Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 48 (27.11.1879)
- Date
- 1879-11-27
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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es zu wollen, daß ihr nichts höher steht, als die Pflege idealer Güter und übertrug ihre schöne Wärme für die Religion auf denjenigen, der das Glück hat, einer solchen'Gemeinde das Wort Gottes zu verkünden. Wohl dem, der eine solche Gelegenheit hat, Hunderten in's Herz zu schauen. Er wird aufhören zu sagen, daß unsere Zeit nur das Materielle schätzt, er wird einsehen, daß unsere Zeit an Adel der Gesinnung keiner erträumten bessern Vergangenheit nachsteht. Ich danke der Gemeinde, ihren würdigen Vorstehern und Vertretern, den edlen Instituten und Gesellschaften, die mir den Tag verschönt, ich danke denen, mit denen ich in Gotteshaus und Schule collegialisch wirke, die durch Wort und Lied mich erfreut, ich 'danke vor allem der freien Vereinigung von Mitgliedern unserer Gemeinde, die mir ihre Theilnahme an meinem Wähle in einer Weise bewiesen haben, daß ich es unmöglich meinen Leistungen zuschreiben kann, sondern nur den Proben Don aufrichtiger Liebe, mit der ich meines Amtes gewaltet habe. Möge Gott der Herr alle die Herzen erfreuen, die in schönem'Wetteifer bemüht gewesen, mir und meiner Familie Freude zu bereiten. Auch den Corporationen und Privaten aus der Fremde, die mich mit ihren Glückwünschen beehrt, sage ich zunächst auf diesem Wege meinen herzlichsten und ergebensten Dank. Dr. M. Joel, Rabbiner. Bonn, 18. Nov. (Trauerkunde.) M. A. Bach, gewesener Rabbiner zu Schildberg ist im hohen Alter zu Breslau gestorben. Die Mitglieder der Synagogen- Gemeinde Schildberg's widmen dem Andenken ihres Rabbiner's, an dem das orthodoxe Judenthum einen herben Verlust erlitten, einen warmen Nachruf. — — Aus Fraustadt wird der Tod eines der achtbarsten und ältesten Mitglieder der Synagogengemeinde, des biederen Mannes Herrn Julius Ravack gemeldet. Friede seiner Asche! Berlin. Der Hoflieferant Herr Johann Hoff hat in diesem Jahre abermals von 8 Höfen Diplome rc. erhallen, so daß er gegenwärtig über 50 Hof-Auszeichnungen besitzt. B. B. Z. Vermischtes. — (Ernst und Scherz.) Der „Börs.-Cour." berichtete gestern von dem hiesigen Gesangverein «Ernst und Scherz", der in seinen Statuten den Paragraphen eingeschaltet hatte: . . . «Juden dürfen weder in den Verein ,als Mitglieder ausgenommen, noch dürfen dieselben als Gäste eingeführt werden." Die Seele dieses Gesangvereins und dessen Dirigent ist ein Herr W. Handwerg, Besitzer eines Musikinstituts, und der Vorsitzende ist Herr A. Walter, Inhaber eines Handschuh- und Cravatengeschäftes. An demselben Tage begegnete einer unserer ^D^itarbeiter einem hiesigen Kaufmann, der ihm genau bekannt war und der im Begriff stand, in das Handschuhgeschäft des Herrn Walter einzutreten. „Wollen Sie Einkäufe machen?" fragte er den Herrn. „Nein, ich wollte nur Herrn Walter, dessen Kunde ich bin, fragen, ob er mir auch fernerhin noch Handschuhe verkauft, „denn ich bin Jude." (Die Geheimniffe der AnsemitenLiga.) Und tiefstes Geheimniß umgab die Antisemiten-Liga. Um die Zeit herum, in welcher Herr Stöcker noch seine donnernden Philippikas „gegen das moderne Judenthum" erließ, wurde sie im Dunkel der Nacht geboren. Vom ersten Augenblicke an war sie in einen undurchdringlichen Schleier gehüllt. Wo ihr Bureau war, wurde allerdings bekannt gegeben, aber nur bis an die Schwelle drang der kühne Fremdling, und selbst den Mitgliedern wurde es nicht vergönnt, zu erfahren, welcher Art die Fäden waren, welche das große Netz bildeten, in welchem die Semiten Deutschlands gefangen werden sollten. Nur eins war bekannt, das Ziel der Liga und das bestand in nichts Geringerem, als die Semiten langsam «auszuhungern", d. h. ihren Einfluß in Staat und Gemeinde zu brechen, ihre Geschäfte durch Entziehung der Kundschaft zu ruiniren, sie langsam an den Bettelstab zu bringen und dadurch zur Auswanderung zu zwingen. Ein edles, hohes Ziel fürwahr! — An Reklame hat es der Liga wahrlich nicht gefehlt. Nicht nur die in der Stadt der Intelligenz an den Straßenecken vertheilten Flugblätter haben die Aufmerksamkeit auf sie lenken sollen, auch die willkommenen gegnerischen Notizen der Tagespresse haben