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Der israelitische Bote · 1879-12-11 · 50 (11.12.1879) · p. [Seite 1]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
50 (11.12.1879)
Date
1879-12-11
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. Erscheint jeden Donnerstag. Verantwortlicher Redacteur Moritz Baum tn. Bonn, Inserate: Die Petitzeile oder "deren Raum 10 Pf. 'Zahlbar hier. Ju je rate werden bis Dirnstag erbeten. v. Jahrgang Expedition: Petersstratze Nr. 8. Wann, 11. Itezemöer 1879 (5640). t. | -■ * Leitender Artikel. Ist die Thora ursprünglich in assyrischen oder samaritanischen Schriftcharakteren niedergeschrieben worden? Was die Schriftcharaktere betrifft, in denen Moses die Thora niederschrieb, so besteht bei den späteren Gelehrten eine Meinungsverschiedenheit darüber, ob es dieselbe war, welche wir heut zu Tage kennen, oder nicht. Die erste Veranlassung zu derselben gab eine Stelle im Traktat Sanhedrin 21 b, welche folgendermaßen lautet: „Mar Sutra, nach Andern Mar Ukba, lehrt: Ursprünglich wurde die Thora den Israeliten in der hebräischen Schrift und heiligen Sprache übergeben, späterhin, und zwar zur Zeit Esca's in der assyrischen Schrift und aramäischen Sprache! Die Israeliten wählten die assyrische Schrift und die heilige Sprache und überließen den Idioten die ebräische Schrift und die aramäische Sprache. Wer sind die Idioten? Die Cuthaer, so lautet die Antwort des R. Chisda. Welche Schrift ist die hebräische? die libonäische, antwortet ebenderselbe." (Raschi erklärt: Unter der ebräischen Schrift v-QJ? nnD ist die jenseits des Euphrat ge ' bräuchliche Schrift zu verstehen, unter der libonäischen die große Buchstabenschrift, wie man sich ihrer bei Amuletten und Thürpfosten-Inschriften bedient. Rabenu Tam hingegen erklärt: Libonäa wäre der Name einer Gegend gewesen, in welcher man eine andere Schrift geschrieben! Diese Ansicht scheint auch die richtige zu . sein, denn so sehr unterscheiden sich nicht große Buch- : staben von kleinen, daß, wer die Einen lesen kann nicht auch die andern lesen könnte, und doch heißt es Daniel .5,8: „und sie konnten die Schrift nicht lesen." Ueberdies ist es in unserer Zeit bekannt, daß die Cuthäer d. i. die Samaritaner ihre eigene von der assyrischen verschiedene Schrift besitzen. Dahin spricht sich auch Maimonides in feinem Mijchnah-Commentar zu Zadojim 4,5 aus indem er sagt: Es sei dies die Schrift, welche bei dem samaritanischen Volke gebräuchlich sei. Eben dahin spricht sich auch Rabbenu Obadia aus Bertinora aus!) ' Es ist ferner gelehrt worden: „Rabbi Jose sagt: Esra wäre würdig gewesen, daß die Thora dem Volke Israel durch ihn hätte übermittelt werden sollen, wenn ihm nicht Moses darin zuvorgekommen wäre. Denn von Mose heißt es: „Und er stieg hinauf zu Gott" Ex. 19, 3, von Esra: «Er stieg hinaus von Babel" Esra 7, 6. Wie nun Moses wegen der Thora hinaufgestiegen war, also war dies auch der Fall bei Esra. Ferner heißt es von Mose: „Und mir trug der Ewige zu derselben Zeit auf, euch Gesetze und Rechte zu lehren" Deut. 4,!4, von Esra: „Errichtete sein Herz darauf, zu erforschen die Lehre des Ewigen und sie auszuüben und Israel zu lehren Gesetze und Rechte." Esra 7, 10. Ist nun auch die Thora selbst nicht durch ihn übermittelt, so ist doch die Schrift derselben durch ihn verändert worden, wie es also heißt: „Und die Schrift des Briefes war aramäisch geschrieben und in's Aramäische übertragen." Esra 4, 7. „Und sie konnten die Schrift nicht lesen und die Deutung dem Könige nicht kundthun 1)." Dan. 5, 8. „Und er soll sich eine Wiederholung der Lehre niederschreiben,"^Deut. 17,18, an welcher letztern Stelle das Wort 53.3fcV2 andeutet, daß die Schrift der Thora einer Veränderung unterworfen sein werde. Weshalb wird die Schrift die assyrische genannt? Deshalb, weil sie mit den Israeliten von Assyrien nach Palästina hinaufzog! Noch ist gelehrt