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Der israelitische Bote · 1879-08-21 · 34 (21.8.1879) · p. [Seite 1]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
34 (21.8.1879)
Date
1879-08-21
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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Der Israelitische Bote. Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich; 7 . 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. Erscheint jeden Donnerstag. Verantwortlicher Redacteur Moritz Baum in Bonn, Expedition: Petersstratze Nr. 8. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pf. IZahlbar hier. Inserate werden bis Dienstag erbeten. / v. Jahrgang. Jlonn, 21. Hupft 1879 (5639). Nro. 34. Leitender Artikel. Die schülerhafte Rathlosigkeit deS Hru. Dr. S. Holdheim im Gebiete talmudifche« Wissens. Schreiben des Dr. Auerbach an den Rabbinatscandidaten L. in B. Den 14. Aug. 1845 (Fortsetzung siehe Nr. 32.) Doch selbst zugegeben es läge jene entsetzlich falsche Holdheim'sche Erklärung der n'TDH, wonach sie der Auflösung assertorischer Eide Vorbeugen wolle, im Bereiche der Möglichkeit, wie hätte nicht schon der Umstand, daß die Formel D1pDH YY keine solche Garantie bei der Eigenthümlichkeit der assertorischen Eide biete, auch den corruptesten Kopf davon abmahnen müssen. Schlagen Sie nach 2"2,N"2N ''O Y'.und Sie überzeugen sich, daß Schwüre, nach dem Sinne Gottes abgelegt, lllpQN 7"V nicht weniger auslösbar sind, als solche, die noi Y'y im Sinne der Mehrheit abgelegt werden. Nun giebt es Fälle, wo auch Schwüre, im Sinne der Mehrheit abgelegt, dennoch auflösbar sind, nicht nur, wo die Auflösung im Interesse der Ausübung eines religiösen Gebots für den Schwörenden oder Andere ist X"2 'W ''D Y' N1812 12*6, sondern — wie 2"2N dort bemerkt — wenn das Fortbestehen des Schwures 'm Y'V ein n"125> IW eine, wenn auch noch so kleine Sünde dem Schwörenden constatirt, weil die Mehrheit nicht wünschen kann, daß Jemand durch sie zum Sünder werde. Wie könnte nun (nach der Manie, daß auch assertorische Eide auflösungSfähig seien) die Formel DIpDH Y'y der Auflösung Vorbeugen, da diese Formel eine Auflösung — wo sie sonst möglich ist — durchaus nicht verhindert, wenn die Nichtauflösung den Schwörenden zum Sünder, zum Meineidigen machen, die Auflösung aber ihn von der Sünde befreien würde (conf. jp"D Y'2") nm Dipo hw mjn t»k '"22 1"N1 ,Yd m2yY1Y t^ttf)? Außerdem ist (nach 12" 2V,-1"2iyn 1"pD 2"5> ''D D"n n"'K (*,niyi2iyn 1°D) ganz gewiß, daß ein auch im Sinne der Mehrheit gethanes Gelübde, wenn es einmal gebrochen worden, aufgelöst werden kann, und daß nach dieser Analogie bei assertorischen Eiden, wenn von Auflösung derselben die Rede sein könnte, das 'IpD Y'yi D'2*l Y'y um so weniger der Auflösung derselben entgegen stände, als hier der Eid bereits gebrochen, d. h. falsch geschworen wurde. Endlich ist ja die Nichtauflösbarkeit der mit der Formel 'ipl21 D'YlY'y verbundenen Eide nicht so allgemein und apodiktisch ausgesprochen, wie Herr Holdheim hier angiebt. Nach Y' K“DYI K""l 0120 p'Y'HD, K"2 ''D n"2“l wie auch nachX"2I2Y **) ist die Auflösung, wenn sie geschehen, vollkommen gültig: wie könnte also, wenn auf dem Standpunkt der Rabbinen der asiertorische Eid auflösbar wäre, die Formel Y'y DipttPl (welche nach Holdheim bei der Ableistung gesagt wurde) als Vorsichtsmaßregel gegen die Auflösung gebraucht worden sein, da diese ja, wie nachgewiesen, aus dreifachen Gründen weder Inhibition, noch die Nichtigkeit einer sonst gesetzlichen Auflösung durch nwin '2 (S. 12"2p ''D 1"in) bewirkt? (Schluß folgt.) *) Die Behauptung des '^?21N1 ''YK, daß Tosephoth Gittin 33a 1N2yp2-<1 YY diese Ansicht theile, ist sehr problematisch, und sogar das