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Der israelitische Bote · 1879-11-20 · 47 (20.11.1879) · p. [Seite 3]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
47 (20.11.1879)
Date
1879-11-20
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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schüft ohne Religionsunterschied begrüßten den edlen Sir bei dieser Gelegenheit. — Für uns, Juden in Deutschland, kann der Name Sir Moses Montefiore nicht hoch genug geschätzt werden, aber nicht etwa wegen der hohen sozialen Stellung dieses berühmten Juden — mangelt es ja uns hier in Deutschland auch nicht an jüdischen Größen — sondern seines für das Wohl seiner Nation so warm suhlenden Herzens wie des wohlthätigen Einflusses wegen, durch den er so oft unfern bedrängten Brüdern in der Ferne Hilfe in ihrer Noth verschafft. Besäßen wir hier Männer von dem Schlage Montesiore's, da würden es unsere Feinde nie und nimmer gewagt haben, so ohne Scheu und Scham gegen uns aufzutreten. — Und daher schließen wir uns mit unserm Wunsche all' denjenigen an, die an dem Geburtstage des großen Philantropen ihm ihre Wünsche dargebracht. Möge ihn Gott der Herr, lange, lange Jahre noch zum Heile seines Volkes gesund und rüstig erhalten! Literarisches. Carl Brisch, Geschichte der Juden in Cöln aus ältester Zeit bis auf die Gegenwart. (Mülheim a. Rh. Carl Meyer 1879.) (Fortsetzung und Schluß.) Der dem Recensenten in diesem Blatte angewiesene beschränkte Raum gestattet es nicht, das Buch erschöpfend zu besprechen, oder auch nur Alles hervorzuheben, was es an Neuem und Nützlichem bietet. Das bisher zum Lobe des Buches Gesagte wird vielleicht genügende Anregung geben, um die Aufmerksamkeit der Leserwelt auf die Lektüre desselben zu lenken. Doch drängt uns die Liebe zur Wahrheit einerseits wie die Recensentenpflicht anderseits, so wie die Lichtseite auch die Schat- ' tenffile des empfohlenen Werkes aufzudecken. Vor Allem etwas zur Genesis der „Geschichte der Juden in Cöln." Den Lesern des „Jsr. Boten" wird es nicht entgangen sein, daß ein wesentlicher Theil der Geschichte der Juden in Cöln im Jsr. Boten (Vergl. Jsr. Bote III. Jahrgang von Nro. 23—52) unter Überschrift: „Die Juden von Cöln" vom Autor selbst pubiwirt wurde. Beim Vergleiche des Buches mit dem Journale muß man bald der srühern Arbeit des Verf. vor der letzteren den Vorzug einräumen. Denn abgesehen von einigen Mängeln, die hie wie dort sich fühlbar machen (so z. B., der Abgang einer entsprechenden Einleitung: im Journal ist's eine Art Predigt, im Buche wieder ein wenigsagendes Vorwort ohne Namen, wodurch die Leser für die geistige Lrctüre vorbereitet werden; abgesehen ferner von einigen Barbarismen, die hie wie dort gleich Platz gegriffen; abgesehen schließlich von manchem Wider-» spruche, der bei Confrontation des Buches mit dem Journale leicht in's Auge fällt), hat der Verf. auf seine Publieation im „Boten" unbestritten mehr Sorgfalt verwendet, und zwar, weil er dabei methodischer zu Werke ging; denn während derselbe hier sich an der Hand historischer Zahlen hält, also den Stoff der Zeit unterordnet, welches Verfahren dem Leser den geschichtlichen Faden nicht verlieren läßt, ordnet er im Buche wohl seinen Stoff (das Buch ist in 13 Capitel einge- .theili), läßt jedoch den Leser an vielen Orten in Ungewißheit über das geschichtliche Datum, das verschwiegen wird; was doch mindestens unpraktisch genannt zu werden verdient, selbst bei einem Buche, das auf den Titel Schulbuch keinen Anspruch erhebt. Gleich beim zweiten Capitel (S. 7), überschrieben mit „Unter fränkischer Herrschaft", frägt man vergebens: Seit wann? bis wie lange? — Ebenso S. 29.: .,Am Sabbat den 8. Jjar (3. Mai) ftürtzte sich" rc. rc. Am 3. Mai welchen Jahres? — Aehnliche Unterlassungssünden begeht der Verf. in unzähligen Fällen. Sünden, die er hoffentlich bei einer zweiten Auflage des Buches wieder gut zu machen bestrebt sein wird.