Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 4 (15.2.1882)
- Date
- 1882-02-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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-i 4. u <*• 4^ l&dovai (Kroatien) 15. gteßruar g& Ai DAS vor mm m Jel JÜDISCHE CENTRALBLATT. (ZU8LEICH ARCHIV FÜR DIE 8ESCHICHTE OER JUDEN IM KÖR, KROATIEN), Herausgegeben von Rabbiner Dr. M. Grünwald. I. JAHRGANG. /Das Jüdische Centraiblatt erscheint alle 14 Tage in 17« bis 2 Bogen; Preis bei ailen Buchhandlungen (in Belovar bei J. Fleischmann) pro Jahrgang 4 fl. Inserate werden mit 10 Kreuzern die 3 gespaltene Petitzeile berechnet und auachlifjaÜtth entgegengenommen durch die Annoncen-Expedition ron J. Fleiachmann in Belovar. (Mannicripie werden nicht retournirt). >•;*=*. INHALT. I. Besondere Eigentümlichkeiten der talmudischen Ethik. —- II. Aus einem Briefe des Oberrabbiners von Sarajevo und eine i Berichtigung — III. Autographie S. D. Luzzatto's; vorangeht 1 eine literarhistorische Abhandlung über die Familie Luzzatto vom \ Beginne des 10. Jhdts.; aus dem itai. in's deutsche übertragen \uid mit Anmerkungen versehen von Dr. M. G. — IV. lieber : den jüdisch-spanischen Dialekt als Beitrag zur Aufhellung der j Aussprache im Altspanischen. Recensionen. Jakob Grünwald k. k. Heligionslehrer. Jakob Reifmann. Pflichten des Vaters gegen seinen Sohn. Nachdruck nur mit VOLLER Quellenangabe gestaltet. Besondere £igenthümlicuk«ejt^i\ der Talmudischen Ethik. - : v t (Fortsetzung.) Kaufs Ausspruch, dass im Himmel uud auf Erden nichts, schlechterdings gar nicts bestehe, was unbedingt gut und zum Heile führe, als der üitlich§ Will?, er ist schon in Talmud ausdrücklich vorhanden in den Worten «■kto««* v»L«*.» «,«.«■,>.,,., M>it>«n Weit ||J >«J<md $*V'Vm/ 1 J IflS I \ji \*1>*M> jJIU ^"5 besser ist es, wenn auch weniges mit sittlich gutem Willen zu vollbringen, als vieles und scheinbar grosses" solches ist auch de: Sinn der scheinbar auffälligen Stelle jPf^JÜflJtjjj Htyp PTTDy ^nlHnH daSö sündhafte Gedanken weit sträflicher seien als die sündhafte That. Denn die Talmudisten machten mitten im Leben stehend, vom Leben ausgehend und zum Lehen zurückführend einzig und allein um des Lehen* willen die Moral zum Gegenstand ihrer Untersuchung. Nicht geblendet vom trügerischen Schein, nicht unterworfen der machtigen Zugkraft des sogenannten Zeitgeistes standen sie auf der Höhe wahrer Sittlichkeit und brachten die dem wirklichen Leben abgelauschten Erfahrungen in eine kernige, pnecise Form, die manchmal vielleicht etwas dunkel ist, die aber dem ernsten Forscher immer sich offenbart. In der äusseren Abgeschiedenheit ward das innere Leben rege, und so ward die ganze Erscheinungswelt ungetrübten Blickes vollständig erfasst und wieder gegeben. Das Göth'ejche Wort: Und setzet Ihr nicht das Leben ein, nie wird Euch das Leben gewonnen sein, es kann cfii$ Übertreibung und' Anmassimg auf die talmudischen Gelehrten angewandt werden. Sie, die die höchsten Höhen idealer Lebensbetrachtung erklommen, die den irdischen Genüssen jede selbstständige Berechtigung absprachen, sie sind nichts desto weniger weit entfernt von dem düstern, sich selbst genügenden Stoicismus (1) dessen Grundlehre in die Worte mündet: patet porta, exi; wenn di!- des Lebens Mühen zu schwierig, wenn dir die aufgebürdete Last eine zu grosse ist, dann nehme dir das Leben; in den Augen der Talmudisten war ein solcher Satz einer frivoler und irreligiöser zugleich; und sie sagen daher mit vollem Recht n£ HHK ^13 bv\ HHK *"jnnS h$ »Du nast dir mcüt seM>st {las Leben gegeben, du hast eine Bestimmung hinieden zu erfüllen und du musst sie so lange erfüllen, bis deine Todesstunde geschlagen. Nicht ist dir gestattet deinem Leben ein Ende zu machen, weil du es dir nicht selbst gegeben. Der unerbittlichen Strenge des Gesetzes schmiegt sich rührend der Satz an {2|"Q VH, dass das Leben in jedem Falle geschont werde, denn wenn Schwäche oder Krankheit uns befallen, so dürfen wir selbst wichtige Gebote, übertreten, um unser Leben zu unterhalten, wenn es ohne deren Übertretung nicht möglieh ist. QfQ ^n* leben soll der Mensch und treu sein der Religion, vom Leben ausgehend und zum leben anleitend so waren die ethischen Kernsprüche des Talmud. (1) Mit Recht sagt daher A. W.Grube in Dittes. Paedagogium II. Bd. p. 294: Wenn er (der Mensch) nicht dazu fortschreitet, die einzelnen ethischen Ideen auf ihren gemeinsamen Urgrund zu beziehen und mit diesem in ein persönliches Verhältniss zu treten als zum selbstbewussten Geiste, der die sittliche Weltordnung geschaffen hat, so mag das seinem philosophischen Selbstbewusstsein resp. Stolze wohlthun, aber dem Gemüthefehit etwas und der nücl 1 - ■ne Verstand wird den vollen Pulsschlag eines gotterfüllten warmen Herzens mehr hemmen als fördern. Die Stoa ist ein Beleg für die Gefahr jenes Eigendünkels und jener Selbstgerechtigkeit, in welche diese autonome Moral geräth.