Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 50 (11.12.1879)
- Date
- 1879-12-11
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1 fen und über Kopf und Hals Vorbereitungen für dieselbe treffen. Selbstredend läßt sich im letzten Stadium die religiöse Unterweisung nicht so gründlich und erschöpfend bieten: fast möchte man die Zeit bedauern, welche auf die stattgefundene Vorbereitung verwendet ward. Es sollte darum jeder, der noch lebhaft und warm für die Religion der Väter empfindet in den ihm zugänglichen Kreisen auf die Nothwendigkeit der religiösen Erziehung Hinweisen. Die feindlichen Angriffen von draußen, welche in den letzten Monaten so sehr en vogns geworden und alles was die Schmutz- Presse gegen Juden und Judenthum tzorbringt, haben uns nicht so großen Schaden zugesügt, als dies durch überhandnehmenden Jndifferentismus geschieht. Als Nachtrag zu der Notiz „Trauerkunde" in unserer Nr. 48 geben wir hiermit folgende Orig. Corresp. Breslau, 26. Nov. (Unlieb verspätet.) Am 14. d. Monats wurde hier unter Theilnayme seitens zahlreicher Mitglieder der Gemeinde ein Mann beerdigt, wie er in jetziger Zeit nicht häufig angetroffen wird. Das war der durch talmudisches Wissen und ungeheuchelte Gottesfurcht ausgezeichnete Rabbiner Moses Aron Bach aus Schildberg in der Provinz Posen. Seine langjährige Wirksamkeit im Amte als Seelsorger und Vorbild für die Mitglieder seiner Gemeinde hat ihm die Achtung und Liebe Aller eingetragen. Fest stehend ans lradirtem Boden, vermochte ihn was auch immer an ihn herantrat, Nichts wankelmüthig zu machen und aus dieser Richtung des Conservatismus auch nur um eines Haares Breite herauszudrängen. Dies bewies er oft, ganz besonders in seiner früheren Stellung in Myslcwitz wo ihm durch eigenthümliche Zumuthungen gar mancherlei bittere Erfahrungen bereitet wurden. Seine Vorträge waren weniger nach modernem Zuschnitt, erregten aber durch Benutzung von Agadoth und talmudischcn Sentenzen viel Interesse bei seinen Zuhörern, und verstand er außerdem die heilige Sprache in blühender echt klassischer Weise zu gebrauchen. Am Grabe hielt der hiesige Landrabbiner eine pietätsvolle Leichenrede, die die Tugenden und die Verdienste des Rabbiners Bach hervorhob. Wir erwähnen nur noch, daß Bach vor einigen Monaten sein 70jähriges Jubelfest beging und wegen eingetretener Lähmung der Zunge hierher reiste, um Linderung für seine Leiden zu suchen, leider aber zum großen Leidwesen seiner Angehörigen und vielen Freunde plötzlich vom Schauplatze der Welt abgerufen wurde. Hamburg, 1. Der. (Orig. Corresp.) Die Be. setzung der zweiten Clausrabbinerstelle an der Lewin Salomon'schen Stiftung sieht noch immer der Entledigung entgegen. Die Hauptschwierigkeit liegt darin, daß das mit der Stelle verbundene Gehalt dem Angestellten, wenn er Familienvater ist, kein genügendes Auskommen in der großen Stadt bietet. So ist einer unter den Bewerbern dem fast die öffentliche Meinung zur Seite steht, nur der Umstand, daß derselbe eine zahlreiche Familie hat, hält die Ausführung noch zurück. Die ins Leben gerufene Synagoge nu an der Herr Oberrabbiner Dr. Jsaacsohn als Prediger fungirt erfreut sich eines regen Besuches. Auch die religiös-wissenschaftlichen Vorträge des Genannten an jedem Dienstag Abend ziehen ein zahlreiches Publikum herbei. Aus Württemberg, 3. Dcc. Der Vorstand des Vereins zur Versorgung israel. Waisen in Württemberg (Hofrath Dr. Adolf Levi in Stuttgart) veröffentlicht einen sehr günstigen Bericht über das israel. waren 5 Weiber angetrant worden und die Trauung wurde nur aus dem Grunde für ungültig erklärt, weil unter den Fünfen zwei Schwestern sich befanden (Kid- Luschin 51. d.)Wer aber geneigt wäre aus einer andern Stelle zu entnehmen, daß damals die Monogamie allein herrschte, dem würden wir folgende Stelle citiren, damit er sich von der Haltlosigkeit seiner Annahme übersührte: Der Sohn des R. Jehuda, des Sammlers der Mischna, verließ nach der Sitte jener Zeit seine gute Gattin auf mehrere Jahre, um wahrend der Zeit an einer Hochschule Kenntniffe zu erwerben. Als er nach Hause zurückkehrte, war seine Frau bereits über die Jahre des Gebährens hinaus. Da sagte R-Jehuda: Gäbe er ihr einen Scheidebrief dann würde man sagen: vergebens hat die Arme solange gearbeitet; heirathe er eine Andere neben ihr, dann würde man sagen: Die Eine ist seine Frau, die Andere seine Maitreffe (Kethubot 62. 