— Seite 67 ist dem Verf. evident ein Malheur passtrt. Nachdem derselbe (S. 65) von dem gräßlichen Ereigniß zu Neug (1197) berichtet und das Klagelied "ID "piDli von R. Jool ben Jsac Halevi in der Uebersetzung wiedergiebt, fährt er folgenderweise fort: „Aehnliche Trauerspiele kamen zwei Jahre später in Speyer und Boppard vor (1196)". Zwei Jahre später von 1197 an ergeben aber die Jahreszahl 1196 in keinem Falle. Doch würde man ohne Zweifel diesen Anachronismus als einfachen Druckfehler gelten lassen (es sollte vielleicht heißen 1199), wenn nicht noch dem Verf. in der Darstellungsweise des eben angeführten Berichtes ein anderer Vorwurf gemacht werden könnte. Erzählt ja der Verf. an dieser Stelle von der Revanche, die auf Verwendung zweier angesehener Juden an dem Bischof und den Stadtobersten durch den Pfalzgrafen Otto von Burgund genommen wurde; von der Satisfaction die auf persönliches Einschreiten Heinrich VI. dem Juden Chiskia darin geworden, daß er selbe einen Schadenersatz von 2300 Mark (ungefähr 30000 Mark nach unserm Gelde; vergl. S. 23, Anm. 5.) bekam. Revanche an Bischöfen im Namen der Juden, Schadenersatz an Juden sind in der Geschichte des Mittelalters derart^unerhörte Ereignisse, daß sie mit Fug und Recht gegen die Ausdrücke: „ähnliche Trauerspiele" Protest erheben. Thatsachen solch gerechter Natur, wie die erwähnten, dürften keineswegs in Einem Athemzug mit den vorangegangenen erzählt werden, es müßte ihnen vielmehr eine ganz besondere Seite in dem Buche der Geschichte der Juden in Cöln gewidmet werden.— S. 83. 8 (sollte heißen 9), verspricht der Verf., von Metzeleien in Bonn rc. zu reden, davon ist in diesem Capitel nichts zu finden, doch ist etwas weiter im Cap. 10. S. 93 von den iOH 'D'Hn die Rede. — S. 71 soll es anstatt „7", 8 heißen, das wahre Capitel 7 ist S. 60 schon dagewesen. — Für Höflichkeit wird zwar Niemand bestraft. Doch scheint uns die scrupulöse Beifügung der Doktortitel bei Citaten aus Werken deren Verfasser sich Dr. schreiben, wie dies im vorliegenden Buche regelmäßig geschieht (mancher der citirten Autoren wird sogar mit Herr Dr. angeführt; Jellinek allein macht eine Ausnahme. Warum?), eine übertriebene, am Unrechten Orte angebrachte Höflichkeit. Und damit sagen wir dem Verfasser adieu. G. R. Schire Emunah. Religiös-jüdische Gedichte, von S. G. Frankfurter, Wesel im Jahre 5632. Wir verfehlen nicht auf diese, vom recht jüdischem Geiste getragene und als Manuscript gedruckte Gedichtsammlung des rühmlichst bekannten Herrn Verfassers aufmerksam zu machen, Und sollte auch das Versmaß manchmal etwas zu wünschen übrig lassen, so wolle man bedenken, daß bei Herausgabe des Werkchens der Verfasser noch Gymnasiast, dasselbe also rv>tMn INI itW N12N war. Der Preis desselben, 60 Pfg., für den es sowohl von dem Verfasser als auch von Unterzeichnetem, bei vorheriger portofreien Einsendung des Betrages (am liebsten in Briefmarken) franco versendet wird, ist ein so billiger, daß wir auf zahlreiche Bestellung sicher rechnen dürfen, zumal ein Theil des Erlöses für einen wohlthätigen Zweck (zur Unterstützung der in Folge der Schwindsucht arbeitsunfähig gewordenen armen Wittwe mit 2 kleinen Kindern) bestimmt ist. M. Rosenwald, Lehrer. Oestrich bei Letmathe. Westphalen. Vermischtes. (Berufung.) Aus znverlässiger Quelle geht uns die Nachricht zu, daß das Curatorium der Commerzienrath Fränkel'schen Stiftungen den Rabbiner Dr. Joel aus Krotoschin als Seminar-Rabbiner an das jüdisch-theologische Seminar berufen und ihm die sämmtlichen, durch den verstorbenen Director Dr. Lazarus vertretenen theologischen Disciplinen übertragen hat. Die Directorial-Geschäfte sollen vorläufig durch das Lehrer- Collegium unter dem alternirenden Vorsitz des Professor Dr. Grätz und des zu berufenden Seminar-Rabbiners geführt werden. B. Tgbl. (Eine historische Judenfamilie.) Der Petersburger „Nowoje Wremja" wird von ihrem Schumlaer Correspondenten folgender kuriose Fall mitgetheilt: Neulich kam zu dem Schumlaer Kreischef eine jüdische Familie und beklagte sich, daß sie jetzt gezwungen werde, Steuern zu zahlen, von denen sie während der türkischen Herrschaft befreit war und es auch jetzt noch sein müsse. „Wie so denn?" fragte verwundert der Chef- „Wir sind berühmte Juden aus Ungarn. Uus haben die Sultane von allen Abgaben befreit. Wir besitzen den Ferman", gaben die Juden zur Antwort. „Wofür wurde Ihnen dieses Privilegium ertheilt?" frug wieder der Chef. „Wir haben Pest den Türken ausgeliefert", war die lakonische Antwort der Juden. Es erwies sich, daß die Vorfahren dieser