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Der israelitische Bote · 1879-06-05 · 23 (5.6.1879) · p. [Seite 3]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
23 (5.6.1879)
Date
1879-06-05
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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* W' ' uck. Am zweiten Tage nWQtP starb nach langen, mit seltenster frommer Ergebung, getragenen Leiden die Frau Abraham Callmann geb. Allmayer, von allen, die sie kannten, tief betrauert. Einer sehr geachteten Familie in Trier entsprossen, erhielt sie eine treffliche, nicht gewöhnliche Erziehung und zeichnete sich schon in früher Jugend durch Tugenden edler Weiblichkeit aus, die die Aufmerksamkeit hervorragender Personen auf sie lenkten, und die sich, nachdem sie die Gattin eines biedern, achtbaren Mannes -geworden, in schönster Blüthe entfalteten. Da eigene Kinder ihr versagt waren, so erzog ste nicht nur die Kinder ihres Gatten aus erster Ehe in musterhafter Weise, sondern war auch den mutterlosen Kindern ihres Schwagers Wilhelm eine Mutter in des Wortes schönster Bedeutung, und diese waren ihr alle in rührender, kindlicher Anhänglichkeit ergeben. Sie war eine echte Hausfrau. Das Haus war ihre Welt, und in dieser selbstgeschaffenen und verschönerten Welt entfalteten sich so recht die hohen Vorzüge ihres Herzens und ihres gebildeten Geistes, daß Jeder sie schätzen und lieben mußte, der sie hier walten sah und sich ihrer Nähe freuen durfte. Diese allgemeine Werthschätzung zeigte sich denn auch heute, da ein Gefolge, wie es nur bei den ausgezeichnetsten Personen vorkommt, ihr die letzte Ehre erwies. Mit der hartgeprüsten Familie trauerte die ganze Straße, deren Männer dem Leichenwagen folgten, wie auch sämmtliche Gymnasiallehrer und zahlreiche Freunde des Hauses aus der ganzen Stadt und zwar ausnahmsweise bis ans Grab, wo Herr Rabbiner Dr. Frank in ergreifender Rede, wobei kein Auge thränenleer blieb, das Bild der theuern Entschlafenen als ntPX zeichnete. Sie ruhe sanft! 'n'nwn Bromberg, 12. Mai. Der Wohlthätigkeitsverein Odsbra gomilles chassudim feierte heute Morgen sein zweites Stiftungsfest. Die Mitglieder desselben nahmen an der Frühandacht im Haupttempel Theil. Gelegentlich der Todtenfeier wurde zum Neubau des Tempels gespendet. Das Festessen, welches heute Abend stattfinden sollte, wurde auf den Tag der Feier der goldenen Hochzeit Sr. Majestät des Kaisers verlegt, und diejenigen Mitglieder des Vereins, die beim Militär gestanden haben, ersucht, bei dieser Gelegenheit die in ihrem Besitz befindlichen Ehrenzeichen anzulegen. Ostdeutsche Presse. Liegrrih, 25. Mai. (Eingesandt aus dem „Liegnitzer Anzeiger".) (Einweihung der umgebauten und renovirten Synagoge.) Vorgestern vor Beginn des Sabbaths fand durch den Rabbiner Herrn Dr. Landsberg die feierliche Einweihung des Gotteshauses statt, zu welcher außer der vollzähligen Gemeinde und einem zahlreichen Publikum, der Präsident der Kgl. Regierung, Freiherr v. Zedlitz, Geh. Ober-Regierungsrath v. Prittwitz, Geh. Regierungsrath Reimann, Ober- Bürgermeister Oertel, Stadtrath Sagelsdorff, Baurath Becker, Stadtverordneten-Vorsteher Kittler, Banquier Mattheus und mehrere andere Mitglieder des Stadtverordneten-Collegiums erschienen waren. Ebenso waren geladen und anwesend der Entwerfer des Planes und Leiter des ganzen Baues, Herr Baumeister Grau aus Breslau, sowie andere am Bau und bei der Renovation beschäftigten Künstler und Handwerksmeister. Die Feier begann mit einem durch Musik begleiteten Chorgesange. Nach Abstngung des 24. Psalms begaben sich der Rabbiner Herr Dr. Landsberg und die Mitglieder des Gemeinde-Vorstands nach der Vorhalle, um mit den dort aufbewahrten Thorarollen zurückzukehren, welche nun unter den üblichen Ceremonien in der heil. Lade aufbewahrt wurden. Nach diesem Acte sang die Gemeinde ein von Herrn Dr. Landsberg gedichtetes, der Bedeutung des Tages entsprechendes Lied. Nach Beendigung des Gesanges begann die Predigt. Herr Dr. Landsberg eröffnete dieselbe mit einem innigen Dankgebete an den Schöpfer, durch dessen sichtbaren Segen ein so schwieriges, aber um so ruhmvolleres Unternehmen einem