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Der israelitische Bote · 1879-04-17 · 16 (17.4.1879) · p. [Seite 5]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
16 (17.4.1879)
Date
1879-04-17
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German
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Beilage zu Nr. 16 des Israelitischen Boten. Leitender Artikel. Aus der Rest - EncyKlopsdie für Mel und Talmud. Heft 4 von vr. I« Hamburger, Landesrabbiner z>l Strelitz in Mecklenburg. (Fortsetzung. Siehe Nr. 39.) III. Geschichte. Die Geschichte deS JudenthumS in seinem weitern Begriff als die Religion, die Religionslehre und das Religionsgesetz der Juden (s. oben) haben wir ausführlich in den Artikeln „Religion" und „Lehre und Gesetz" behandelt, hier soll die geschichtliche Entwicke« lung des Judenthums in seiner engeren Bedeutung als die Wiedergeburt des Mosaismus in seiner Lehre und seinem Gesetze als Religion, nicht so sehr des jüdischen Staates, als vielmehr dejüdischen Volkes gegeben werden. Die Anfänge deffelben werden fälschlich erst in der durchgreifenden Thätigkeit des Esra und Nehemia (s. d.A.) bei der Wiederbegründung des zweiten jüdischen Staates in Palästina gesucht, sie reichen viel höher hinauf und beginnen mit der Regeneration des jüdischen Volksthums durch die Wiedererhebung des Mosaismus zur Volks- und Staatsreligion unter den Königen des Reiches Juda: Josaphat, Joas, Hiskia und Josia (f. d. A.), also nicht erst in der Mitte des 5. Jahrhunderts v., sondern schon gegen den Anfang des 8. Jahrhunderts v. Der Mosaismus feierte also in der Mitte der Judäer um die letzte Hälfte des Bestandes des Reiches Juda schon theilweise seine Auferstehung, weßhalb er von da ab „Judenthum", Religion und Religionsbekenntniß der Judäer genannt wurdet) sodaß „Jude", „Judäer" mit „Anhänger des Mosaismus, Bekenner des Judenthums, gleichbedeutend war?) Nach der Bildung des Zehnstämmereiches und den damit zusammenhängenden Reformationswerken Jerobeams I. (s. d. A.), der eine Verschmelzung des Mosaismus mit dem Heidenthume beabsichtigte, bildete sich in beiden Theilen des Reiches eine Gegenpartei zur Wahrung des alten Glaubens, die ihren Schwerpunkt im Reiche Juda hatte und die Wiederherstellung des Mosaismus und des alten davidischen Reiches, dessen Mittelpunkt wieder Jerusalem und der Tempel auf Zion sein sollten, sich zur Aufgabe machte. Zu derselben gehörten die Gesetzestreuen in Judäa und des Zehnstämmereiches, die Propheten und die nicht abgöttischen Könige im Reiche Juda. So war es schon der König Affa (948—909), der das Volk, dem sich Viele aus dem Zehnstämmereiche anschloffen, bei einem Opfer durch einen Eid zum Festhalten an dem alten Glauben feierlich verpflichtete?) Der König Josophat (909—883) ging darin weiter, er rottete den Götzendienst aus und sandte Priester und Leviten in die Städte, um das Volk mit dem jüdischen Gesetz bekannt zu machen?) Umfassender noch war die Thätigkeit des König Hiskia (716—687); er ließ durch Sendboten Israel und Juda zu einer gemeinsamen Feier des Paffahfestes auffordern. Eine große Volksmenge von beiden Staaten fand sich hierzu auch wirklich ein. Demselben werden auch andere Werke nach dieser Rich¬ II. oder: Der Zauberspiegel. (Unberechtigter Nachdruck ist nicht gestattet.) Die Politik auf der Straße. Komm her! wir setzen uns zu Tisch; Wen möchte solche Narrheit rühren! Die Welt geht auseinander wie ein fauler Fisch Wir wollen sie nicht balsamiren. Göthe. Es war an einem Sonntag Morgen. Die Frühlingssonne blickte vom blauen Horizont freundlich hernieder. Die christlichen Bewohner der Stadt schickten sich überall an, ihren „Tag des Herrn" zu feiern; auf dem Kirchthurm läutete es das Erste, und die ländliche Bevölkerung stellte sich in ihrem eigenthümlichen Festanzug ein, theils zum Gottesdienst und theils um ihre nöthigen Einkäufe für die kommende Woche bei den Gewerbs- und Handelsleuten zu machen. Auf dem Marktplatze vor einem schönen großen Haus, an dem mit großen Goldbuchstaben die Firma: Spetung hin zugeschrieben, sodaß ihn ein späterer Lehrer im Talmud, Hillel II. für den den Juden verheißenen Daviden, Messias hielten?) Am