Gegentheil aus Tosephoth Gittin 35b YY zu beweisen. Denn nach Tosephoth das. wird nur n'D' ^2^ YY YDX aber nicht nnK DV2 YJ2 YDK als Vorbeugungsmaßregel erachtet, und doch gleich nachher gesagt: "1:1126 '812 'IN YYy nh Y7ÖY welches Letztere aber schon nach einmaliger Uebertretung des Gelübdes nach Raschbo's Ansicht die Auflösung nicht verhindern könne. **) Was zwar •y'ttf bestreitet, im vorliegenden Falle aber bei Np12N Y'y zugeben kann, da die Stelle '5112126 msn 'in nicht als Gegenbeweis anzuführen, wie denn die ganze "21O, was schon aus Tosephoth zu entnehmen, einen agadischen Charakter hat. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Bonn, im August. Die brennende Frage in Rumänien ist die Emancipation der Juden. Dieselbe ist nämlich vom Berliner Congreß s. Z. ausgesprochen und auch allen Ernstes angebahnt worden, jedoch stößt dieselbe im Volke auf Wiederspruch. Um diesen Wiederspruch zu nähren, hat eine gewissenlose Presse, eine zwar an Worten kleine, aber an Inhalt um so wichtigere Notiz in die Welt geschickt, dieselbe lautet: Czernowitz. Einige Rämänier wollten hier dieser Tage eine Broschüre unter dem Titel: „Die jüdische Epidemie", ein moralisches Mittel, um die Juden zum Auswandern aus Rumänien zu zwingen", herausgeben und ließen das Büchlein in einer hiesigen Buchdruckerei drucken. Die k. k. Staatsanwaltschaft daselbst bekam jedoch Kenntniß von diesem Vorhaben und confiscirte die ganze fertige Auflage der Hetzschrift. Das Czernowitzer Landesals Preßgericht bestätigte die Beschlagnahme und sprach auch das Verbot der wen eren Verbreitung der Broschüre aus. t Die Notiz richtet sich durch sich selbst und ist eine Fehlgeburt auf dem Gebiete jüdischer Hetzjagd. — Dem rumänischen Minister soll Fürst BiSmarck erwiedert haben, Deutschland müsse für die Ausführung des Art. 44, keinssfalls aber für die Vernichtung desselben wirken, von demselben dürfte nichts ab gehandelt werden. Fürst Carl von Rumänien hat dem Baron Carl v. Rothschild in Frankfurt a. M. das Ehrenkreuz 1. Klasse des Fürstlich Hohenzoller'schen Haus-Ordens verliehen. — Es ist schon oft der Fall vorgekommen, daß Christen, welche sich in Lebensgefahr befanden, von rihen Glaubensgenossen im Stiche gelüsten, aber von Juden gerettet worden sind. Ein ähnlicher Fall, der um so mehr Bedeutung hat, als das Leben eines Pfarrers in Gefahr schwebte, ereignete sich unlängst in einem Orte Galiziens. Zwei Bauern hatten nämlich den Pastor in eine Schlafkammer eingesperrt und gingen mit der Absicht um, ihn zu ermorden. Bevor sie jedoch ihre verruchte That ausführen konnten^ wurde der Geistliche von einem Juden Namens Rosrnfesd noch rechtzeitig befreit. Die Anzeige von dem beabsichtigten Morde gelangte zur Kenntniß und die Untersuchung ist im Gange und die Thäter werden ihren gerechten Lohn empfangen. Bon«. Wie sehr oft Geistliche die Verdienste großer Staatsmänner verkennen, beweißt nachfolgende Auslassung eines engl. Pastor am Schlüsse seiner Predigt, dieser Schluß lautete: „Die Zeiten sind schlecht, 0 Gott, und es darben Viele, weil sie kein Brod haben, und Viele sind arbeitslos, weil es keine Arbeit für sie giebt. Und daran, 0 Gott, sagt man mir, habe ein alter Jude Schuld, der in London wohnt. (Disraeli). Tödte ihn, 0 Gott! Wenn ich ihn tödte, werde ich gehängt, aber wenn du, 0 Gott, ihn tödtest, wird man Dich dafür nicht hängen können." (Abgesehen davon, daß dieser Geistliche die Verdienste verkannt hat, welche Disraeli in England erworben, lästert er einerseits Gott, indem er denselben zum Werkzeug seiner Rache machen will, da doch die Christen an einen Gott der Liebe glauben, und den Juden oft genug ihren Rache-Gott vorwerfen, andrerseits begeht er eine Lüge, da