Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 26 (26.6.1879)
- Date
- 1879-06-26
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der I v "\i Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. Erscheint jeden Donnerstag. Verantwortlicher Redacteur Moritz Baum in Bonn, Expedition: Petersstratze Nr. 8. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum'10'Pf. Zahlbar hier. Inserate werden bis Dienstag erbeten V. Jahrgang. Erklärung. Nach wie vor sind alle Briefe, Geldsendungen, Annoncen-Aufträge rc. sowohl für die Redaktion als auch Expedition nur an den Herausgeber des „Israelitischen Boten" Herrn Moritz Baum hier, Peterstraße Nr. 8 zu richten. Jedoch erlauben wir uns zu bemerken, daß es unsere Aufgabe ist, weiterhin nicht mehr Exemplare zu drucken als wirklich bestellt und bezahlt werden, außer den von Herrn Baum gewünschten Frei- Exewplaren. Wir ersuchen daher hösiichst die rückständigen Abonnements- und Jnseratenbeträge in den ersten Tagen gefälligst reguliren zu wollen, da eine weitere Zusendung an nichtzahlende Abonnenten nicht mehr stattstnden wird. Hochachtungsvoll Der Verleger des „Israelitischen Boten" I. F. Carthaus, Buchdruckerei, Bonn a. Rh. NB. Im Anschluß an obige Erklärung ersuchen wir hösiichst um gefällige Einsendung der rückständigen Abonnements- und Jnseratenbeträge, worüber den Betreffenden bereits Rechnung zugesandt wurde. Mit dieser Nummer schließt das 2. Quartal. Damit nun in den regelmäßigen Zusendungen keine Verzögerung eintrete, säume man nicht vor dem 1. Juli die Abonnementsbestellung für das 3. Quartal zu erneuern. Bei frühzeitiger Anmeldung senden wir auf Wunsch Probeblätter gratis, ersuchen aber um genaue Angabe der Firma, des Ortes, Provinz rc. besonders ist aus größern Städten die Angabe der Straßen- und Hausnummer nothwendig. Hochachtungsvoll Die Expedition. Moritz Baum. AoNN, 26. Juni 1879 (5639). Leitender Artikel. Die schülerhafte Ratlosigkeit des Hrn. vr. S. Holdheim im Gebiete talmudischen Wissens. Schreiben des Dr. Auerbach ^"1 an den Rabbinalscandidaten L. in B. Den 14. Aug. 1845. (Fortsetzung siehe -er. 24.) 4) Die Auflösung bereits üöertretener Eide befreit allerdings nach der Halacha von der juridischen Geißelungsstrafe, aber nicht von der göttlichen Strafe, welche ja, wie aä 2 nachgewiefen, selbst durch die Geißelung nicht aufgehoben wird. Conf. 1J2112 12"X1: 1 "1 wd yii« wntM 211 i^"i id □nts* rayty 11151 mnn ’oio xii x?2r> insbesondere die Erörterung des 115 gegen den von V'2 BV'in n"K "NV2 Hergebrachten Einwand von Schewuoth 28; ebenso 2''V D>1SX l^tP; Tosephoth in Gittin 35b ^>2X 1"1 und ausführlich hierüber nwa» '12^112 1"D -pon 15^5 so auch Maimonides am Ende des Absch. 6 v. Hilch. Schewuoth, welcher die Lösung übertretener Schwüre nicht anräth, sondern nur bemerkt, wenn es geschehen 12Z112 daß dann np^Di pip cessiren. Im andern Falle würde er gesagt haben 1^12 1^ 11^11 12^1 5t2V5V 13 5"2V 1"> 151D m\y ixt 'o itoim; ferner T'^1 Id 1"> ,1221V ^151, nach welchem 1VD5 11V12VV nur in juridischer Beziehung, oder doch nur in Bezug auf die Hauptstrafe, d. i. Ilplv zu verstehen wäre, WVV WWOIIVD^ llXV ^51v XI12X; ebenso versteht es X5N1 121 X5^1 ^"p ^L> I^X^ 111 11>5^2 X2>X XV11 und nach