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Der israelitische Bote · 1879-03-13 · 11 (13.3.1879) · p. [Seite 3]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
11 (13.3.1879)
Date
1879-03-13
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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flichen Aeußerung keinen konfessionellen Haß habe gen wollen, daß er vielmehr sein Urtheil aus der ..ualigen Zeitstimmung heraus formulirt habe. Er selber zähle nicht wenige Juden zu seinen näheren Bekannten und Freunden, er habe nur gegen die deutschschädlichen Einflüsse dieses internationalen Bankhauses seine Entrüstung ausdrücken wollen. Sein Urtheil sei ein rein historisches und er könne persönlich davon Nichts zurücknehmen. Wir sind in letzter Zeit gewohnt aus Kreisen Schmähungen zu hören, in welchen man Intelligenz vermuthen dürfte. Bon einem Herrn v. Ludwig nehmen wir sie ohne viel Aufhebens entgegen als eine Bereicherung ungeschickter Angriffe, die auf den Angreifer zurückfallen und denselben charakterisiren. Wenn aber eilt Geschichtsprofessor der ersten deutschen Universität von den Einwirkungen von Ammenmärchen, welche eine unverständige Pfaffenwelt gezeugt und verbreitet, sich nicht freizuhalten vermag, so haben wir nur ein mitleidiges Lächeln für ihn. Im Uebrigen steht die Logik des Herrn Professors Treitschke, wenn die vorstehende Mittheilung in allen ihren Theilen dem Sachverhalt entspricht, auf sehr schwachen Füßen. Wenn Jemand sagt: „Um eines Judenhauses willen, das die Schattenseiten seiner Race sichtbar zur Schau trägt," so nimmt sich seine Erklärung, „daß er mit der fraglichen Aeußerung keinen konfessionellen Haß habe erregen wollen" wunderbar aus. Wenn Herr v. Treitschke ferner derartige Urtheile „aus der damaligen Zeitstimmung heraus formulirt," so soll es uns nicht Wunder nehmen, wenn v. Treitschke, v. Ludwig uird Consorten beim Landtage die Forderung stellen, die Juden als gemeingefährlich und schuldig an der allgemeinen Nothlage in ihre Ur- '-eimath zurückzutransportiren. Es ist traurig, daß heutzutage nicht die heiligen Hallen der Wissenschaft geschont werden und in ihren Schmähungen einer ganzen Gesellschaft wiederhallen. W. Breslau. Bezüglich des Prozesses, welchen die hiesigen Referendare gegen den Redacteur der „Schlesischen Volkszeitung" angestrengt hatten, noch folgendes Nähere. Die hier erscheinende „Schlesische Volkszeitung" hatte am 21. Juni vorigen Jahres einen schmutzigen Artikel vom Stapel gelassen, in welchem den jüdischen Referendarien die gemeinsten Jnvectionen entgegen geschleudert, und „Schmierigkeit" und Unverschämtheit" vorgeworfen wurden. Dieser Artikel hat begreiflicher Weise s. Z. großes Aufsehen erregt. Wagte man es doch, einen Stand zu begeifern, dem man seiner hohen Aufgabe wegen eine gewisse Scheu entgegentrug, 'und ihn mit in die Judenhetze hineinzuziehen. Man glaubte anfangs, die christlichen Referendarien würden aus eigener Initiative gegen ein solches Vorgehen Protest erheben, was jedoch nicht geschah; ja, man bezeichnete einen christl. Juristen als Verfasser jenes Artikels. Es' erschien sogar ein Separatabdruck und überall wurde die Bwschüre „Der jüdische Referendar" feilgeboten und fand dieselbe einen solchen Absatz, daß sie zehnmal aufgelegt und in 10,000 Exemplaren verbreitet wurde. Die Polizei gab die Erklärung ab, daß kein Grund zur Beschlagnahme der quäst. Broschüre vorliege. Die jüd. Referendarien beantragten nun bei der Staatsanwaltschaft eine Bestrafung des Verfassers und des Redakteurs der „Schles. Volks-Zeitung". Die Verhandlung fand am 22. Januar statt und wurde schließlich das bereits in Nr. 7 gemeldete Urtheil verkündet. Die Schmähschrift trug dem Redacteur 100 Mark Geldbuße ein. Wir enthalten uns jeder weiteren Bemerkung darüber, ob diese geringe Strafe in irgend welchem Verhältnisse zu der Beleidigung steht, die einem ganzen Stande angethan. Neueren Mittheilungen zufolge hat der Verklagte auch gegen diese Strafe Berufung eingelegt. — Bei der jüngst stattgehabten engeren Wahl für den Reichstag wurde Herr Justizrath Freund (Jude), zum Abgeordneten gewählt. Herr Justizrath Freund ist bereits Mitglied des Abgeordnetenhauses und gehört der Fortschrittspartei an. Posen. (Or.-Corr.) Bor Kurzem wurde die Nachricht verbreitet, ein Rabbiner unserer Provinz sei in communistische Umtriebe verwickelt. Die „Bromberger Zeitung" theilte vor nicht langer Zeit im redactionellen Theile mit, bei einem in Wien verstorbenen, reichen Rentier jüdischer Confession seien Papiere vorgefunden worden, welche denselben als Führer der „Internationale" auswiesen. Unter der Correspondenz befänden sich Schriftstücke, welche einen Bromberger Rabbiner Dr. R., als gleichfalls betheiligt, verdächtigen. Ein auf einer Amtsreise Bromberg passirender Criminalbeamter überzeugte sich durch einen Besuch bei Dr.R. speciell durch das Alter desselben von der Grundlosigkeit der Verdächtigung. Dies zur Aufklärung jener dunklen Nachricht. Bromberg. (Or.