Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 33 (14.8.1879)
- Date
- 1879-08-14
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Candidaten dem Vorstande der Gemeinde in welcher sie um Anstellung nachsuchen,. drei Themas von Predigten einsenden, um daraus eines, über welches gepredigt werden soll, auszuwählen. Eine Maßregel, die deshalb Billigung verdient, weil bekannte Themas dadurch vom Vortrag ausgeschlossen werden. Diejenigen Candidaten, welche ihr Glcmbensbekenntniß auf die orthodox jüdische Religion ablegen, und zur Erfüllung obiger Bedingungen fähig und bereit sind, können noch immer eine gute und dauernde Anstellung als Rabbiner finden. Bonn. (Räthsel) Jemand stellte das Räthsel auf, wie der Slreit zwischen den reform, orthodoxen und neutralen Rabbinern zu schlichten sei. Derjenige, an den diese Frage gerichtet wurde, glaubte dieses Räthsel durch folgende Erklärung zu lösen: Die Gemara lernt, Raschi sagt, Tospoth fragt, derRambam paskent, der Midrasch dringt. Der Zweck des Midrasch ist aber nicht allein das Bringen, damit man gemüthlich und gemächlich leben kann, sondern auch das Belehren und der aufrichtige Glaube an die Lehre selbst, ihre Beherzigung und ihre Ausführung in Wort und That. So verstanden bringt sie dem Lehrer Achtung und Lohn, dem lernenden Publikum Frucht und Segen. Bonn, im August. Mit welcher Huld Sr. Majestät unser allergnädigster Kaiser alle seine Landeskinder ohne Unterschied der Confession umfaßt, beweist der Umstand, das höchstderselbe geruht hat am goldenen Hochzeitstage den Herren Gebrüder Friedenberg in Magdeburg den Kronen-Orden 4. Klasse, sowie den Herrn Sanitälsrath Lehfeld zu Berlin den Charakter als Geheimer Sanitärsralh zu verleihen. — „Nichts Neues unter der Sonne," sagte ein bekannter Gelehrter. Wie so oft, so hat sich dieser Spruch wiederum in Groningen (Holland) bewahrt. Dort hat nämlich ein Frl. A. H. Jacobs das Diplom als Docror der Medizin erworben. Vivat seguens! Bonn, 12. August. Herr Professor Dr. H. Grätz feierte vorgestern unter großer Verheilung sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als Lehrer am theologischen Seminar zu Breslau. Trier, 5. August. Nachstehende Notiz gelangte für vorige Nummer zu spät bei uns an, lsiehe Nachschrift vor. Ausgabe). Mittwoch, ein Tag nach a>Q"tD traf Herr Rabbiner Dr. Ehrmann hier ein. Da derselbe den Wunsch kund gegeben hatte, jede Osteutation bei seinem Empfange zu vermeiden, so beschränkte sich der Empfang auf den enger« Kreis der Commissionsmitglieder unsrer Religionsgesellschaft, von welchen einige Herren nach dem Bahnhofe fuhren und die übrigen sich in der Wohnung des Herrn Dr. Ehrmann versammelt hatten. Eine schöne Ueberraschung wurde ihm durch ein Ehrengeschenk bereitet, bestehend in einem vollständigen Ameublement eines Zimmers. Im Aufträge der Gesellschaft hielt Herr Michel Levh eine Begrüßungsansprache, beginnend mit "pn »Dl^ttQ Wia oa^y mbty ,—n^b nv schltchend mit p« 121 ,nxt nn\n ""l nxs ,n)D wxib nrvn px» "1 DBQ xan .