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Der israelitische Bote · 1879-05-15 · 20 (15.5.1879) · p. [Seite 1]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
20 (15.5.1879)
Date
1879-05-15
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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Der Israelitische Bote. Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. v. Jahrgang. Leitender Artikel. (Fortsetzung.) Bon« im Mai. Vornehmlich aber möchten wir eine Commission empfehlen, die unter dem Vorsitze des Rabbinen aus einigen B^HID und religiös gesinnten Aerzten bestehe, und deren Wirksamkeit besonders darauf gerichtet sei, jeden, der als ausgenommen sein will, zuvörderst zu untersuchen, ob seine allgemeinen Gesundheitsumstände der Vornahme dieser Function nicht im Wege stehen, dann, ob er die nöthigen Kenntniffe und Handfertigkeiten besitze; nicht minder ihn über die Wichtigkeit der Funktion, der er sich freiwillig unterziehen will, zu belehren, die besonders große Verantwortlichkeit lebhaft zu schildern, die durch und bei Vornahme jener JTI2D ihm obliegt. Unter solchen Umständen wird die Gefahr einer Ansteckung durch einen ^pnB sich so ziemlich auf Null reduciren, wenigstens nicht größer sein, als viele andere, die im medicinischen Leben, ohne daß derselben überhaupt nur Erwähnung geschieht, hie und da wohl Vorfällen können und wirklich Vorfällen. Denn wir brauchen es kaum noch zu gedenken, daß jene von uns vorgeschlagene Commission jeden einzelnen Beschneidungssall, so weit als thunlich zu überwachen, und so wie das geringste verdächtige Zeichen sich einstellen sollte, alsbald die geeigneten Schritte zur etwaigen Jnhibirung der oausa eküoisuo, vornehmen müßte. Nicht minder darf übersehen werden, daß schon seit undenklichen Zeiten die rW2D nie unmittelbar mit dem Munde allein, sondern immer der Art vorgegenommen, daß der ^ITlD zuvor einige Schlucke Wein in den Mund nahm, mit denen er aussog. Daß dieses aber ein wesentliches Mittel sei, um jeden Gedanken an Ansteckung, zumal während eines Zeitraums von kaum einer Minute, gänzlich zu verscheuchen, daß von einem so schnellen Einfluß des Speichels, selbst gar vorhandener Geschwüre rc. durch das Vehiculum des frischen Weines vermittelt, nicht mehr die Rede sein kann, darin wird jeder vernünftige, unpartheiische Arzt mit mir übereinstimmen. Endlich kann nicht minder der Vorwand, als sei das Saugen an und für sich der Wunde nachtheilig, stichhaltig sein, da die Reizung nicht stark genug, zumal beim Gebrauch von kaltem Weine ist, um Blutströmung zu veranlassen, da diese Blutströmung alsbald durch andere Mittel (kaltes Wasser, Pulver, Schwamm rc.) beseitigt wird, da beim Unterlassen der eigentlichen H2^2D allerdings die Reinigung der Wunde nicht so vollkommen bewerkstelligt werden, wodurch am Ehesten Entzündung herbeigesührt werden kann; da endlich die tausendfache Erfahrung als ultima ratio lehrt, wie die Heilung bei Kindern, oder: Der Zauberspiegel. (Fortsetzung siehe Nr. 17.) Der christliche Landmann ist gar sehr gewöhnt, trotz aller Schürereien und aller vorhandenen Vorurtheile gegen Juden, sich bei ihnen nicht blos in Geschäftssachen, sondern auch in Prozeßja sogar in Familiensachen guten und billigen Rath zu suchen und zu finden. Auch Sternheimer, dem eben einfiel, wie sich auch bei ihm um diese Zeit so viele Käufer einstellten, daß kaum alle zu ihrer Bedienung hinreichten, eilte, hinaus, nachdem er den Pokal in das Etui gethan, hatte, ohne sich jedoch Zeit zu nehmen, ihn unter Verschluß zu bringen. Er stellte ihn blos auf das Behälterlein neben der Thür, überzeugt, daß er auch da sicher aufgehoben sei. HI. Politik im Wirthshaus. Sei nicht so heftig, sei nicht so dumm, Da drüben bildet sich alleum. Göthe. Was die israelitische Bevölkerung auf dem Marktplatze zu Lobheim am gedachten Sonntag beschäftigt Erscheint jeden Donnerstag. Verantwortlicher Redacteur MoritzgBarrm in Bonn Expedition: Petersstratze Nr. 8. Aon«, 15. Wat 1879 (5639). bei denen die eigentliche Aussaugung vorgenommen, eben so schnell und regelmäßig verläuft als bei denen wo man jene H2^2Ö nicht vorgenommen. Wird doch sogar von alten bewährten B^HID behauptet, daß gegen njH2, Aussatz — KJTiD, wie es die nennt — ihnen von erfahrenen Aerzten empfohlen sei, die pJ2^2D als einziges und entsprechendstes Heilmittel anzuwenden, also ein Aussaugen yq-t? So hätten wir denn von medicinischer Seite zuvörderst nachgewiesen, wie von einer wirklichen Schädlichkeit der ri2^2D überhaupt wohl kaum die Rede sein kann, wie Befürchtungen sich beseitigen lassen, wie die Erfahrung, im weitesten Sinne des Wortes, von den fälschlich angegebenen Nachtheilen nichts weiß und wie vielmehr die ganze Angelegenheit durch die moderne Aufklärung einiger jungen jüdischen Aerzte angeregt, und geflissentlich in ein unrichtiges Licht dargestellt worden ist. Dies die medicinische; jetzt zur religiösen Seite der Frage. Unter denen, die von dieser Seite aus in jüngster Zeit unsere Frage behandelt, nennen wir vor Allen Dr. Frankel in seiner Zeitschrift, und da sonder Zweifel in jener Abhandlung von religiösem Standpunkte aus, Alles gegen die eingewandt worden ist, was nur je anzuwenden war. so wird die Widerlegung der Argumente Jenes hinlänglich sein, für Alle die in demselben Sinne argumentirt. Freilich hat es sehr gewundert, daß gedachte Beweisführung durchgehends eine sehr schwache, gehaltlose sei, allein das mag nicht sowohl eigene, als vielmehr Schuld der Unhaltbarkeit der Sache sein, für die man in die Schranken zu treten sich veranlaßt fand. Doch zur Sache, und folgen wir unserm Gegner von Saz zu Satz, von Beweis zu Beweis. „Die Mischna", beginnt man, „führt diesen Gebrauch schon als etwas ganz Gewöhnliches an, der auch am Sabbath nicht unterlassen werden soll." So viele Worte, so viele Fehler. Die Mischna führt einen Gebrauch an? Doch vor Allem: Was ist die Mischna? tampn 'TUT im schrieb die Worte nieder: *ptny ^221B1 ‘pjmsn .'pmD rat&a 'ir>D W2 Y’jrVlil. Entnahm er diese Gesetzesbestimmung seiner eigenen Forschung, oder hatte er sie '^npn empfangen? und zog sich jene 'Pnp bis zu den ältesten, urältesten Zeiten hinauf? Fand über diesen Ausspruch der irgend ein Disput statt, waren zwei Lehrer verschiedener Meinung deshalb? Und schließlich, was besagt jener Ausspruch der rWD? Jeder unparteiische Talmud-Kundige wird und muß jene Worte einfach erklären: Obschon ein dadurch entsteht, darf und muß man folgende Dinge am rQt£> dennoch vornehmen als: rt2^2D ,'^D rc. und zwar, weil in Bezug auf erstere beide nnH (wie erwähnt 'D?!"!) auf letzteres, weil, wie 85S 41 erklärt, die KfmiiO 'rVH TOD ist. hatte, das wiederholte sich bei der christlichen Bevölkerung am selben Abend im Wirthshaus zum Bären. Es war dies nicht das beste Wirthshaus in Lobheim und sein Aeußeres nichts weniger als einladend. Sein Eigner hatte mehr Schulden als ihm und seinen Gläubigern lieb war, und gönnte ihm nicht Sternheimer wiederholt Nachsicht, er wäre schon lang von Haus und Hof gekommen. Weil er aber seither ein besonderes . gutes Bier hatte, fanden sich immer auch zahlreiche Gäste und heute sogar die Noblesse der Stadt zu Gast ein. Wie überall bildeten die Ereignisse des Tages, die Politik, den Gegenstand einer eifrigen Unterhaltung und die hochgehenden Wogen der Revolution fanden in kleinen Kreisen Ausdruck. „Was wird da draus werden", hatte der Bürgermeister, ein ehrsamer Seilermeister gesagt, „wenn man der Obrigkeit ungestraft Trotz bieten kann und keine Steuern mehr bezahlen will? Wenn sich das auch in unserer Stadt zeigt, leg' ich mein Amt nieder." „Seien Sie nur ohne Sorgen, Herr Bürgermeister, sprach der Cantor, ein ältlicher Mann von gesundem Urtheil, es wird schon Alles gut gehen. Es ist wohl Zeit, daß der deutsche Michel auch einmal aufwacht und sich warm fühlt, thut auch gar nichts, wenn er einmal ein Bischen um sich schlägt