrift der Redaction. — II. Autobiographie Luzzatto's. — III. Biographie R. Jehuda Assud's vom Bez. Rabb. S. Hahn. — IV. Maimuni's Leben und Wirken von Ig. Münz in Kempen. — V. Zur vergleichende Sagenkunde. Miscellen. — VI. Ein sonderbarer Segen von Lic. Theol. Dr. Aug. Wünsche. Receisionen. S. D. Luzz&tto Grundprincipien der Thora. — Mose Lattes Catalogo dei eodici ebraici. — Dottore M. Lattes Nuoro saggio di ginnte e correzioni al lessico talmudico. Nachdruck nur mit VOLLER Quellenangabe gestattet. Halachisten und Agadisten. I. Neben der alten Halacha pfropfte eine spätere Zeit die Agada auf den Lebensbaum der Tora, welche allmälig zur selbständigen Literatur heranwuchs, ohne jedoch ersterer jhre frische»? Säfte zu entziehen. Der erste Halachist war selbstverständlich Moses, nach ihm die Profeten, die sieh mit der einfachen Verkündigung des Gesetzes, . bald in Volksversammlungen, bald in Wanderpredigten befassten, (Mos. II 35. 1: Jerfefma 11. 6) Uber rein und unrein, erlaubt und inhibirt, oder mein und dein in gottesdienstlichem Geiste das Volk belehrten. Diesen schloss sich der Priester-und Gelehrtenstand an, welcher das Amt des Cultus und Unterrichtes vertrat, während die Synhedrien den Gerichtshof formirten. Da gab es noch lange keine Agada, und ist auch deren Blütezeit nicht genau bestimmbar. Unsres Erachtens dürfte der Dualismus zwischen Pharisäer und Sadduzäer, welcher sich zwar noch immer auf halachischem P>oden bewegte, der Agada Nahrung gegeben haben, zumal durch selben eine Bresche in den Wall der Tradition gerissen, welche durch neue Stützen gekräftigt werden sollt ■ Man suchte durch die neue Lehrweise, zum Ohren- -Pif-—- kitzel des Volkes, aber zum Ärger der halachischen Geister dem Texte eine neue Phase der Ethik und Moral abzulauschen, die aber peinliche Reibungen zwischen Halachisten und Agadisten erzeugte. Wenn R. Elieser den mit Agada beschäftigten R. Akiba des öftern barsch anschrie: „Veiiass doch diese Wüstenei" ^n^^fi und befasse dich mit halachischem Materiale. (Synhedr. 38 b; 67 b) so lag des Zorn vielleicht darin, dass R. Akiba eigentlich ein System in die Agada brachte. (Jerus. skalim 5, i,) Ähnliche Verdriesslichkeiten gab es zwischen R. Ami und R. Aschi, wovon der Eine keine Halacha, der Andere keine Agada anhören wollte, bis sie R. Isak Napcha einigte (B Kama 60b). Die getrennten Lehrkanzeln wurden nach dem Charakter ihrer Vorträge gekennzeichnet XniÜXI p2*1, so wie Einzelne die Prädikate R. Isak des Halachist, ein anderer R. Isak der Agadist erhielten, (Jerus. Jebomath 4, 2; Psachim 114 a) und bezeichnete überhaupt der Ausdruck H*T3N auf welchen die Halachisten herab schaueten, nicht die höchste Stufe der Gelehrsamkeit und des klaren Lichtes. So raunte R. Simon zweideutig dem R. Samuel in's Ohr: Ich höre, du wärest Agadist, sag mir doch, wober kam das Ur-Licht? Der Gefragte verstand die neckische Anspielung nicht oder wollte sie nicht verstehen. (Br. Rabba cap. 3). Die Masse des Volkes war indess der Blumenlese der Agada viel geneigter, und aus der Noth eine Tugend machend, mussten sich die Halachisten dazu bequemen, sie nicht nur zu dulden, sondern sich selber daran zu betheiligen. Rabbi hielt einen geistigen Vortrag, welcher aber sein Auditorium in einen süssen Schlummer einwiegte, zu dessen Erwachung er in eine Agada einlenkte. (Br. Rabba S. Haschirim Schlagw. R. Chi ja und Et. i Abuhu trugen in einer Stadt, jener Halacha. vor leeren Bänken, dieser Agada bei vollem Hause vor. Dass sich ersterer darob gekränkt fühlte, ist daraus zu erkennen, dass R. Abuhu ihn damit cajolirte: „Juwelier-Laden erfreuen