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Der israelitische Bote · 1879-10-23 · 43 (23.10.1879) · p. [Seite 5]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
43 (23.10.1879)
Date
1879-10-23
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German
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Mge des Israelitische Date zu Nr. 43. Nekrolog. Illingen, Reg.-Bez. Trier, 12. Okt. 1879. Dinstag ni2D hw iyö"nn '1 Dl'Q ftarb in Ottweiler nach schwerem Leiden der langjährige Lehrer der isr. Gemeinde Herr Samuel Levy. Geboren daselbst am 5. Mai 1805 widmete er seine Jugend auf der jüdischen Hochschule (Rabbinerschule) zu Frankfurt am Main theologischen und talmudischen Studien; doch seine innerste Neigung zog ihn mehr zum Unterrichte der Jugend hin, welchem er denn auch den größten Theil seines arbeitsvollen Lebens mit großer Treue und reichem Erfolg geweiht hat. Noch als Greis zeichnete er sich durch eine seltene Frische und erregende Lebendigkeit aus. Im Jahre 1875 feierte er unter allgemeiner Betheiligung sein 50jähriges Lehrer-Jubiläum und wurde bei dieser Gelegenheit mit dem Adler der Inhaber des Königt. Hausordens von Hohenzollern dekorirt. Auch besaß er die Befugniß sür's Rabbineramt. Selbstlos und aufopferungsfähig hat er manchem Armen und Leidenden geholfen; friedfertig und versöhnlich hat er manchen Zwist im Keime erstickt oder bald geschlichtet. Sein Leben war nicht frei von schweren Prüfungen; aber ein Hauptglück ist ihm zu Theil geworden: er hat 2 achtbare Söhne hinterlassen, wovon der eine der in weiten Kreisen bekannte und berühmte Augenarzt Dr. Levy in Ottweiler ist; außerdem viele dankbare Schüler, die ihn wie einen Vater liebten und verehrten. Freitag am min nni2t£> (Gesetzesfreude) fand das großartige Leichenbegängniß statt. Die jüdischen College» Tiefenbronner aus Saarbrücken, Simon aus Illingen, Friedmann aus Neunkirchen, Friedmann aus Spiesen, Eppstein aus St. Wendel, Cohn aus Södern Baum aus Bosen, Sender aus Tholey sowie viele christliche und fast alle Bürger Ottweilers, darunter sämmtliche Beamten waren in unübersehbarer Menge erschienen. Um 2 Uhr setzte sich der Leichenzug in Bewegung und hinter der Bahre wurde der Orden des Verstorbenen auf einem schwarz-sammten Kissen nachgetragen. Am Grabe sprach der langjährige Freund und College Sender aus Tholey die Grabrede. Das zahlreich anwesende Publikum folgte mit der größten Theilnahme den wohlgelungenen Ausführungen des geehrten Redners und die reichlich fließenden Thränen auch der nichtjüdischen Freunde und Verehrer des Verstorbenen bezeugten zur Genüge, wie sehr ihm die allgemeine Liebe, Hochachtung und Werthschätzung zu Theil geworden. Die Erde deckt nun die irdischen Reste des guten, edlen Freundes, seine unsterbliche Seele weilt am Throne des Höchsten. Wir, wir haben ihn verloren und beweinen den wackern Mitstrebenden, den hingebenden Freund, den theuren Collegen; aber nicht nur wir, ganz Israel, ja die ganze Menschheit, Alle, Alle haben ihn verloren. Möge dieser herbe Verlust ein Sporn sein für Alle, 222^2 njtti '1 n«T "ItMt die das Streben haben, für das Judenthum und seine Wahrheiten und durch Thal erfüllte Bewährung seiner Grundsätze einzutreten, die Lücke auszufüllen. Gott aber möge der tiefgebeugten Gemeinde Ottweiler die ihr tiefgeschlagene Wunde heilen und ihr das Glück geben, daß sich ihr und uns Allen. erfülle: 1212^ pvn* 121 daß das Andenken an den uns verlornen Frommen fort und fort segensreich wirke. V. Simon, Lehrer und Prediger. