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Der israelitische Bote · 1879-07-03 · 27 (3.7.1879) · p. [Seite 2]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
27 (3.7.1879)
Date
1879-07-03
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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F MM stand mit Weiterführung der Geschäfte, was nach den Statuten zulässig, betraut. College Goldberg (Steele) erhält das Wort zu seinem Vorträge: „Ueber Lehrer-Conferenzen und deren Bedeutung für Lehrer und Schule der Gegenwart. Res. bemerkt, daß es überflüssig erscheine, in unserer Zeit den Werth der Lehrer-Conferenzen, welche mehr die ethische und ideale Seite des Lebens zum Gegenstände ihrer Berathungen machen, zu betonen, entwirft das Bild einer Conferenz und stellt als Aufgabe derselben hin, die Schattenseiten des Lehrerberufs schonungslos aufzudecken, der Lauheit und Gleichgiltigkeit der Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder energisch entgegenzutreten, der Besserstellung bes. der Lehrer an Privatschulen das Wort zu reden. Es sei Pflicht der Conferenz, dem Elend der Lehrer und deren Familien zu steuern und weist auf die Unterstützungskasse des Vereins israel. Lehrer für Westfalen und Rheinprovinz hin. Fortsetzung folgt. *) Uebersetzt von Hrn. Dr. Fiebermann ans dem in London erscheinenden „Jewish World". Aaron Lyonel v. Aotßschild. (Fortsetzung ) Mr. Gladstone, das Tory-Mitglied für Oxford, welcher damals zu Gunsten der Bill zum ersten Male stimmte; der Earl of Arundel und Sic John Packington. Die Bill wurde mit einer Majorität von 67 Stimmen angenommen, aber nach hitzigen Debatten vom Oberhause wieder verworfen. Baron Lyonel de Rothschild war demgemäß verhindert, seinen L>itz im Parlament einzunehmen," aber er wartete geduldig die Entwicklung der Dinge ab. Zwei Jahre später wurde er von der Stadt London mit der großen Majorität von 6619 Stimmen wiedergewählt. Im I. 1850 versuchte er seinen Sitz einzunehmen und aus Antrag des Hrn. Hume wurde es ihm erlaubt, den Eid auf das alte Testament zu leisten; da er sich jedoch weigerte, die Worte zu wiederholen: „auf den wahren Glauben eines Christen", so wurde beschlossen, ihn vom Hause auszuschließen. Eine Motion wurde alsdann eingebracht, daß man zur Neuwahl eines anderen Mitgliedes für die City of London schreiten solle, aber obschon ein Amendement, welches besagte, daß die Repräsentation vollständig wäre, nicht durchging wurde der Originalbeschluß auch verneint ohne Theilung. Der Baron nahm indessen im selben Jahre für die Chiltern Hundreds, wurde aber wiedergewählt in den 1.1852 und 1857. Inzwischen gingen verschiedene Bills zur Beseitigung der Hindernisie durch das Unterhaus und wurden vom Oberhause wieder verworfen, bis endlich am 1. Juli 1858, die Frage, welche die Ausdehnung eines nationalen Skandals angenommen hatte, auf Veranlassung von Lord Lucan durch ein Compromiß geregelt wurde, demgemäß jedes Haus die Berechtigung haben sollte, die zu leistende Eidesformel für seine Mitglieder zu modifiziren. Eine Bill, welche diese Resolution enthielt; ging schnell durch beide Häuser und Baron Lyonel de Rothschild nahm seinen Sitz im Parlament ein. Zum Andenken an dieses Ereigniß, für dessen Zustandekommen er so edel und ritterlich gekämpft hatte, stiftete er eine Freistelle in der City of London School. Der Compromiß, wozu man gelangt war, war vermuthlich nicht so befriedigend, als die