Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 27 (3.7.1879)
- Date
- 1879-07-03
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9620169-9625151-9624071--197-9624074- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
lichen Wirkens der Titel „Sanitätsrath" verliehen. Wir gratuliren dem verehrten Manne zu dieser Auszeichnung. Dem Vernehmen nach soll unser alter würdiger tsnitP Herr B. Frank, pensionirt werden. Er ist ein tsrW, wie sie selten zu finden, streng fromm, ein Menschenalter hindurch musterhaft thätig in seinem Berufe. Möge er einen würdigen Nachfolger finden, und möge er sich noch recht lange der wohlverdienten Ruhe freuen! — Von noch einem höchst betrübendem Faktum habe ich zu berichten. Vor wenigen Tagen erschoß sich hier ein junger, hoffnungsvoller, 20jähriger Mann, 8tuä. jur., im Hause seiner Eltern, ohne daß man den Grund zu diesem verzweifelten Schritte kennt. Diese Selbstmorde sind ein höchst betrübendes Zeichen unserer Zeit, von denen man doch früher im Lager -5Ä Israels "nichts wußte, deren wir hier leider aus den letzten Jahren so viele zu verzeichnen haben. Wie soll solcher Geistesverirrung vorgebeugt werden? Ist hier Vertuschen das rechte Mittel, oder sollte man die Dinge beim rechten Namen nennen und mit Nachdruck mahnen und warnen?! Man erzählt sich ferner, daß einige Mischehen Bl zwischen Juden und Christen in hiesigen Kreisen sich ™ vorbereiten. Auch das sind unheilvolle Erscheinungen - sowohl für die Angehörigen, die solchen Vorkommnissen p nicht immer Vorbeugen können, als für die Betheiligten in ihren Wirkungen und Folgen.*) ' *) Wir empfehlen die wichtige Broschüre »lieber Mischehen von Professor L. Cahn in Brüssel, übersetzt von Frau Moritz Baum. Aus Westfalen. Durch das vor Kurzem erfolgte Dahinscheiden des hochgeachteten Mitgliedes der tsr. Gemeinde zu Witten a. d. Ruhr, des Herrn I. Stern ist für das strenggläubige Judenthum im Allgemeinen und für die strenggläubigen Israeliten daselbst im Besonderen eine große Lücke entstanden. Des Verstorbenen Tod wurde, obgleich derselbe erst vor einigen Jahren als Rentner und aus Liebe zu seinen daselbst wohnenden Kindern von Wetter a. d. Ruhr nach W. übersiedelte, dennoch von sämmtlichen Gemeindemitgliedern, welcher Parteirichtung dieselben auch angehören mögen, so wie nicht minder von den dortigen Nichtisraeliten tief betrauert; und mit Recht. Denn von ihm kann man sagen: pTJ bVBl D'lDfi "pH, er war, mit einem Worte gesagt, ein pHtt im vollsten Sinne und der wahrsten Bedeutung des Wortes. Obwohl selbst kein nun war der Heimgegangene ein desto größerer wQDN '»TV^N 2niK OiT"DT), pflegte und hegte auch die zwei andern Grundpfeiler unserer heiligen Religion, nämlick nYQy 0*HDn und hatte stets für wohlthätige und gemeinnützige Zwecke eine volle Hand zum Geben, ein offenes Ohr für Bittgesuche. Insbesondere war er den verschämten Armen stets ein rettender Engel in der Zeit der Noth; ohne Prunk und ohne genannt zu werden, stand er den Hülfesuchenden mit Rath und That zur Seite und übte er diese w'W1? n^VTl iTfeSD Er starb, gottergeben, in einem Alter von 76 Jahren, tief betrauert von seiner Hinterbliebenen Gattin, eine 5>*n nt^K, sowie von seinen zwei verheiratheten Söhnen und deren Kinder. Kein Wm.der, daß die große Liebe und Verehrung, deren der Verstorbene sich zu erfreuen hatte, bei der Beerdigung durch