Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Bote · 1879-05-01 · 18 (1.5.1879) · p. [Seite 3]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
18 (1.5.1879)
Date
1879-05-01
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9620169-9625151-9624025--151-9624028
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

^sZsgedin Die Zustände in dieser Stadt sind ^chst betrübend und schmachten unsere so hart heimgesuchten Glaubensgenossen in Noth und Elend. Aber auch bei diesem Nothstande bewähren sich die Herzen Unserer wohlthätigen Brüder auf's herzlichste. Von allen Seiten fließen reichliche Gaben zu und Wirdes unter göttlichem Beistände gelingen, in etwa dem entsetzlichen Elende entgegenzutreten. Totisch Herr Moritz Fischer, Besitzer einer Porzellanfabrik, feierte jüngst die diamantene Hochzeit. Der würdige Greis ist 80 und seine Gemahlin (eine ntsw) 79 Jahre alt. Seine gesegnete Nachkommenschaft bis heute besteht aus 9 Kinder, 40 Enkel und 3 Urenkel, welche Alle der seltenen Feier mit beiwohnten. Am selbigen Tage wurden von ihnen drei Kindes-Kinder zum Tran-Altar geführt. Der Jubilar besitzt das Ritterkreuz des Franz Joseph-Orden, das er als Auszeichnung in Folge großer Verdienste erhalten. Rumänien,? - Bukarest Kürzlich wurde in Jassy ein Rabbiner beerdigt. Mehrere christliche Frauenspersonen standen vor einem Hause in der Vorstadt, an welchem der Leichenzug vorüberkam, um die Beerdigung mit anzusehen. Da traterr mehrere Juden, welche den Sarg begleiteten, aus dem Zuge heraus und stellten die gaffen en Wewer wegen ihrer Neugierde und ihres Benehmens zur Rede, da dadurch dem Todten eine Beleidigung zugefügt werde. Die Weiber hierdurch aufgebracht, bewarfen die sie zurechtweisenden Juden mit Straßeuschmutz, und es entwickelte sich nach und nach eine reguläre Balgerei. Die Polizei, die sofort einschrit', verhaftete einige Juden, und berichtete soglerch dem Procurator darüber. Gegen Abend rotteten sich über 400 Juden vor dem Poüzeigewahrsam zusammen, verlangten stürmisch die Herausgabe ihrer verhafteten Glauvensgeuoffen und waren im Begriff, die Befleü-ug mit Gewalt zu erzwingen. Da ließ dr Militärkommandant von Jassy, G.neral Rakovitza, die bewaffnete Macht ausrücken, die Aufrührer zu zerstreuen und die Anführer derselben zu verhaften. Diese wurden dem Ume suchungsrichter übergeben. Von Seiten der Regierung ist die strengste Unter'uchung angeordnet worden. (Unerklärlich ist es immerhin, warum die Juden und nicht die den Streit veraniaßten Weiber verhaftet wurden. Red.) Rußland. Petersburg. Wie man berichtet, hat sich die Rabbinerconferenz (siehe Nr. 14 u. 15.) über die Bigame vom maßgebenden rituellen Standpunkte aus dahin geäußert, baß derjenige, welcher zwei Frauen an zwei verschiedenen Orten ehelicht, einer schweren talmudischen Gesetzesübertretung sich schuldig mache. Wer jedoch an einem Orte gleichzeitig zwei Frauen nehme, handele der von R. Gerschon verhängten Exeommunication zuwider. Petersburg. Man vermißt in jüdisch-studentischen Kreisen lebhafc eine Geschichte der Juden in ■ russischer Sprache. Man hat dah w den Beschluß gefaßt: Grätz's'Geschichte der Juden ins Deutsche zu übersetzen und ist Herr Dr. Harkvwy mit der Redaction dieser Uebersetzung betraut worden. >' -*;&■ ■ A ..L Moskau Ein hiesiges Blatt berichtet über ganz eigenthümliche Gerüchte, die unter dem einfachen Volke cursiren sollen. Man erzählt sich, ein Kaufmann bei der. Keim'schen Brücke habe s inen Lehrling, einen Knaben, zum nächsten Geldwechsler geschickt, um einen Schein von 25 Rbl. umzuwechseln. Ein Gorodowoj habe den Knaben mit dem großen Schein gesehen, denselben unter dem Vorwände, das Geld zu wechseln, iu das Wächterhäuschen gelockt und ihn daselbst ermordet. Mehrere Fuhrleute hätten den Knaben mit dem Gorodowoj in das Häuschen gehen gesehen. Als der Lehrling nun nicht zurückkehrte, habe der Kaufmann Nachforschungen angestellt und sei, von den Fuhrleuten aufmerksam gemacht, an das Wächterhäuschen getreten. Da habe er denn gesehen, wie der Gorodowoj den enthaupteten Leichnam