Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Bote · 1879-04-03 · 14/15 (3.4.1879) · p. [Seite 7]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
14/15 (3.4.1879)
Date
1879-04-03
Page
[Seite 7] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9620169-9625151-9624004--134-9624011
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

2; ♦ — Bonn. Die furchtbare UeberschwemUNNg^ welche den Untergang der ungarischen Stadt Szegedin"- herbeigeführt, indem — nach genauer Ermittelung — von 6900 Häusern nur noch 260 übrig geblieben, wird unfern Lesern schon aus den darüber in andern öffentl. Blättern Mitgetheilten bekannt sein. Wir wollen unS daher für jetzt nur darauf beschränken, was uns (nach der Lemberger jüd. Z.) über de dortigen; von dieser.schrecklichen Catastrophe betroffenen Israeliten berichtet ward. „Der Kaiser von Oesterreich besuchte nämlich auf seiner Rundfahrt auch das Zimmer, wo der Rabbiner Löw mit Frau, Mutter. Kindern und Geschwistern Zuflucht gefunden hat. Gleich bei feinem Erscheinen im Zimmer fragte der Kaiser nach dem Rabbiner Löw und erkundigte sich bü den anwesenden Mitglieder» der SzegediU'r isr. Gemeinde, wie es ihnen beim Unglück ergangen sei. Man mußte ihm leider antworten, daß die isr. Schule eingestürzt und die Synagoge überschwemmt sei. Hierauf sagte der Kaiser: Sie können meinerseits auf Unterstützung rechnen." Wir brauchen — weil bekannt — wohl kaum hinzuzufügen, daß von den Vielen, die ihren Tod in den Wellen fanden, die Mehrheit nur mit genauer Roth ihr Leben retten konnten, im Uebrigsn jedoch all ihr Vermögen verloren. So übergehen wir denn auch den Bericht über das entsetzliche Elend und daS edle Vorangehen deS Kaisers und seiner hohen Familie bei den sowohl innerhalb als außerhalb deS Reiches schon gespendeten Unterstützungen. Die in andern Zeitungen bereits ergangenen Aufforderungen zur Hülfe habe» uns zwar der Rothwendigkeit überhoben, selbst noch einen befondern Aufruf zu erlaffen; doch haben wir — ob wir auch oben genanntes Faktum (nämlich den Besuch des Kaisers) nicht unerwähnt laffen zu? müssen glaubten —, doch kanm erst hervorzuheben nöthig, daß eS hier gilt, — ohne Rücksicht auf die verschiedenen Confessionen — rasche und thätige Hülfe zu leisten und die Beiträge einer von den zu deren Empfang namhaft gemachten Commissionen einznsendrn. — Mögen die hart Betroffenen —, wenn fie an ,d;m hrrannahmdeu Feste auch im wörtlichen Sinne' „das Brod der Roth" lechem aunigenießen, — die Hoffnung neu beleben, daß mit der Hülfe GotieS und den ihnen ertheilten Unterstützungen ihnen mindestens das werde ersetzt werden, was zu ersetzen ist und daS Wort des Kaisers, — wie wir es mit unserm Wunsche wiedergeben — sich bald erfüllen: daß Szezedin aus feinen Trümmern sich werde erheben und blühender und schöner, als je. werde hergestellt werden. Die Geschichte einer Spende. Ein ungarisches Blatt erzählt folgendes amüsante HistörchenEs erregte allgemeines Aufsehen, daß der Oöergespan des preffburger Komitates Graf Palffy zu Gunsten der szegediner Verunglückten 80000 Gulden spendete. Alles suchte nach den Gründen dieser, selbst bei diesem hochherzigen Magnaten ungewöhnlichen Mumfizenz. Wir erzählen die Geschichte, wie wir fie aus glaubwürdigster Quelle erfahren: Im Nationalkasino war ein Subskriptionsbogen angelegt. Der israelitische Kaufmann Schoßöerger von Tornya wird zur Sub° spription aufgefordert. Schoßderger ergreift den Bogen, addirt die bis dahin eingegangenen Spenden und unterschrieb die Summe dieser Addition. Graf Paiffy der Zeuge war, trachtete Schoßberger mit edlem Wetteifer „abzukochen." Er unterschrieb 50.000 Gulden, und, setzt das genannte Blatt maleziös