einen imposanten Leichenzug, dem sich außer den Gemeindemitgliedern und sonstigen Q^Tipp, auch viele Nichtisra- «cUten angeschlossen hatten, um dem edlen Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen, sich dokumentirte. Wir aber rufen dem Seligen die Worte des Propheten zu: "T TDD -pB^ ^kll. Deine guten Werke werden dir dann Geleite geben und dir den Weg zeigen nach jenen lichten Höhen; Die Herrlichkeit Gottes aber wird dich in Liebe und Freude anfnehmen und dir deine Wohnung anweisen bei denen, die, wie du gethan, hiernieden in Demuth und Bescheidenheit seinem Willen nachgelebt haben, ruwn TtD rvur6. M. Rosenwald, Lehrer. Altona, 17. Juni. (Priv.-Mitth. Unlieb verspätet). Seit längerer Zeit hielt sich hier ein junger Mann aus Russisch-Polen auf, der behufs seiner Ausbildung hierher kam, aber, wie das gewöhnlich bei den jungen Leuten ist, ohne Geld. Eine Zeit lang fristete er sein Leben durch Kosttische und Ertheilung von Religionsunterricht. Als er schließlich sich ein gewisses Maß von Kenntnissen angeeignet hatte, meldete er sich zur Aufnahme in das hiesige Königliche Gymnasium an, wurde aber, da sein Wissen noch vielfach lückenhaft war, nur als Hospitant zugelasfen. Durch angestrengtes Studium zog sich der junge Mann aber ein Brustübel zu und so mußte er denn auf Anrathen eines Arztes das Studiren aufgeben. Da nahm sich in seiner Noch ein Lehrer am Gymnasium, ein Herr Möller in höchst edelmüthiger Weise an. Er verschaffte ihm nicht allein eine Stelle in einer Bank und erwirkte, daß der junge Mann an Sonnabenden und jüdischen Fesnagen seinen Prinzipien gemäß frei sei, sondern verichaffte ihm auch unentgeltlichen Fortbildungsunterrich: in kaufmännischen Fächern und obendrein noch eine monatliche Unterstützung von 35 Mk. Wahrlich ein schöner Zug uneigennütziger Menschenliebe frei von allen confessionellen Rücksichten. H Friedberg i. d. Wetterau (Großherzogthum Hessen). (Im Juni 1879]. Nachdem das neue Schulgesetz in Hessen in Kraft getreten war, hat sich in unserem Lande auf Anregung achtbarer Männer aus der hiesigen israelitischen Gemeinde ein Verein gebildet, der sich die Förderung des israel. Religionsunterrichtes bzw. Heranbildung jüdischer seminaristisch-gebildeter Lehrer zur Aufgabe gestellt hat. Nachdem es gelungen ist die nöthigen Mitglieder mit jährlichen Beiträgen aus vielen Gemeinden des Großherzogthums zu gewinnen, stellten sich auch alsbald fünf Zöglinge in den betreffenden Präparanden-Anstalten ein, wovon vier nach Absolvirung derselben, Aufnahme in dem hiesigen Schullehrerseminar fanden. Denselben wurde nun unter das Abgangs- Zeugniß von den Direktoren der betreffenden Anstalten die Bemerkung hinzugefügt, »daß sie vorerst weder auf Religionsunterricht im Seminar, noch auf eine Anstellung im Staatsdienst nach Absolvirung des dreijährigen Cursus rechnen könnten." Diese Bestimmung im vollen Widerspruche mit dem Schulgesetze, worin gleiche Berechtigung allen im Staate bestehenden Confesstonen gewährt ist, wurde natürlich mit Entrüstung ausgenommen und hat den Vorstand des obengenannten Vereins, der in Friedberg seinen Sitz hat, veranlaßt, einen Aufruf in den Frankfurter Zeitungen um Beihülfe seitens unserer Glaubensgenossen zu erlassen, der bis jetzt auch schon von Erfolg war, jedoch immer noch nicht hinreichend ist um die nöthigen Kräfte zur Ertheilung des Religionsunterrichtes