wärmsten Freunde politischer Freiheit es wünschen mochten, und es ist immerhin noch ein großer Flecken in unseren Verfassungsstatuten, daß die Zulassung von Israeliten als Mitgliedern in beide Häuser des Parlamentes noch von einem Erlaubnißscheine abhängig ist. Indem aber Baron Lyonel den Compromiß ohne Widerrede annahm, handelte er dabei mit seiner gewohnten Mäßigung und mit lobenswerthem Takt. Er fühlte möglicherweise, daß die Zeit noch gar ferne sei, wo Israeliten auf Sitze im Oberhause Anspruch machen würden und deshalb zog er es vor, das Anerbieten von Lord Lucan anzunehmen, indem er wohl einsah, daß, insoweit der Streit sich aus die jetzt lebende Generation erstrecke, doch derselbe durch das Compromiß auf befriedigende Weise gelöst worden wäre. Wahrscheinlich waren es solche Erwägungen, die ihn veranlaßten, vor einigen Jahren die Pairswürde abzulehnen, die nach mehrfachen Berichten ihm angeboten worden war; denn er sah keinen rechten Nutzen und Vortheil darin, die alte Frage wieder aufs Tapet zu bringen durch die Annahme einer Würde, welche im Oberhause wieder erneuerte Ausbrüche von Intoleranz zur Folge hätte haben können. Baron Lyonel's Verhalten und Stellung zur Frage der Judenemancipation in England ist die eine große Episode in seiner Laufbahn, welche an und für sich schon seinen Namen unsterblich machen wird, denn wie vielfältig auch die Ehre für die Beseitigung aller Hindernisse, die der Judenemancipation im Wege standen, getheilt sein möge, ohne Zweifel war die Hauptfigur in dem langwierigen Streit der große Finanzmann, den wir so eden zu Grabe getragen haben. Baron Lyonel blieb Mitglied des Unterhauses bis zum I. 1868, wo er bei der allgemeinen Wahl durchfiel; aber im darauffolgenden Jahr wurde er an der Stelle des verstorbenen Charles Bell, M. P. ohne Opposition wiedergewählt. Bei der Wahl im Jahre 1874 erlitt der sel. Freiherr dasselbe Schicksal wie die Majorität von Mr. Gladstone's Anhängern und bei der plötzlich eingetretenen reaktionären Strömung zu Gunsten der Conservativen verlor er seinen Sitz im Parlament. Seine Laufbahn beschränkt sich übrigens nicht allein auf Politik oder Finanzen. Er war ebensowohl bekannt in Sporting Kreisen; dann im 1.1871 gewann sein Pferd Favonius den großen Preis bei den Derby Rennen und auch in diesem Jahre wurde das blaue Band von einem seiner Pferde davon getragen — dem Sir Bevys aus dem Gummersbury Marstall. Im selben Jahre, wo sein Favonius so glücklich war, gewann auch sein Pferd „Hannah" den Oats und St. Leger-Preis, und sein Glück war wirklich so sicher, daß „folgt dem Baron!" bei den Wettrennen fast sprüchwörtlich wurde. Erst vor Kurzem complimentirte eines der gelesensten Morgenblätter dem Baron Lyonel zu der freigebigen Art und Weise, mit welcher er stets die Nationalspiele unterftützte.Seine Wohlthätigkeit kannte keine Grenzen und wie es bei vielen Mitgliedern der Familie Rothschild üblich ist, kamen seine Gaben gewöhnlich anonym. Während der letzten 20 Jahre litt er sehr an Gicht und Rheumatismus, weshalb er in einer eigens für seinen Gebrauch construirten chaise-longue von einem Zimmer ins andere und von seinem Bureau in den Wagen sich fahren lassen mußte. Acht Tage vor seiner Beerdigung befand er sich noch ziemlich wohl und nachdem er in seinem Comptoir in New- Court gearbeitet hatte, stattete er seinen gewöhnlichen Besuch der Baroneß in Gunnersbury ab. Fortsetzung folgt. Die deutschen Nationalfarben. Kissiugen, 30. Mai.