hinzu, Scboßberger wünschte den Grafen Palffy nicht zu überragen." — BüRN. Priv. Mitth. Die israelitische Gemeinde in Buttenhaufen bereitete am jüngsten Purimfeste, ihrem Lehrer eine überraschende Ovation. SämmtliHe Gemeindeglieder versammelten sich um denselben im „Schweizerbof" und die israel. Kirchenvorsteher überreichten demselben als Andenken eine goldene Remontoir-Uhr mit goldener Kette. Diese Anerkennung ehrt ebenso die Geber, wie fie den überraschten Empfänger erfreute. — Bonn, 12. März. In Lichterfelde bei Berlin starb gestern früh nach mehrwöchentlichem Leiden David Born, ein auch in weiteren Kreisen durch feine verdienstliche Thätigkeit, insbesondere auf wirthschaftlichem Gebiete, bekannter Mann. David Born war einer der erüen Jünger, die sich Prince Smith schon vor dem Jahre 1848 für die Lehre und Ausbreitung der Prinzipien des Freihandels hier erwarb. Nach 1848 ging David Born nach England und fand mit feinem offenen Blick und Verständniß für die Erscheinungen des wirthschaftlichen Lebens auf industriellem wie kommerziellem Gebiet dort reiche Gelegenheit, fein Wissen und seine Erfahrung zu bereichern und sich durch diese für die Richtung des Freihandels nur um so mehr zu bestärken. Nach Deutschland zurückgekehrt, entfaltete er hier in Berlin wieder eine lebhafte Antheilnahme an allen politischen und wirthschaftlichen Fragen im öffentliche» Leben wie in der Preffe. Auch an der kommunalen Entwickelung unserer Stadt nahm er lebhaften Antheil. Der Verein für die Interessen der Grundb'sitzer zählte ihn zu feinen Mitbegründern. Der lichtei-fe^der Bauverein, den David Born ins Leben gerufen, verliert mit ihm feinen Direktor. Sonst stets von großer Frische des Geistes und des Körpers, wurde der verdienstvolle Mann vor einigen Wochen von einem Leiden befallen, das ihn, im Alter von 63 Lebensjahren, dahinraffte. Die Beerdigung fand am Donnerstag. Nachmittag 3V2 Uhr, von der Leichenhalle des jüdischen Begräbnißplatzes zu Berlin aus statt. — Der Verstorbene war ein geschätzter Mitarbeiter der Voss. Zeit, (als daffelbe noch den Namen ,UrwählerZtg." führte) in den ersten 50er Jahren. — Bonn. Aus Hamm a. d. Sieg theilt man uns unter der bezeichnenden Ueberfchrift „Unglaublich, aber doch wahr!" folgende Thatsache, die eine wirklich eigenthümliche Illustration zu „dem^ Zwecke, der die fgPM. --II—U—HUJ-L” „Mittel heiligt," ist — mit. Vor etwa 3 Wochen war's — da kam zum dortigen isr. Lehrer ein Fremder, mit der Bitte, ihm zu gestatten, am nächsten Saböath die Predigt halten zu dürfen. Wie's nicht anders denkbar, wies der Lehrer dieses unerhörte Ansuchen des Fremden, in dem er nicht unschwer einen Missionsprediger erkannte, mit Entschiedenheit zurück. Trotz dieser Abweisung fand sich der erkannte Unbekannte, von Nächstenliebe (?) beseelt und getrieben, am Sabbathe vor der Synagoge ein, doch in richtiger Erkmntniß der Sachlage ließ man den frommen Prediger nicht zu. Entrüstet begab sich der Zurückgewiefene in die Wohnung des Vorstandes, wo er, da dieser nicht zu Hause, bei der Frau deffelben sich über das ihm angethane Leid und Unrecht (?) bitter beschwerte. Es wurde ihm jedoch die Zurechtweisung, es sei fein Anfinnen doch etwas gar zu dreist und unverschämt, er sei zudem ja auch einer anderen Konfeffrsn angehörig. Der Brave verduftete hierauf. Wir theilen den Fall zur gefl. Kenntnißnahme und Nachahmung der Abwehr mit, denn daß die Unverfrorenheit des Unbekannten so weit gehen wird, auch anderorts vorzusprechen, ist nach solchen Proben wohl sicher. Es ist wirklich schade, daß daS Signalement des Judenbeglückers nicht ausgenommen wurde. Sollte sich Gelegenheit zur Aufnahme bieten, so bitten wir doch ja um gefl. Berücksichtigung, solche