-]1*ia. Diese Ansprache wurde von Herrn Dr. Ehrmann in herzlicher und geistreicher Weise erwidert. Am Freitag Abend wurden einige D^llDtD abgesungm und auch die bei "D''32n''a "pn üblichen niSpn gemacht. Die am narr' Morgen bei überfülltem Betlocale abgehaltene Antrittsrede, die den Talmudspruch erläuterte i-plTI pllVI 'pD’ntt wia"r 1 *pK -pT) rnsn D^aiü DTOÖ „Bier Dinge bedürfen einer besonderen Kräftigung", das min Studium, gute Werke, das Gebet, und das sociale Leben in der bürgerlichen Gesellschaft" errang durch ihren tiefen Sinn, durch die zu Herzen dringende Sprache und durch die ausführlichen und lehrreichen Auseinandersetzungen den allgemeinsten Beifall. Möge der Allgütige das aufrichtige Streben unseres verehrten Herrn Rabbiners zur Förderung des ächt jüdischen Sinnes in unserer Gemeinde gedeihlich zu wirken mit seinem vollsten Segen krönen. Cassel, 12. Juli. (Unlieb versp.) Die Versammlung isr. Lehrer des Reg.-Bez. Cassel fand am 7. Juli im „Bunten Bock" dahier statt. Dieselbe war, wie auch im vorigen Jahre stark besucht. Die Präsenzliste wies etwa 42 Theilnehmer und 8 — 10 entschuldigte Lehrer auf. Als Schreiber dieses erschien, war die Eröffnungsrede des allseitig hochgeschätzten und beliebten Herrn Vorsitzenden vr. Stein-Cassel fast zu Ende, was ich sehr bedauerte; jedoch in die Tagesordnung war man noch nicht eingetreten. Die Jahresversammlung bot dieses Mal Interessantes und Belehrendes genug dar; nur schade, daß eine gehörige Anzahl von Lehrern nicht so bemittelt ist, um noch am Versammlungsorte übernachten und das gesellschaftlich-collegialische Beisammensein, so wie die herrlichen Schönheiten der Residenz durch ihre Besichtigung noch weiter genießen zu können. Deshalb mag hier der bescheidene Wunsch ausgesprochen werden, daß im nächsten Jahre zu Fulda für billiges oder freies Nachtlager bei isr. Familien gesorgt werden möchte; ebenso halte ich ^die Betheiligung von lehrerfreundlichen Nichtlehrer an unseren Conferenzen, wie das auch in anderen Provinzen vorkommt, für sehr zweckmäßig. Als Schriftführer fungirten die Herren: Amram - Zwesten und Katz-Diemerode, als Gäste bemerkte ich 2 College« aus den Provinzen Hannover und Westfalen, beide geborene Hessen. Aus der Tagesordnung stand ein Referat des Herrn Brandes-Oberaula über „Schäden im Synagogengemeindewesen des Reg.-Bez. Cassel und Vorschläge zur Beseitigung derselben;" ein desgleichen über „das Lesebuch von Herrn vr. Stein," gehalten durch den Verfasser des Buches; und als 3. Gegenstand kamen Anträge vor; hiervon seien erwähnt die Entrichtung eines Jahresbeitrages von 75 Pfg. Seitens der Mitglieder der Conferenz zur Bestreitung der nöthigsten Ausgaben und die Bildung eines Ausschusses von Lehrern zur Wahrung der Interessen des israel. Lehrerstandes. Aus dem sehr wohl durchdachten und recht gut vorgetragenen Aussatze des Collegen Brandes-Oberaula habe ich Folgendes ausgezogen: 1. die Umwandlung der vier isr. Vorsteherämter in eine einzige Centralbehörde ist zu empfehlen. 2. Die Predigt wird in den kleineren Synagogen ohne Rabbiner nicht genug gewürdigt, resp. berücksichtigt. 3. Die Schächtgerechtsame werden überall mit dem Lehrer- und Vorsängeramte verbunden, selbst auch dann, wenn sie der betreffende Lehrer nicht selbst ausübt. 4. Die Prüfung im Schächteramte kann bei jedem beliebigen Rabbiner, eventuell auch bei sachverständigen Lehrern abgelegt, die Nachprüfungen der Schächter können ohne religiöses Bedenken bei 3 sachverständigen Lehrern gemacht werden. 5. Die Schulvisitationen durch die Herren Provinzialrabbiner können ohne Nachtheil für die Schulen alle 3 Jahre vorgenommen werden. 