*) Bei Anwesenheu Sr. k. k. Hoheit des deutschen Kronprinzen hat Herr Rabbiner Zwirn, Knöpfen, Schuh- und Hosenschnallen und die Weisung bekommen, handeln zu gehen, um für sich selbst zu sorgen und die Eltern zu unterstützen. Das Letztere hatte er nicht lange nöthig gehabt, denn die Eltern waren bald gestorben und jüngere Geschwister, die seiner Fürsorge anheimgefallen wären, hatte er nicht besessen. Wäre dies aber selbst der Fall gewesen, so hätte sein rastloser Fleiß und sein Handelsgenie auch diese Aufgabe wahrscheinlich gelöst. Aus dem Päckchen ward ein Packen, aus dem Knaben ein Jüngling, der alles Mögliche und Unmögliche kaufte und verkaufte. Mit fünfundzwanzig Jahren hatte er es soweit gebracht, daß er sich in einer kleinen schlesischen Stadt niederlassen, einen Kramladens einrichten und ein hübsches Mädchen heirathen konnte, dvs ihm ein kleines Vermögen zubrachte und von dem außerdem gerühmt ward, es sei eine tüchtige „Handelsmännin". Das hübsche Friedchen machte dem ihr vorangegangenen Rufe alle Ehre. Sie hatte zwar noch etwas weniger gelernt als ihr Gatte, denn es wollte mit dem deutschen Schreiben nicht besonders gehen und er hatte jeden Sonnabend Abend die von ihr mit hebräischen Lettern gemachten geschäftlichen Aufzeichnungen in seine Bücher zu übertragen, aber sie wußte mit den Kunden vortrefflich zu verkehren und versah Jahre lang allein den Kramladen, dem sich bald noch Material- und Eisenwaaren zugesellten, während er nach wie vor von Sonntag Morgen bis Freitag gegen Abend mit seinem Packen im Lande umherzog und nur am Sonnabend als König inmitten feiner sich schnell vermehrenden Familie thronte. Konnte Friedchen aber nicht ordentlich schreiben, so verstand sie dafür um so besser zu lesen, und sie las mit einer wahren Leidenschaft, mit einem Heißhunger, der alles verschlingt, gleichviel ob es ihm als Buch, Blatt, Zeitschrift oder Einwickelpapier in die Hände kommt, jedoch bevorzugte sie selbstverständlich Romane und war eine begeisterte Anhängerin von Clauren. In den ersten Jahren ihrer Ehe, wo sie ihrem Manne jedes Jahr ein Kind schenkte, das Geschäft und auch den Haushalt zu besorgen hatte, wäre ihr gar keine Zeit geblieben, ihrem Hange zum Lesen zu stöhnen, hätte sie dazu nicht Gelegenheit gefunden im Winter während des langen Freitag Abends und Sommer und Winter während des Sabbaths, wo dem orthodoxen Juden jede Arbeit vom Gesetze verboten ist. kein Blatt gepflückt, nicht das Siegel eines Briefes gebrochen, ja nicht einmal eine Uhr aufgezogen werden darf. Später als ihre Verhältnisse sich günstiger gestalteten, sie mehrere Dienstboten halten konnte, ihre Kin- Bamberger dahier Höchstdemselben „zum Zeichen der Hochachtung und Verehrung" eine Symbolrstrung der deutschen Nationalfarben unterbreitet, der wir des allgemeinen Interesses halber, die nachfolgende Stelle zur Veröffentlichung entnehmen: »Die Sitte der Nationen und Völker, sich Nationalfarben zu wählen, ist eine höchst sinnreiche und schon im grauen Alterthume gekannte. So hatte, wie aus talmudischen Quellen ersichtlich, schon jeder der zwölf Stämme Israels eine besondere Farbe auf seiner Stammesfahne. — Derjenige dieser 12 Stämme nun, dessen Bestimmung und Aufgabe es war, Licht und Erkenntniß, Lehre und Belehrung im Volke zu verbreiten. (V. Buch Mosts, Kap. 33, Vers 10) der Stamm Levi nämlich, hatte auf seiner Fahne drei Farben, und zwar: weiß, schwarz