Leute müssen „populär" werden. — Köln, 31. März. (Privat-Mittheilung.) In vergangener Woche fiedelte das hiesige Lehrer-Seminar in seine neuen Lokalitäten über. Man muß dem Cmaiorium Dank wiffen für die gute Wahl, denn das Haus Thieboldsgaffe 81, in welchem sich nunmehr das Seminar befindet, ist eine schöne und geräumige Aquifition. Neben der Wohnung des Direktors. Hrn. Dr. Plato wird auch eine hübsche Synagogeneinrichtung in dem neuen Gebäude Platz finden. Es wird, wie bisher, das Institut auch in den neuen Räumlich, keiten der Stadt Köln zur Ehre > und zum Nutzen gereichen. — Dresden, In der am 3. Januar d. I. stattgehabten Sitzung des Stadtverordnetm-Collegiums ist der bisherige zweite Vic-vorsteher deffelben, Herr Advokat und Notar Emil Lehmann, Vorsteher der hiesigen Religionsgemeinde und Landtagsabgeordneter, zum ersten Vicevorfteher des Stadtverordneten- Collegiums gewählt worden. — Wien Am Dienstag, dm 11. März, Vormittags 11 Uhr, ist im isr. Tempel in der Seitenstettengaffe die Trauung des Herrn Adolf Deffauer, des Direktors der Depositenbank, mit der Schauspielerin Frl Antonie Linck vollzogen worden. — Töt-Megyer. Eine schöne That. Auf der Eisenbahnstation befand sich dieser Tage ein jüdischer Knabe, dem zum Preise der Fahrkarte an seine« Be. stimmungsort noch einige Kreuzer fehlten. Er wandte sich darum mit klopfendem Herzen an einige Reifende Die Monate. Mel: Im Januar rc. 1. Im Nissan ist, o welche Freud'! DaS schöne Peßachfest: Vom Sclavenjoch hat Gott befreit Uns, die er nie verläßt. Am Sedertisch mit sreud'gem Sang Dem Herrn wir zollen Dank! 2. Der Jjar dann gar bald erscheint, De« Kindern bringt er Freud'; Sie zieh'n dann alle froh vereint Hinaus zur Frühlingszeit. L a g-B'o m e r f e st mit Freud und Lust Erhebst des Kind».s Brust! 3. Und im Sivan, welch heil'ger Tag, Der dann uns allen naht; Zu uns der Herr da deutlich sprach: Die er erwählet hat. DaSSchwuothfest zieht bei unSein UnS alle zu erfreu'«. 4. Sobald nun kommt d:r TammuS her, Der Jubel auch verrinnt, Da winkt uns keine Freude mehr, Die Trauerzeit beginnt. Der siebzehnte schon kündigt an, Mas Leid uns ward gethan. 5. Im Ab, o welcher tiefe Schurerz Uns alle da ergreift, Der Trauer voll ist unser Herz, Und Klag' aus Klag' sich häuft. Zerstört ward das Palladium, DaS göttlich Heiligthum. 6. In Ellul wir vernehmen schon, Zu mahnen alle Welt, Des Schofars mahnend ernsten Ton, Daß Jeder Umschau hält. Wem jener Ton zu Herze« dringt, Dem Herzenruh' er bringt! 7. Im Tischri, o welch heil'ge Zeit Für unS da hebet an, Wer feine Fehler nur bereut, Dem Heil erblühen kann. Dies' FesteSzeit, dies' heil'ge Zeit Ist eine schöne Zeit. 8. Der Chefchwon, der dann folget, ach! Kein' Festesfreud' läßt seh'u; Die Bäume kahl, die Felder brach, Die Herbstesstürmen weh'n. Wehmüthig werfen wir den Blick Auf verhallte Freud zurück. 9. Der Kislew nicht so garstig ist, Er Freud' uns kosten läßt, ES ist das Fest, ihr all' es wißt, Das schön' Chanukahsest. Chanukahlicht, dein holder. Schein Mög' stets uns all' erfreu'»! 10. Und ist vorbei dies Fest, so hehr, Im Tewes steh'n wir da/. Der ist doch gar so freudenleer, Der Winter haust dann ja. Auch er läßt uyS am zehnten feh'n, WaS Leids uns ward geschehen. 11. Ein beff'rer Mond ist doch der S ch'w a t, Schaut nicht so grimmig drein, Wenn auch für All' er Freud' nicht hat, Doch für die Kinderlein : Dem fünfzehnten gar hoch entzückt, DaS Kind entgegenblickt. 12. Und im Adar, und im Adar Der Purim zu uns tritt, Ein schönes, lust'ges Fest fürwahr, Bringt Freud und Jubel mit. DieS letzte Fest im Jahreslauf Wird niemals hören auf. Meppen. I. Herzberg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.