da» Unternehmen in die Oeffentlichkeit treten lassen. So hat es denn an Beitrittserklärungen nicht gefehlt. O, die Liga hat Erfolge aufzuweisen. Sie hat sogar eine Mitgliederliste, und was für eine! Darauf find eingezeichnet — ja wie Viele doch? Fünftausend wurden neulich ausposaunt. Das war zu hoch gegriffen. Sind's vielleicht Tausend? Fünfhundert? Dreihundert? Noch immer nicht richtig? Also noch weniger? Vielleicht gar nur Hundert? Das Medium, das uns inspirirt, schüttelt den Kopf. Dann sind's doch sicher Fünfundsiebenzig. In dem modernen Sodom Gomorrha geht's nicht besser wie im biblischen, abermals muß die Zahl herabgesetzt werden ...... in runder Ziffer sind's unter Abrechnung der inzwischen wieder Äus.,eschiedenen im Ganzen 45 — schreibe fünfundvierzig — Mitglieder. — Zwar sagt der Aufruf der Antisemitenliga, daß der Name jedes Mitgliedes absolut «geheim" gehalten wird, aber wir, die wir noch nicht in den Bund eingetreten, also an die Diskretion nicht gebunden sind, würden es für ein Unrecht halten, wenn wir so edlen Bestrebungen nicht das volle Licht der Oeffentlichkeit gönnen wollten und aus diesem Grunde allein wollen wir uns der Liga durch freundliche Besprechung fördernd zur Seite stellen. — Nun folgen die Namen der 45 Mitglieder der Liga. — Ein recht hoffnungsvolles Mitglied besitzt die Liga in der Person des ungarischen Abgeordneten Victor Jstoczy, der, seine Gesinnungsgenossen an der Spree freudig begrüßend, also schreibt: „Jetzt, wo das deutsche Volk der Denker die Sache in die Hand genommen, werde sie schon zu Ende geführt werden." Nun veäorenao! Das Berl. T. v. 9. d. M. Nro. 525, dem wir diese Mittheilungen verdanken, bringt ferner über denselben Gegenstand einen mit der Ueberschrift: „Die Antisemitenliga" bezeichneten recht interessanten Artikel den wir ebenfalls unfern Lesern nicht vorenthalten können. Er lautet wie folgt: Unseren gestrigen Mittheilungen über die Geheimnisse der Antisemitenliga gegenüber bringen «Kreuzzeitung", „Post" und „Reichsbote" eine auch dem Wortlaute nach übereinstimmende Erklärung, daß sie „Aeußerungen des Tageblattes gegenüber auf das Bestimmteste versichern können, daß Hofprediger Stöcker an der Gründung, Leitung und Existenz der Antisemitenliga absolut unbetheiligt ist und bis heute weder irgend einen Theilnehmer an derselben, noch irgend ein Mitglied des Vorstandes kennt". Diese jedenfalls im Aufträge abgegebene Erklärung richtet sich gegen etwas, das wir gar nicht behauptet haben. Wir haben Herrn Stöcker weder als Gründer, noch als Leiter oder Mitglied der Liga genannt, sondern einfach berichtet, daß in einer Versammlung der Liga bei Gustavus ein zustimmender Brief des Herrn Hofpredigers von Hand zu Hand gegangen sei, der mit den schwungvollen Worten schließt: Vivat, lloreat oresoat. Gegen diese von uns mitgetheilte Thatsache richtet sich,, wie wir ausdrücklich hervorheben, jene Erklärung mit keinem einzigen Wort, so daß sie als eine ledigliche Bestätigung der Existenz des in Rede stehenden Briefes gelten kann. Auch von anderen Seiten sind intereffante verwahrende Kundgebungen laut geworden. So theilt uns Herr Oswald Mützell mit, daß er schon seit einiger Zeit aus der Liga ausgeschieden sei, er führt als Grund hierfür an, daß sich in derselben augenscheinlich Elemente befinden, welche durch ihren Beitritt nur ihr Fortkommen im Auge haben. — Herr Ed. Krämer schreibt uns, nachdem er im Eingänge seines Briefes unsere irrthümliche Mittheilung, daß er der „Berliner Freien Presse" angehört habe, dahin richtig gestellt hat, daß jenes Blatt die „Deutsche Freie Zeitung" gewesen, bei welcher er durch die energische Bekämpfung des Gründungsschwindels in den Ruf eines geschäftsmäßigen Judenhetzers gekommen, wie folgt: „Dieser Ruf mag mir auch Ende September und Anfang Oktober d. I. die Einladung zu den für einen Journalisten höchst interessanten Vorversammlungen der „Antisemitenliga" eingetragen haben. Meine Betheiligung an dieser Liga aber beschränkt sich lediglich auf jene Vorversammlungen, in denen ich auf Ehrenwort zum Schweigen verpflichtet wurde. Mit dem Augenblicke der erfolgten Konstituirung hat meine Betheiligung ihr Ende erreicht. Ich habe nicht nur das mir zugedachte Amt eines Leiters abgelehnt, sondern habe sogar Mitgliedskarte und