des Knaben über ein Faß gehalten und das fließende Blut betrachtet habe. Natürlich sei der Mörder mit Hilfe anderer Gorodowojs verhaftet worden. Derselbe habe eingestanden, daß er bereits mehrere Knaben auf diese Weise ermordet und deren Leichen unter die Diele versteckt habe. Während nach dem oben genannten Blatt einem Gerücht zufolge der Gorodojow diese Mordthaten vollführt hat, um seine Opfer zu berauben, will ein anderes wissen, derselbe sei mosaischer Confession und zu gleicher Zeit Lieferant von Christenblut an seine Glaubensgenossen für das bevorstehende Osterfest. (!) Beide Gerüchte behaupten einstimmig, man wolle diese Geschichte vertuschen und habe nur befohlen, den Gorodowoj auf dem sogenannten Jungfern-Felde zu erschießen. Es wurden sogar Tag und Stunde angegeben, wann die Exemtion vor sich gehen sollte, uud viele Leute fanden sich ein, um derselben beizuwohnen. Natürlich erfolgte nichts. Es sollen nach dem Blatt bereits mehrere Personen verhaftet, aber wieder in Freiheit gesetzt worden sein, welche in dieser Veranlassung ihrem Unwillen über die Polizei freien Lauf ließen. Natürlich sind diese Gerüchte aus der Luft gegriffen. Hamburg, 29. April. Wie das Gerücht geht, ist Herr Dr. I s a a c s o h n hier, früherer Oberrabbiner von Rotterdam, zum Nachfolger des jüngst verstorbenen ^eminar-Directors Dr. Lazarus zu Breslau in Aussicht genommen. Nekrolog. Aus Westfalen. Di\n rmtto ab Ich bin heute kein Verkünder froher Botschaft, da ich die überaus schmerzliche und traurige Pflicht zu erfüllen habe, den Heimgang eines Mannes in Israel zu melden, der zu den Besten und Edelsten seines Volkes gehörte unDjri ntrö ""i mnn npnw nrvön hdiidd’i im« np^D Der als Qipb« Tj^nnn 1WH in weiten Kreisen bekannte Moses Dessauer aus unserer Nachbargemeinde Limburg a. d. Lenne ist am 23. d. M. in ein besseres Jenseits hinübergegangen und vor einigen Tagen haben wir seine sterblichen Ueberreste dem Schooße der Erde übergeben. Was die Gemeinde und ganz Israel an ihm verloren: eine feste Seule des glaubenstreuen, unverfälschten Judenthums, einen Hort der Thora, iTOn nöntP ’PTOÖ ny *ry lrrso n"n mro rrm *>pn mn Wer weiß es nicht, daß mit dem Heimgegangenen eine Fülle von Tugenden und Vorzügen in's Grab gesenkt wurden! Die unverwelklichen Kränze des Verdienstes, die dieses Greisenhaupt zierten — der Verstorbene hat ein Alter von 75 Jahren erreicht — seine ungeheuchelte Frömmigkeit, N12Q2 pnpID PPHtP TlND -ilKD rrniDm rriyp — sein großes Wissen in den rabbinischen Wissenschaften, sein großer Elfer für die Erhaltung und Wahrung unsers göttlichen Gesetzes und der jüdisch-religiösen Institutionen, seine überaus große Bescheidenheit und Demuth — ISISM ion lnunw ^n:i vw rvn — seine Milde und Wohlthätigkeit — obgleich selbst mit Nahrungssorgen zu kämpfen, hat er doch Andern so oft und gern geholfen, sein unbegrenztes Gottvertrauen und Ergebung in dessen heiligen Willen — sein einziges Kind, ein hoffnungsvoller Sohn von 18 Jahren, fromm und wohlerfahren n"n"2 ist ihm vor einigen Jahren ins Jenseits vorausgegangen — dieses Alles zu schildern ist eine pure Unmöglichkeit. Die seltene Liebe und Verehrung die der Verblichene im Leben genoß zeigte sich am deutlichsten bei der Bestattung, zu der nicht nur sämmtliche Gemeindemitglieder Limburgs, viele Di-nm aus der Umgegend, sondern auch die Christen, darunter der Herr Bürgermeister und ein Sradtrathsmitglied waren erschienen, um dem großen, greisen, allverehrten Mann die letzte Ehre zu erweisen. Der Unterzeichnete, dem, als dem nächsten Lehrer — die Lehrerstelle zu L. ist im Augenblicke vacant, wurde die Ehre zu Theil, dem Verstorbenen die Grabrede zu halten in der er, anschließend an den am rQttf vorher verlesenen Wochenabschnitte, nachzuweisen suchte, daß in den zwei Worten die der Ewige nach dem Tode der beiden Söhne Ahrons gesprochen, als diese ihm fremdes Feuer gebracht, daß er ihnen nicht befohlen, uns Aufschluß gegeben werde über alle Fragen des Lebens, daß diese alle Räthsel und alles Dunkle im Leben lösen und lichten und uns Trost und Linderung