6.) Der Sinn dieser Stelle ist folgender: Grade dadurch, daß der Sohn des R. Jehuda die erste Frau, trotz ihrer Unfruchtbarkeit behält, sind wir zum Schluffe berechtigt, er habe die zweite Frau hingenommen nicht als eine Ehefrau, um mit ihr Kinder zu erzeugen, sondern als ein Kebsweib, um seiner Sinnenlust zu stöhnen. In der Thal aber war die Polygamie wiewohl von deren Verirrungen selbst _--.t-“- — _JU_* /r., . __ Waisenhaus »Wilhelmspflege" in Eßlingen pro 1878/79. Das Haus blieb von jedem beängstigenden und leididem Erlebnisse verschont und Unterricht und Pflege erzielten bei den Zöglingen das schönste Resultat. Die aus der Anstalt tretenden konfirmirten Töchter treten in eine mit dem Waisenhause verbundene Fortbildungsschule, wo sie die Handarbeiten und Haushaltungsgeschäfte erlernen, die Anstalt beherbergt jetzt 34 Zöglinge. Die Einnahmen betragen 28 286 M., die Aus gaben 23,500 M., das Vermögen 211,550 M., (inel. Gebäude,) die Zunahme des Vermögens ca. 6000 M. Möge diese wohlthätige Anstalt auch ferner blühen und gedeihen. — Die Württ. Anwaltskammer wählte. in ihrem Vorstande 2 Israeliten, ein Viertel sämmtlicher Mitglieder, nämlich die Herren Schloß (Heilbrunn,) Heß (Ulm.) Dänemark. Aus Kopenhagen wird gemeldet daß dort eine Münze aufgefunden wurde, die von einer Seite das Bild König Davids mit hebräischer Inschrift und von der andern Seite eine Harfe ebenfalls mit hebräischen Buchstaben zeigt. Es soll dies nach Ansicht von Sachverständigen eine echte Münze aus der David'schen Zeit sein und hat somit das Alter von 2879 Jahren. Vermischtes. — Die Photographie des Herrn Oberrabbiners S. Sofer, zu Krakau, Reichsrat habgeordneten in Wien, ist zu haben bei A. Faust, Bus Händler, Krakau. — In San Francisco hält jetzt ein jüdisch-chinesisches Ehepaar die flotteste aller chinesischen Restaurationen. Der Mann ist ein Chinese, die Frau eine schmucke jung: Jüdin; der Chinese soll vor der Hochzeit förmlich z rm Judenthum übergetreten sein. (Schlesische Preffe.) — In der Liste der Steuerzahler allerersten Ranges im deutschen Reiche figuriren: Herr M. v. Rothschild in Frankfurt a. M. mit 70,000, Herr Willi v. Rothschild mit 68,000, Herr Krupp mit 57,000, Banqaier Bleichröder in Berlin mit 32,000 und Herr Oppenheim in Köln mit 25,000 Mark jährlicher Abgaben. Berichtigungen zu Nr. 4S des Israelitischen Boten/ S. 1 zweite Colonne soll es heißen statt: Konnten etwa all' die Männer, Weiber und Kinder Israels rc. „Konnte etwa all'den Männe'n, Weibern undKindern"; statt: lautet Gotteswort, „lautet Gottes Wort." — In der Beilage, am Schluffe des Artikels Literarisches, statt: einen entsprechend guten Erfolg, „ein entsprechend guter Erfolg." Spenden -Verzeichnis. Für die in Nothstand gerathene Familie (Aufruf Nr. 48 und 49, des ,Israelischen Botettt, sind eingegangen: M. .Köln 3 M. Durch denselben gesam. 7 M. 50, — H. 25. M. Aus Köln 2 M. nebst einer neuen Bettdecke. Poststempel Trier 3 M. N. N. Bonn 5 M. N. Bonn 10 M. Ungenannt, Bonn 2 M. N. Bonn 50 Pfg. M. M. Bonn 3 M. N. N. 4 M. Von Lehrer G.d in F. gesammelt 14 M. 50. Ungenannt, Brüssel 10 M. I. S. in Frankfurt 3 M. Jebam 37, 6.) durch die jüdische Sittlichkeit verpönt und würde blos als eine vom Leben abgerungene Concesston betrachtet, wozu zwei bedeutende Umstände in den Zuständen der menschlichen Gesellschaft nicht wenig beitrugen. Erstens gab es eine ungeheure Ueberzahl von unverheiratheten Jungfrauen und Wittwen; zweitens die das weibliche Wesen schändende Prostitution, welche bekanntlich in Rom eine wahrhaft erschreckende Ausdehnung angenommen. Um den beiden genannten Uebeln vorzubeugen drückte man gegen ein geringes Uebel das Auge zu. Als aber die Polygamie allzu stark überhand zu nehmen begann, da ermüdeten die Lehrer nicht gegen dieses Unwesen zu kämpfen. Damit galt der treffliche Ausspruch: Biel Weiber — viel Zauberei (Abot 2, 7.) Schließlich sah man sich genöthigt dem Uebel dadurch zu begegnen, daß man die Zahl der Frauen auf vier beschränkte (Jebam. 