für die hies. Seminaristen (fünf an der Zahl) zu gewinnen und zwar so lange, bis sich die hessische Regierung veranlaßt sehen wird, den Religionsunterricht auf Staatskosten ertheilen zu lassen. Außerdem befinden sich in den Präparanden-Anstalten noch vier Zöglinge, welchen auf Kosten des Vereins, neben anderen Unterstützungen, auch Religionsunterricht ertheilt wird. Wie uns heute mitgetheill wird, hat der Abgeordnete der zweiten Kammer, Herr Wolfskehl aus Darmstadt die Regierung hierüber interpellirt und ist man auf die Antwort gespannt. Es sollte mir angenehm sein, wenn auch in Ihren Kreisen dieser Gegenstand der Unterstützung sich erfreuen würde, und sind etwaige Gaben an den Direktor des Vereins zur „Unterstützung jüdischer Seminaristen" Herrn Mayer I. Hirsch in Friedberg einzusenden. Morgen-Andacht. Die Nacht erschien, da schloß sich zu mein Auge, Nachdem sich, Gott! mein Blick zu Dir erhoben Und meine Seele, Hauch von Deinem Hauche, Womit Du wunderbar den Leib belebtest, Im Nachtgebet sich Dir anheim gegeben; Vertrauensvoll, daß Du sie wohl bewahrest. Und steh' Du wecktest mich zu neuem Leben, Und läffest mich die Sonne Wiedersehen, Die Segen über eine Welt ergießet. Nimm, Vater! drum den wärmsten Dank zum Opfer, Der aus des Kindes treuem Herzen fließet. Sei Ew'ger! Du die Sonne meines Lebens, Erleuchte mich mit Deinem weisen Rathe, Daß Jrrthum nicht und Sünde mich bethöre. Wie glücklich ist der Mensch, der aus dem Pfade Der Gottesfurcht und heil'geu Tugend wandelt! Er ruhet unerschrocken, wie ein Löwe, Der in der kühlen Felsenhöhle wohnet; Er blühet grün und saftvoll, wie die Rebe, Im Silberthau deS Morgens, frisch gebadet. Und mag die Welt sich ihm auch wiedersetzen, Er stehet heldenmüthig, wanket nimmer, Denn ihre Pfeile können nicht verletzen Den Menschen, der auf Gott und Tugend bauet. Ja, Tugend, Du des Himmels schönste Gabe, O, Heil dem Menschen, der Dir ewig huldigt! Du streu'st mit Blumen ihm den Weg zum Grabe. O, möchte Deine goldne Siegesfahne Bald überall im Erdenthale prangen, DaS Reich der Sünde aber untergehen, DaS, ach, die Menschheit jetzt noch hält umfangen! Welch schönes Eden wäre dann die Erde, Wenn alle Herzen, die jetzt Böses schmieden Bon Arglist schwanger, Haß und Zwietracht säen, In Einheit lebten und im goldnen Frieden. Ein GotteStempel wäre dann die Erde, Voll Heiligkeit wie jene Himmelssphären» Wo Hallelujah ewig, ewig tönen In lichter Engel, reiner Geister Chören! O, daß der Geist deS Friedens und der Liebe Und der Erkenntniß Gottes und der Wahrheit DeS Menschen Sinn und Herz erleuchten möge, Wie jetzt die Erd' der Sonne Licht und Klarheit Belebt, erleuchtet, wärmet und bestrahlet! O, Gott! dies Reich deS Heils, daS Du verheißen, O, laß eS bald auf Erden doch erscheinen! Dann werden alle Menschen ewig preisen. Dich Vater in der Wahrheit — Hallelujah! Reichmannsdorf. S. Maas, Lehrer. Verwischtes. — In einem Berliner Hotel saß vor einigen Tagen ein dort nicht unbekannter Numismatiker, der den Gästen erzählte, er besitze eine Münze von der in Berlin wohl schwerlich noch ein zweites Exemplar vorhanden sei — nämlich einen goldenen Schekal aus der Zeit der Judenkönige. Von einer anderen Seite wurde behauptet^ diese Münzen stammen nicht aus jener Zeit, sondern seien ein modernes Fabrikat, das nur dem antiken Gepräge geschickt nachgebildet ist. Jetzt