historischen Familie den Türken die Thore von Pest geöffnet hatten, als dieses von Jenen belagert war. Der bulgarische Chef sah sich jedoch nicht veranlaßt, dieses Privilegium weiterhin anzuerkennen uud die historische Judenfamilie von Schumla muß jetzt ebenso gut alle Staatslasten tragen, wie die übrigen bulgarischen Unterthanen. In den zu Paris erscheinenden „Archives Israelites“ finden wir folgende Mittheilung, die auch in Deutschland von Interesse sein dürfte. Der Bildhauer Adam Salamon hatte eine Christin gehen athet, welche später Jüdin geworden war. Im vorigen Jahre starb die Frau und wurde in dem Familienbegräbnisse auf dem jüdischen Friedhofe von Fontainebleau, wohrr Herr S. stammt beigesetzt. Nun verklagt die Tochter, welche an den Advokaten, den Katholiken Herrn Asmund Adam, verheirathet ist, den Vater und fordert unter Anderm auch, daß die Mutter ausgegraben und im katholischen Familiengrabe in Paris beigesetzt wird. Bonn, 18. Nov. Dankend bestätigen wir der Alliance Jsraslite Universelle zu Paris den Empfang einer uns zugesandten Nr. des Journal des Dsbats von Mittwoch, 5. Nov. Herr I. Bourdeau, der gelehrte und geistreiche Mitarbeiter des vornehmsten pariser Blattes, behandelt daselbst in einem (4 Debats- Colonnen ausfüllenden) literarischen Artikel die judenfeindliche Schrift W. Marr's „Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum." — Herr Marr hat nun in dem Artikel B's wirklich einmal einen Sieg des Judenthums erlebt, und nämlich den schriftstellerischen Sieg des Judenthums über W. Marr. Marr auf der ganzen Linie geschlagen: das bleibt als Resultat der Betrachtungen B's.; und wir hoffen, daß mit dieser Widerlegung selbst die „D. Reichszeitg." sich^zusrieden geben wird. — Bis wir nun nächstens Gelegenheit haben, unsere Leser mit dem vollen oder theilweisen Inhalt des Debats-Artikels vertraut zu machen, müssen wir vorläufig seinem Verf. die dankbarste Anerkennung dafür ausdrücken, daß er sich auf die Seite der Schwachen gestellt, da wo ihm die Starken im Unrecht zu sein scheinen. Red. d. Jsr. Boten. Briefkasten der Redaktion. A. B. C. in Bonn. Sie sind irrthümlich unterrichtet. In der hiesigen Religions-Gesellschaft ist auch nicht das Mindeste, weder noch sonst etwas abgeschafft. Sobald es uns die Zeit erlaubt, werden wir etwas ausführlicher darauf zurückkommen. Briefkasten der Expedition. St. G. F. 5. Postlagernd Bonü. In dem angefragten Hause der Familie A. B. dahier; können Sie mit ruhigem Gewissen essen. I. C. 100 in Cassel. Brief erhalten, aber die Unterschrift fehlt; Annoncen deshalb bei der Expedition lautend. Senden Sie Ihre genaue Adresse. Betrag des Inserates M. 3. Nach Empfang Ihrer Adresse nebst Betrag senden wir Ihnen die eingegangenen Offerten. Berichtigung. In Nr. 46 des Jsr. Boten: Im Leitartikel (Zeile 31) soll es heißen: jüdische Glaubensgenossen. — In dem Artikel „Christenthum und Judenthum" (Zeile 6) statt „gutdünkenden Menschen", gutdenkenden Menschen; (S. 2, Zeile 19) statt „zu verdanken haben", zu verdanken habe; (Zeile 36) statt „Judemhasse", Judenhasse. In dem Artikel „Die Tochter als Minderjährige" statt „Axese", Ascese, In dem Artikel (Die Candidatur Lasker) statt „nichts Erwünschtes", nichts Erwünschteres. Statt „furchtbarer Prediger", fruchtbarer Prediger. Seite 4 (am Schluffe der Besprechung der Antrittsrede Dr. Hollander's) statt „mit einem Mann", mit einem Manne; statt „wahre Religiösität" an wahrer Religiösttät. Vermählte. Herrmann Hertz, Sara Hertz geb. Simon, Bonn, 18. Nov. 1879. Die israelitische Religions Gemeinde Bad Nauheim sucht seinen seminaristisch gebildeten Religionslehrer, Vorbeter und Schochet. Gehalt 700 Mk. Nebenverdienste incl. Schechita 500 Mk. Abschrift der Zeugnisse genügt. 2555 Der Vorstand. Pensionat für Töchter besserer Familie». In demselben erhalten die jungen Damen auch Unterricht in der Haushaltung. Handarbeit, Musik, Französisch und Englisch. Näheres im Prospekte. Beste Referenzen. 2543 Anna Calin, Cöln, Jahnstraße 2. -itto Mayer s Caffee und Ker-Uestaurimt Cöln, Kreuzgasse 12 Cöln unmittelbar beim Theater und Circus gelegen. Diners ä Mk 1 und höher. (Reise-Effecten werden bereitwilligst und sicher an** wahrt.

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