6. Die Besetzung von isr. Lehrerstellen geschieht leider nicht nach Alter und Dienstalter der Bewerber. Hier ist Abhilfe dringend geboten. Zu unserem Bedauern war nicht die nöthige Zeit vorhanden, die Thesen des Herrn Referenten zu besprechen resp. anzunehmen oder je nach Befinden abzulehnen. Aus dem sehr ansprechenden Referate des Herrn Vorsitzenden über das von ihm herausgegebene Lesebuch für isr. Schulen habe ich etwa Folgendes noch behalten: Der Herr Referent hat geeignetes Material zur Vergrößerung bezw. Verbesserung des Lesebuchs gesammelt, besonders aus der nachbiblischen Geschichte, und dieses ganze Material glaube er (sehr richtig) in einen Anhang zum Lesebuche oder in ein besonderes Heftchen zu bringen. Ich meinerseits muß dringend wünschen, daß die Seitenzahl der ersten Auflage möglichst unverändert mit der zweiten Ausgabe übcreinstimme, damit in der Schule beim Lesen alle und jede Störung vermieden werde, indeß nach eigener Aussage des Referenten ist etwa erst nach 2 Jahren an die Herausgabe der zweiten Auflage zu denken, weil ca. 500 Exemplare der bisherigen Auflage noch nicht verkauft sind und da das Absatzgebiet der isr. Schulen ein sehr kleines ist, so dürfte, besonders da auch die meisten Schulen mit den betreffenden Büchern schon versehen sind, dieser Rest nicht so rasch zum Verkaufe gelangen. In die Commission von Lehrern zur Vertretung unserer Interessen wurden folgende Herren gewählt: vr. Stein- Cassel, Cornelius-Rotenburg, Gutkind - Cassel, Davidsohn-Helmarshausen und Levi-Hofgeismar. Für die nächste Conferenz wurde als Ort Fulda und als Referent Herr Bloch-Gudensberg über „Bekämpfung social-demokratischer Bestrebungen" bestimmt. Das eingenommene Mahl im Hotel Mansbach ließ nach Qualität und Quantität nichts zu wünschen übrig, der Saft der Reben mundete uns nach ächter deutscher Weise. Von den ausgebrachten Toasten erwähne ich den des Herrn vr. Stein, Sr. Majestät dem deutschen Kaiser gewidmet, den von Cornelius-Rotenburg für Herrn Seminarlehrer vr. Stein-Cassel, von Gutkind- Caffel über Collegialität und Corpsgeist der Lehrer u. s. w. Die Gesangsvorträge der beiden Herren Cantoren zu Cassel, Stern und Kaminski, erfreuten sich eines wohlverdienten Beifalles. „Es ist bestimmt in Gottes Rath, daß man vom Liebsten was man hat, muß scheiden." Schließen wir unseren Bericht mit diesen herrlichen Worten des gefeierten Dichters. Auf diesem Wege allen Theilnehmern herzlichen Gruß und Handschlag, besonders dem Herrn Vorsitzenden. Lehrer Werthan in Frankenau. (Anmerkung der Redaktion.) Wir geben das Referat unverkürzt wieder, weil wir einerseits glauben, daß der Geist der Versammlung so am Besten illustrirt wird, andererseits die Jnterreffen der Lehrerwelt die weitgehendste Uuterstützung verdienen. Hinsichtlich der Schächterfrage erlauben wir uns die Bemerkung, daß nach unseren Erfahrungen nicht jeder Rabbiner und noch seltener ein Lehrer oder ein Privater in moralischer und wissenschaftlicher Beziehung genügend befähigt ist, einen Schächter zu privilegiren, außerdem eine Privatperson zu vorbezeichneter Handlung keine Befugniß hat. England. London, im Juli. Die Jahresversammlung der anglo-jüdischen Assoziation fand vor einigen Tagen unter dem Vorsitz des Barons Henry de Worms statt. Der Vorsitzende hielt eine Anrede, in