glücklichen Ende entgegengeführt worden ist. Der Herr Rabbiner warf im weiteren Verlaufe der Predigt einen Blick auf die Vergangenheit, die für die hiesige jüdische Gemeinde allerdings nur bis zum Jahre 1812 reicht, denn erst in diesem Jahre wurde es durch ein Ediet Friedr. Wilhelm III. den Israeliten erlaubt, sich in allen Städten der Monarchie niederzulassen. Von kleinen Anfängen ausgehend und fortgesetzt mit Schwierigkeiten kämpfend, welche nur durch äußerste Anstrengung zu besiegen waren, ist die Gemeinde in diesem verhältnißmäßig kurzen Zeiträume mit der Stadt Liegnitz selbst zu einer Größe herangewachsen, welche ihren Ausdruck in dem prächtigen Baue der neuen Synagoge findet. Es waren durchweg Worte des wärmsten Dankes, welche Herr Dr. Landsberg an die Versammelten richtete, des Dankes, daß eine humane Weltanschauung immer mehr und mehr die Schranken niederreißt, welche die Israeliten bislang von den Rechten anderer Staatsbürger ausschloß, obgleich sie ihnen dieselben Pflichten auferlegte, des Dankes an die königlichen und städtischen Behörden, welche durch die Anwesenheit ihrer ersten Vertreter ein reges Interesse an dem weiteren Gedeihen der jüdischen Gemeinde documentirten, des Dankes an die Mitglieder der Gemeinde, deren Opfersinn das neue Gotteshaus seine Entstehung verdankt und des Dankes an die ausführenden Künstler und Handwerksmeister, welche sich ihrer Aufgabe mit besonderer Lust und Liebe unterzogen haben. Herr Dr. Landsberg erinnerte daran, daß der Prophet den nach der Wiederkehr aus dem babylonischen Exil neu aufgerichteten Tempel von Jerusalem deshalb einen schöneren als den zerstörten, äußerlich viel geschmackvolleren Salomonischen Tempel nannte, weil in ihm ein regerer Gemeinsinn und eine größere Andacht als in dem ersteren herrschte, und knüpfte daran die Hoffnung, daß auch der hiesige Tempel nicht nur durch äußere Pracht, sondern auch durch ideelle Vorzüge das alte Gotteshaus überflügeln möge. Nach Segnung des Allerheiligsten, der Predigtstätte und des Tisches, an welchem die Gebete verrichtet werden, betete der Rabbiner für das Wohl und Gedeihen der Stadt Liegnitz, für unser weiteres deutsches Vaterland, das Kaiserliche Haus und alle Menschen, welche sich in Demuth vor ihrem Gott beugen und flehte zum Schluß den Segen Gottes auf alle Anwesenden herab. Ein Chorgesang schloß die erhebende Feier. Der prachtvolle Vorhang aus blauem Sammet mit Goldstickerei, der das Allerheiligste in der neuen Synagoge verhüllt, ist bekanntlich eine Spende der Frauen der jüdischen Gemeinde. Die überaus kunst- und stylvolle Arbeit ist aus dem Atelier für Kunst-Stickerei von Frau Rosalie Reiter in Breslau hervorgegangen und giebt in ihrer großen Schönheit und Acuratefse einen deutlichen Beweis von der erfreulichen Entwickelung unseres Kunstgewerbes! Telegramm. 4. Juni. London. Baron Lionel v. Rothschild in London ist gestern Morgen gestorben. Derselbe war am 22. Nov. 1808 geboren und am 15. Juni 1836 mit Freiin Charlotte von Rothschild, Schwester der Freiherren von Rothschild zu Frankfurt a. M., vermählt; derselbe hinterläßt mehrere Söhne und Töchter. Der älteste Sohn Nathaniel, geboren am 8. November 1840, ist Mitglied des englischen Unterhauses; der zweite, Alfred, österreichisch-ungarischer Generalcousul zu London. Nachruf an Frau Babette Callmann geb. Allmeyer gest. zu Cöln den 29. Mai 1879. Bin im Traume ich verloren Als die Kunde ward gebracht, Betty Callmann sei erkoren, Einzuziehen in Himmels Pracht. Tief wohl rührte mich ihr Scheiden, Tröstend doch das End der Qual, Ein Vollkommner darf nicht leiden Kummer in dem Erdenthal, Aus des Paradieses Höhen Lebt als Ideal sie fort, Lindert ihres Galten Flehen Mit dem wahren Tröstungswort Auf der Erde schlich im Traume Nur das Leben freudlos hin Nur im ew'gen Götterraume Droben lebt der hohe Sinn. Briefkasten der Redaetio« und Expedition. An unsere Herren Correspondenten. Sie werden den Grund erfahren haben, weshalb Ihre Berichte erst in dieser und kommender Nummer zum Abdruck gelangen. (Siehe Bemerkung am Schluffe des Jnseratentheils in Nr. 21—22. Dasselbe gilt für die Jnseraten-Auftraggeber. Spendenliste