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Der israelitische Bote · 1879-07-24 · 30 (24.7.1879) · p. [Seite 1]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
30 (24.7.1879)
Date
1879-07-24
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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s Erscheint jebstt Donnerstag. Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 1 k * 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. Verantwortlicher Redacteur Moritz Baum in Bonn, Expedition: Petersstratze Nr. 8. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum' 10°W. Zahlbar hier. Inserate' werden bis Dienstag erbeten. v. Jahrgang. ZSonn, 24. Juki 1879 (5639). Mo. 30. Leitender Artikel. Die schülerhafte Rathlosigkeit des Hrn. Dr. S. Holdheim im Gebiete talmudischen Wissens. Schreiben des Dr. Auerbach ^"27 an den Rabbinatscandidaten L. in B. Den 14. Aug. 1845. (Fortsetzung.) Doch den Gipfel der Lächerlichkeit liefert die Unterredung mit Herrn Dr^ Einhorn (S. 19.) Herr Dr. Einhorn fragt: Wenn assertorische Eide aus dem Standpunkte der Rabbinen auflösbar waren: warum das jüdische Recht bei der Ableistung derselben nicht Vorsichtsmaßregeln gegen die Auflösung gebraucht habe? Der Herr Vicepräsident antwortet: »Ich gebiete dir, DIS bü? 711£>, deinen Jrrthum zu bekennen! Denn ich werde dir beweisen, daß die Rabbinen in der That Vorsichtsmaßregeln gegen die Auflösung assertorischer Eide gebrauchten; heißt es ja im Schewuoth 29a, daß man zu dem Schwörenden gesagt habe: Wisse, daß wir dich nicht nach deiuem Gedanken schwören lassen, sondern nach unsern und den Gedanken des Gerichts, und daß Moses sich derselben Formel bediente, als er die Israeliten auf das Gesetz beschwor: wisset, daß ich euch nicht nach euern, sondern nach meinem und dem Gedanken Gottes beschwöre (ich bemerke Ihnen gleich, daß der Talmud diese Ermahnung vor der Leistung des promissorischen Schwures Israels folgendermaßen erklärt: „nach meinem Gedanken" zur Verhütung einer reservatio mentalis, daß nämlich die Israeliten dem Worte pnin keinen andern Sinn unterlegen, »nach dem Gedanken Gottes", damit sie den Eid nicht auflösen lassen), und da in Schewuoth 39a die Anwendung dieser mosaischen Formel auch bei gerichtlichen Eiden erwähnt wird und lautet: wisse, daß du nicht nach deinem, sondern nach dem Gedanken Gottes schwörst und des Gerichts, welche auch in allen Compendien und Choschen Hamischpot Eap. 87, § 20 recipirt ist: so kann der Zweck dieser Formel niH bV DIpDPl „nach dem Gedanken Gottes" bei gerichtlichen (assertorischen) Eiden nur der sein, daß man hiermit, wie Moses bei dem promissorischen, hier bei assertorischen Eiden der Auflösung Vorbeugen wollte." — O der erstaunenden Virtuosität im unverschämten —! Neun Unwahrheiten in einem Athemzuge hätte ich st dem Präsidenten der br. Rabb.-Vers. nicht zuged doch vermag's schon der Substitut! D"DD7 rat? ,t"s D"n m -mo, b^s-i, ymi, rp"i D D^TO, haben bei gerichtlichen Eiden nicht re"Formel »nach dem Gedanken Gottes", sondern nach Neun U jgKbft bei MD HDffdr^orn dem Gedanken des Gerichts" YD n>7 bv>*) Und diese Ermahnung, »daß nach dem Gedanken des Gerichts geschworen werde", ist nach Schewuoth 29 darum nöthig, weil sonst der Schwörende dem Schwur einen andern Sinn geben könnte J^DT! Slip, namentlich weil Moses, als er die Israeliten in das Gesetz beschwor, sich der Formel bediente: Tiyi bv S"D, DlpDPI Tyi wo das *>nyi bv Reservationen in der Auslegung des promissorischen Schwurs Vorbeugen sollte, weil endlich betrügliche Erklärungen der Eideswocte nicht zu den Seltenheiten gehören: deshalb wie bei promissorischen, also auch bei assertorischen Eiden die Ermahnung YD 1"V- Nun fährt aber der Talmud am Ende derselben Seite, Schewuoth 29a, in Bezug auf die Erwähnung Mosis bei dem promissorischen Eide der Israeliten zu fragen fort: in^SD^ b“b DlpDil l"v, TO*! bv ,M schon zur Verhütung von Reservationen das Wort inyi bv (d. i. n>H bv YD) genügt, wozu hatte Moses bei