Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 16 (17.4.1879)
- Date
- 1879-04-17
- Page
- [Seite 6] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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einem kaufmännischen oder gewerblichen Berufe vorbereiten. Der Vorstand ist aufs Eifrigste bemüht, seinen Zöglingen Mittel und Wege zu bieten, sich zu einem ehrenhaften Erwerbe tüchtig zu machen. Oesterreich. Pest, 2. April. Ein Raubmord, welchem am 30. März der Advokat Dr. Martonfalvy in seiner Wohnung znm Opfer siel und welcher großes Aufsehen erregte, hat durch die Verhaftung und das Geständniß des Thäters Aufklärung erhalten. Dr. Martonfalvy, einer der angesehensten jüdischen Familien deS Landes angehörig, wurde von seinem 18jährigen Diener Johann Madaracz am 30. März in seiner Wohnung mit einem Beile erschlagen und verschiedener Werthsachen beraubt. Der Mörder ist am 1. April in Arad verhaftet worden und hat sofort ein umfassendes Geständniß abgelegt. Berlin, 8. April. Die jüdischen Bewohner der Louisenstadt waren bisher in Ermangelung einer Synagoge gezwungen, an den hohen Festtagen den Gottesdienst in Bierlokalen abzuhalten, da sie seit Jahren vergeblich bei dem Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde um den Bau einer Synagoge petitionirt hatten. Die Louisenstadt mit ihren 7000 jüdischen Seelen, trotzdem sie in ausgiebigster Weise von der Gemeinde besteuert wird, hat auch nicht die bescheidensten Wünsche in Bezug auf ihre religiösen Bedürfnisse erfüllt gesehen, es wäre denn eine geringfügige Subvention, welche die Religionsschule des Louisenstädtischen Bürgervereins, Ahawass Reiim, erhält. Es ist dies ein Verein der es sich zur Aufgabe gestellt hat, dem Mangel religiöser Institutionen in der Louisenstadt abzuhelfen. Viele Jahre hindurch hat derselbe mit seltener Ausdauer den religiösen Jndifferentismus daselbst zu bekämpfen gesucht und als wichtigstes Mittel hierzu die Nothwendigkeit der Errichtung einer Synagoge erkannt. Ein Theil der Louisenstädtischen Gemeinde-Mitglieder hatte, sei es aus Unmuth oder aus Jndifferentismus, auf Grund des Austrittsgesetzes seinen Austritt aus der Gemeinde erklären wollen; dem Verein „Ahawass Reiim" gelang es, diese Bestrebungen niederzuhalten und so für den Frieden in der Gemeinde zu wirken. Unter vielen Schwierigkeiten hat sich der Verein mehrere Jahre hindurch mit einem Saale im Cafs Gehre, Oranienstraße Nr. 69 zu behelfen gesucht, bis es ihm jetzt gelungen ist, würdige Räume zur täglichen Abhaltung des Gottesdienstes auf dem Grundstück, Prinzenstraße 71, nahe am Moritzplatz» zu erwerben. Die Synagoge, zu deren Einrichtung der Verein alle seine Ersparnisse hergegeben hat, enthält 360 bequeme Sitzplätze, und es ist die Möglichkeit gegeben, durch Anlage von Emporen für weitere 100 Sitze Raum zu schaffen. Es zeugt von einer großen Zuversicht, daß der Verein im Vertrauen auf die Zunahme seiner Mitgliederzahl sich zu den bedeutenden Unkosten, welche die Unterhaltung der Synagoge mit sich bringt, entschlossen hat: Der Vorstand der Gemeinde soll sich übrigens, wie wir hören, mit Rücksicht auf das gemeinnützige Streben, bereits zu einer bedeutenden Subvention entschlossen haben. Der Gottesdienst wurde schon an ddn verflossenen Osterfesttagen in der neuen Synagoge abgehalten. gethan und haben sich von ihren Abgaben loSsagen lassen? Hat man so etwas je noch von Juden gehört? „Was wir dazu sagen?" rief Strauß» und die Mienen der jungen Männer bezeugten, daß er ihre Meinung gproffen, „dazu sagen wir, daß sie ganz recht daran thaten. Haben lange genug die Gänse- und Klapper-, Begräbniß- und andere Judengelder bezahlt, die ihnen eine gewaltthätige Zeit aufgedrungen und eine