44. a.) Will man nun auch der zweiten Frage näher treten, und in Bezug auf das Hetäcenwesen Bescheid ertheilen, so wird die Antwort lauten, daß Hetären bei den Juden nicht in der Weise wie bei der: Griechen begünstigt oder gar bevorzugt worden sind, eine Tatsache, welche sich wohl dadurch erklären läßt, daß der heidnische Naturglaube die Wollust als etwas ganz - _-g»-— - -«■ . ».<-«__JC _ c_ Für den Studiosen, sind eingegangen: F. in Breslau, 10 M. C . . . . N. Berlin 15 M. E. E. in Danzig 20 M. Dr. N. Poststempel, Harburg 10 M. Ungenannt in Bonn, 3 M. Fr. N- und Ww. B. Hannover je 5 M. Die geehrten Leser werden hierdurch benachrichtigt, daß in Folge der eingetretenen starken Kälte, die Rohrleitung unserer Gas-Maschine gegen alle Erwartung so stark beschädigt wurde, daß dadurch in unserer Druckerei aus einige Tage ein Hemmniß wegen Reparatur eingetreten, weshalb die heutige Ansgabe sich schon etwas verspätet und die zunächst erscheinende Nummer srstirt bleiben muß. Jedenfalls werden wir aber bei Nr. 52 das Versäumte nachholen. Die Expedition. Zusatz der Sabbath-Anzeige: Wegen eingetretener Störung (siehe obige Anzeige) wird die in nächster Woche zu erscheinende Nr. 51 nicht hergestellt werden können. Die Redaktion. Dezember 20. *) BW PITTD „ Sabbathausgang 4 Uhr 41 Min. „ 25. natoi mtw mx *) enthält: Jehuda's rührende Bitte an Josef. Josef gibt sich darauf seinen Brüdern zu erkennen, beschenkt sie unv läßt seinen Vater und dessen ganze Familie, 40 Personen nach Mizragin kommen. Jacob zieht nach Egypten mit. Er steht seinen Sohn Josef Jacob und seine Söhne werden dem Pharao vorgestellt, dann in der Landschaft Goschen, oder Raamses, einem egyptischen Weideland, ansässig gemacht. Josef sorgt sür's Volk und den König. (Hafthora, Jecheskel 37, 15 bis Ende des Kapitels.) Zwei junge Mädchen guter Familien, die sich im Haushalte vervollkommnen, oder denselben gründlich erlernen wollen, finden unter bedeutend ermäßigten Pensionsbedingungen zum 1. Dezember dieses oder 1. Januar k. I. bei uns Aufnahme. Pensionat Fraenkel, 2531 Trier. Lehrlings Gesuch. In meinem Geschäfte: Manufactur und Tuch en gros et en detail ist die Stelle eines Lehrlings vacant. rQtP geschlossen. Gute Handschrift, sowie Schulkenntnisse erforderlich. 2572 S. Meyer III, Euskirchen. Israelitische Heilmid Pflege-Anstalt für Hammli. EeiiWranie sau Sayn bei Bendorf a. Rh, (Reg.-Bez. Cobl.) In den erweiterten Räunrlichleiten können jederzeit Patienten beiderlei Geschlechts, iit jedem Stadium der Erkrankung bei mäßiger Pension freundliche Aufnahme finden. (Bäder, Electricität, Heilgymnastik rc.) Leicht Verstimmte in der von der Anstalt getrennten und einige Minuten entfernten Villa. Prospecte, sowie jede nähere Auskunft durch die Unterzeichneten. 2552 M. rfacoby, Dr. Behrendt. Judenthum dagegen war von grauer Zeit her, jede Völlerei und Unzucht verpönnt und verbannt. Manche Abnormitäten in dieser Beziel nng sind aber stets nur Schmarotzerpflanzen auf dem Boden des Judenthums geblieben, die im Orient überhaupt in Fülle anzutreffen sind. Bedenkt man nun wie abscheulich die geschlechtlichen Ausschweifnngen von Ehegatten bei den Römern gewesen, als Vespasian die Regierung antrat, zu welcher Zeit Uuzucht und Ueppigkeit in Folge des Mangels an strafenden Gesetzen überhand nahmen (vgl. Friedländer ibid S. 462.) so wird es nicht Wunder nehmen, daß R. Jachanan b. Saccai, der große Zeitgenosse des Vespasian (Gittin 57. 6.) das Trinken des Bittern Wassers als Beweismittel für den Ehebruch nur aus dem Grunde einst ellen ließ, weil die Zahl der Ehebrecher allzu groß war (Sota 49. a.) So erklärt sich auch, wie der außereheliche geschlechtliche Umgang eines unverheiratheten Mannes mit einer unverheiratheten Frauensperson, welcher bei den Römern gesetzlich gestattet war und welchen Aur-Imn mi Hinblick auf die freigeborenen Frauen verbot ( ocüiger ibid. S. 311.) fast von sämmtlichen Tatmuotthrern, in der einzigen Ausnahme des strengen R. EUaser nicht untersagt werden konnte, (vgl. Jebam 59, 6, Fortsetzung folgt. _ —