bringen für alle Trauer, Trübsal und Erdenschmerzen. Es sind dieses die inhaltreichen zwei Worte BHpK OTpn durch die, welche mir nahe sind, will ich geheiligt und vor dem Angesichte des ganzen Volkes verherrlicht werden. Auch uns, hat ein solch trauriges Loos getroffen, auch über uns ist das Feuer, der Zorn Gottes ausgegangen und hat hinwegerafft vom friedlichen, häuslichen Altäre eins der besten und reichsten Ganzopfer. Die Gemeinde L. habe durch das Hinscheinden dieses frommen Mannes dessen Sarg wir trauernd umstanden, und dessen Verlust wir tief und schmerzlich beklangen, eines seiner geachtetsten Mitglieder verloren, der grausame und unerbittliche Tod habe einen Mann zum Opfer gefordert, der mit den schönsten Tugenden und Vorzügen geziert und geschmückt, thätig und fleißig im Berufe, eifrig in der Gottesfurcht und im Studium unsrer h. Gotteslehre gewesen; der in Treue und Frömmigkeit sein Lebelang vor Gott gewandelt, in Liebe und Freundlichkeit mit den Menschen umgegange sein, so daß wir mit Recht mit David sprechen könnten: TDn TW Tin. Ach, ein frommer, gottesfürchtiger Mann, geschmückt mit 1N2 ,TYin der Krone der Charakterkenntniß und dem Diadem der Demuth und Bescheidenheit. Und fragen wir: „Warum hat der Ewige dieses wohl gethan, wu um ließ er seinen Zorn so schwer walten über uns? Warum muß die Gemeinde L. nun einen gottesfürchtigen Glaubensgenossen weniger in ihrer Mitte haben? Auf alle diese Fragen antwortete uns der Heilige n"2LNpX'>21p2durchdie, we,chemir nah sind, will ich geheiligt werden!" Diesen unfern frommen Bruder, hat Gott deshalb zu sich berufen, weil er, der schon auf Erden ihm stets nahe und heilig war, nunmehr für den Himmel reif, für Gott und das ewige Leben hinlänglich vorbereitet, seine Seele vollendet, und sein Geist würdig und fähig sei /;n Dy*Ü2 *lpni?l zu schauen die Herrlichkeit Gottes und einzukehren in seinem Heiligthum nD^niTV N15n^ um sich zu ergötzen an dem Abglanze der Herrlichkeit Gottes, in jenen lichten Höhen der ewigen Glückseligkeit, die der Heilige, gebenedeiet sei sein Name, verheißen allen Frommen. Das Andenken des Heimgegangenen aber möge ein gesegnetes sein und bleiben 'sQX! .-rn'Vrn Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Spenden-Verzeichniß. Für den verarmten Kaufmann O2N sind ferner bei mir eingegangen: Vom Vorsteher I. Rosenberg in Bork a. d. Lippe M. 11. — Adolf Schülein, Ingolstadt (Baiern) M. 10. — A. Wallerstein, Bamberg M. 5. — H. M. Gumpel, Lindhorst M. 6. — Durch Meyer Nußbaum, Cultus- Vorsteher in Wüftensachsen M. 5. — Jsr. Armen- Commission in Cöln M. 10. — Sigismund L. Abraham, Grünberg M. 10. — Rabbiner Dr. Hildersheimer, Berlin M. 5. — Bz.-Rabbiner Dr. Salvards Dürkheim M. 10. — Kreis-Rabbiner Dr. Strauß, Rotenburg a. d. Fulda M. 5. — Durch Salamanti Archenbold, Vorsteher der Synagogen-Gemeinde Lichtenau (Kollekte) 3,20. M Roseuwald, Lehrer, Oestrich bei Letmathe. Berichtigullg. In 2. Beilage zu Nr. 14 u. 15 Sp. 1 Z. 22 v. o. (Bericht üb. Szegedin) ist statt „von" zu lesen: „außer den Vielen". —-Z.5 v. o. statt „den" „dem". Vorstehende Berichtigung ist durch Uebersehen zurückgeblieben. Redaktion. on einem gut. sit. Kaufmann wird ein Heiraths- Vermittler gesucht. 2336 Offert. "W. 100 an die Exp. d. Bl. Meine noch in gutem Betriebe befindliche Uiemenlederfabrik & Gerberei in Bonn mit schönem Wohnhause und bequemer Gerberei-Einrichtung, deren Fabrikate auf den Weltausstellungen von London, Paris und Wien prämiirt sind, steht wegen vorgerücktem Alter unter günstigen Bedingungen mit Firma zu übertragen. Die erzielten, ganz günstigen Resultate werden durch langjährige Bilanzen, und die bedeutende Kundschaft durch Vorlegung der Geschäftsbücher nachgewiesen. 2333 W. Wuland. Pensionat, höhere Töchterschule & Vorbereitung zum Lehreriunen-Examen. Trier a. d. Mosel. Referenz : Herr Landrabb. Dr. Adler in Cassel. „ Rabb. Dr. Frank in Cöln. „ Realschullehrer Dr. Holzmann in Berlin. v Prospecte und Näheres durch die Vorsteherin. 1815 Josephine Fraenkel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.