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Der israelitische Bote · 1879-04-03 · 14/15 (3.4.1879) · p. [Seite 1]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
14/15 (3.4.1879)
Date
1879-04-03
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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Der Israelitische Bote. Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. v. Jahrgang. Erscheint jeden Donnerstag. Verantwortlicher Redacteur Moritz Baum in Bon«, Expedition: Petersstratze Nr. 8. 'gönn, 3. April 1879 (5639). Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pf. Zahlbar hier. Inserate werden bis Dienstag erbeten. ML/' Mo. 14 «nd U Leitender Artikel. Zu h-nn roty. Gleich denjenigen, die da am Vorabende großer Ereignisse stehen, peinlich schwebend zwischen Bangen und Hoffen, ängstlich erzitternd und wiederum freudig aufjauchzend bei dem Gedanken an die plötzliche Umwälzung der Dinge; also mochten wohl unsere Vorfahren an jenem allerersten rntP, an jenem großen und bedeutungsschweren roXP, am zehnten des Monats als sie sich auf Befehl Gottes in W22V zum ersten NOD-Feste vorbereiteten, von wechselnden Gefühlen und Empfindungen wild bestürmt und hin und her geworfen worden sein. — So wie der Eingekerkerte ängstlich durch's enge, düstere Gitterloch spähet, um den leisesten Hoffnungsstrahl, der in die stnsteren Räume seines traurigen Gewahrsames einzudringen vermag, zu einem zündenden Feuer, zur hell auflodernden Flamme in seinem Innern anzusachen; wie er aber bebend zurückschaudert, wenn er auf die Fesseln sieht, an die sein hartes Geschick ihn angeschmiedet; wie er in neuen, betäubenden Schrecken zurücksinkt, wenn er den dumpfen Ton seiner klirrenden und rasselnden Ketten vernimmt; wie er der Verzweiflung nahet, wenn das strahlende Licht, das seine Augen geblendet hatte, der stnsteren Nacht wieder den Platz räumt; also mochte wohl damals die bewegte Menge in jenem entscheidenden Augenblicke der nahen, großen, wunderbaren, göttlichen ewigen Freiheit und ewiges Glück verheißenden Stunde ihrer Befreiung aus Tyrannenmacht mit ungeduldig pochendem Herzen erwartungsvoll entgegenharren. Groß uud bedeutungsschwer war jener ewig denkwürdige Tag für das seiner baldigen Erlösung entgegensetzende Volk Israel; groß und bedeutungsschwer war dieser Augenblick für die gesummte Erde, die gleichsam in ihren Grundfesten erschüttert werden sollte beim Erscheinen Gottes als huldreicher Vater für Israel und als strafender Richter für Pharao und dessen Volk; groß, bedeutungsvoll und furchtbar erhaben war jener Tag dem Herrn selbst, als sein heiliger Name verherrlicht wurde in aller Welt; eine Vorbedeutung auf jenen einstigen #2131 7lTl D’P großen und furchtbaren Tag, der den frommen Duldern ewige Freude, den verstockten Sündern hingegen ewigen Jammer bringen wird. Als würdige Vorbereitung zum nahen NVD-Feste möge dieser rüX& auch uns mit religiösen Gefühlen erfüllen, zu schönen Hoffnungen veranlassen und in unsrem Gottvertrauen stärken und befestigen. Unsere Religion ist die Religion des Herzens und eine Religion des Geistes; sie soll uns spenden ein 2intD 2b und vdj ni2, nach dem Worte des Psalmisten (Ps. 51, 12): Bnn p: rmi *rn t™ 2b Ein reines Herz verschaffe mir, o Gott, und einen geraden Geist erneuere in mir! Lichtverbreitend und glückspendend soll sie wie die Sonne über des Frühlings junges Grün sichüber unser ganzes Leben ausbreiten und in unser Thun, Denken und Fühlen eindringen. Wenn wir daher beim Herannahen des Festes regsam und geschäftig sind, um unsre Häuser bis in die geheimsten Winkel zu durchsuchen, ob sich kein pn vorfinde; so möge sich hieran die Mahnung knüpfen für uns, die Glaubenswahrheiten die aus dem Feste hervorgehen, in uns aufzuuehmen, alles dasjenigehingegen zu entfernen, was auf unsere Tugendhaftigkeit und Religiösität schädig einwirken könnte. Beim Wegräumen des 21KIP/ des Sauerteiges möge der Gedanke sich in uns lebhaft regen, die Verführung — in der Sprache unsrer WV2I2 mit dem Namen 21Kt5> benannt, weil sie QY-inS ]>DnD ist, Anderen das Leben versäuert — aus unsren