Erkennungszeichen in den Händen der Unternehmer gelaffen und bin trotz wiederholter Einladungen nicht ein einziges Mal im Bureau oder zu irgend einer Versammlung der Liga erschienen. Sie erweisen mir mithin eine unverdiente Aufmerksamkeit, wenn Sie mich mit Handlungen und Aeußerungen jener Vereinigung in Verbindung bringen, deren Thätigkeit mir vollkommen fremd geblieben ist. Wie entfernt ich aber bei aller Anerkennung der wissenschaftlich unbestreitbaren Verschiedenheit mancher Eigenheiten des jüdischen und des deutschen, resp. semitischen und germanischen Volkscharakters, von der Billigung einer Judenhetze bin, mag die Thatsache beweisen, dan ich au» Anlaß der Vorgänge jener Tage zur Abfassung der Artikel „Kirchenpolitische Stöckereien" und «Modernes Pharisäerthum" geschritten bin, welche die Berliner Zeitung des Abdrucks an der Spitze ihres Blattes gewürdigt hat und die wegen ihrer Geißelung des Stöcker'schen Treibens in weiteren Kreisen Beifall gefunden haben sollen." — Schweres Unwetter zieht sich über dem Haupte des Stadtverordneten-Vorstehers Dr. Straßmann zusammen. Das kleine Häuflein der Antisemiten-Liga, das bisher, dem Veilchen gleich, nur im Verborgenen blühte, will sich nun zu einer heroischen That aufraffen und hat sich die Person des Herrn Dr. Straßmann ausgesucht, um an ihr die Hebel anzusetzen zur Introduktion der „Vertilgung des Judenthums mit Stumpf und Stiel". Die Mitglieder der famosen Liga waren zum Sonnabend Abendzu einer Sitzung in das Bureau der Liga, Prinzenstraße 48, geladen, um, wie es in dem betreffenden, der «strengsten Diskretion" anempfohlenen Circular hieß: „ein gemeinschaftliches Vorgehen gegen den Ring der Lüge und Frechhüt zu verabreden, der Berlin überspannt." Als Anfang zu diesem Vorgehen wurde, wie man uns tmttbeiU, eine umfangreiche Petition an die Stadtverordneten-Versammlung vorgelegt, in welcher schlankweg die Amtsentsetzung des Dr. Straßmann gefordert wird. B. V. Z, Briefkasten der Redaktion. Dem Einsender der anonymen Karte aus Trier. Wenn Ihr moralisches Wesen so verstellt ist wie Ihre Handschrift, bedauern wir Sie aufrichtig. — Wer von uns etwas haben will, der erkläre sich und zeichne seinen Namen. — Glaubt Einsender vielleicht, uns mit seinen Kritzeleien einschüchtern zu wollen? Edle Glaubensgenossen! es handelt sich um einem Nothstand abzuhelfen.: Eine Familie, bestehend aus Vater, Mutter mit 7 kleinen Kindern harren auf Unterstützung. Das Handwerk des Mannes geht hauptsächlich nur in den Sommermonaten und durch die ungünstige Zeiten des verflossenen Sommers war auch der Mann nicht immer mit Arbeit begünstigt. Schon während des Sommers mußte die Familie unterstützt werden: Der Herausgeber d. Bl. hat schon mehrmals für die betr. Familie so jüngst noch bei der rtl^D "D ihres Kindes Unterstützung erhalten, es wurde dem Knaben damals 15 Mark sogar ausZder Mohelvereins-Caffa zur Steuer eines Anzuges bewilligt. Jetzt aber ist die Noth am höchsten gestiegen, denn der Winter naht heran und es fehlt an Allem. Was eben noch Werth hatte, ist versetzt,; und die Armen stehen ganz rathlos. Der Edelsinn unserer Glaubensgenossen schläft ja niemals, und so wird auch hier helfend herangetreten werden, wenn nicht ein treuer Ernährer, ein braves Mutterherz verzagen soll. Die Redaktion ist ermächtigt Gaben in Empfang zu nehmen, und hierüber in diesem Bl. zu quittiren. Wir sind mit den Verhältnissen vertraut und werden jedwede Spende entgegennehmen. Redaktion. Iikdrsr - Versammlung in Würzburg. Die bei der jüngsten Versammlung verabredete nochmalige Zusammenkunft zur endgiltigen Feststellung der Statuten findet Iienüag, dm 16. Aezemöer d. I. Vormittags 91/2 Uhr in der Restauration Fleifchmann statt. Es ist beabsichtigt, am Schluffe der Verhandlungen ein einfaches, gemeinschaftliches Mittagessen zu veranstalten und wollen diejenigen Herrn Collegen, welche hieran theilnehmen wollen, dem Unterzeichneten hievon bis zum 12. Dezember d. I. Anzeige machen. Im Aufträge der Redactionscommission: hudwig Stern,, 2567 Schuldirector. Eine mit guten Referenzen versehene religiöse Köchin übernimmt unter promptster Bedienung Hochzeits¬ und andere Festessen zuverläßig -|BO Localitäten werden nach Wunsch besorgt. Nähere Auskunft ertheilt die Expedition dss. Bl. 2542