Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 17 (24.4.1879)
- Date
- 1879-04-24
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bürger, dem sie viel zu verdanken hat, die Armen einen ^ermüdlichen Wohlthäter. Die Betheiligung war eine großartige. Dem Zuge voran ging der Handwerkerverein, ihm folgte der Turnverein, dann die Lehrerkollegien der hiesigen Schüler, die Magistratspersonen, die Stadtverordneten, der Vorstand und die Repräsentanten unserer Gemeinde, dann eine unabsehbare Menschenmenge. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Dr. Kohn eine tiefergreifende Leichenrede. Nach demselben nahm der Stadtverordnetenvorsteher Rechtsanwalt Höniger das Wort und hob die großen Verdienste des Verstorbenen um die Stadt hervor. Durch seinen edlen Charakter hat sich der Verstorbene bei der Nachwelt ein ewiges Denkmal erreicht! n"n"\£"3"n Oesterreich. Pest, 18. April. Madarasz, der Mörder Martonfalvy's wurde wie gemeldet, auf dem Hauptplatz in Arad in der Trafik Husserl von dem Friseur Matzko erkannt und von dem Panduren Nagy arretirt. Vor den Ober-Stadthauptmann Urbanyi geführt, legte er ein umfassendes Geständniß ab. Er hat Martonfalvy, als dieser schlief, den ersten Hieb versetzt und gab ihm, als er aus dem Bette herausgefallen war, auf dem Fußboden noch mehrere Hiebe mit dem Beil. Er hat dann die Kasse aufgesperrt und derselben Geld und Cigarren entnommen, hierauf Wäsche und Kleidung eingepackt. Von dem geraubten Gelde habe er Älles bis auf 65 fl. ausgegeben. Werthpapiere fand er keine. Er war am Sonntag in Arad angekommen und im „Schwarzen Lamm" abgestiegen, Abends hat er im Arenagarten gezecht und am Montag mit seiner Geliebten nach Vilagos eine Excursion gemacht. Gestern Vormittag ist er von dort zurückgekommen und heute 9 Uhr wurde er nach Pest escortirt. Aus Jaglowieee in Galizien wird dem ,Dziennik Polski geschrieben: Am 24. v. M. wurde hier eine furchtbare Mordthat begangen. Eine ganze israelitische Familie wurde in der Nacht überfallen und ermordet, und zwar war es der Dorfschänker Moische Wetzlar, seine Frau, drei Kinder und die Dienstmagd. Die unglücklichen Opfer halten abgehackte Füße und Hände, und die Frau, welche wahrscheinlich ihre Kinder vertheidigte, bekam fünfzehn Beilhiebe. In ihrer erstarrten Hand wurde ein Büschel Haare vorgefunden, welche sie im Todeskampfe einem der Mörder ausgerissen hatte. Der Mord scheint ein Racheact gewesen zu sein, denn neben der Leiche Wetzlars wurde eine Brieftasche gefunden, deren Inhalt unversehrt geblieben war. Nur mehrere Bauernwechsel lagen angebrannt am Fußboden. Als des Mordes verdächtig wurden 25 Insassen des Dorfes in Haft genommen. Italien. Treviso Von hier wird ein unglaublicher Fall der Intoleranz berichtet. Eine der hiesigen Mädchenschulen wird auch von einigen isr. Mädchen besucht. Als nun der Bischof Zinelli hiervon Kunde erhielt, ordnete er sofort die Entlassung dieser Mädchen an. Wie nun die Direktion sich weigerte, verbot der Bischof sämmtlichen katholischen Schülerinnen, welche diese Schule besuchen, die Theilnahme an den kirchlichen Ceremomonien. Rom. Rosetti, der rumänische Diplomat, sagte vor seiner Abreise zu Depretis: »Wenn Sie die Unabhängigkeit Rumäniens nicht anerkennen, wird die liberale Regierung in Bukarest fallen." Daraus antwortete Depretis: „Die Liberalen würden in Rom fallen, wenn ich die Unabhängigkeit Rumäniens anerkennen würde, ohne daß es zuvor alle bürgerlichen und politischen Ungleichheiten abgeschafft hätte." Schweiz. Zürich, im März 1879. (Unlieb verspätet. D. Red.) Leider ist es einem geplagten Geschäftsmanne selten vergönnt, einen freien Abend einer anderen Correspondenz zu widmen, als der geschäftlichen, daher kommt es auch, daß ich die Ihnen versprochenen Berichte aus der Schweiz noch nicht senden konnte. Da ich mich heute — am Purim, gerade hier befinde, so will ich gleich mit Zürich beginnen. Wie man mir sagte, sollen sich hier vielleicht 120 Familien, nach Anderen sogar 150 Familien jüdischer Confession befinden, von denen sich etwa 80 der Cultusgemeinde angeschloffen haben, die übrigen gehören, ßu deutsch gesagt, nur dem Judenthume dem Namen nach an. Ehen mit Nichtjuden gehören auch nicht zu den Seltenheiten, und jetzt steht wieder eine Verheirathung einer „Jüdin" (?) mit einem Nichtjuden in Kürze bevor. Ob das an der Luft liegt oder ob das Wasser der Limmat oder des Zürichsee's ganz besonders als Taufwasser lockt, weiß ich nicht. Doch giebt es auch wieder viele strengreligiöse Leute hier, die nach allen Seiten hin bestrebt sind, religiöses Leben und religiösen Sinn zu erwecken und wach zu halten. So bestehen hier zwei Gemeinden, wie dies heutzutage ja häufig vorkommt. Was hier den Anlaß zur Trennung gegeben, ist mir nicht bekannt; die separirte Gemeinde zählt etwa 20 erwachsene Mitglieder. Ich habe das Gebetlokal dieser Gemeinde besucht, doch befindet sich daselbst noch Alles im Stadium des Entstehens, und da sich diese kleine Gemeinde jetzt erst constituiren wird, so wird es sich bald zeigen, wer in Zürich wirklich nächstens sich offen zu dieser Minorität bekennen will. Herr Banquier Dreyfuß ist der Vorsitzende der Separatgemeinde. Am Freitag Abend, als ich gerade bei Tische saß, kam ein armer Mann, welcher nichts zu essen hatte. Obwohl er vor Beginn des Gottesdienstes sich an die Verwaltung gewandt, habe diese erklärt, jetzt sei rQt? und hätte so den vielleicht auch lästigen Bittsteller sich vom Halse geschafft. Was die Unterbringung eines armen Mannes mit dem Sabbathbeginn zu thun habe, ist mir nicht ganz klar, sicherlich hätte es nur ein Wort gekostet, und der arme Mann wäre von Jemanden gespeist worden. Am andern Morgen in der Predigt betonte Herr Rabbiner Dr. Kisch die Mildthätigkeit, dieses herrliche Eigenthum Israels (ob ihm der Vorfall vom vorigen Abend bekannt geworden?). Am rQty 'D, vor Beginn der Megillo begab sich ein Vorstandsmitglied auf den Almemor und berichtete, daß ein Gesuch der „Alliance israel." zur Sammlung milder Gaben eingelaufen sei für unsere hungernden Brüder. Es befänden sich 2 Teller in der Synagoge, in welche Jeder sein Scherslein legen könne; dieser Aufforderung kamen denn auch eine Anzahl der Anwesenden nach, es schien mir, als sei es von den Besuchern des Gottesdienstes vorausgesetzt, daß sie am r\2W mit genügender Münze versehen seien, um -TDn ausüben zu können. Rußland. Moskau. Der Jnspector der berühmten Ambra- Fabrik „Stantin und Becker" Hierselbst, Herr Schlesinger, hat an die hiesigen Rabbiner sich mit der Bitte gewendet, in ihrer Gemeinde bekannt zu machen, daß obige Fabrik israelitische Personen in Arbeit zu nehmen wünsche, weil diese nicht, wie die Christen, dem Trünke ergeben sind und man sie diesen daher ihrer Nüchternheit wegen vorziehe. — Es wird ausdrücklich hinzugefügt, daß die Fabrik am Sonnabend geschloffen sein soll. Kidan (Gubernium Kowen). Jüngst starb hierselbst der christliche Arzt Dr. Juderowitz. Derselbe trat stets in der uneigennützigsten Weise für die Jntereffen der Juden, besonders der armen, ein, weshalb die Juden hierorts ihm sehr sympathische Nachrufe widmen. Auf ausdrückliche Anordnung des Rabbiners folgten seiner Leiche sämmtliche Zöglinge der Talmud- Thoraschule. Pschework Ein eigenthümlicher Vorfall wird von hier gemeldet, der eben leider in Polen und Galizien nicht vereinzelt dasteht. Es starb hier nämlich eine vermögende Frau, der die Tugend der Wohlthätigkeit fremd gewesen sein soll. Die Gemeinde hielt jetzt den Augenblick für gekommen, sich an der Familie der Verstorbenen schadlos zu halten. Man gestattete das Begräbniß nicht eher, als bis der leidtragende Sohn die nicht