Grenzen zu entfernen! Das p!2, als Bild des sich ausblähenden Stolzes, sei verbannt aus unsren Bezirken. Das Glühen möge uns lehren, daß das Feuer für Religion und Tugend mit seiner Kraft alles Unedle in uns verzehren solle; das ptiO sei uns das Sinnbild, wie das omntö D^D, das Wasser mit seiner reinigenden Kraft in alle Fasern eindringe, um hinwegzuschwemmen alles Unheilige, um abzuspülen jeden auch noch so tief sitzenden Flecken, der noch an uns haftet, um uns — rein, körperlich und geistig rein hinzustellen vor Gott! Wenn aber auch die Religion uns in Herz und Geist wohnen soll; so dürfen wir deßwegen die praktische Ausübung der Ceremonialgesetze nicht für minder wichtig erachten. Denn so wie das Land, wenn es des Regens ermangelt, verdorrt und vertrocknet, so wie der Bach, wenn ihm ajcht stets neue Säfte zufließen, endlich zerrinnt ^üd so wie der Baum, wenn er nicht unaufhörlich Lebenskraft aus seinen Wurzeln saugt, wenn er seinem Körper die Nahrung versagt, unmöglich seinem Leben durch die innere Kraft allein eine längere Dauer und Erhaltung verschaffen kann; — ebenso verhält es sich mit unsrem geistigen Seelenleben. Die Kraft hat Gott in's Innere gelegt; doch die Nahrung muß von Außen kommen. Seht sie nur an, jene aufgeklärten, sich mit ihrem modernen Judenthum brüstenden Geister! Höret sie, wie sie über unsre alten Koriphäen den Stab brechen; wie sie für Hebung des Gottesdienstes in ihren Tempeln durch Orgel und Gebetkürzung wirken; wie sie mit einem Wortschwalle hohler Phrasen von ihrem Judenthume predigen; die min 22D zwar mit Pomp und Chorälen aus- und einheben, aber draußen im Leben, wie drinnen im Hause die Vorschriften der min mißachten; wie sie ihre Kinder mit allen Sprachen und Wissenschaften, nur nicht mit der heiligen Sprache und mit der Wissenschaft der min bekannt machen; wie sie vom Geiste des Judenthums durchdrungen zu fein vorgeben, dieses selbst aber, sowie es uns in der schriftlichen und mündlichen Lehre gegeben fund überliefert, worden, dem größten Theile nach über Bord werfen! Kann bei einer solchen Nahrung die edle Pflanze aus dem Garten Gottes gedeihen? Kann unser armes heranwachsendes Geschlecht sich für den Glauben und dessen Satzungen erwärmen, von welchen es im Hause oft kaum eine Spur gewahrt, im Tempel nur Oberflächliches sieht und hört, und in der Schule nur Spärliches ihm gereicht wird? Wie anders war dieses Alles bei unsren, noch nicht mit dem Zeitgeiste fortgeschrittenen Alten! — Wenn diese in ihrer wirklichen, wahren, ächten, heiligen Begeisterung, eingedenk des niUDn nx DniDtn, ihre größte Sorgfalt darauf legten, diese niHD genau und vorschriftsmäßig auszuüben und darum jeder Hausherr es sich angelegen sein ließ, beim Zubereiten seiner ni¥D selbst mit thätiger Hand mitzuwirken, und sein Augenmerk darauf zu richten, daß ja kein ymn t^t^n vorkomme; wenn dann an den festlichen 22V-Abenden die Väter ihren Kindern die nTin erklärten, während sie selbst auf ihren Thronsesseln sich Könige dünkten; torim sie beseelt von dem -pp mm, es sich zur Lebensaufgabe machten, 1222 >2 bv 1V& TOn, ihre rDlDKl min auch auf ihre Nachkommen als heiliges Erbgut zu übertragen; so lag in diesem Allen eine innere Beseligung, von welcher unsre heutige Jugend in ihrem bornirten Wissensdünkel und in ihrer Verflachung auf dem Gebiete der Religion kaum mehr einen Begriff haben und die durch all' das eitle Tempelägeprnge eines zeitgemäß veredelten Gottesdienstes nicht hervorgerufen werden kann. Soll daher der nntP, soll das NOD-Fest in Wirlltchkeit wieder, wie sie dies zu früherer Zeiten gethan, ihre heilsame Kraft auf uns und unsre Kinder üben; so lasset uns alle heiligen Observanzen mit Herz und Geist ausüben, aber ganz besonders 'dem erhabenen Ziele zustreben, daß das wahrhaft jüdische Element wieder Platz greife in den Herzen der Heranwachsenden Jugend! Tpp mm. Ja möge jeder Barer, jede Mutter, jeder Lehrer, und überhaupt ein Jeglicher, der sich dazu berufen fühlt, sein Scherflein dazu beitragen, die verheißene Zeit Herbeizuführen, wo der Herr uns führen wird .221X2 222XD aus der Dunkelheit, in welcher gar Viele unserer Brüder und Schwestern über unsere heilige Religion schweben, zum hellen strahlenden Lichte der einzigen, ewigen Wahrheit, i^i^n ntiHn rrvw i^-H 2Dx:i . Möchten wir auch unser NVD-Fest, diesem seinem erhabenen Sinne entsprechend feiern! 