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Der israelitische Bote · 1879-07-10 · 28 (10.7.1879) · p. [Seite 3]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
28 (10.7.1879)
Date
1879-07-10
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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den und in manchen Stücken abweichenden Verhältnisse seien die einzelnen Bestimmungen festgesetzt worden. Nachdem die Vorstandsmitglieder unter einander eine Verständigung gefunden, habe Herr Dr. Honigmann lBreslau), welcher der Vorstand zu besonderem Dank verpflichtet sei, sich der Mühe unterzogen, das ganze Werk einer nochmaligen Prüfung zu unterwerfen. (Schluß folgt.) Orig.-Bericht des Vereins israel. Elementarlehrer für Westfalen und Rheinprovinz. Fortsetzung. - Ein unschätzbarer Gewinn der Conferenzen gipfle in der Hebung des Standesbewußtseins und des Gefühls der Zusammengehörigkeit. Der Vortragende erwähnt die verschiedenartigen Lehrer - Conferenzen und wirft einen historischen Rückblick auf die Enstehung der Lehrervereine. Man findet ihren Ursprung in des großen Königs General-Landschul-Reglement von 1763, sie nehmen einen immer höhern Aufschwung, bis sie zur Zeit der Demagogenriecherei aufgelöst wurden. Ref. schildert, wie unter Mühlers System eine geistige Erschlaffung der Lehrer eintrat und unter der Aera Falk das Aufblühen der Voksschule begann und somit ein strebsamer Geist in die Lehrerkreise drang. Der Ref. geht dann näher auf die rheinis ch-westf. jüd. Lehrerconferenz ein. Nachdem in den vierziger Jahren die Conferenzen der beiden Provinzen Rheinland und Westfalen getrennt abgehalten wurden, fand am 11. März 1856 in Crefeld die erste rheinisch-westfäl. Lehrerconferenz statt unter der Leitung des sel. Oberrabb. Bodenheimer u. Herrn Blumenau. Letzterer hat nun beinahe schon 25 Jahre mit vorzüglichem parlamentarischen Tact, mit Unparteilichkeit und Gewissenhaftigkeit die Versammlungen geleitet. Die Genehmigung der Statuten erfolgte erst am 12. April 1862. Die Sammlungen für die Kasse, die erste Aufnahme von Mitgliedern fanden im Herbste 1862 statt. Die Unterstützungen begannen statutengemäß 1872. Ref. charakterisirt die Stellung des jüd. Seminars zu Münster und der aus demselben hervorgegangenen Lehrer und bemerkt, daß unsere Conferenzen stets von einem wahrhaft stttl. religiösen Geiste durchdrungen gewesen seien. Am Schluß tadelte der Vortragende die Lauheit und Jnleressenlosigkeit mancher Lehrer für das Conferenzleben, die schwache Betheiligung der Collegen an der Unterstützungskasse und bittet dringend, im Interesse des Standesbewußtseins mit vereinten Kräften an dem Werke der Menschenveredlung und Menschenliebe zu arbeiten. Der Ref. hatte folgende Thesen, woran sich lebhafte Debatten schlossen, aufgestellt: 1. In unserer Zeit der Associationen sind von Zeit zu Zeit stattsindende Lehrerconferenzen für Schule, Lehrer und Gemeinden unbedingt erforderlich und in socialer, wie pädagogischer Hinsicht für alle drei Factoren der Erziehung von hohem Nutzen. 2. Der Lehrer hat die moralische Verpflichtung, sowohl gegen die Schule, als auch gegen sich selbst und die Gemeinde, sich an den freien Conferenzen zu betheiligen, insbesondere aber auch in die aus denselben hervorgegangenen Wohlthätigkeits-Jnftitute, wie Wittwen- und Waisenkafsen als Mitglied einzutreten und nach Kräften das Gedeihen und Emporblühen derselben nach allen Seiten hin zu fördern. 