worden: „Rabbi sagt: ^Ursprünglich ist die Thora in unserer heutigen Schrift gegeben worden; Als jedoch die Israeliten sündigten, wurde dieselbe (die Schrift) in eine Fremdländische 2) verwandelt und ihnen erst wiedergegeben, nachdem sie wieder zu Gott zurückgekehrt waren, wie es also heißt: „Kehret zurück in eure Veste, ihr harrenden Entfesselten, heute erstatte ich eckch die Kunde von^der Veränderung der Schrift. Warum wird diese Schrift die assyrische genannt? „Um deswillen, weil sie die gepriesenste 3) aller Schriftsorten ist!" Rabbi Simon ben Eleasor lehrt: „Diese Schrift ist niemals verändert worden! Wie aber ist nach diesem Gelehrten die Schriftstelle zu verstehen: Und sie konnten die Schrift nicht lesen. Esra 4, 7. Auf diese Frage antwortet Raw: „In der Schrift des Engels sind die Buchstaben umgestellt 4), daher die Motte nicht lesbar gewesen. 1) Obgleich doch Juden von Belschazar Herbeigerufen werden konnten und wahrscheinlich auch Behufs Entzifferung der Schrift herbeigeholt wurden, so konnten auch diese nicht die Schrift lesen. Daraus geht hervor, daß die Schrift an jenem Tage von dem Engel verändert wurde. (S. Raschi Sanhedrin 22 a.) 2) S. die Erklärung des Aruch, der noch eine andere Lesart anführt und zwar statt das Wort £ ieses führt er auf die Bedeutung zurück, welche es bei Onkelos Gen. 30, 18 hat: *23^2 VI-5 im *>2'3p2. Der K"2nH2 erklärt es mit: mitrs inxw -js^n fim -I322> nro rn2>3K2. Einleuchtend ist die Erklärung Mendelssohns, die er in seiner Vorrede weiterhin gibt und zwar: #222^ )Vb 322 W122 512TO$> UV yvi ■H23, welcher ich hier gefolgt bin. 3) Sden Commentar des D"222 zu Jadajim, 4,5, wo er ans die Stelle: 53332 >3312'K ^2 ^"32>K2 Gen. 30,16, hinwcist. Dieser Erst, schlitzt sich auch R. Ob. an. 4) Nach dem System: V"'l n"K S. Raschi zur Stelle! Chanuka sonst und jetzt von I. M. Caro, Posen.;<$ Wenn die Lichter des bedeutungsvollen Weihefestes E angezündet werden und ihre Helle friedlich und heilig A uns umleuchtet, da wenden sich unsere Blicke einer H großen Vergangenheit zu. Wir haben den Segen gesprachen und Gott um seines Wunder und Gnade H Willen gepriesen, die er an uns^n Vorfahren vollbracht. B Wir erinnern uns des Matisjahu und des heldenmüthi- -i. gen Maccabäergeschlechts, das sich wie eine eherne Mauer dem Heidenthume und den Tyrannen entgegen- % stellte, und mit dem Lichte des Glaubens die Finsterniß des Unglaubens verscheuchte. Wir erinnern uns dankbar bewundernd ihrer Siege und ihrer Großthaten, die mit der Weihe des wiedererrungenen Tempels endeten. Da bewahrheiteten sich die Worte des Propheten in der diesmaligen Haftorah "»nmn DK >2 5322 >63 ^532 >6 533K22 "7 22K nicht durch große Heeresmacht, nicht durch eigene Kraft, sondern durch meinen Geist spricht der Ewige der Heerschaaren. Denn die Zahl jener tapferen Streiter war nicht groß, aber desto größer und gewaltiger war ihr Eifer und ihr begeisterter Ernst für die gerechte und heftige Sache, und mit diesen untrüglichen Waffen vollbrachten sie Wunderbares und Unverhofftes. Wir sehen, daß unfern damaligen Brüdern der Glaube Gottes höher stand, als das Leben und seine Genüsse, und wie viel ernster Wille und muthige Entschlossenheit vermögen, wenn sie für die Wahrheit kämpfen. Damit nun das Andenken jener wiedererstandenen Heit der Weihe und des leuchtenden Glaubens nie erloschen möge, soll Israel alljährlich dieses Fest feiern, und als Zeichen der innigen Theilnahme an das wiedergewonnene Licht der Religion die Chanukahlichter anzünden, und aus dem Strahl der heiligen Lichter ihm die Hoffnung leuchten, daß wie Gott Wunder gethan D5353 0'»2'Q, er uns auch nicht verlaffen wird ntn pt2- Aber wie nun so die festlichen Lichter eines nach dem Andern wieder erlöschen, da werden mancherlei Betrachtungen in unserer Seele wach. Wie fröhlich ward dieses Fest vormals in Israel gefeiert. Da gab es wohl noch kein Haus in welchem