Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 16 (17.4.1879)
- Date
- 1879-04-17
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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'-■■r % Der Israelitische Bote. Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark» Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. v. Jahrgang. Erscheint jeden Donnerstag. Verantwortlicher Redacteur Moritz'Baum in Bonn, Expedition: Petersstratze Nr. 8. Bonn, 17. April 1879 (5639). Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10'Pf. Zahlbar hier. Inserate werden bis Dienstag erbeten. /?A Leitender Artikel. Vierter Rechenschafts-Bericht der Talmnd-Hyora-Schute. Französische Sprache. I. Curs: Die Elementar-Grammatik von Plötz von vorn bis Lektion 48; Uebersetzen von Anekdoten, naturhistorischen Stücken, Fabeln und Erzählungen aus dem Französischen. Lesebuch von Ahn; Lehrer Ehrmann. II. Curs: Die Syntax nach der Schulgrammatik von Plötz II. Abthl. Methodische Grammatik. Von Lection 1—40 in Verbindung mit Uebersetzung der Stücke der erzählenden Prosa des Lesebuches von Ahn und einige Bücher des Charles ckouxv von Voltaire, Rabbiner Hirsch. Privatim erhielten viele Zöglinge Unterricht in Musik und einige in der lateinischen Sprache. Es wurde in dem verflossenen Jahre unsere Anstalt von mehr als 50 Zöglingen aus den verschiedensten Gegenden unseres Vaterlandes besucht, 11 derselben haben die Präparanden-Prüfung des 1. Curses gemacht, 6 jene für den 2. Curs und sind von den erwähnten Schülern 5 in die Lehrbildungsanstalt in Würzburg und 1 in das jüdische Seminar für die Rheinprvinz in Köln eingetreten. Der Gesundheitszustand der sämmtlichen Zöglinge war ein äußerst günstiger. Es sind nur leichte, rasch vorübergegangene Erkrankungen und deren nur sehr wenige vorgekommen, so daß fast gar keine Störungen oder Unterbrechungen hervorgerusen worden sind. Obwohl eine hübsche Anzahl unserer Zöglinge reich oder gut bemittelt ist, so befinden sich unter denselben voch viele, deren Eltern üver sehr geringe Mittel disponiren, die daher kräftig unterstützt werden müsien, auch solche, die vollkommen mittellos sind, für deren Existenz wir ganz mnd gar zu sorgen haben. Einige dieser Knaben find Waisen, stehen ganz hülflos und verlassen da. „Edle Brüder und Schwestern!" Solchen unglücklichen, doppelt bedauernswürdigen Jünglingen durch eine kräftige Unterstützung, die man ihnen mit Bereitwilligkeit gewährt, zu einer würdigen Ausbildung behülflich zu sein, zu einer Ausbildung zu welcher ihnen die nöthigen Mittel und die sorgende Vaterhand fehlen, das ist eine hochherzige Handlung, die von dem Vater der Wittwen und Waisen reichlich belohnt wird, die von Ihnen und Ihren Familien alles Unangenehme ferne hält, die den Segen stets kräftiger Ihnen zufließen läßt, uad welche Ihnen das künftige Leben sichert; dies ist eine Handlung, welche die reinste, innigste Befriedigung verleiht, die unserer Nation zum unsterblichen Ruhme gereicht, die die höchsten und heiligsten Güter der Menschheit immer weiter zu verbreiten sich beeifert. In der jüngsten Zeit sind ganz besonders sehr zahlreiche Gesuche um Aufnahme in unsere Anstalt von würdigen, unbemittelten Eltern, von hülflosen Wittwen und von vollkommen verlassenen Waisen an uns gerichtet wordem Da wir aber früher schon um die Aufnahme verschiedener, armer Zöglinge zu ermöglichen, uns verpflichtet haben, privatim für deren Existenz sorgen zu wollen, und da es uns kaum gelungen ist durch die kräftige Unterstützung unserer Freunde und Bekannten, sowohl in der hiesigen Gemeinde, als auch außerhalb, diese schwierige« Verbindlichkeiten erfüllen zu