weitesten erstreckten sich die Arbeiten des Königs Josia (640—609). Unter seiner Regierung wurde die kaum dem Namen nach noch gekannte Schrift, die Lehre Mosts (Thora), aus ihrem Versteck hervorgeholt; der Hohepriester Hilkia (s. d. A.) hatte sie aufgefunden und machte hiervon dem Könige Anzeige. Dieser war über diesen Fund höchst erfreut, er ließ sich die Schrift vorlesen und veranstaltete nach dem eingeholten Rath von der Prophetin Hulda (s. d. A.) eine große Volksversammlung mit den Aeltesten aus Jerusalem und Juda, in deren Mitte das aufgefundene Buch der Lehre Mosts vorgelesen wurde. Eine Vereidigung der Anwesenden zur Beobachtung des nun ihnen vorgelesenen Gesetzes schloß den feierlichen Akt. So wurde der Mosaismus wieder zur Staatsreligion erhoben und das mosaische Gesetz war das Staatsgesetz im Reiche Juda. Das darauf gefeierte Passahfest in Jerusalem fiel so großartig aus und ging unter solch gewissenhafter Beobachtung des Gesetzes vor sich, daß es als das einzige seit den Tagen der Richter bezeichnet wurde. Der Götzendienst wurde bis auf seinen letzten Rest vernichtet und die heidnischen Priester verbannt. Diese Arbeiten wurden von einem großen Volkstheile unterstützt, sie hätten eine völlige Umwandlung und mit ihr eine glückliche Verjüngung des Staates bewirken können, aber es war zu spät. Die Zeit war eine andere geworden, äußere Verhältnisse, die sich immer drohender und feindlicher dem Reiche Juda entgegenstellten, ließen keine ruhige Entwickelung des begonnenen Werkes zu. Josias war der letzte König in Juda, der an dem Werke der Regeneration des jüdischen Volksthums durch das Gesetz gearbeitet. Sein Nachfolger hatte keinen Sinn mehr dafür, sie gehörten der heidnisch gesinnten Partei, die wieder zur Herrschaft gelangte. Doch sollte das einmal begonnene Werk nur unterbrochen, aber nicht zerstört werden. Die Gottessaat war ausgestreut und hatte schon einen guten Boden gefunden und in demselben Wurzel gefaßt. Es bedurfte nur noch der Stürme, welche die Luft reinigen und das junge Wachsthum kräftigen sollten. Diese Stürme blieben nicht aus. Gegen das Reich Juda rüstete sich das zur Macht und Herrschaft gelangte babylonisch-chaldäische Reich. Kämpfe auf Kämpfe erfolgten, die mit der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels endeten. Die Judäer wurden ins Exil nach Babylonien gebracht, wo sie in fernem, fremdem Lande nach den schrecklichen Geschicken zum Bewußtsein über ihre religiöse und politische Aufgabe gebracht wurden und an der Wiedergeburt ihres Volksthums und ihrer Religion, der sie auf heimathlichem Boden oft den Rücken kehrten, zu arbeiten begannen. Babylonien war, wenn wir uns eines Bildes bedienen dürfen, der Schmelzofen für Israel, aus dem es geläutert und umgeschaffen hervorging. Es hatte da seine Umwandlung vollbracht, ohne die seine Wiederverjüngung nimmer eine Wahrheit geworden wäre. Der Lehre Mosts mit ihrem Gottesglauben, ihrer Gottesverehrung, mit ihren Mahnungen zu den Werken des Rechts und der Sittlichkeit — wendeten sich immer mehr Herz und Geist der Judäer zu; sie wurde das Panier, um das sie sich schaarten, bildete den Boden, der ihnen das verlorene Vaterland, die eingebüßte Heimat, ersetzen zerei und Schnittwaarenhandlung von ,,Pinheas Sternheimer" angebracht war, bildete sich allmählig eine Gruppe von Männern verschiedenen Alters, welche sich eifrig unterhielt und mitunter dabei gestikulirte. „Es spukt und raucht überall", schloß ein junger Mann ohne Kopfbedeckung in grauer mit grün ausgeschlagener Joppe, mit brennender Cigarre im Munde, über den ein zierliches Schnurrbärtchen hinlief, „es spukt überall", fuhr er in seiner Rede fort. »Die Völker wollen sich nicht mehr knechten lassen. Ja, nicht blos die Franzosen haben revolutionirt, auch die Deutschen rühren sich. In Wien, in Berlin nnd in allen großen und kleinen Residenzen fordert das Volk seine Rechte, und wo man sie ihm nicht giebt, da nimmt es sie sich mit Gewalt. Wir schreiben jetzt 1848! „Alles hörte gespannt auf diese Rede." „Werdend haben, nahm ein ältlicher Mann das Wort", wird gut zugehen, wenn das Volk nimmt. Wirst's bald erfahren, „Strauß", sprach er zu dem