seile Justiz erhalten hat. Oder meint ihr, das Volk wird für uns die Kastanien aus der heißen Asche holen und wir dürfen nur zusehen? Wir Juden müssen in allen „mitrathen und mitthaten" und uns freimachen und nicht in der Ferne halten. Man schreibt jetzt 1848. „Wahr ist's^ sagte der ältliche Mann, welcher zuerst gesprochen hatte. Wir Juden erleiden viel Unrecht, viel Bedrückung. Wie sind wir überall in unserem Erwerb gehindert, obgleich man von uns alle und jede Abgaben, wie von einem anderen fordert, ja sogar noch mehr; von dem erbärmlichen Matrikelwesen gar nicht zu reden. Aber trotz all dem bleib' ich dabei: Wir Juden dürfen nicht revolutioniren! „Hakol Kol Jakob." Jakob hat nur Worte, nicht Gewalt. Die Macht der Wahrheit und die Hilfe unseres Gottes, die machen uns frei." Fortsetzung folgt. (Eine Nichte Heinrich Heine's), die Baronesse Mathilde von Heine-Geldern, die Tochter des ehemaligen Besitzers des wiener „Fremdenblatts", hat sich in Wien mit Hrn. Alphons v. Kodolitsch, einem Husaren-Oberst, verlobt. Der Baron Heine setzte seinem Namen den seiner Mutter zu, die eine geborene Geldern war. Höhere Handels-Fachschule zu Erfurt. Unter dem Vorsitze des Herrn Provinzial-Schulrath Dr. Todt aus Magdeburg, dem Königlichen Staats- Commissarius der Anstalt, fand gestern die mündliche Prüfung der Abiturienten statt. Die sechszehn Primaner der Anstalt, die sich zur Prüfung gemeldet hatten, erhielten sämmtlich das Zeugniß der Reife. Dieses Zeugniß berechtigt für den einjährig freiwilligen Militärdienst in der deutschen Armee und eröffnet den Zöglingen der Anstalt die höhere kaufmännische und industrielle Carriere. Literarisches. Gesetze über die Verhältnisse der Juden, den Austritt aus Kirche oder Synagogengemeinde, über die Dissidenten und über den Personenstand. Am Schlüsse: Statut für die Synagogengemeinde Köln. Preis 1 Mark. Köln 1879. Druck und Verlag der Rommerskirchen's Buchhandlung (I. Melling). Dieses Merkchen möchten wir der Beachtung unserer Leser besonders empfehlen. Es enthält sämmtliche, die Juden betreffenden neueren und älteren Gesetze und zwar: 1) Gesetz über die Verhältnisse der Juden. Vom 23. Juli 1847. 2) Patent, die Bildung neuer Religionsgesellschaften betreffend. Vom 30. März 1847. 3) Gesetz, betreffend den Austritt aus der Kirche. Vom 14. Mai 1873. 4) Gesetz über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung. Vom 6. Febr. 1875. 5) Gesetz betreffend den Austritt aus den jüd. Synagogengemeinden. Vom 28. Juli 1876. 6) Gebührentarif. (Zum Gesetze über die Beurkundung des Personenstandes rc.) 7) Statut für die Synagogengemeinde Köln. Es ist dieses Büchlein besonders zu empfehlen, da unseres Wissens eine derartige Sammlung die Juden betreffender Gesetz nicht existirt. In keiner Gemeinde sollte ein solches Buch fehlen. Wir empfehlen es nochmals auf's Angelegentlichste. Hg. Eh. D. Lippe's Bibliographisches Lexikon der gesammten jüdischen Literatur der Gegenwart und Adreß-Anzeiger. Ein lexikalisch geordnetes Schema mit Adressen von Rabbinen, Predigern, Lehrer, Cantoren, Schriftstellern, Freunden und Förderern der jüdischen Literatur in der alten und neuen, nebst bibliographisch genauer Angabe sämmtlichen von jüdischen Autoren der Gegenwart publicirten, speciell die jüdische Literatur betreffenden Schriftwerke und Zeitschriften, in chronologischer Reihenfolge dargestellt. Ein Hand- und Nachschlagebuch zur Orientirung für Buchhändler, Rabbinen, Gemeinden und Freunden der jüdischen Literatur. 