nicht die Weihelichter mit frommem Sinne angezündet wurden, in welchem dann diese Abende einst heiteren Spielen und geselliger Freudigkeit angehörten. Jeder fühlte, daß die einst errungenen Siege durch Gottes Macht auch für die Jetztzeit ihre hohe Bedeutung noch nicht verloren haben. Jeder kannte die Wahrheit der Worte: "1 53KT>2. HDn2 "VT» 3,02^3 IV 53222 In der Gottesfurcht ist man des Sieges gewiß, die auch den Nachkommen Schutz gewährt. Ein Schächter als Bischof. Line Kktzre aus den Erinnerungen meines Lebens, von Brauuhart. Als aber mein Gastgeber zum Dessert Käse und Butterbrod aß, sah ich ihn noch einmal, aber höchst erstaunt an. „Daß ist ja wider unser Speisegesetz!" rief ich ihm zu. „Nun ja," sprach er ruhig, „ich esse unerlaubte Speisen ohne Gewissensbisse, obgleich ich ein rechtgläubiger Israelit bin." „Wie reimt sich das zusammen?" fragte ich neugierig. „Lassen Sie sich erzählen," antwortete er. „Ich wohne mit meiner Frau, einer Schottin, seit 2 Jahren hier in London, und es ist mir gelun en, eine neue Sekte: „Die rechtgläubigen Israeliten" genannt, zu stiften. Dazu gehören fast nur Christen beiderlei Geschlechts. Durch die ansehnlichen Beiträge der Mitglieder wurde ich in Stand gesetzt, ein schönes Gebäude: Newe-Gerim nebst Kapelle herzustellen. Ich lebe in einer kinderlosen Ehe ganz gemächlich, werbe jüüsche junge Leute an, die zu unserer Sekte übertreten, und verschaffe jenen eine dauernde Existenz, je nach ihren Kenntnissen und sonstigen Fähigkeiten. Jeden Freitag! j Abend und Sabbat Vormittag sindet in meiner Kapelle! j Gottesdienst statt. Möchten Sie nicht den Versuch > machen und sich in meiner Anstalt aufnehmen lassen? Sie sollen mit Allem versorgt werden, dessen Sie zu ihrem Unterhalte bedürfen. Wenn es Ihnen nach Monatsfrist bei uns nicht gefallen oder Sie Reue fühlen sollten, so steht Ihnen der Austritt jederzeit frei. Sie haben sich jetzt zu entschließen. Hier sind jedenfalls drei Pfund, (Goldstücke) damit können Sie Ihre gemachten Schulden bezahlen und sich das Nöthige besorgen. Morgen Vormittag erwarte ich Sie in meiner Anstalt. Hier ist meine Karte, die Sie nur vorzeigen dürfen, und man wird Sie zurechtweisen. Jetzt müssen wir uns trennen, denn ich habe noch einen wichtigen Besuch abzustatten." Er reichte mir seine Hand zum Abschiede und verließ das Lokal. Ich nahm die drei LovereiAus und die Karte und steckte beides in die Tasche, dann begab auch ich mich aus Mr. Johns Kaffeehaus. Auf der Straße überlegte ich, was zu thun sei, ob ich der Einladung folgen sollte, oder mit dem geschenkten Almosen einen kleinen Handel mit Bleifedern, Federmessern, Waschschwamm, Hosenträgern rc., wie ich dergleichen armselige Krämer und Krämerinnen vor der Börse und längs der Fleetstreet in überflüssiger Menge ausgestellt sah, beginnen sollte. Ich begegnete nicht! wenig Glaubensgenoffen, welche mit alten Kleidern und anderem Trödel handelten und mit dem Rufe: Cloth! Cloth! (alte Kleider) langsam die belebten langen Trottoirs der Straßen durchstrichen. Ich sah ferner, mit welcher Verachtung anständig gekleidete Leute diese Art Händler ansahen und ihnen« auswichen, und mit welchem Plebs sie verkehrten. Dieser Anblick ekelte mich an und verleidete mir den ganzen Kleinhandel. Ich begab mich nach meiner Wohnung zurück, und ging nochmals mit mir zu Rache; projektirte in Gedanken dies und jenes, allein ich kam zu keinem Resultate; ich befand mich in der größten Calamität. Endlich beschloß ich, da Roth kein Gebot kennt, mit dem Anerbieten meines Freundes G. einen Versuch zu machen. (Fortsetz, folgt.) Aus dem Leben eines jüd. Waisenknaben. (Eine wahre Begebenheit.) (Nachdruck ohne Erlaubnis der Redaktion nicht gestattet.'» Sie wußte aus den Psalmen so manchen pas^u, Vers zur rechten Zeit anzubringen, und vorder gebrauchte sie oft ihren p-,22 der auf di^^"

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