Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 30 (24.7.1879)
- Date
- 1879-07-24
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Tenors ausfüllte. — Kaum in aus dem preußischen Ministerium ein Mitglied „jüdischer Extraktion" — um mit der Aristokratie zu reden — ausgeschieden, da wird seinem Nachfolger dem landwirthschaftlichen Minister Dr. Lucius nachgewiesen, daß ihm die Bande der Blutsverwandtschaften mit Heine's »Urübelvolk" verknüpfen; des Ministers Großvater, war ein orthodoxer Jude Namens „Hecht". Seinen Nachkommen war es Vorbehalten mit der Taufe den latinisirten Namen Lucius anzunehmen. Bonn. (Neuester Bericht des B. T.-Bl.) Die Schwierigkeiten, die sich in Rumänien der Durchführung des Juden-Emancipationswerkes entgegenstellten und zu der Demission des Ministeriums Bratiano führten, haben feit den letzten 48 Stunden eine kleine Abschwächung erfahren, so daß man hoffen darf, es werde ohne wirklichen ernsten Berfassungsconflikt gelingen, die berechtigten Sonderinterefsen des Landes mit der Autorität des Berliner Vertrages in leidlichen Einklang zu bringen. Man verspricht sich das Beste von der aufs Tapet gebrachten Neubildung des zurückgetretenen Kabinets unter Hinzuziehung konservativer Elemente. Wenn das rumänische Staatsschiff den Sturm, den die Unbesonnenheit der Fraktionen heraufbeschworen, ohne schwerere Schädigung überstehen sollte, so dürfte das Hauplverdienst daran dem rechtzeitigen, ebenso energischen wie taktvollen persönlichen Eingreifen des Fürsten Karl zu danken sein. Der Fürst sprach in tiefer Erregung: Ich meinerseits werde nur ein freies und unabhängiges Rumänien in der Zukunft regieren. Dies bin ich dem Volke, der Armee und mir selbst schuldig. Es scheint somit an ernsten Versuchen nicht gefehlt zu haben, den Rumänen die Folgen ihrer Halsstarrigkeit klar vor Augen zu stellen. Berlin. Ein an der hiesigen Börse bekannte Persönlichkeit Hermann Goldschmidt ist vor einiger Zeit in Heidelberg gestorben; die „V.-Z." meldet über den Verblichenen: Herr Hermann Goldschmidt hat lange Jahre hindurch als Vertreter der Preußischen und später der Deutschen Reichsbank und als der beschäftigtste vereidigte Wechselmakler eine dominirende Stellung auf der Börse eingenommen. Zn Folge eines nervösen Leidens hatte er sich schon seit einiger Zeit von jeder Thätigkeit zurückgezogen und sein umfangreiches Geschäft seinem Schwiegersohn, Herrn Victor Benary, übergeben. In Heidelberg, wo er Heilung seines Leidens suchte, trat eine Unterleibsentzündung hinzu, die nach viertägiger Dauer seinen Tod zur Folge hatte. Der Verstorbene hat ein Alter von circa 50 Jahren erreicht. Erst vor Kurzem hatte sich derselbe eines der glänzendsten Palais, Unter den Linden 8, erbauen lassen. Köln, 20. Juli. Heute kam uns ein „elvi«" unterzeichnetes, den Mitgliedern des Vorstandes und den Repräsentanten hies. Gemeinde zugegangenes Flugblatt zu Gesicht, worin der Verfasser mit hohem, der wichtigen Sache angemessenem Ernste die Wahl eines Vorsitzenden der Gemeindeverwaltung bespricht. Nachdem er einleilend der großen Verdienste und des hohen Ansehens des sel. S. M. Frank gedacht, fragt er, wer wohl unter seinen Collegen dessen Erbschaft anzutreten befähigt und gewillt sei, und kommt dann zu dem Schluffe, nur ein »besoldeter" Vorsitzender vermöge den Posten auszufüllen und mehrseitig drohende Gefahren zu beseitigen. Gut und löblich ist's die allerdings hochwichtige Frage zu disculiren; allein mit dem Vorschläge des Anonymus können wir uns nicht befreunden, halten vielmehr den zeitigen Vorsitzenden, Herrn Jacob deJonge für hinlänglich qualifizirt und setzen bei ihm auch den nöthigen guten Willen voraus, den Vorsitz mit Einsicht und Gewissenhaftigkeit weiter zu führen. So viel wir wissen, ist diese Stelle überall ein Ehrenamt. Eine andere dafür sich eignende Persönlichkeit müßte ein Gehalt »ä uaimnaum von 6000 Mark beziehen, was für die gegenwärtige Finanzlage doch wohl zu erwägen ist. Die Verwaltungsgeschäfte des Präses würden einen nur geringen Theil seiner Zeit absorbiren. Was soll er nun in der übrigen Zeit thun? Andere Beschäftigungen würden sein Ansehen resp. seine Unabhängigkeit beeinträchtigen. Wir zweifeln daher sehr an der Ausführbarkeit des in dem Flugblatt gemachten Vorschlages, finden es aber durchaus angemessen, daß man sich um diese wie überhaupt um öffentliche Gemeinde-Angelegenheiten zu kümmern anfängt, was bisher von dem intelligenten Theile der Israeliten Kölns noch lange nicht genug geschehen ist.*) *) Wir werden zu sachgemäßen Besprechungen die Spalten unseres Blattes gern hergeben. Red. Aus Württemberg, 18.Juli. Hr. H. B. Goldschmidt, der schon verschiedene philantropische Vereine u. Anstalten mit bedeutenden Schenkungen bedacht hat, hat vorige Woche dem Gemeinderath in Cannstatt 20,000 M. mit dem Ersuchen übergeben, diese Summe zum Besten der dortigen Arbeiterklasse zu verwenden. — In Cannstatt wurde vor 14 Tagen ein lebensmüder Jsraelite, Löwe, welcher in den Neckar sprang, wieder herausgezogen und gerettet. Briefen, W. P. Seit etwa 10 Tagen weilt hier ein Mann, der das allgemeinste öffentliche Interesse verdien!: 2lbraham Sinai Lichtenstein aus Melawa. Derselbe ist ein Kenner der Massora, wie es wohl nur wenige geben dürfte. Er verwerthet diese seine Kenntniß in praktischer Hinsicht zur Berichtigung der Synagogen-Thora-Rollen, als n>2£ ^2, und als solcher möchte ich die Aufmerksamkeit aller Kreise, denen daran liegt, aus fehlerlosen 71 "O die Vorlesung aus der Thora vollziehen zu lassen, auf ihn lenken. Er leistet Staunenerregendes. Ich selbst hätte es nicht geglaubt, hätte ich mich nicht davon überzeugt. Er arbeite! jetzt hier an der Korrektur eines 71KD welches etwa 50 Jahre im Gebrauche ist, und — wer sollte das denken — in diesem so lange Jahrzehnte gebrauchten 71 "D fand er — 39, sage neununddreißig Fehler. Nicht aber daß er abgesprungene Buchstaben und andere nach dem Schreiben entstandene Fehler als Fehler anrechuet, die nimmt er nur eu passant, mit. Die hier genannten 39 Fehler sind ausschließlich entweder fehlende oder überflüssige Wörter, massoretische Fehler durch falsche seriptio plana und ckakaetiva, und sonstige Buchstabenverwechslungen re. — Ich habe mich selbst überzeugt, daß es volle 39 Fehler waren, und daß kein einziger dieser Fehler erst durch ihn auf betrügerische Weise gemacht sein konnte, was auch sonst nicht gut möglich wäre, da er in meinem Hause arbeitet. Uebrigens besitzt er Zeugnisse über seine Befähigung von dem berühmten Rabbiner in Ezechenowo p"T, ferner