3. Auch abgesehen hiervon legt schon das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das Bewußtsein einem Stande anzugehören, von dessen gedeihlicher Wirksamkeit das Wohl und Wehe ganzer Generationen abhängig ist, dem Lehrer die unabweisliche Pflicht auf, diesem Bunde als Glied in der großen Kette sich anzuschließen und jenen Geist der Eintracht und Collegialität mit seiner Person und durch seine Thätigkeit zu stärken. Es erfolgen nun freie Besprechungen. Nachdem einer Adresse an das Kaiserliche Jubelpaar Erwähnung gethan, gedenkt der Herr Vorsitzende in warmer Empfehlung des deutsch-israel. Gemeindebundes in Leipzig unter Darlegung seiner Ziele und seiner Wirksamkeit, daß er unter Ausschluß aller religiösen Parteifragen das Verwaltungs-, Bildungs- und Unterstützungswesen der jüd. Gemeinden mit aller Energie fördere. So weist der Rechenschaftsbericht der deutsch-israel. Gemeindebunds-Pensions-Casse pro 1878 260 Mark für, die Unterstützungskasse jüd. Lehrer. Ebenso aus der Herxheimer-Stiftung für Zöglinge versch. Lehrer- ' bildungs-Anstalten ca. 200 M. Der Vorsitzende legte den Lehrern an's Herz, den Gemeindebund nach Kräften zu fördern. Vormittagssitzung geschlossen. Wiederbeginn 2Va Uhr. College Löb (Cöln) hält seinen Vortrag: „Ueber Erziehung und Unterricht bei den Judenvon den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Obgleich der Vortrag, wie der Herr Referent einleitend bemerkte, wegen Mangel an Zeit nicht in allen Punkten genügende Berücksichtigung finden konnte, wurde er doch mit allseitigem Beifall ausgenommen. Der Ref. greift in die graue Vorzeit des Judenthums zurück und erwähnt des Lehrhauses von Scham und Eber, einer mythischen Schule, worin der Erzvater Jakob seine Ausbildung erlangt haben soll, und daß, anknüpfend an eine Stelle im Midrasch, dieser das Gelernte seinem Lieblinge Joseph übermittelt. Fortsetzung folgt. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Bonn Zur Unterstützung der Abeitslosen in Jerusalem — Christen, Juden und Mohamedaner — wird gegenwärtig in Edinburg ein Bazar eigenthümlicher Art gehalten. Die feilgehaltenen Waaren bestehen in der Hauptsache aus Schnitzereien von Holz, welches in Palästina gewachsen ist, zumeist von Olivenholz. Köln, 4. Juli. (Priv.-Mitth.) Der hier erscheinende »Rheinische Merkur", ein Kaplansblättchen in der schlimmsten Bedeutung des Wortes, berüchtigt durch seinen plumpen Judenhaß, von welcher Krankheit er trotz erhaltener, wohlverdienter Strafe nicht curirt ist, greift jede Gelegenheit auf, sein Müthchen an den Juden zu kühlen; ob auf gegebener Parole, ob aus eigenem Antriebe, oder um durch pikante Artikelchen die schwindsüchtige Zahl seiner Abonnenten zu vermehren, wissen wir nicht. In seiner heutigen Nr. 80 gibt der Götterbote eine Uebersicht der statistischen Verhältnisse der öffentlichen Volksschulen Kölns im laufenden Jahre und knüpft daran ohne irgend eine Veranlassung folgende „rabauenhafte- Bemerkung. „In den Freischulen glänzen die Nachkommen der Semiten durch ihre Abwesenheit; da gibt's weder Schlaumann noch Seligmann, noch sonstige Sprößlinge mit