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Breslau. (Justizrath Freund) ist, wie die „Morgenzeitung" hört, aus dem Repräsentanten - Collegium der jüdischen Gemeinde, dem er seit neun Jahren angehört, ausgetreten: Die Gründe dafür sollen in dem Verhalten einiger seiner Collegen bei der Wahl zu suchen sein. (Schl. Pr.) Myslowitz, 12. Okt. (Amtsjubiläum.) Am gestrigen Tage feierte der Cantor G. Lewin das Jubiläum der 25jährigen Thätigkeit in der jüdischen Gemeinde. Aus Anlaß dieser Feierlichkeit begaben sich Vormittag, unmittelbar nach der Andacht, die Mitglieder des Vorstandes und des Repräsentanten-Collegiums in die Wohnung des Jubilars, in welcher demselben unter Ueberreichung eines silbernen Pokals mit sinnreichen Gravirungen Namens der ganzen Gemeinde in warmen Worten gratulirt wurde. Nachmittags fand zu Ehren des Jubilars im Grundwald'schen Saale ein Festessen statt, bei welchem sich gegen 80 Personen betheiligten. Rabbiner Dr. Jaffs brachte den ersten Toast aus, in welchem namentlich der Verdienste des Jubilars und der Sympathie, welcher sich derselbe bei den hiesigen Einwohnern aller Confessionen zu erfreuen hat, in ehrender Weise gedacht wurde. Herr Katschinsky brachte einen Toast auf Rabbiner Dr. Jaffs, Cantor Lewin und Cultusbeamten Kiksmaun unter Hinweis darauf aus, daß diese nunmehr sämmtlich ihr ^jähriges Jabilänm als Beamte der hiesigen Gemeinde feierten. Nachdem noch Dr. Schirokauer als Arzt und Freund der Familie des Jubilars die herzliche Innigkeit des Familienlebens ausführlich hervorgehoben, brachte derselbe dem Jubilar und seinen Angehörigen ein dreifaches Hoch aus. Cantor Lewin dankte in ergreifenden Worten. Der hiesige Gesang-Verein, desien langjähriges Mitglied der Jubilar ist, brachte bereits vor einiger Zeit, aus Anlaß eben dieses Jubiläums, dem Herrn Lewin ein Ständchen. (Schl. Pr.) Oesterreich. Prag. (Mit dem Tode sind alle Wünsche zu Grabe getragen.) Ein Fräulein B. sollte hier vor Kurzem einen katholischen Offizier heirathen; die Partie aber zerschlug sich, weil der Herr Baron wünschte, daß sie sich taufen lassen solle. Diese Dame wurde in der Blüthe ihrer Jugend n“1 plötzlich vom Tode ereilt und starb an einer Gehirnlähmung. — Im größten Regenguß ward sie Nachmittags 2lj2 Uhr unter der lebhaftesten Betheiligung des Publikums zu Grabe geleitet. Zum Schluffe dürfte es noch von Interesse sein, zu melden, daß der hiesige Gemeindebibliothekar, Dr. Grün, über die hohen Feiertage als Aushilfsprediger nach Mannheim berufen wurde, wo die Kanzel durch die Pensionirung des bisherigen Rabbiners verwaist ist. (N. Isr. Ztg.) Rumänien. In der Deputirtenkammer zu Bukarest scheint man jetzt allen Ernstes dran zu denken, die Judenfrage einmal endgültig zu lösen. Diesbezüglich melden die neuesten Nachrichten aus Bukarest: Zwischen dem Ministerium und der Opposition ist ein Kompromiß in der Judenfrage im Werke und hofft man, daß die Votirung des betreffenden Entwurfs mit großer Majorität, wenn nicht mit Einstimmigkeit erfolgen werde. *) *) Die Hoffnung ist G. s. D. in Erfüllung gegangen. Red. Rußland. (Auszeichnung.) Dem Beförderer der Kunst und Wissenschaft, durch Herzensadel hervorragenden und in weiten Kreisen wohlbekannteu Herrn Baron Horace Günzburg zu Paris und Herrn E. Horewitz zu Petersburg wurden in Anbetracht ihrer Verdienste um das Asyl für Waisenkinder in Petersburg von Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland, dem erstgenannten der Wladimirorden 3. Claffe, dem Letzter« der Stanislausorden 3. Claffe ertheilt. Vermischtes. — (Frau Lina Morgenstern) hat dem „Börsen- Cour." folgenden Brief zugehen lassen: „Von einer Reise zum Heidelberger Frauentag heimgekehrt, höre ich, daß Ihre geschätzte Zeitung die Nachricht gebracht hat, ich hätte an I. M. die Kaiserin in Betreff der vom Hofprediger Stöcker