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Das jüdische Centralblatt · 1882-02-01 · 3 (1.2.1882) · p. Seite 31

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Journal
Das jüdische Centralblatt
Volume
1 (1882)
Issue
3 (1.2.1882)
Date
1882-02-01
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 31 m bilden d.h. ihnen ein Quantum Wissen beizubringen, sondern sie auch zu erziehen, gerecht zu werden, feemüht sein wird. Ist nun aber der Religionsuntericht solchermassen Grund und Stütze jeder wahren Erziehung, wird das Hauptaugenmerk nicht nur des Religions- Jehrers(Rabbiners,Predigers) sondern auch das des Gemeinden Vorstandes \irid der Regierung stets bleiben müssen, den Religionsuntericht soweit als möglich vollkommen zu gestalten. Es müssen daher in jedem Lande die Verbältnisse des Landes berücksichtigt werden, will man anders von Nutzen sein, und nicht nur nützlich scheinen, Der Umstand, dass fast sämtliche Gemeinde Kroatiens jüngern Datums sind, ist schwerwiegend genug, um die vollste Berücksichtigung zu verdienen. Denn es ist durchaus nicht einerlei, ob eine mindestens durch ein Jahrhundert angesessene Bevölkerung in einem Orte wohnt, oder ob es erst einige Jahrzehnte sind, in welchem sich eine jüdische Gemeinschaft in einem Orte niedergelassen und angesiedelt hat. Denn dass man zuerst und zunächst den Ansprüchen des Körpers und des Lebensunterhaltes Rechnung trägt, ist natürlich und dass bei angestrengter Sorge für die Lebensmittel das Bedürfniss nach geistiger Nahrung ein sehr geringes ist, darf als ebenso sicher srelten. Erst nachdem sich wenigstens bei einzelnen Mitgliedern eines jüdischen Gemeinwesens ein gewisser Wolstand geltend gemacht, ist man bestrebt, den religiösen Ansprüchen ernstlich Rechnung zu tragen. Nun ist bei der Jugend der jüdischen Gemeinden Kroatiens noch sehr viel, fast könnte man sagen, alles zk th>>it. Wir besitzen keine Bibelübersetzung (1) in kroatischer Sprache, ja nicht einmal der Pentateuch ist in einer mustergiltigen Übersetzung vorhanden, das Betbuch ist gleichfals noch nicht ins Kroatische übersetzt, In deutscher Sprache besitzen wir die klassische Bibelübersetzung die unter der Redaction von Zunz im Jahre 1837 von Arnheim, Dr. Julius Fü^t und Dr. M. Sachs als Mitarbeitern herausgegeben wurde, nnd in ungarischer Sprache ist zum mindesten der Pentateuch in einer für die damalige Zeit mustergiltigen Übersetzung von Moritz Bloch (nachher Ballagi) seit mehreren Jahrzehnten bereits vorhanden. Und wie leicht wäre es trotzdem, den Pentateuch ins Kroatische zu übertragen. Ein gemeinschaftliche* Wirken, welches dem Ganzem dienen soll, ist allerdings hiezu erforderlich und wir zweifeln nicht, dass das Resultat ein erfreuliches sein wird. Es könnte die Übersetzung eines schwierigen Buches auch in 2 Theile d.h. an 2 Bearbeiter vertheilt werden und nach Verlauf (1)" Die von der Bibelgeselschaft herausgegebene Übersetzung von Dauicic und Vuk Karadzic ist durchaus nicht für den israelitischen Eeligionunterieht zu benützen: abgesehen davon, dass die ueuesten Forschungen auf dem Gebiete der Aegyptologie und Assyriologie nicht einmal angedauM,) geschweige denn verwertet sind. eines Jahres könnte von der Regierung eine Versammlung der Männer einberufen werden, denen die Übersetzung des Pentateuch aufgetragen wurde, oder richtiger, die diese patriotische Pflicht zu, erfüllen, bereitwillig übernommen. ■ ■ Wenn wir auf diese Übersetzung das Hauptgewicht legen, so geschieht diess aus dem Grunde, weil ohne gründliche Kenntniss des Pentateuch (der 5 Bücher Mosis) weder eine Kentniss der Keligion noch deren Gebräuche möglich ist. In allen Propheten sowie in den Hagiographen wie in ganzem Talmud und in der ganzen jüdischen Literatur wird auf die Lehre Mosis Kücksicht genommen, ist sie Ausgangspunkt und Endziel, sie ist Anfang, Mitte and Ende der Religion, die man nach Moses die mosaische nennt, die aber richtiger He jüdische heisst, trotzdem man oft diesen Namen auszusprechen sich scheut und den Namen IsraeUt für eleganter hält. (1) Aber nicht mit Recht. Ohne Kentniss des Pentateuch aJso ist eine Kentniss des Judenthums unmöglich, nicht nur des Judentbums in der Vergangenheit, sondern auch des Judenthums in der Gegenwart. Denn die Gegenwart lässt sich ohne die Vergangenheit nicht begreifen. Auf die Übersetzung des Pentateuch also Wird das Hauptgewicht beim Gymnasia [unterteilte zu legen sein, um soniehr als das wichtigste Gebet, das Schemagebet nämlich, rollständig im Pentateuch enthalten ist Nun muss aber, um zur 1. Gymnasialklasse überzugehen die Frage beantwortet werden, wie es mit den Wissen der Volksschüler m Bezug auf Religionskenntnisse steht. Nach meiner Erfahrung können die wenigsten Schüler hehräiseh lesen, \on einem Verständniss <ier Gehetstvicke oder einer geschichtlichen Kenntniss auch nur der 5 Büches' Mosis ist keine Rede. So lange bei der Aufnahmeprüfung, die zum Eintritte in in das Gymnasium berechtigt, nicht auch die Religion Prüfung sgeg eitstand sein wird, ist an eine Regelung des Religionsunterricht nicht zu denken. (In Oestereich ist allerdings die Religionslehre Prüfungsgegenstand bei den in das Gymnasium aufzunehmenden Schülern, und da uns kürzlich von authentischer Seite mitgetheilt wurde, dass sämtliche Einrichtungen im Kgr. Kroatien denen der österreiÄkchen Gymnasien entsprechen, so dürfte auch in Kroffen hiemit bald begonnen werden). Gesetzt nun aber, dass die Volksschüler das vorgeschriebene Mass, welches sie wissen solltm, besitzen, halten wir es trotzdem für zweckmässig mit der biblischen Geschichte von Anfang zu beginnen; aus paedagogischeu Gründen, und 2tens der Analogie halber, weil ja bekanntlich in sämtlichen Gegenständen der Unterricht von Anfang, wenn auch gründlicher und eingehender vorgenommen wird. Warum beim Religionsuntericht eine Ausnahme manchen? Nah multa sed mültum; dieser (1) Wir haben in dieser Nummer in der Arbeit: Weoeii der Ethik gezeigt, dass der Name Jehndi den Bekenner des einigeinzigen Gottes bezeichnet und das Verdienst den Monotheismus zuerst rein gelehrt zu haben, gebührt ohne Zweifel den Juden.

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