schwarzlockigem Haar und krummen Nasen. Die „hochfeinen Geschäftsspeculationen" der erwähnten Race, die hohen „Procentchers- sowie die »Solidität und Reellität der Geschäftsführung" versetzen die erwähnte Volksrace in so günstige Situationen, daß Freischulen für dieselben ein entbehrlicher Luxusartikel sind." Wäre es nicht vergebliches Thun, solchen schmählichen Gehässigkeiten entgegen zu treten, so ließe sich erwidern, daß die isr. Volksschule von ca. 60 Freischülern besucht wird, daß aber aus Humanitätsrücksichten von Seiten der jüd. Gemeinde, für diese keine besondere Schule errichtet worden, und nachdem die Schule eine städtische geworden, das Verhältniß auch so geblieben sei, daß aus der jüdischen Gemeindekasse das Schulgeld für arme Kinder bezahlt wird, damit sie die Bezirks- und nicht eine Freischule besuchen, daß also das ganze Verhältniß ein schönes Licht auf die jüdischen Schul- und Gemeinde-Verhältnisse wirft, und daß nur die schwarze Galle des „Schweinischen Merkur" Geifer daraus schöpfen kann, die Juden zu bespritzen. Aber wir wollen nicht polemisiren gegen das Blatt, wollen ihm vielmehr nach dem Sprüchworte sein Vergnügen lassen. Es charakterisirt die Geistesrichtung des Leserkreises, der solchem Gekläff Geschmack abgewinnen kann. Wie man aber auch von seinem Feinde lernen kann, so wollen wir Juden uns immer mehr und mehr bestreben, durch Rechtlichkeit und Sittlichkeit, durch echte Bildung und praktische Tüchtigkeit, so wie vor allem durch Bescheidenheit unser» Gegnern jeden Anlaß zu gehässigen Angriffen zu nehmen. Danzig, 4. Juli. Heute starb hier im besten Mannesattcr plötzlich am Herzschlage Herr Rechtsanwalt Goldstandt. Der Verstorbene bildete während der Konfliktszeit mit Laster und dem Justizrath Makower zusammen ein Trifolium jüdischer Assessoren, das lange vergeblich auf seine Anstellung im Justizdienst wartete und in Wort und Schrift gegen die Zurücksetzung der Juden im Staatsdienst gemeinsam kämpfte. Herr Goldstandt ging später als Rechtsanwalt nach einer kleinen Stadt Westfalens und wurde von dort Anfangs der 70er Jahre hierher versetzt, wo er allmählich eine ziemlich umfangreiche Praxis erwarb. B. V. Z. Altona. Der Letzte seines Stammes auf Fehmarn, der Israelit Spanje, ist daselbst vor einigen Tagen gestorben. Er war ein auf der Insel sehr geachteter Mann. s-r Altona, 7. Juli. (Priv.-Mitth.) Jüngsten Sonnabend hielt der Provinzialrabbiner von Marburg Sr. Ehrw. Herr Dr. L. Munk, welcher ein Sohn des hiesigen allverehrten Dajans Sr. Ehrw, Herrn E. Munk ist, und der sich in Veranlassung der Hochzeit seiner Schwerster hier aufhielt, infolge der ehrenden Aufforderung des Vorstandes hiesiger Gemeinde in der Hauptsynagoge eine Rede. Die ausgezeichnet schöne und präcise Durchführung des gestellten Thema's; die bilderreiche, schwungvolle Sprache, sowie das klangvolle Organ des Redners erwarben demselben den allgemeinsten Beifall. Dieser war umso schwieriger zu erringen, da unser hochverehrter Herr Oberrabbiner Dr. Loeb zu den glänzendsten jüdischen Rednern zählt, wodurch das hiesige und das zahlreich anwesende Hamburger Publikum große Anforderungen an den Redner zu stellen gewohnt ist. — Mögen seine Worte in seiner Gemeinde ebenso fruchtbringenden Boden finden, wie sie ihn gewiß