und roth, was wohl die Bedeutung gehabt haben mochte, sowohl die krasseste, finsterste Unkenntniß — schwarz — als auch Verirrung und Sünde — roth — der Erleuchtung mb Unschuld — weiß — zur Aussöhnung und Besserung zuzusühren. Daran reihte sich die Anwendung dieser Deutung auf die deutschen Nationalfarben und ihre Träger, namentlich das Allerhöchste Reichs-Oberhaupt, unter dessen erhabenen Scepter Menschenrecht und Menschenwürde, gepaart mit Erkenntniß und Wissenschaft blühen, sowie allen Reichsangehörigen wohlthuender, beglückender Schutz gewährt ist. Wie beifällig diese Darstellung ausgenommen wurde, zeigt das nachfolgende, von Seiten des Herrn Adjutanten Oberst von Mischte an den Herrn Rabbiner gelangtes Schreiben: „Kissingen, 24. Mai 1879. Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen haben das von Ew. Wohlgeboren Höchstdemselben übersandte Schreiben eine ebenso interessante wie geistvolle Deutung der deutschen Nationalfarben behandelnd — mit besonderem Wohlgefallen entgegengenommen und mich beauftragt, Ihnen für Ihre liebenswürdige Aufmerksamkeit Höchst Seinen verbindlichsten Dank zu übermitteln. In vollkommenster Hochachtung. *) Einsender dieses wird höflichst ersucht wegen der Verspätung seit der Einsendung vom 1. Juni uns Nachsicht zollen zu wollen. (Red.) f-".. ,j , i T Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Bonn. Herr Joseph Ritter von Wertheimer in Wien feierte ebenfalls am 11. Juni*) seine goldene Hochzeit. Wie der Wiener Israelit berichtet, hat unser Kaiser Wilhelm dem Jubilar Glückwünsche übermittelt. Dasselbe Blatt berichtet von einer großartigen Schenkung. Der russische Eisenbahnkönig Herr Poliakoff hat dem Cultusmimster in Petersburg 200,000 Rubel zu einer Stiftung für arme Studenten übergeben. Dieser edle Wohlthäter ist ein orthodoxer "HITT- Möge der edle Geber von seinen frommen Thaten noch recht viele Jahre die geziemenden Früchte blühen sehen. (Red. des Jsr. Boten.) *) In nächster Nummer bringen wir die diesbezügliche Festrede von Herrn Dr. Jellinek. Köln, 27. Juni. (Privat-Mittheil.) Dem hiesigen Arzte Dr. Caffel wurde in Anerkennung seines langjährigen, verdienstder heranwuchsen und auch das Geschäft ihre Mithilfe nicht mehr erforderte, las sie jeden Tag ihre zwei bis drei Bände und war der Schrecken der Leihbibliothekare, die behaupteten, sie hätte ihre Bibliotheken nicht ein, sondern mehrere Male durchgelesen. Daneben war sie noch aus etliche belletristische Zeitschriften abonnirt, nachgerade auch zur Lektüre von Wieland, Lesstng, Schiller und Göthe vorgerückt und wußte sich nicht wenig damit, daß sie eine Menge Stellen aus diesen Dichtern, namentlich aber aus Schiller, auswendig konnte, die sie nun bei passenden, noch häufiger aber bei unpassenden Gelegenheiten citirte. Sie hielt sich nämlich in Folge Hrer seltsamen Belesenheit für sehr gebildet, warf mit hochtrabenden Redensarten um sich Und klagte zuweilen, daß ihr Mann sie nicht verstehe, was indeß dem Glücke und dem Frieden ihrer Ehe keinen Eintrag that. In einer Beziehung hatte ihre Afterbildang, so störend sie den Ihrigen sonst manchmal werden konnte, doch ihr sehr Gutes gehabt; sie hatte darauf gehalten, daß ihre Kinder, mit mehr oder minder günstigem Erfolge, sorgfältig unterrichtet würden, um von Haus aus, wie sie sagte, die Bildung zu erhalten, die sie sich erst später hatte erwerben müssen.

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