1. Lief. — Wien 1879. Verlag des Herausgebers, II, Herminengasse Nr. 8. Der Zweck dieses Werkes ist in obigem Titel ausführlich dargelegt. In wie weit der Verfasser diesen Zweck erreicht hat, dies zu beurtheilen ist eine schwere Aufgabe, da die Zweckmäßigkeit dieses Werkes von seiner Vollständigkeit bedingt ist. Wir haben diese erste Lieferung einer nähern Prüfung unterzogen und müssen gestehen, daß wir manche hervorragende Namen darin vermissen, die jedenfalls eher hätten Platz finden müssen, als manch anderer obscurer Name. Uebrigens möchten wir dem Verfasser strengste Objectivität bei Beurtheilung des einen aber anderen der Genannten und seiner Leistungen anempfehlen, und ihm rathen, sich ja nicht von dem „Eigenlob" des einen oder anderen leiten zu lassen. Die erste Lieferung (Preis 1 M. 60 Pf.) enthält die Buchstaben A, B und C. In einem Nachtrage wird das etwa noch Fehlende angehängt. Für den Buchhandel ist das Unternehmen von nicht geringem Nutzen und wünschen wir dem Verfasser den besten Erfolg. Hbg. Spenben-Verzeichnifi. Für den verarmten, streng religiösen Kaufmann O2N TD?m sind bei mir nachstehend verzeichnete Spenden eingegangen: L. in Hannover 10 Mk. — M. Pabst in Crefeld 3 Mk. — Zodik Rapp in Raibach 2 Mk. — Anonym in Heersfeld bei Fulda unter dem Motto "y\ "]p*7^ ")!?m 3,40. — L. Löbenstein in Sontra 3 Mk. — Anonym, Sengenau (Schweiz) 10 Mk. — Maixr u. Moses Schwaab in Frankfurt a. M. 5 M. — Lehrer S. Guthmann in Westheim b. Hammelburg (Baiern) 8 Mk. — Von einem i genannt sein wollenden Christen 1 Mk. — M. A. Koppel, Letmathe 2 Mk. — Samuel Kahn in Witten 2 Mk. — Lehrer Pels in Berne (Oldenburg) 5 Mk. — Durch I. K. in F. 15 M. - Jos. Arische! in Bonn 1,50. — Simon Jacobs in Dienslaken 3, M. — Durch die löbl. Expedition des Israelit in Mainz 53 Mk. — Durch S. Heimann in Münster 3 Mk. — Durch Gumpel Ephraim in Neudamm, von ihm und den dortigen Gemeindemitgliedern 9 Mk. — Durch Lehrer Rosenberg in Laasphe von ihm und Freunden 4 Mk. — D. Hirsch in Zülpich 3 Mk. — Durch Lehrer I. Ostermann in Beckum, Ertrag einer Collekte 5 Mk. M. Rosenwald, Lehrer, Oestrich bei Letmathe. Henstonat und Woröerettungsschute in Neustrelitz. In dasselbe können zu Ostern d. I. noch einige Zöglinge ausgenommen werden, welche die Realschule oder das Gymnasium besuchen, auch für eine Klasse dieser Schulen vorbereitet werden sollen. Aufsicht und Nachhülfe gewissenhaft, Honorar mäßig. Ref. Sani, tätsrath Dr. Neumann und Dr. Steinschneider in Berlin, Rabbiner Dr. Rahmer in Magdeburg 2277 Landrabbiner Dr. I. Hamburger. 2159 Restauration von Moses Marx, Mainz, Gr. EmerauSstr. Nr. 27. Dem verehrl. Publikum die ergebenste Anzeige, daß meine Restauration bereits eröffnet habe und halte mich bestens empfohlen. Gute Speisen und Getränke zu jeder Tageszeit. Festessen und Hochzeiten werden zu billigen Preisen übernommen unter Zusicherung bester Bedienung. I. Hcrzierg, Hattingen a. d. Ruhr. empfiehlt sich als!?nD. 2253 Soeben sind vollständig erschienen: Allgemein verständlicher Unterricht für das Selbststudium der Stenografie nach Gabelsberger's System. Von Karl Faulmann, Professor der Stenografie, Vorstand des Wiener Stenografen-VereinS rc. rc. 24 Briefe in Carton, nebst einer Schachtel (2 Dutzend) Stenografiefedern. Preis complet auf einmal bezogen 5 fl. — 10 M. Einzelne Briefe können zum Preise von 25 kr. — 3 d 50 Pfg. apart und ganz beliebig nach und nach bezogen werden. Das Werk hat 24 Lieferungen (Briefe). A. Hartleben's. Verlag in Wien, 1880 1. Wallfischgasse 1. NB. Bei Einsendung des Betrages mit Post- C Anweisung erfolgt Franco-Zusendung. NB. •i i i -itw Wann am Mein. Restauration Um\™ 58 Wenzelgaffe vis ä vis der Hof-Apotheke. ft?“ 5 Minuten von der Klinik und Dampfschifffahrt. 10 Minuten vom Bahnhof entfernt. Streng Küche, reine Weine. Uebernahme von Festessen jeder Art zu reellen Preisen, ft?" Für Studirende ermäßigte Preise, dt S. Samuel. | 2245 Bonn am Rhein. £