von dem sel. Meisel in Warschau, bei dem er, in dessen eigenen rV'D, welches bereits von 4 Korrektoren gutgeheißen war, einige Fehler nachgewiesen. Außerdem besitzt er von mehreren Rabbinen und Vorstehern Deutschlands die empfehlendsten Zeugnisse über vollbrachte Leistungen. So von Dr. Bär in Graudenz, wo er in einer bereits revidirten und längst gebrauchten Rolle des Herrn Stadtrath Lachmann 86 sage sechsundachtzig Fehler gefunden, so von dem bekannten Talmudgelehrten Israeli in Rakel, daß er in einem “|5D 32 Fehler gefunden. Fernere Zeugnisse sind vom Vorstande in Thorn, Schönlanke, Rakel, ebenso von den Rnbbinen Dr. Cohn z. Z. in Rakel, Dr. Zuckermandel z. Z. in Friedland, Dr. Poper Czarnikau, Dr. Pleßner in Rogasen, u. A. — Ich halte es für ein glückliches Ereigniß, daß dieser Mann seinen Weg über Briefen genommen, indem wir nun nicht mehr in der Gefahr sind über die mehrfach blDS sind nro zu machen und ich bin überzeugt, daß alle Freunde und Kollegen und Gemeinden gerne die Gelegenheit ergreifen werden, durch einen so durchaus vertrauenswürdigen Mann, die Korrektheit ihrer 71 "D seststellen zu lassen. In keinem Fache gibt es so viele Schwindler, als in diesem; für den genannten A. Sinai Lichtenstein, glaube ich garantiren zu dürfen, daß er alles Vertrauen verdient. I. Presse. Dr. I. Goldschmidt. Holland. Amsterdam. Laut vorigjährigem Beschluß des Oberrabbiners Herrn Dr. Dünner Hierselbst, wurde angeordnet, daß am 2*0 JWn nach dem Morgengebete incl. Kapitel rc.: 02p bv 1JTOT plbnn IX 7VI2X nur noch von den Folgenden nachstehenden JVlJp gebetet werden sollen: :T1DX 022 OD W >mDX a. :pixnxi ob 71ÖH3D 2X2>X b. : moy tq mt&N ro*>x 6. i'Oiy lbs2>1 \TT22n 02X D1> ä. :oiy ’oixstt inn bip ynDitr 6. : >bl12 "llpD >201 DO 0X1 Iw O k. : no>btr 710X1 Dlbjy oxbtt ID 1102> g- : rpbxi mo pipxi pixnxi b. :"]>t>dx Dibtrb oxt^n xbn po 1. : “pTity nibty >bxt£>n xbn HO k. ••Tnob iyb2 02 b2 >np 110 1. msro >bxtrm. :JTHyi HO >bx n. Vermischtes. — Das Palais-Royal-Theater in Paris hat ein einaktiges Vaudeville angenommen, welches sich „Der Theaterarzt" betitelt. Der Verfasser heißt „Abraham" Dreyfus und der Componist Emil »Abraham" .... Wenn sich dabei nicht die Zuschauer wie in Abrahams Schooß befinden, so ist ihnen nicht zu helfen. — Des österreichischen Kronprinzen Reise durch Spanien, hat zur Erinnerung an eine Mähr von seinem Vorfahren dem Kaiser Karl Y. Anlaß gegeben, deren Schauplatz Algier ist. Karl Y. landete 1541 mit einer Flotte vor Algier, konnte jedoch in Folge der Stürme und des Regens nicht an's Land gehen. Der dortige Bei ließ nämlich den Rabbiner der Judengemeinde, den auch als Kabbalisten hochberühmten Rabbi Simon Zemach Zedek, vor sich kommen und forderte ihn auf, mittelst seiner Kenntnisse der Geheimlehre das kaiserliche Heer an der Landung zu hindern. Der Rabbi ging darauf zum Meere hinab und warf eine mit kabbalistischen Zeichen beschriebene Pergamentrolle in dasselbe, worauf sogleich ein Sturm losbrach, der die Flotte verhinderte, der Küste nahe zu kommen. Nachkommen dieses Wundermannes sollen noch heute in Nordafrika leben. (Erledigte Geschäftsordnung). Kürzlich ereignete sich in Kunhegyes folgende Geschichte: Der Vorstand der israelitischen Gemeinde hatte auf 3 Uhr Nachmittags eine Sitzung einberufen „zur Erledigung mehrerer wichtiger Gegenstände." Natürlich beeilte sich Jedermann pünktlich zu erscheinen, in der Meinung, es werde vielleicht darüber zu berathen sein, wie der Einsturz der baufälligen Synagoge zu verhindern sei, oder ob Schritte gethan werden sollen zur Aufnahme eines Lehrers. Leider aber sahen sich die Gemeinde- Mitglieder sehr bald in ihren Erwartungen getäuscht. Als der Vorstand in dem Lokale, wo die Sitzung stattgefunden hatte, angelangt war, eröffnete er dieselbe und begann dann damit, daß er den Gemeindekurator zur Verantwortung zog darüber: wem er den Klee im Tempelhof verkauft habe? Dieser antwortete, daß N. N. schon vier Gulden darfür geboten habe, er sei jedoch bereit, ihn wem immer zu verkaufen, der mehr giebt. Der Vorstand, replizirend, gerieth in solche Wuth, daß er auf den Kurator losstürzte, ihn am Hals packte und bums! ehe man sich's versah, kugelten die beiden auf der Erde herum. Nachdem der Vorstand wieder auf seine Berne gesprungen war, erklärte er der verblüfften Versammlung: da kein weiterer Gegenstand zu erledigen, löse er die Sitzung auf. W. Landes-Ztg. Literarisches. — Jsr. Volkskalender für d. I. d. W. 6640 herausgegeben und Verlag von Jacob W. Pascheles in Prag, Preis 70 Pf. Der 28. Jahrgang dieses für sein kleines Format, inhaltsreichen Kalenders, liegt vor uns. In den sinnigen poetischen Dichtungen und Versionen Kämpfs und einem interessanten und recht populär gehaltenen Aufsätze über »Rabbenu Tam" von G. Klemperer finden und begrüßen wir die treuen Mitarbeiter des kleinen Jahrbuches, die wesentlich zur Beliebtheit desselben beigetragen haben. Die andern literarischen Beiträge werden durch einen Rückblick aus der Feder des Herausgebers abgeschlossen, der kurz und doch erschöpfend, die für das Judenthum bedeutungsvollen Ereignisse des verflossenen Jahres dem Leser vorführt. Wir können daher in unparteiischer Beurteilung, diesem Kalender eine immer größere Verbreitung in israelit. Kreisen wünschen. F. D. D>ny yopb nnso Maphteach likboa Jttim. Schlüssel zur sofortigen Umwandlung jedes bürgerlichen Datums in das entsprechende jüdische und umgekehrt ohne irgendwelche Berechnung, sowie zur Bestimmung des Wochentages jedes Datums für die Jahre 1800 — 1950. Unentbehrliches Handbuch bei Datenbercchnungen für Rabbiner, Lehrer, Cultus- und Gcmeindebeamte, Juristen, Geschäftsleute jeder Art und zuverlässiger Führer für Jedermann. 150 Umrechnungstabellen, 1 Tabelle zur Bestimmung der Wochentage und 1 Fest-Verzeichniß. Von L. Cohen, Lehrer. Rees am Rhein. Selbstverlag des Verfassers. In Commission bei I. Kaufmann in Frankfurt a. M. Der Zweck dieser etwas umfangreich betitelten Schrift ist die leichte und sofortige Umwandlung des jüdischen Datums in das bürgerliche und umgekehrt. Ueber den Inhalt der Schrift bleibt uns nach dem angeführten Titel nichts zu sagen übrig. Aus den Druck der Tabellen ist große Sorgfalt verwendet worden, was für arithmetische Werke von der größten Wichtigkeit ist. Ueber den Gebrauch der Tabellen gibt eine praktische Anleitung genügende Auskunft. Wir empfehlen die Schrift allen Interessenten. — Der Verfasser beabsichtigt im October d. I. zur Vervollständigung des vorliegenden Werkes 50 gleiche Tabellen für die Jahre 1750—1880 zu ediren. B.