welcher er sich über die Bildung des internationalen Palästina-Comit6's und die Berliner Vertragsbestimmungen zu Gunsten der Religionsfreiheit aussprach. Für Schulen im Orient hat der Verein im letzten Jahre 900 Pfd. Sterl. beigesteuert, welche sich auf Tunis, Salonichi, Bagdad, Beyrut, Jaffa, Mogador und Tripolis vertheilen. Der Verein hat die Judenverfolgungen in Rumänien zur Kenntniß der Regierung gebracht. Bezüglich Rußlands seien hervorragende russische Staatsmänner für Emoncipation der Juden in Rußland gewonnen und Aussicht vorhanden, diese Frage in nicht zu entfernter Zeit auf dem Wege der Gesetzgebung in befriedigenderMeise gelöst zu sehen. Dem Berichte schlossen sich Mittheilungen über die landwirthschaftliche Schule in Jaffa und die jüdische Colonie in Ho-nan in China an. Mr. Meyer Stern aus Amerika theilte der Versammlung mit, daß ein amerikanischer Israelit 100,000 Acker Land in Texas behufs Gründung jüdischer Ackerbau-Colonien angeboten habe. lggx- Die in H. Mkyer's Verlag jedes Jahr erscheinenden „Gratulations-Postkarten" zeigen ganz besonders in diesem Jahre eine so große Mannigfaltigkeit (es sind circa 300 div. sehr hübschen Dessins), daß wir solche bei ihrer bekannten guten Ausführung und feinen Aussehens jedem unserer Leser, da auch die Preise sehr billig gestellt sind, bestens empfehlen können. Auch die anderen Gratulationskarten und Briefbogen empfehlen wir der Beachtung. Dr. H. Spenden-Berzeichniß. Für den verarmten Kaufmann D2n TD^ni sind bei Unterzeichnetem ferner eingegangen: Durch Synagogenältesten M. Wertheim, Wolfhagen, (Collekte) 7,60 M. Durch Lämmlein Künstler, Burghaßlach (Bayern) 11. Mayer Hirsch, Friedberg 4. Durch A. Gompertz, Synagogenvorsteher, Wesel 4. Cabbiner Dr. Salvendi, Dürkheim (2. Sendung) 5. Von Gemeinde Mosbach a. M. von Verschiedenen 10. Durch Lehrer Forchheimer, Ernsbach (Württemberg) 10. A. Lennhof, Lüdenscheid 3. Lehrer Lewi, Ratingen 3. Durch Lehrer A. Friedmann, Spiesen Rgb.- Trier 3,40. Israel Herz, Mittelsinn (Bayern) 6. M. Hirsch, Frankenwinheim (Bayern) 5. Durch Lehrer Weglein, Demmelsdorf (Bayern) 10. Durch I. B. Lamm, Schullchrer in Hüttenbach (Bayern) 10. Durch Lehrer Schlesinger, Mergentheim (Württemb.) Collekte 25,30. Durch Lehrer I. Rothschild in Ziegenhain von Herrn Louis Stern aus New-3)ork, am Tage seiner Hochzeitsfeier mit Fräulein Lisette Strupp 20 M. Herzlichen Dank jedem einzelnen Spender, wie auch den geehrten Einsendern, Namens des Verarmten. M. Rosenwald, Lehrer. Oestrich bei Letmathe. Bonn. Unglaublich aber wahr. Das „Fränk. Volksbl." berichtet vom 26. Juli aus Mellrichstadt: heute früh prangten am hiesigen Stadthause Placate, enthaltend „Tod den Juden und Halsabschneidern". Die Untersuchung ist eingeleitet. Zöglinge, welche das Gymnasium, die höhere Bürger- oder Töchterschule in Heidelberg besuchen sollen, finden in nnseerm Hause willkommene und liebevolle Aufnahme. Auf besondern Wunsch der Eltern können die Knaben oder Mädchen auch den ganzen, für ihren späteren Beruf erforderlichen Unterricht (ohne Schulbesuch) im Hause erhalten. Da von neu eintretendcn Schülern bei den Direktionen der Höheren Lehranstalten eine rechtzeitige Anmeldung vorher erfolgen muß, so beliebe man dieselbe baldigst zu richten an Herrn oder Frau vr. J. Fieberinann, 2418 Heidelberg, Anlage 20.