dem promissorischen Schwure noch hiuzugesügt: /ipDil Yy nach dem Gedanken Gottes? nmn •»'inb »damit ihr prom iss arischer Schwur nicht aufgelöst werden sollte"; „denn", fügt Raschi hinzu, „ein Gelübde im Sinne der Mehrheit" (2^ Yy 71 j) und Tosephoth bemerken: „ein Gelübde nach dem Sinne Gottes geleistet", kann nie gelöst werden." *) Sonach har sich Schewuoth 39a, wo es allerdings heißt BlpD.1Yy, ein Fehler eingeschlichen, was auch schon aus Raschi daß, welcher die richtige Leseart 13J15H bv hat, zu berichtigen ist. Der eingeschlichene Fehler mag aus der folgende^ParallAstelley^Dtynt^D wi bv s"d DDnyn bv Sv nbs bs7B"> ns nt^D DlpDn 7"yi Herrühren, wo freilich das OlpQN Y'y erforderlich war, weil hier von einem promissorischen Eide die Rede ist, den man sonst hätte auflösen können, wie dies Schewuoth 29b ausdrücklich bemerkt wird msDTu ntsaitj'ö sno^ y"DD^i. Fortsetzung folgt. Der geschichtliche und literaturgeschichtliche Unterricht in der Religionsschule. Von Dr. D. B a r n a ß, Berlin. (Fortsetzung, siehe Nr. 26. Besonders ist es die pyrenäische Halbinsel, welche in der nächstfolgenden Zeit vom Anfang des 10. Jahrhunderts die Freistätte ungestörter Geistesthätigkeit bildete, ein duftiger Garten heiterer, lebensfreudiger Poesien. Durch eine seltsame, für die gesamwte Judenheit des Abendlandes folgereiche und segensvolle Fügung wurde durch R. Moscheh und dessen Sohn R. Chanoch, die durch Piraten aus dem Morgenlande nach dem arabischen Spanien verkauft worden waren, der talmudischen Gelehrsamkeit hier ein neuer ergiebiger Boden erschlossen, und diese Bestrebungen wurden durch den zeitgenössischen, ebenso großstnnigen, als gelehrten und einflußreichen R. Chisdai am Ende des 10. Jahrhunderts gefördert und ein halbes Jahrhundert später durch den hochherzigen, alle Gebiete des Wissens mit inniger Liebe umfassenden R. Samuel Hannagid zur herrlichen Blüthe gebracht, wie es schon der bekannte Ausspruch des R. Abraham ben David besagt: »In den Tagen des R. Chisdai, des Fürsten, begannen sie zu zwitschern, in der Zeit des R. Samuel ließen sie ihre Stimme erschallen." Durch diese angesehenen, von Begeisterung für jüdisches Wissen und jüdisches Leben erfüllten Maecenaten ward die Bahn geebnet, auf der wir der Reihe nach Männer wie Salomon b. Gabirol, Jehuda Hallewi, Abraham b. Esra, als Grammatiker, Exegeten, Dichter und Philosophen austreten, in ihren epochemachenden Werken sich ein bleibendes Denkmal in der Literatur aller Zeiten und Völker setzen und der Mit- und Nachwelt eine neue Fundgrube wissenschaftlicher und religiöser Erkenntniß erschließen sehen. Ihr denkender Geist und ihr frommes Gemüth, Licht und Wärme zugleich verbreitend, ließen sie dort die Wissenschaft ihrer Zeit mit h#u Grundlehren des Judenthums zu inniger Harmonie vereinigen und durch ihrer eigenen Seele Begeisterung auch belehrend, erhebend und begeisternd mit unwiderstehlicher Gewalt auf die Herzen und Geister der kommenden Geschlechter wirken. — Schon frühzeitig, wahrscheinlich schon seit der geonäischeu Zeit, war es Brauch geworden, in das übliche Gebetritual Piutim einzuschalten, welche aus dem Streben hervorgingen, sich die reichen Schätze, welche in den Midraschim als todter Besitz aufgehäuft waren, zu gottesdienstlichem Zwecke zu nutze zu machen und alle Momente des religiösen Lebens durch die darin zum Ausdruck gebrachten Gedanken zu verklären. Die religiösen Dichtungen schmückten allmählich die überlieferten Gebetstücke mit ihren bezaubernden, anmuthigen Blüthen aus, und das, was vor Jahrhunderten zur Belehrung und Erbauung der Gemeinde vorgetragen wurde, sollte von Neuem Leben gewinnen unter der schöpferischen Hand des begeisterten Dichters. Es ist natürlich, daß auch die Dichtungen der spanischen Poeten in die Liturgie Aufnahme fanden, und noch heute bilden die Hymnen und Elegien eines Gabirol und Jehuda Hallewi eine der herrlichsten Zierden unserer Gebetordnung. Bedauerlich ist es, daß die modernen Gemeinden, weil