können, indem wir noch eine ziemliche Schuldenlast, die auf diese Weise entstanden ist, zu berichtigen haben, so waren wir zu unserem großen Bedauern vorläufig gezwungen, diese Bitten zurückweisen zu müssen. Es verursacht uns dies immer einen herben Schmerz und bitteren Kummer, weil wir wohl wissen, daß aus manchem dieser lernbegierigen Knaben ein tüchtiger Lehrer, ein characterfester Erzieher, ein würdiger Führer der Gemeinde, ein edler für das Wahre und Gute begeisterter Mensch hätte herangebildet werden können; weil wir überzeugt sind, daß wenn wir in der Lage wären, vielen solch unbemittelten Knaben die Existenz während ihrer Vorbereitung begründen zu können; wir dazu beitragen würden, daß der noch immer fast in ganz Deutschland, besonders in den kleineren Gemeinden herrschende Lehrermangel, diese Lebensfrage für daS Bestehen und für die fernere gedeihliche Entwicklung solcher Cultusgemeinden rasch und radikal in der würdigsten Weise beseitigt würde. Theuere Collegen und verehrliche Herren Cultusvorstände! Wir erlauben uns daher, an Sie die innige ergebene Bitte zu richten,^in ihren Bezirken und Gemeinden mit berevten, vofli^Herzenkommenden und in das Innerste der Herzen dringenden Worten für die Unterstützung unserer Anstalt und dadurch zur Beseitigung der erwähnten Calamität agitiren zu wollen. Da überall jüdische Herzen zu finden sind, Herzen, die mit aller Wärme und Innigkeit für das Glück ihrer Nebenmenschen pulsiren, die mit Vergnügen nach Kräften beisteuern, um Noth und Elend, besonders um geistigen Jammer zu beseitigen, so bezweifeln wir nicht, daß das Resultat Ihrer Bemühungen ein sehr günstiges sein wird. Sie werden dadurch bewirken, daß so manchem hülflosen Vater, so mancher unglücklichen Wittwe die drückende Sorge um die geeignete Erziehung um die würdige Ausbildung ihres Sohnes und um die Begründung, seiner späteren Existenz erleichtert wird. Sie werden dadurch jenen hochherzigen Humanitäts- Bestrebungen unserer Weisen Rechnung tragen, die uns verpflichten, unsere besondere Sorgfalt, unsere äußerst rücksichtsvolle Beachtung in der Erziehung und Aus, Der BauernkSrng und die Jüdin. (Von Johann Czynski.) Fortetzung und Schluß. Sie konnte der Verbindung eines christlichen Fürsten amt einer Jüdin nicht ihren Segen geben. „Ist das Euere feste Meinung?" „Ja, Herr König, und lieber wollen wir den Tod leiden, als einen Fürsten anerkennen, den unser Glaube verwirft." Die Großen entfernten sich. Nicht ein einziger Priester erklärte sich für Kasimir, nicht ein einziger Edelmann trat auf seine Seite. Zum ersten Mal sah er sich von seinen Hofleuten und selbst von seinen Freunden im Stich gelassen. Er blieb bei seinem Weib und seinem Kinde und betrachtete mit Verzweiflung den Sohn, welchem die Unduldsamkeit die eheliche Geburt absprach. Nur der Gesandte des Königs von Ungarn, falsch wie sein Herr, schien den Schmerz Kasimir's zu theilen, und gab ihm zu verstehen, er möge die Krone einem kräftigen, duldsamen, menschenfreundlichen Fürsten zuwenden, welcher sein Werk fortzusetzen geeignet sei. Kasimir hörte ihn an, ohne zu antworten. Er gedachte der letzten Unterredung, die pr^ru4 Ren ^oief aebabt batte.