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Der israelitische Bote · 1879-04-03 · 14/15 (3.4.1879) · p. [Seite 8]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
14/15 (3.4.1879)
Date
1879-04-03
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German
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.m Hülfe, wurde aber schroff abgewiese«. Da kam der k. k. Kämmerer und ehemaliger Abgeordneter des Priwitzer-Bezirkes, Herr v. Tarnoczy, der die traurige Lage des Knaben sah und löste die ganze Fahrkarte für ihn Dann eilte er davon, sich den DankrSausbrüchen desrarmen Jungen entziehend. PariS. In dem strenggläubigen England hat be. ranntlich anläßlich eines gegebenen Falles, wo ein armer jüdischer Haustrer, der am Sabbath keine Geschäfte machte, für Haufiren am Sonntage streng bestraft wurde, die Kammer befchloffen, daß Juden, welche nachweislich am Sabbath ruhen, am Sonntag ohne öffentliche Störung Geschäfte machen dürfen. In Frankreich verbietet das famose Sonntagszesetz von 1814 eine derartige Bewegung. Am vergangenen 14. Februar hat nun Herr Maigne in der Deputatenkammer den Antrag auf Abschaffung dieses Gesetzes eingebracht und hat dieselbe trotz des Herrn de 1s, Bassetiere beschlossen, in die Berathung des Antrages Maigne einzutr^ten. — Das israelitische Seminar, welches sich bisher in einer nicht sehr geeigneten Localität des „Boulevard Richard Lenoir" befindet, soll nach einem eigens hiezu zu erbauenden Hause verlegt werden, — Warschau. Jüngst starb hier der älteste russische Arzt, Dr. Philipp Cjubelsky. Im Krimkriege ist er zum Stabsärzte ernannt worden. Er erreichte ein Alter von 101 Jahren und war ein treuer Anhänger des Judentums. — Konstaminopel, 28. März. Aus Kirk-Kiliffa eiugetroffenen Nachrichten zufolge ist das von Israeliten bewohnte Quartier der Stadt von Bulgaren überfallen und geplündert worden. — Auch aus Jaffy berichtet man über Mißhandluugen gegen Juden. — Temeswar. Bor einiger Zeit fand eine Dersteigerung statt, bei welcher auch eine alte, ans Per. gament geschriebene hebr. Bibel mit griechischer Uebersetzung zum Verkaufe kam. Diese Bibel erstand Jemand um 11 Gulden. Kürzlich ist dieses seltene Exemplar, deffen Werth zu schätzen Niemand im Stande war, durch einen Wiener Antiquar um den Preis von 1460 Fl. angekauft worden. — Bnkarest, 29. März. Gutem Vernehmen zufolge hat die Deutsche Regierung in einer sehr energischen Note die Rumänische Regierung darauf aufmerksam gemacht, daß der Berliner Kongreß für das Fürstenthum Rumänien nicht nur Rechte geschaffen, sondern demselben auch Pflichten auferlegt habe. Der Berliner Tractat erheischt volle Ausführung und Rumänien müsse daher dringlichst ersucht werden, nun. mehr die Gleichstellung und die Gleichberechtigung der Juden zur gesetzlichen Regelung zu bringen. B.B.C Rustschrrk. Dem Central-Comite der All. Jsr. wurde über die Israeliten inRustschuk Folgendes berichtet: Die Israeliten von Rustschuk haben viel zu leiden; viele hatten bei Beginn des Bombardements in aller Eile die Stadt verlassen, um nach Schumla, Confiantinopel, selbst bis nach Wien zu fliehen, und fanden bei der Rückkehr ihre Häuser von Soldaten besetzt, die ihnen den Eintritt verwehrten; nur Einige, welche die Vorsicht gebraucht hatten, ihre Häuser von Einwohnern beziehen zu lassen, konnten dieselben sofort wieder beziehen; unter den Unglücklichen» welche mit ihren Frauen und Kindern Quartier suchen mußten, waren Viele, die 3 bis 4 Häuser besaßen und sich nun vergebens bei dem Gouverneur oder den Consnln bemühten, um wenigstens eines wiederzubekommen. Familien von 18 Seelen find noch jetzt in kleinen Zimmern zusammevgedrängt, wo sie enger als in einer Gefängnißzelle wohnen. Hierzu kommt noch ler Ver. lust aller Möbel, die sie nicht hatten mitnehmeu kön. neu und die jetzt, wenn überhaupt wiedergesunden, in Stücken zertrümmert find. Noch härter drückt die Einquartirungslast von 2 bis 4 Soldaten, je nach der Größe des H auses; je mehr die Russen Rumänien verlaffen, desto zahlreicher kommen sie nach Bulgarien, wo sie sich gern aufhalten. — Auch die Synagoge und das neue Echulhaus waren militärisch besetzt worden; die Synagoge wurde schließlich, in Folge der Bemühungen des österreichischen Konsuls, H. v. Mont. long, der Gemeinde zurückgegeben, aber das Schulhaus ist noch in Hände» der militärischen Behörde und wird er wohl bis zum Frühjahr bleiben. Augenblicklich wird der Unterricht im alten Schulhause ertheilt, daS vollständig zerfallen und für die 275 Schüler, die es fassen soll (worunter 125 arme), viel zu klein ist. Um Raum zu gewinnen, hat^man aus dem Cor. ridor, der auf den Hof geht, ein Zimmer gemacht; Sie können sich denken, was die Kinder bei diesem strengen Winter zu leiden haben, so oft die Thür ge. öffnet wird. Mau hat ferner dieIKindrr von 5 bis 7 Jahren, dir nur hebräisch treiben, »ach einem Hause in der Nähe der Schule bringen müffen, wo sie unter Aufsicht eines Rabbiners die Elemente der hebräischen Sprache lernen. Das Lehrerpersonal besteht aus einem Dircctor, 3 Rabbineu und 1 Bulgarifch-Lehrer. der wenig unterrichtet ist und doch nicht leicht ersetzt werden kann, da die wenigen Bulgaren, die Etwas gelernt haben, fämmtlich öffentliche Aemter bekleiden. 2. sr rt Q rw » i<$ ’-S* -V «ft -LZ ü CD ScMften ans l>» Verlage m EMIL HOHOBST BEELIN, Alexandrinen-Strasse 98. .. Gegen Einsendung des Betrages folgt Zusendung des Gewünschten mit directer Post franco! Auch aus meinem Verlage durch jede Buchhandlung zu beziehen. 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