veranstalteten Judenhetze geschrieben, und in Folge dieses Schrittes nennt mich die »Germania" „die junge Esther". Ich bitte Sie Folgendes zu berichtigen: Ich hatte von jeher so viele sprechende Beweise von der humanen Gestnnug des deutschen Kaiserpaares gegen alle Glaubensbekenntnisse, daß ich, fest überzeugt davon, man billige an höchster Stelle keineswegs solch intolerantes und fanatisches Vorgehen, es nicht für nothwendig hielt, weder brieflich noch in der gewährten Audienz davon zu sprechen. Erst der von mir vorausgesetzte, vermeintliche Brief an I. M. dies Kaiserin hat mich bestimmt, über die im neunzehnten Jahrhundert unerhörten Ereignisse einer Judenhetze in der intelligenten Kaiserstadt auch an maßgebender Stelle unumwunden mich zu äußern. — Wir Juden haben wohl zur Genüge bewiesen, daß wir nicht nur genießen, sondern arbeiten, und zwar nicht nur, um Capital zusammen zu scharren, sondern ohne Unterschied der Religion das Gute zu fördern, unseren Mitbürgern beizustehen und barmherzige Liebe zu üben. Wir fühlen uns als gleichberechtigte Staatsbürger, da wir alle Pflichten gegen Thron und Vaterland, gegen Staat und Gesellschaft gewiffenhaft erfüllen. Für die Fehler Einzelner ist die gesammte Judenheit ebenso wenig verantwortlich zu machen, als für Fehler Einzelner die gesammte Christenheit. Lina Morgenstern." Ein Jsraelite aus Hainsfurt bei Oettingen (Wrttmb.), Namens Ries, erfreute vor Kurzem seine Heimat-Gemeinde mit zwei Wechseln, zusammen im Betrage von 40,000 Mk., von denen 30,000 Mk. zu einer Stiftung für die Armen ohne Unterschied des Glaubens und zu einem Armenhaus, 10,000 Mk. für die Synagoge bestimmt sind. Briefkasten der Redaktion. Ein Brief, den Poststempel Frankfurt a. M. tragend und einen Bericht über Familienverhältniffe enthaltend, mit der Unterschrift „Megießen" liegt schon längst neben unserem Papierkorb. — Wir ersuchen unsere geehrten Abonnenten u. Mitarbeiter, eine Verspätung in dem Erscheinen der dieswöchentlichen Nummer unseres Blattes, durch mehrtägige Abwesenheit des Herausgebers verursacht, gütigst entschuldigen zu wollen. Dotläuftge Anzeige Wie wir an Ort und Stelle in Erfahrung gebracht, soll in Kurzem eine Broschüre contra ÄNark erscheinen, die zum Verfasser Herrn Stern, Direktor der isr. Schule, in Würzburg hat. Schon der rühmlichst bekannte literarische Name des Verfassers bürgt zur Genüge für seine Arbeit, auf die wir bald nach ihrem Erscheinen ausführlich zu sprechen kommen. Zur weiteren Beförderung 1^31 einer Offerte muß stets eine Freimarke anbeigefügt werden. Die Expedition. Frau Therese Gronau's Erstes jlMes Töcüter-Pensionat. Aufnahme von Zöglingen. Gediegene vielseitigste Ausbildung. Pensionspreis 250 Thaler. 2483 Berlin, Thiergarten, Moltkestr. 4.1. Israelitisches Baiils-Lelir-Mtiit lUstadt mit Zenstonat. Beginn des Wintersemesters Montag 31. Oct. c. Außer den neuern Sprachen und den gesammten handelswissenschaftl. Disc'plinen, Vorbereitung zum Eintritte in Latein- ».Realschule. Referenzen: die Hr. Hr. Distrikts.Rabbiner Wormser (Gersfeld), Leb recht (Schweinfurt), Regierungsrath Weingärtner (Ansbach), Bezirksamtmann Hebel lScheinfeld), Bezirksarzt Dr. Seißiger (Haßfurt), die Kaufleute Neuland (Kleineibstadt), Jakobi (Salmünster, Hessen), I. Rosenthal (Würzburg), D. Levy (Suhl) rc. Prospecte bei der Exp. dss. Bl. Baldige Anmeldungen werden erbeten. Mellrichstadt im Aug. 1879. 2486 Ottenfofer, Director. in tüchtiger Prediger und Lehrer 811p hv'i Besitzer guter Zeugnisse sucht dauernde'Stellung. Offerten wolle man gefl. richten an Herrn Moritz Baum, Redakteur dieses Blattes unter Nr. 2519.

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