und manchen Großschädel unsanft trifft." Inserate: „ Me Petitzeile oder derenßfxm. sZahlbar hM>. Inserate werden bi-Wvmk erbeten. Uro. 29 Nun fragen wir alle jene Eiferer gegen die P?2'2B: führt die Mischna hier einen gewöhnlichen Gebrauch an, oder sagt eine iSD ‘h'l'p man müsse trotz dem rattTt dennoch V21Ü sein, weil, wie die — den erklärenden Grund anführt — sonst eine entstehen könnte, vor welcher bekanntlich der rQtP zurücktreten muß. Fortsetzung folgt. (Fortsetzung.) Bon» im Mai. Vor Allem bewundern Sie des Hrn, H. Belesenheit in den talmudischen und nachtalmudischen Schriften. Den Versuch einer principiellen Begründung der Unauflösbarkeit assertorischer Eide lieferten ihm (S. 10) zuerst die Herren F. und K. — Lesen Sie Raschi zu Schewuoth 28 b NN2> nn insbesondere R. G. A. des Ralbach 238, worin es heißt: Da die Auflösbarkeit der Eide abgeleitet wird aus den Worten:?rp xb „Er kann sie nicht, aber Andere können ihn von seinem Worte entbinden", so ergiebt sich von selbst, daß Derjenige, welcher schwöret, ein Gebot Gottes zu übertreten, eben weil er auch ohne Auflösung durch Andere diesen Eid übertreten muß, sich durch keine Auflösung von der Strafe der X1ÜP nrot£> befreien kann. Eben darum kann der erlaubte Schwur nur dann gelöset werden, wenn er auf Künftiges sich bezieht; aus den Schwur auf Vergangenes passen ja die Worte nicht: i?!T „Er soll das Wort, das er ausgesprochen, nicht entweihen, aber Andere können es lösen", da er ja in dem Augenblick des Schwörens das Wort bereits entweiht hat, und der Meineid geschehen, was sollte hier die Lösung bewirken? Darum bemerkt auch Maimonides am Ende des Absch. 6 v. Hilch. Schewuothj: BMI *>D „wer seinen Schwur auf Zukünftiges bereuet". Es steht also die Regel fest, daß von Auflösung solcher Eide, die nicht in die Kategorie von ^rp gehören, wie njPQt£>, oder Eide auf das Vergangene, nicht die Rede sein kann. Wird aber, wie hier geschehen, der prinzipielle Unterschied zwischen assertorischen und promissorischen Schwüren hinsichtlich der Auflösungsfähigkeit auf die Worte der Thora *nm ^?rp xb zurückgeführt : so erscheinen alle Einwände H.'s gegen diesen Unterschied (S. 11—14) null und nichtig. Denn wenn auch der Talmud den freiwilligen Verpflichtungseid, selbst nachdem man ihn bereits gebrochen, (Schewuoth 28 a) und das vor dem Y'2 statt eines Reinigungseides abgelegte Gelübde (Gittin 35 b, Eruchin 23 a) gewissermaßen für auflösbar hält (s. jedoch weiter unten 3 u. 4), so hält er dies deshalb, weil in dem Augenblicke, als diese Schwüre geschehen, von ihnen „Will's auch meinen", rief der Schneider Scherer, und wenn's auch in unserer Stadt einmal ein Bischen anders geht und die Geldsäcke nicht mehr die Allein- Herren spielen dürfen, könnt's auch nicht schaden. Und Steuern müssen wir zahlen und wollen wir zahlen, das wissen wir. Aber wir wollen auch wissen, wohin sie kommen und daß nicht unser gutes deutsches Geld in Griechenland und Italien verthan und verschwendet wird. Unsere Abgeordneten sollen nur einmal den Mund aufthun, das Volk steht hinter ihnen und- „Das verstehen Sie nicht", fiel der Stadtschreiber Nikel, eine wohlgenährte Persönlichkeit, in gewohnter brüsker Weise dem geradsinnigen, jedoch etwas überspannten Bürger in's Wort. Der König läßt sich nicht's von uns einreden, und der Minister und die andern Herrschaften auch nicht! Unter diesen Herrschaften meinte er sich mit einbegriffen, und da hatte er nicht unrecht. Denn bisher war er der eigentliche Herr der Stadt, und was er sagte, das galt allein im Rathe der Stadt. Seit Kurzem war das aber anders geworden. Die Bürgerschaft lehnte sich jetzt gegen solches Herkommen auf und der Schneidermeister gab dem Ausdruck, als er sagte: Herr Stadtschreiber! Sie scheinen nicht zu wissen, daß Sie das Brod der Stadt effen, und daß es Ihnen nicht wohl ansteht, einem Bürger das Maul zu bieten, wie Sie mir thun, und

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