ihnen müssen die Worte im L>"X1 zu Schewuoth 28: 12 1111 XI 2X 7DX I^XtP ^51V1 X2'>X llp^v V5ix v"v llplvl 12^X2 X12^11 so zu erklären sein, daß durch die I^XtP wohl llp^V BTO, aber nicht XV11 X5'1 wegfällt; s. auch 1'1 lyo T21 '-D l"'» namentlich V'2 zu dieser Stelle, woraus wohl hervorgeht, daß )2"V11 X"2V1 zweifeln, ob nicht die Auflösung übertretener Gelübde die ganze Strafbarkeit, auch 1^515? ll>VV aufhebe, aber nicht entscheiden (wie "pül iyt£> meint) und es dürften demnach blos pl 15111 zu Gittin a. a. O. von dieser Ansicht dissentiren.) Noch mehr! Wenn dem Eidesübertreter die bereits vor der Uebertretung stattgefundene Auflösung des Eides aus dem Sinne gekommen wäre, so bedarf er, obgleich kein wirkliches Vergehen stattgefunden, da der Eid bereits gelöst war, 11221 IT^D und 1111V 12V; s. Nasir 23a und Maimonid. Absch. 12 von Nedarim. 5) Die frühere Leseart des *»115 ^2 (welche noch jetzt die s. g. Portugiesen haben) lautete: 2^1122 LTV Mo. 26. 11 2'1 iy 125M d. h. die Gelübde und promissorischen Eide — natürlich insofern sie Verpflichtungen gegen Andere nicht enthalten 1"21 1'1 — welche wir im vergangenen Jahre gethan haben, sollen gelöst sein. Dagegen machten >X511v5 211 1 1 den bereits erwähnten Einwand geltend (Nedarim 23b und tt>"X1)> die Lösung könne nicht zurückwirken auf bereits übertretene Gelübde, welchen aber Hill 1L> 1"X ^72 nach der aä 3 angeführten Stelle (Schewuoth 28a?XtM li?12 1^2X 1DX) als einen Jrrthum zurückweifet. Allein 115 und die übrigen aä 4 angeführten Autoritäten sind der Ansicht, daß '»X511V511"1 der Lösung übetretener Schwüre allerdings die Wirkung geben, die Malkmh-Strafe aufzuheben ^1212 1V>VX, aber nicht die göttliche Strafe, die noch außer dem Malkuth besteht (aä 2), und daß sie darum mit Recht behaupten, die Auflösung des 1115 ^2 wirke in Ansehung des wvV BTO, durchaus nicht zurück auf die bereits übertretenen Gelübde 1111 15112 X^I 1127V wl'51. Fortsetzung folgt. Die 1T22 in medieinischer und religiöser Hinsicht. Gutachten eines Competenten. (Fortsetzung u.. Schluß, siehe Nr. 24.) Wir gelangen zum Schlüsse. Von medicinischer Seite steht fest, daß daD Aussaugen der Wunde mit Wein und nachgebrauchten, blutstillenden Mitteln an und für sich selbst unter keiner Bedingung nachteilig sein kann; daß die Gefahr der Ansteckung etwa durch kranke vTIIV durch Vorsichtsmaßregeln gänzlich beseitigt, im unglücklichsten Falle nicht mehr berücksichtigt werden kann, als wenn etwa eine ähnliche Krankheit vermittelst einer inficirten Lanzette durch Schuld des Wundarztes herbeigeführt würde. In Bezug auf die religiöse Seite kann kein Zweifel darüber obwalten, daß die w5^1 der 15VV und X1V5, wonach man an ^21v 12V sein darf und muß, und ein ^11v, der nicht ^iv ist, zu entfernen fei, VT1, die durch die Reihenfolge von DipD12 als ,jn"vi V'bh d"2Ö1 X"V1 ,7"V ,1"1V ,}"1 u. f. w. auf uns überkommen, in ihrer ganzen Kraft und Ausdehnung noch bestehen und demgemäß entschieden werden muß. Lasten wir uns nicht täuschen durch affcctirte Philanthropie und sogenannte Humanität einiger jüdischer Aerzte, nicht beirren durch das Destruiren der Zerstörer, vurch das Reform-Eoquettiren einiger Schwachen; lassen wir uns nicht blenden durch