ihnen das wahre Verständniß für jene schwung- und geistvollen Ergüffe und Schöpfungen der jüdisch spanischen Muse abgeht den Gottesdienst jenes Schmuckes berauben, welcher von unseren Ahnen in gerechter Würdigung seines hohen sittlichen und bildenden Werthes eifrig gepflegt *) Uebersetzt von Hrn. Dr. Fiebermann ans dem in London erscheinenden „Jewish Chronicle". Der verstorbene Baron Lyonel de Rothschild. Fortsetzung. Im ersten Wagen saßen Sir Nathaniel de Rothschild, M. P. und Baron Alphons de Rothschild aus Paris. Im zweiten: Mr. Alfred de Rothschild und Mr. Leopold de Rothschild mit Dr. Chepmell. Im dritten: Baron Ferdinand de Rothschild, Baron James de Rothschild und Baron Edmond de Rothschild ans Paris. Im vierten: the Earl of Rosebery, der Brasilianische Gesandte, Mr. John Samuel und Sir Coutts Lindsay. Dem Leichenwagen von 4 Pferden gezogen, folgten 40 Trauerwagen und ungefähr 100 Privatwagen unter denen wir die Karossen Sr. Excellenz des Türkischen, Russischen, Oesterreichischen, Holländischen und Brasilianischen Gesandten bemerkten; ferner die des Herzogs von Wellington, des Herzogs von St. Albans, des Herzogs von Manchester, des Marquis ofTweeddale, des engl. Premierministers Earl of Beaconsfleld, des Earl of Feversham, der Gräfin Somers, der Lady Emily Peel, des Oberbürgermeisters von London rc. rc. Die größere Zahl der Trauer¬ und Privatwagen, welche am Leichenbegängniß Antheil nahm, durfte mit besonderer Erlaubniß des Herzogs v. Cambridge im Hyde-Park sich aufstellen in der Nähe des Rothschild'schen Hauses. Der Leichenconduct nahm seinen Weg durch Park Lane, Edgware Road Kilborn und Willesden Lane. Auf dem ganzen Wege, besonders um Piecadilly, waren die Jalousieen vieler Häuser heruntergelassen und ohne Ausnahme waren die Läden sämmtlicher jüdischen Geschäftshäuser geschlossen, während der Condukt vorüberzog. Auch möge hier erwähnt werden, daß in der ganzen Umgegend von New-Court (dem Rothschild'schen Comptoir, welches bis 2 Uhr geschlossen blieb) die gleiche Achtung dem Andenken des sel. Freiherrn im Allgemeinen bewiesen wurde. Die ungewöhnliche Länge des Leichenconduktes erregte auf dem ganzen Wege ganz besondere Aufmerksamkeit. Eine große Zahl von Konstablern, zu Fuß und zu Pferd, war auf verschiedenen Punkten aufgestellt, um Verkehrsstörungen zu verhindern und die Zugänge zur Leichenhalle des Friedhofes wurden offen gehalten durch ein großes Corps der 10. Polizeidivision unter Aufsicht des Superintendenten Eccles. Um 1/212 Uhr langte man am Friedhof an, auf dem sich schon vorher sehr viele Personen eingefunden hatten. Der Sarg wurde in der Leichenhalle auf eine Tragbare gelegt. In allen Fensternischen erblickte man große Guirlanden von natürlichen Blumen; das Mittelfenster auf der Nordseite zierte ein besonders merkwürdiger Kranz von weißen Blumen, Rosen, Nelken, Lilien, Narzissen. Rvd. B. H. Ascher sprach alsdann in einer sehr ergreifenden Weise das Gebet: l^ysD^ön 1127 Der Sarg wurde dam aus der Halle hinausgetragm. Wan machte Halt um HD^l nns zu sagen, nach dessen Schluß Revd. B. H. Ascher, häufig von innerer Rührung überwältigt, die folgende Ansprache hielt, welche viele der Leidtragenden an manchen Stellen zu Thränen rührte: „Geehrte Trauerversammlung! Gemischte Gefühle von Kummer und Gram, von Mangel an Zuversicht zu mir selbst, ergreifen in dieser Stunde mein Innerstes, wo ich mich befinde vor den sterblichen Ueberresten des erlauchten Hauptes einer weltberühmten Familie und einige Worte zum Lobe und zum Andenken des Mannes an Sie richten soll, dessen Asche wir unter einem Strom von Thränen der Mutter Erde zu übergeben im Begriffe stehen, dessen Seele wir mit stillen, aber heißinnigen Gebeten der göttlichen Gnade empfehlen. O! wäre doch diese traurige Aufgabe nicht mir zugefallen, sondern weit besseren, weit befähigterer weit frömmeren Männern, um den Gefühlen den re ten Ausdruck zu verleihen, welche uns Alle bei V

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