geringe Summe von 1000 Gulden an die Gemeinde gezahlt habe. — Da der Sohn hierzu nicht gewillt war, so blieb die Leiche unbestattet. Als dieselbe am 4. Tage derartig angeschwollen und in Fäulniß übergegangen war, daß die Gesundheitspolizei auf die Anzeige des christlichen Wirthes einschreiten mußte, da bestellte der Bürgermeister vier Abdeckern, die Leiche nach der Halle des jüdischen Friedhofes zu transportiren. Dieselben schleppten sie auch auf einem Mistwagen dahin. Die Gemeinde und die „trauernden Hinterbliebenen" (?) wurden endlich handelseinig, anstatt der 1006 Gulden wurden 300 erlegt, und der geschändete Leichnam konnte nach langem Feilschen bestattet werden. — (Wahrlich, ein schönes Zeugniß für wnvn nv yww nötf bw -ION) Warschau. Einem statistischen Nachweise zn Folge hatten sämmtliche Städte des Königreiches Polen im Jahre 1876 zusammen 696,600 polnische und jüdische Einwohner, von welchen an^ d' - polnische Bevölkerung 294,244, aus die jüdff-.. 418 kommen. Die städtische jüdische Bevölkerung überstieg also die polnische um 108,174 Seelen. Angehörige anderer Confessionen (!) sind in den Zahlenangaben nicht mit einbegriffen. In den letzten 20 Jahren hat sich die jüdische Bevölkerung im Königreiche" Polen verdoppelt. Vermischtes. Ein namhaftes Heirathsgut. Fräulein v. Rothschild, welche im Monat Februar 1878 in London den Grafen Rosebarry geheirathet hat, erhielt bei ihrer Vermählung vorläufig ein Heirathsgut von 6 Mill. Pfund Sterling, (120 (Millionen Mark - 60 Mill. Gulden). Es ist gewiß nicht uninteressant, daran zu erinnern, daß die besagte Mitgift gerade so viel beträgt, als der Rüstungskredit, welchen zur selben Zeit Graf Andrassy von den Delegirten zu verlangen gedachte, zur — Wahrung der österreichischen Interessensphäre. W. Z. Zum Kapitel „Konfusion der Konfession" schreibt man der „Frkf. Ztg.": Sie berichten nach der „Schles. Volkszeitung" als Kuriosum von, einer Familie in Zabrze, daß dieselbe sich 2 jüdischer, 3 katholischer und 2 evangelischer Kinder erfreue. Wir können Ihnen einen wohl noch selteneren Fall mittheilen; es ist uns nämlich eine Familie in Königsberg i. P. bekannt, in welcher der Vater Jude, die Mutter lutherisch, der Sohn reformirt und die Tochter freigemeindlich ist. Dieses konfessionelle Phänomen erklärt sich jedoch nicht wie das in Zabrze aus wiederholtem Heirathen, sondern einfach aus der ernsten, aber freien und selbstständigen Denkart, welche in der Familie hinsichtlich ihrer religiösen Angelegenheiten herrscht. Briefkasten der Redaction. E. und Z. in O. Wir haben schon öfter die Erklärung gegeben, daß anonyme Zuschriften durchaus keine Berücksichtigung finden. Wenn Sie in unserer Nro. 8 einen Jrrthum gefunden zu haben glauben, so ist es ihre Pflicht, offen und wahrheitsgetreu Ihre Meinung uns mitzutheilen; alsdann werden wir der Sache nach Gebühr Rechnung tragen. Ii. K. in C. Wir haben kein Manuscript empfangen; wäre dies aber doch der Fall, so würde es dennoch keine Beachtung gefunden haben, weil nur mit Buchstaben unterzeichnet. Französische und englische Sprache. I/Iutsrprtzts Französisches Journal für Deutsche, The Interpreter Englisches Journal für Deutsche, mit erläuternden Anmerkungen und alphabetischem Vocabulaire, sowie mit ganz neuer, vervollkommneter Aussprachebezeichnung für das Englische. Seit 1. Juni 1877 herausgegeben v. E Sommer. Erleichtertste und wirksamste Hilfsmittel bei Erlernung der französischen und englischen Sprache, namentlich für das Selbststudium und bei Vorbereitung auf Examina (Einjährig-Freiwillige); zugleich anziehendste und erfolgreichste französische und englische Lectüre zur Uebung und Unterhaltung, durch die besondere Einrichtung schon bei den bescheidensten Kenntniffen in ersprießlichster Weise verwendbar. 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