___ Vteruurbreißigstes Kapitel. Die Lösung. Einige Monate nach jenem für Kasimir so schmerzlichen Austritt drängten sich die Bewohner von Krakau mit Thränen in den Augen nach dem Schloß, um sich nach dem Gesundheitszustand des Königs zu erkundigen. Kasimir, in der tiefsten Seele verwundet, voll Besorgniß für die Zukunft seiner Familie und seines Landes, kränkelte. Ein Sturz mit dem Pferde verschlimmerte das Uebel. Die Aerzte, welche das Seelenleiden nicht erriethen, fanden kein Heilmittel. Das Fieber nahm zu und der König spürte das Schwinden seiner Kräfte. Die Gefahr stieg mit jedem Augenblick. Das Volk klagte, als ob Jeder im Begriffe stehe, einen Vater zu verlieren. Aber während Bürger und Bauern weinend das Schloß umstanden und Gelübde für seine Heilung thaten, kamen dieEdelleute vergnügt von ihren Schlössern herbei und vereinigten sich mit den Priestern bei den päpstlichen Legaten und bei dem ungarischen Botschafter. Das dankbare Volk drängte sich zu dem sterbenden Herrscher, die ehrgeizigen Ränkemacher zu seinem Nachfolger. Stündlich kamen Boten des ungarischen Gesandten in's Schloß, um sich theilnehmend nach dem Befinden des Königs zu erkundigen, und kehrten zurück mit der bildung den Söhnen der Armen zu widmen, indem diese häufig die begeisterten Vertreter des wahren Thora-Studiums, die eifrigsten Pfleger der Wissenschaft, die rüstigsten Beförderer der wirklichen Bildung, die unermüdeten Kämpfer für alles Edle und Gute sind. Burgpreppach, im Januar 1879. Der Vorstand des Talmnd-Thora-Bereins: A. Hirsch, Distrikts-Rabbiner, Burgpreppach. Joseph Friemann, „ M. N e u m a n n, „ Meier Sachsendorfer, Ermershausen. Hirsch Frankenberger, Lendershausen. Bilanz. Einnahmen: a) Freiwillige Spenden 5800 M: 24 Pf. b) Beiträge der Mitglieder des Talmud- Thora-Vereins 1073 „ 53 „ o) Unterrichtsgeld 994 „ 68 „ ä) Cassabestand vom 1. Dezember 1877. 2867 „ 25 „ 10235 M. 70 Pf. Ausgaben: a) Laufende Ausgaben 887 M. 69 Pf. b) Neubau 11050 „ — „ c) Lehrergehalte 2231 „17 „ 14168 M. 86 Pf. Bleibt als Passiva 3933 M. 16 Ps. Hierzu kommt eine Hypotheke von 2400 „ — „ 6333 M. 16 Ps. Es bleibt also auf den beiden Häusern des Talmud- Thora-Vereins die einen Werth von 20—25000 M. besitzen, eine Schuldenlast von 6333 M. 16 Pf. Zeitungsnachrichten und Lorrespondenzen. Deutschland. Bonn, 16. April. Aus Berlin schreibt man von einer testamentarischen Bestimmung einer streng religiösen Frau, daß man sie ohne Sarg beerdigen möge. Wie befohlen, so geschah es. Bonn. Aus Coblenz ging uns ein Circular zu, das die Bildung eines neuen Vereines, genannt: rran p*D ‘»pnnö mnn «Verein zur Festigung des Gotteshauses" bespricht. Wir lassen den Wortlaut dieses Circulars hier zum größten Theile folgen: Daß das Gotteshaus nur am Sabbath und Festtagen seine Thore öffnet, um die Betenden zu ver- - Meldung, der König lebe noch, aber sein letztes Stünd-! lein sei nahe. Esterka war aa;t Tage und acht Nächte nicht von dem Krankenbett weggekommen. Sie selber bereitete und reichte die Arzneimittel ihrem Gatten, der nur von ihr bedient sein wollte. Endlich gab sich eine merkliche Besserung in seinem Zustande kund. Er ward seiner Gedanken und der Sprache wieder mächtig. Als er Est rka so angegriffen sah, drang er sogleich in sie, aus einem Spaziergang an der Weichst frische Luft zu schöpfen. Ein Mönch, der das Vertrauen des Königs erschlichen hatte, redete ihr gleichfalls zu und machte ihr eine Pflicht daraus, dem Wunsch des Königs nachzukommen, werl sie neugestärkr ihm wieder um so btssir dienen könnte. Esterka widerstand, gab aber endlich der Bitte des Königs nach und dem 3 iä gen des Mönchs, welcher ihre St-lle bei dem Kranken einzunehm-n versprach. Begle'i.t von einigen Leuten ihres Gefolges, begab sich Esterka aus dem Schloß nach den Hageln am Fluß, aus Weichen sich die sck,önn»n Aussichien eröffnen. Aber sie achtete nicht auf die Herrlichkeit der Landschaft. Eine düstere Ahnung lag drückend auf ihrer Seele und trieb sie nach d,m Krankenden ihres Gemahls zurück. Auf dem Rückweg trat ein Mann mit weißem Bart, hagerem Gesicht und verlrock " gekrümmter Gestalt zu ihr und bat sie unrein