212Q1 2ÜD 2D2 mögen die frommen Gesinnungen in uns anregen, die ihnen zu Grunde liegen! NOS stärke uns in Gottesvertrauen, aus den besonderen Schutz hinweisend, mit welchem Gott seine Verehrer umgibt. 212Ü1 nUD sollen uns lehren in der Der Bauernkönig »nd dir IM». (Von Johann Czynski.) Beruhige Dich, Gott wacht über Polen. Esterka ist schwanger. Kasimir wird nicht ohne Leibeserben aus dem Leben gehen." „Sie ist schwanger!" wiederholte Ben Josef gleichgültig. „Binnen drei Tagen wird sie niederkommen." „Binnen drei Tagen!" „Die Aerzte haben versichert, vor Sonntag könnte der König den Thronerben in seinen Armen haben," sagte Gregor. „Den Thronerben!" wiederholte Ben Josef mit bitterem Lächeln. Und die Hand Gregors ergreifend, sagte er: „Freund! die Lösung naht. Die Geburt eines Kindes von Esterka und Kasimir wird entscheiden, wer Recht gehabt hat: Der, welcher in Ruhe seiner Herrschaft genießen, oder Der, welchAchi durch Krieg das Glück Aller und den ewigen Frm. $ sichern wollte." Dreinuddreißigst/^.^tit e l. D°r Thro/^'K Wenn man bei Festen u barkeiten Esterka beobachtet hätte, so würde man zuweilen Thränen bemerkt haben, die sich unter ihren Wimpern hervorstahlen, und erstickte Seufzer, welche ihr geheimes Leiden verriethen. Das Uebelwollen des ganzen Hofs, welcher einer Jüdin ihre Erhebung nicht verzeihen konnte, erregte ihr tausendfachen Verdruß und unzählige Demüthigungen, denen sie sich nicht entziehen konnte. Mehr als einmal hatte sie an den Wänden des Palastes gelesen: „Hof einer Jüdin, Königin von Jerusalem, Schneiderstochter." Oft rannte man ihr im festlichen Gedränge spöttische oder beleidigende Worte zu. Die Frauen der Großen, eifersüchtig auf ihre Schönheit und ihren Rang, ließen keine Gelegenheit unbenutzt, sie ihren Haß fühlen zu lassen. Was sie nicht offen auszusprechen wagten, das drückten sie bald durch einen verachtenden Blick aus, bald durch ein Geflüster mit höhnischem Lächeln, bald durch einen berechneten Mangel an Rücksicht. Ein Mal erschien um Mitternacht bei einer Mummerei eine Frau von feinem Wuchs und majetätischem Gang. Alle Blicke wandten sich nach ihr. Da warf sie ihr Oberkleid ab, und stand in der Tracht der Jüdinnen da. Allgemeines Gelächter verrieth, wie sehr dieser Streich gefiel. Esterka überwand ihren Schmerz. Sie lief in ihr Zimmer, kleidete sich um, und erschien wieder in der Tracht einer jüdischen Königin, mit einer helmartigen Krone, einem Halsband von Saphiren und Smaragden, einem reiche gestickten gestreiften Leibchen und einer Tunika über dem reichen Gewand. Dieser Putz paßte so vortrefflich zu der Art von Schönheit, welche sie besaß, und machte solchen Eindruck, daß alle Vorurtheile schwanden und sich in einem Gemurmel der Verwunderung verloren. Die Chronikschreiber versichern, sie sei in diesem Augenblick so schön gewesen, daß alle Anwesenden von ihrem Anblick hingerissen, dem König seine Liebe zu einer Jüdin verziehen hätten. Rokiczana, welche von ihren eigenen ehemaligen Feindinnen verhetzt, den Streich gespielt hatte, verließ beschämt den Saal. Aber Esterka wußte solche Streiche nicht immer mit derselben Geistesgegenwart erfolgreich abzuwehren. Sie erröthete und gerieth in Verlegenheit, wenn die Hofleute ihr Juden vorstellten, welche sich für Verwandte oder ehemalige Freunde von ihr ausgaben. Sie konnte ihren Verdruß nicht verhehlen, als der Kaiser Karl mit der Herzogin Elisabeth tanzte, ohne ihr dieselbe Ehre zu erweisen. Unter den auswärtigen Fürsten gab sie dem König Ludwig von Ungarn den Vorzug, welcher die Zuneigung Kasimir's sowohl wie der polnischen Edelleute zu gewinnen wußte, und zugleich bei jeder Gelegenheit sie, die Jüdin, als Gemahlin Kasimir's und als Königin von Polen behandelte. Kasimir war glücklich. Nachdem er Alle vff t&. seG

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