jungen Mann gewendet, der mit ihm ein und dasselbe Haus in einer Straße bewohnte. „Wo man sich selbst nimmt, da ist Gewalt und die gefällt mir nicht. Und an wem wird man sich zuerst vergreifen? an uns armen Juden, denen wird man ihr bischen Vermögen zuerst nehmen und jede Partei wird zuerst auf uns sollte. So bot der Mosaismus die merkwürdige Erscheinung; er sollte das Grundgesetz des Reiches Israel und Juda werden, aber kaum daß er zur vollen Anerkennung und wirklichen Geltung gelangte, brach der Staat zusammen, das Reich Israel war nicht mehr, und das Reich Juda hörte bald zu sein auf. Fortsetzung folgt.!) Siehe oben. 2) Jeremia 32. 12; 36. 14. 20. 23. 38. 19.*) Siehe ,Assa' in Abtheilung I. 4) Siehe ,Josaphat'. 5) Siehe Messias' in Abthl. II. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Bonn. Von dem leider erfolgten Ableben des Herrn S. Bloch in Paris haben wir bereits Mittheilung gemacht. Der Verstorbene war 82 Jahre lang Chefredakteur des „Univers Jsraölite" und Nachfolger des rühmlichst bekannten Oberrabbiners S. Klein ^21 in Colmar. Er war der einzige publicistische Vertreter des conservativen Judenthums in Frankreich. Seine Arbeiten fanden große Verbreitung, wir nennen u. A. die Schrift „Äeäitations bibliques“ zu allen Wochenabschnitten. Besonders geistreich, witzig, aber auch oft sarkastisch waren seine „Bulletins" im „Univers Jsraslite". Wir erinnern uns, daß Herr Philippsohn in Bonn einmal einen Artikel unter der Firma »Privatmittheilung" brachte, der einige Wochen vorher im „Univers Jsraölite" gestanden hatte. Darauf schrieb Herr Bloch in der nächsten Nr.: Wir nehmen es Herrn Philippsohn nicht übel, daß er die Quelle des Artikels nicht angegeben hat. Denn *nD,)K DtSO "im "IVIXN WIE Herr Philippsohn will aber vom Moschiah nichts wissen und hat Angst, daß derselbe kommen würde, wenn er die Quelle seiner „Privatmittheilung" angäbe. Sein Verfahren entspricht also ganz seinen Principien. Durch das Hinscheiden des Herrn Bloch verliert das gesetzestreue Judenthum einen tapfern Verfechter. Leider mußte die Zeitschrift schon vor einigen Wochen einem andern Redakteur übergeben werden, der aber andern Principien huldigt. Berlin, 7. April. Die Gebrüder Friedländer feierten am Sonntag ihr 50jähriges Geschäftsjubiläum. Unter den zahlreichen Gratulationen und Geschenken ragte besonders hervor eine mit künstlicher Meisterschaft angefertigte Adresse, welche vom Obermeister des Gewerkes, Herrn Deppe, dem Prokuristen Herrn Herz und mehreren anderen Herren des Geschäfts überreicht wurde. Frankfurt am Main. Der Schriftführer Herr Adolf Tebl6e versandte jüngst den zweiten Jahresbericht über das Mädchenstift. Die große Anzahl von Anmeldungen, die im Laufe des letzten Jahres eiugegangen sind, zeigt uns, wie nothwenig und zeitgemäß die Errichtung einer solchen Anstalt gewesen ist. Augenblicklich zählt die Anstalt 18 Pfleglinge, die sich theils zu Lehrerinnen ausbilden, theils zu losschlagen. Ich habe das Jahr 1819 erlebt und den Gräuel der Verwüstung, welchen der Pöbel in Würzburg angerichtet hat." Die alten Männer in den Gruppen stimmten erschrocken bei. Aber der junge Mann rief wieder: „A bah! Ihr Alten könnt' euch in unserer Zeit nicht finden. Meint immer, ihr müßt katzenbuckeln um jedes gute Wort und sehet in allem gleich Rischus *) Man fürchtet sich i. I. 1848 nicht mehr. Auch für uns Juden ist der Tag der Freiheit angebrochen. In Frankfurt ist ein Parlament zusammen getreten, das die Einheit Deutschlands Herstellen wird. In diesem sitzen die freisinnigsten Männer des Landes und darunter auch Juden. Glaubt ihr, daß eine Versammlung, in der unser Rießer sitzt, etwas Anderes als die vollständigste Emanzipation der deutschen Juden proklamiren wird? Wird nicht der Grundsatz: „Gleiche Rechte und gleiche Pflichten!" zur unbedingten Anerkennung gelangen?" ,,Nun! was sagt Ihr Gelbschnäbel dazu? warf der Handelsmann Altinger ein," in Schößlingen droben ist ber Pöbel dem Fürsten auf's Zimmer gerückt und hat ihn gezwungen, seinen alten Rechten schriftlich zu entsagen, und auch unsere Glaubensgenossen haben mit- *) Judenfeindschaft.

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