für den Aufruf in Nr. 19 in nächster Nummer. Die Sammlung ist mit heute geschlossen, indem das Kind gestern von der Familie in Pflege genommen wurde. Für den verarmten Kaufmann 22N TD^rn sind ferner nachstehend verzeichnete Spenden eingegangen: Von Moses Haas in Rülzheim (Baiern) 20 Mark. Oberrabbiner Dr. W. Landau in Dresden 10 M. Ungenannt, Cöln 5 M. Durch ^niD Herrmann Hanauer in Stebbach, gesammelt bei den isr. Frauen in Gemmin 8 M. Frau Hanauer 1 M. Frau Rudolf Altenheimer 1, zus. 10 M. Durch Lehrer G. Oppenheim in Schermbeck, gesammelt auf der Hochzeit des Herrn D. Marchand mit I. Schönbach M. 10,50. Ungenannt Frankfurt a. M. 1 M. Durch Lehrer L. Cohn in Rees: Vonder Männer-Chebra 3, Frauen- Chebra 3, Wütwe. L. Marcus 1, zus. 7 M. Durch Adolf Oster in kanten, gesammelt in der dortigen Gemeinde 11,75. Durch Rabbiner Dr: Auerbach in Halberstadt: Von Hirsch daselbst 5 M. L. Feldheim in Cöln 6 M. Rabbiner Dr. Hochstädter in Bad-Ems 3 M. Buchdruckereibesitzer H. Mayer, Halberstadt 3. Von der isr. Gemeinde Bechhofen (Baiern): pjpTi* Kasse 3, DHDPI min 2, Frauenverein 3, von einzelnen Mitgliedern der Gemeinde 8,50, zus. abzüglich Porto 16,30. Anonym Prenzlau 18. Si Spira, Heinsberg 3. Durch N. Schnitzler, Altena in Westph. von ihm und den dortigen Gemeindemitgliedern zus. 19,10. Herzlichen Dank den edlen Spendern. M. Rosenwald, Lehrer, Oestrich bei Letmathe. Für die zwei armen Wittwen sind nachträglich bei mir eingegangen: Von Herrn Moses Haas in Rülzheim, (Baiern) 20 M., von dessen Schwiegersohn Emanuel Feibelmann 5 M. zus. 25 M. Besten Dank dem hochherzigen Spender. M. Rosenwald, Lehrer. Oestrich b. Letmathe. Dringende Mtte! Ein haarsträubendes Unglück hat leider eine brave jüdische Familie hier betroffen. Nach vorangegangener mehrjähriger Krankheit war der Mann wieder so weit hergestellt, daß er seine zahlreiche arme Familie wieder ernähren konnte. In der Nacht vom 19. d. Mentstand bei dieser Familie Feuer und griff mit solcher Schnelligkeit um sich, daß fast Alle mit Brandwunden bedeckt nur das nackte Leben retten konnten. Ein Kind von 10 Jahren ist leider in den Flammen elendiglich umgekommen, Der Mann, der seine Familie aus den Flammen geholt, ist mit Brandwunden so bedeckt gewesen, daß er schon Tages darauf seinen Wunden erlegen ist. Die Frau mit 4 kleinen Kindern, wovon das älteste 7 Jahre alt ist, steht nun ihres Ernährers beraubt, arm und hilflos da. Wir wenden uns daher an alle edel denkende Menschen, die Noth, das Elend und den Jammer dieser Unglücklichen durch milde Gaben zu lindern. ".i nsn cnn bn bx *nt£>x Gaben werden von den Unterzeichneten gerne entgegengenommen und wird darüber öffentlich dankend quittirt werden. Scharmbeck b. Bremen im Mai 1879, Der Vorstand. E. Ries. I. Gotthelf. Mein Etablissement für 2356 Logis und Restauration (streng religiös) bringe ich hiermit den geehrten Herrschaften in empfehlende Erinnerung. Elegante Zimmer, vorzügliche und preiswürdige Speisen und Getränke sowie aufmerksame Bedienung wird zugestchert. Auch können Geschäftsleute pro Monat oder pro Woche vollständige Pension unter billigster Preisberechnung erhalten. Achtungsvoll M. Berger, Coeln, Lungengasse 28. Soeben ist erschienen und kann vom Verfaffer bezogen werden: Gejcüicüte äer Julien am Aodensee und Jlmgevung. Nach gedruckten und ungedruckten Quellen dargestellt von!Dr. L. Löwenftein, Bezirksrabbiner in Gailingen. Preis: 2 Mark. 2362 Bestellungen auf den „Israelitischen Boten" für das nächste Quartal werden von allen Postanstalten zum Preise von % Mark entgegengenommen. Neu hinzutretende Abonnenten erhalten auf Verlangen die bis 4. Juli erscheinenden Nummern, sowie das darin enthaltene Feuilleton „Der Schabbes-Hans" vollständig gratis nachgeliefert. NDemnächst kömmt eine höchst interessante Novelle „Im Banne des Gesetzes" zum Abdrucke. Wir ersuchen unsere geehrten Leser um recht zeitige Abonnements-Erneuerung, sowie um ihre gefällige Mitwirkung immer mehr Leser zu gewinnen, denn, wird unser Leserkreis größer, können wir auch rüstig fortarbeiten. Hochachtungsvoll der Herausgeber Moritz Baum. 1 -

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