waren Alle neugierig, das Goldstück zu sehen, und der Eigenthümer desselben zeigte es. Die Münze ging von Hand zu Hand, Mancher untersuchte sie mit minutiöser Genauigkeit und erst nach längerer Zeit forderte sie der Eigenthümer zurück. Niemand aber wußte jetzt, wo sie geblieben sei und Jeder behauptete, sie längst seinem Tischnachbar zur Besichtigung gegeben zu haben. Es entstand, wie sich denken läßt, eine allgemeine Verlegenheit und endlich kam man überein, daß jeder Gast sich untersuchen lassen sollte, damit kein ungerechter Verdacht Platz greife. Der Vorschlag wurde von Allen mit lauter Zustimmung angenommen, nur ein ältlicher, höchst distinguirt aussehender Herr schwieg und wurde leichenblaß vor Schreck. Aller Blicke richteten sich auf ihn, denn man glaubte unbedingt, daß er sich die Geldmünze angeeignet habe. Als man mit der Untersuchung bei ihm den Anfang machen wollte, sprang er auf, wollte sprechen, aber der Athem versagte ihm und er sank fast ohnmächtig in den Sessel zurück. Die Situation war eine höchst peinliche. In demselben Augenblicke trat der Oberkellner ein und fragte, ob vielleicht einer der Herren eine fremde Goldmünze vermisse, denn es sei eine solche auf einem Teller, die vorhin von der Tafel abgeräumt wurde, vorgefunden worden. Er zeigte das Goldstück — es war das vermißte. Jetzt stieg das Erstaunen der Gäste noch mehr, und Aller Blicke waren wieder auf den alten Herrn gerichtet, von dessen Brust sich ein Alp zu lösen schien. Er zog sein Portemonnaie hervor, nahm ein Goldstück aus demselben und zeigte es, ohne ein Wort sprechen zu können, den Gästen — es war ebenfalls ein goldener Schekal von gleicher Form und gleichem Gepräge, wie der zeitweilig vermißte. Jetzt waren Alle darüber aufgeklärt. Der Herr hatte in der Gefahr geschwebt — wenn der Oberkellner nicht zufällig die Münze gefunden hätte — bei der Untersuchung ganz unwiderleglich für den Dieb gehalten und trotz seiner Schuldlosigkeit für immer gebranntmarkt zu werden, wenn man ihn, was möglicherweise geschehen wäre, dem Gesetze überliefert hätte. Alle Gäste athmeten erleichtert auf über die so glückliche Lösung dieser so peinlichen Affaire, und eine Flasche Champagner nach der anderen wurde darauf geleert. Schwäb. Ztg. See-Bad Ostende. Meinen werthen Gönnern habe die Ehre anzuzeigen, daß ich mein Hotel, Restaurant "itTD rue longue 46 verlegt habe. Kann dieses besonders empfehlen, durch die nahe Lage zum Meere, die prachtvolle Einrichtung desselben und große Anzahl Zimmer. Hotel Frank teuu par Henriette Frank. Mein elterliches Haus Hotel Frank in Bruxelles, befindet sich jetzt: Place des Martyrs 13, welches ich zu gleicher Zeit empfehle. 2378 Zöglinge, welche das Gymnasium, die höhere Bürger- oder Töchterschule in Heidelberg besuchen sollen, finden in unseerm Hause willkommene und liebevolle Aufnahme. Auf besonder» Wunsch der Eltern können die Knaben oder Mädchen auch den ganzen, für ihren späteren Beruf erforderlichen Unterricht (ohne Schulbesuch) im Hause erhalten. Da von neu eintretendcn Schülern bei den Direktionen der Höheren Lehranstalten eine rechtzeitige Anmeldung vorher erfolgen muß, so beliebe man dieselbe baldigst zu richten an Herrn oder Frau Dr. J. Fiebermam), 2418 Heidelberg, Anlage 20. in hiesiges streng religiöses Haus empfiehlt sich für Kost und Logis. Näheres in der Expeditio dieses Blattes. 241"