Namen, die entweder falsch und entstellt (wie der ^1 121V 1VV TlllV T2X31 oder selbst imJrrthume befangen sind (wie ein Theil) Im Banne des Gesetzes. Erzählung von Jenny Hirsch. Nachdruck verboten. „Eine Partie, prima Qualität, sage ich Ihnen, Madame Löwenthal." „Ein Professor?" „Ein Professor an der Universität und Doktor und praktischer Arzt und was weiß ich sonst noch alles. Was soll ich Ihnen noch sagen, so was ist noch nicht dagewesen, kommt auch leicht nicht wieder." »Hat er Sie denn beauflagt, uns die Sache vorzutragen?" „Er mich beauftragt? Wie heißt, Madame Löwenthal, er soll mich beauftragen? Ich bin beauftragt von Berlin und Wien und von Hamburg, ihm Partien vorzutragen. Geld spielt gar keine Rolle, er kann kriegen so viel er will." „Warum kommen Sie da zu uns? Sie wissen, wir sind nicht reich." „Nicht reich! Gehen Sie meine liebe Madame Löwenthal, reden Sie kein Stuß*). Ich weiß, wer Herr Moses Löwenthal ist und was er thun kann, Jst's etwa der erste Schidech*), den ich Ihnen rede?" »Nein, Gott sei gelobt, die Kinder sind alle gut verheirathet." »Nu, was wollen Sie? Hab' ich Ihnen für vier Töchter und zwei Söhne geredet gute Partien, werd' ich mir doch wahrhaftig bei der Jüngsten nicht das Renomme verderben." „Hannchen ist noch sehr jung." »Was heißt jung? Die Röschen und die Sarchen sind nicht älter gewesen, als Sie sie verheirathet haben." „Da fanden sich gerade ausgezeichnete Partien." »Und ich sage Ihnen, solche ausgezeichnete ist Ihnen noch nicht vorgekommen. — Ihre Schwiegersöhne und Schwiegertöchter in Ehren. Mendel, Hab' ich zu mir gesagt, Mendel Freund, du wirst da bestürmt mit Partieen für den Professor. Du kannst ihm bieten so viel Geld wie du willst. Will so ein Mann nur Geld? Der will Schönheit, der will Bildung. Wo find't man das alles zusammen? Bei Herrn Moses Löwenthal in Frankfurt an der. Oder. Der ist ein reicher Mann, und Madame Friedchen Löwenthal ist ne seine Frau, *) Unsinn. *) Heirath. is ne gebildete Frau. Die hat Töchter, die paffen für Grafen und Fürsten." Der kleine bewegliche Mann, welche der vor ihm auf dem Sopha sitzenden Frau diese Äuseinandersetzung machte, hatte die von ihm aufgestellten Sätze an den Fingern abgezählt. Gleichzeitig ließ er seine kleinen listig und dabei doch mit einer gewissen Gutmüthigkeit in die Welt blickenden braunen Augen im Zimmer umherwandern und aus den Möbeln ruhen, mit denen es mehr überladen als ausgestattet war, als wolle er jedes einzelne Stück zu Zeugen seiner Behauptung anrufen. Mit der ^Bildung" war er sich bewußt, seinen höchsten Trumpf ausgespielt zu haben. Er machte deshalb eine Kunstpause, legte sich in seinen Stuhl zurück, trocknete sich mit einem rothen Taschentuche von zweifelhafter Sauberkeit den Schweiß von der Stirn und fuhr sich mit der Hand durch das struppige graumelirte Haar. Er hatte ganz richtig gerechnet. Madame Löwenthal, eine Frau von etwa fünfzig Jahren, deren Züge noch Spuren großer Schönheit zeigten, obgleich sie jetzt sammt der ganzen Figur bedenklich in's Breite gegangen waren, legte erst die fleischigm, mit Ringen geschmückten Hände zusammen, strich dann die Falten ihres braunseidenen Kleides glatt und sagte: »Meine Töchter sind idealisch erzogen." 1