hier in einer glaubenstreuesten Gemeinden gefunden haben. Wie ich noch nachträglich erfahre, beabsichtigt der Vorstand der hiesigen hochdeutschen Jsraeliten- Gemeinde dem Redner seine Anerkennung durch ein Geschenk auszudrücken. Seit 6 Jahren ist der Genannte der vierte junge Rabbiner aus hiesiger Stadt stammend, der aus der Schule des Dr. Hildesheimer hervrrgegangen. Spenden-Berzeichrriß. Bei der Expedition dss. Blattes sind eingegangen für den Aufruf „Dringende Bittein Nr. 23 von N. N. in S. 10 M. Von demselben für den „Hülfe- Aufruf" in Nr. 25 10 M. Für den Aufruf in Nr. 21—22 noch nachträglich eingegangen durch Herrn M. Rosenwald in Oestrich 3 M. Vermischtes. Der Dichter Heinrich Heine schrieb seinem Onkel Salomon Heine ins Stammbuch: Lieber Onkel, leihe mir hunderttausend Thaler und vergiß auf ewig Deinen Dich liebenden Neffen. H. Heine. Saphir sagt: Viele Mädchen heirathen des Titels wegen, den der Mann tragt, sogar Manche einen Wittwer um Wittwe zu werden. Bias sagte: „Alles, was mein Eigenthum ist, Hab' ich an und bei mir.- Könnte doch jetzt Jeder sagen: „Alles, was ich an und bei mir habe, ist mein Eigenthum." In einer Delikatessen-Handlung. Vater: Verdammter Bengel! Du ißt hier Austern — Weißt du was sich darauf gehört? Sohn: Ja, eine Flasche Cliquot. — Eine sehr lange Frau war an einen ganz kleinen Mann verheirathet, der, wie in der Regel die kleinen Leute, sehr zänkischer Natur war. Die lange Frau kümmerte das jedoch im Geringsten nicht; nur manchmal, wenn es der Kleine gar zu arg machte, frug sie aus ihrer Höhe: »Wer zankt da unten?" Literarisches. In eleganter, sehr ansprechender Ausstattung liegt uns ein Bote des nächsten Jahres, der in H. Meyer's Verlag in Halberstadt erschienene „Jllustrirte jüdische Kalender" pro 5640 (1880) (II.Jahrg.) vor und bietet auch diese neue Ausgabe viel des Unterhaltenden und Belehrenden. Neben einem ausführlichen Kalendarium mit NO22N rva '»MD, Planetentafel, Finsternisse rc. enthält derselbe eine spannend geschriebene Novelle von Fr. Roth, dessen Name wohl schon für die Güte desselben bürgt, eine Abhandlung zur 150. Geburtsfeier Moses Mendelssohn, von S. Schiffer (mit Titelbild) in der das literarische Walten des großen Philosophen besonders hervorgehoben wird, und die einige neue und wichtige Bemerkungen auf das Leben desselben enthält, einen Rückblick auf das Jahr 1878 von M. Rosenwald, der in kurzen aber treffenden Zügen das Leben der Juden in den verschiedenen Ländern bespricht, dann Anecdoten und Kalenderscherze mit Abbildungen, und zum Schluß unter dem Titel „Gemeinnütziges" eine Reihe, jeden Leser mteressirender Mittheilungen: Bevölkerung und Größe des deutschen Reiches, die neuen Maße und Gewichte, Banknoten, Zinstabelle auf 1 Monat und 1 Jahr, Wechselstempelsteuer, Münzvergleichungstabelle, Posttarif, Telegraphentarif. Als Anhang ist ein Verzeichniß der Märkte und Meffen im deutschen Reiche im Jahre 1880 gegeben. Wir empfehlen das interessante Büchelchen und kann sich ja ein Jeder durch den äußerst billigen Preis von 1 Mk. in den Besitz desselben setzen. Dr. H. Wir verweisen unsere geehrten Leser auf das der heutigen Nummer beigelegte Prospectus des obenberegten Jllustr. Jüd. Kalenders. (Red.)

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