Disraeli bekanntlich nicht mehr Jude ist, und eine Gemeinheit wenn man ihm entweder seine Bekehrung oder seine jüdische Abstammung vorwirft. Ein Gutes hat diese Auslastung des Geistlichen, nämlich: sie stellt ein warnendes Beispiel auf für die englischen Juden, selbst wenn einige dazu ge- Im Banne des Gesetzes. Erzählung von Jenny Hirsch. Nachdruck verboten. Der Vater ist ein reicher Mann, du bekommst eine schöne Mitgift" — der Professor machte eine ungeduldige Bewegung — „und das Mädchen ist jung, schön und gebildet," beeilte sich die Mutter hinzuzusetzen. „Das waren alle Mädchen, die dir Mendel empfohlen hat?" „Wahrscheinlich waren sie es, du hast dich ja nie davon überzeugen wollen. Nach Frankfurt könntest du aber doch hinüberreisen, das ist ja nicht weit." „Und wäre es hier nebenan, so ginge ich nicht danach, um die Bekanntschaft eines Mädchens zu machen, das mir vorher angetragen ist." „Deine christlichen Freunde gehen doch aber auf Bälle und in Gesellschaften, um Mädchen kennen zu lernen, und heirathen sie, wie ich mir habe sagen lassen, nachdem sie sie dort etliche Male gesehen. Meinst du wirklich, daß sie da mehr von ihnen erfahren, als wenn du zu den Eltern in's Haus kommst? „Du hast Recht, Mutter," antwortete der Profestor, man sollte sich seine Frau auch nicht im Ballsaal suchen." „Nun, so such' du sie bei ihren Eltern. Wenn sie dir nicht gefällt, brauchst du sie ja nicht zu nehmen/ „Ja, Mutter, das müßte ich, wäre ich in der ausgesprochenen Absicht, ein Mädchen kennen zu lernen, um es zu heirathen, in das Haus des Vaters gegangen. Ich könnte nicht einem Weibe die Demüthigung bereiten, es offenkundig zu verschmähen, ebenso wenig möchte fich mich einer gleichen Gefahr aussetzen." Die alte Frau schüttelte den Kopf. „Ich finde mich in der heutigen Welt nicht mehr zurecht", seufzte sie. — „Vielleicht überlegst du dir die Sache doch noch, mein Sohn. Ich werde mit Mendel reden, er ist ein kluger Kopf, er macht vielleicht was ausfindig, das dich der Reise nach Frankfurt überhebt." „Soll Fräulein Löwenthal hierher kommen?" fragte der Professor lachend. „Nein, das wohl nicht, aber man kann sich ja auf halbem Wege treffen/ antwortete die Mutter. „Ei, so bestelle sie mir doch nach Charlottenbrunn, wo ich meine Ferien zubringen will", rief der Sohn übermüthig, „ich will mich dort ein paar Wochen von allen Büchern fern halten, da wäre es ja gerade an der Zeit, die Bekanntschaft einer jungen Dame zu machen. Doch nun, gute Nacht, liebe Mutter," fügte er aufstehend hinzu, „ich bin nicht nur dein Sohn, für den du sorgst, sondern auch dein Arzt, der für dich sorgt, und der findet es hohe Zeit, daß du in's Bett kommst." „Der Herr segne dich und behüte dich, mein Kind", sagte die alte Frau, ihn küssend, dann rief sie die Magd, daß sie ihm leuchte, während sie selbst ihr Abendgebet verrichtete und zu Bette ging, aber ohne zu schlafen. Das Gespräch, das sie mit dem Sohn geführt, beschäftigte sie noch Stunden lang und gab am Sonntage, als Mendel Freund sie aussuchte, um sich Bescheid zu holen, zu sehr langen und ernsten Erwägungen zwischen Beiden Anlaß. Professor Borchardt glaubte den Heirathsvorschlag, wie schon viele andere, die ihm durch geschäftige Vermittler gemacht worden waren, ein für allemal abgewiesen zu haben, und ließ sich nicht träumen, daß das Wort, welches er im Scherz hingeworfen, Fräulein Löwenthal solle nach Charlottenbrunn kommen, von der Mutter in allem Ernste aufgefaßt und mit Mendel Freund zu einem Plane ausgebeutet ward. Der Schadchen hatte, als ihm Frau Baruch die Unterredung mit ihrem Sohne mitgetheilt und daran die Aufforderung geknüpft hatte, die Veranstaltung

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