-Corr.) Der Ostdeutschen Presse entnehmen wir, daß in Wilna eine geheime Post zur Beförderung hebräischer Schriftstücke, welche sich über den größeren Theil Rußlands erstreckte, entdeckt worden sei. Nach Stephan'schem Muster seien auch Damen als Beamte thätig gewesen. Nach den amtlich gemeldeten neun Pestkranken dürfen wir noch einen derartigen Humbug als Zugabe nicht beklagen. Altona, 25. Febr. Der Gemeindesekretair Herr Louis Falk eine sehr beliebte und hochgeschätzte Persönlichkeit hiesiger Gemeinde feierte am Sonntag dieser Woche sein 25jähriges Dienstjubiläum. Der Vorstand und die Repräsentanten überreichten bei dieser Deranlasiung dem Jubilar in Anerkennung seiner treuen Dienste ein Werthobjekt in Gestalt einer Obligation. Der Vorsitzende des Vorstandes Herr Rechtsanwalt Heymann sowie seiner Hochw. Herr Oberrabbiner Dr. Löb hielten Ansprachen an den Jubilar; die Ansprache des Letzteren beantwortete der Jubilar mit einer schönen hebräischen Erwiederung. Auch von vielen anderen Seiten wurden dem Jubilar zahlreiche Ovationen zu Theil. — Der Obercantor der hiesigen Portugiesischen Gemeinde Herr M. Piza, welcher über 50 Jahre sein Amt versah, starb heute in dem hohen Alter von 84 Jahren. Wegen seines schlichten, biedern Characters war er eine der beliebtesten und populärsten Persönlichkeiten Hamburg-Altonas. Bis kurz vor seinem Tode verwaltete er sein Amt und erfreute bis dahin die Hörer mit seiner kräftigen klangvollen Stimme. Oesterreich. Kalusz (Galizien). (Unlieb verspätet). (Or.-Corr.) Mit Freuden theile ich Ihnen von einem, für die hiesige Gemeinde bedeutungsvollen Ereignisse mit. Mit Schmerzen gewahrten wir stets die große Armuth, von der so Viele in unserer Nähe heimgesucht sind. Um diesem herrschenden Elende einigermaßen entgegenzutreten, hat sich hier eine Genossenschaft gebildet, die bereits 200 Mitglieder zählt. Diese haben sich neulich bei dem hiesigen Unterrabbiner, Herr Eisig Roth versammelt und wurde als Hauptaufgabe dieser Vereinigung hingestellt, kranke Mitbrüder zu pflegen und Obdachlosen und überhaupt Verlassenen ein Unterkommen zu gewähren, und sie physisch und moralisch zu unterstützen. Der Verein nennt sich Tlpajn$in „Krankenvisitationsverein" und verspricht ein segensreiches Wirken zu entfalten. Möchte doch dieses Streben zum Wohle und Heile aller Unglücklichen überall eine Nachahmung finden! A. Lilien. (Spätere Nachrichten bekunden, daß dieser Verein schon eine segensreiche Thätigkeit entfaltet und bereits manche Seufzer gestillt hat. D. Red.) Frankreich. Paris. Ein isr. Vater suchte um die Aufnahme seines Kindes in das Asyl in der Straße du?ont-äe- Lodi nach. Diese sollte ihm jedoch nur unter der Bej dingung gewährt werden, wenn .das Kind sich den Ceremonien der katholischen Kirche unterwerfen werde. In einer Sitzung des Municipalraths wurde von einem Mitgliede Miltheilung hierüber gemacht und versprach der Seinepräfect Abhilfe in dieser Sache. Paris. Neuerdings ist wieder die Parole ausgegeben worden: „Christianistrung des Capitals", der israelitischen Geschäftswelt soll die Finanzmacht aus Händen genommen werden; hier in Paris hat sich eine Gesellschaft zu diesem, freilich nicht neuen Zwecke, niedergelassen unter dem Titel: „Soci6t6 de l’union g6n£rale.a Dieselbe heißt auch schlechtweg „Katholische Bank". Wo also die Kräfte zu suchen sind, die die Hebel zu solchem Unternehmen in Bewegung setzen ist leicht herauszuerkennen. Der Anfang der „Christianisirung des Capitals" wurde damit gemacht, daß man der Wiener Unionbank 6 Millionen Gulden Werthpapiere, die die Wiener Unionbank vier Jahre lang nicht verkaufen konnte, zu einem guten Kurse abnahm. Die Actionäre dieser Bank werden allen Grund haben, den Segen anzuerkennen, den obige Gesellschaft durch ihr Streben für ihre-Taschen stiftet. England. London. Wie man berichtet, soll Herr Albert Leutner, den die deutsche Regierung mit der Hebung des versunkenen Kriegsschiffes betraut hat, ein Jude sein. Türkei. Konstantinopel. Nachrichten, welche der isr. Allianz aus Kirktilina zugegangen sind, melden, daß die Bulgaren über die Juden hergefallen seien und sie mit großer Barbarei behandelt hätten. Es herrscht darüber in der hiesigen Gemeinde große Aufregung und verlangt dieselbe Abhilfe. Australien. Neuseeland. Unser Glaubensgenosse Herr Saul Samuel ist zum Generalpostmeister ernannt worden. Herr Samuel ist somit auch Mitglied des Ministeriums. Amerika. New-Uork. Eine erfreuliche Thatsache ist von hier zu melden. Bei der jüngst stattgefundenen Wahl für das Abgeordnetenhaus wurden auch zwei Glaubensgenossen gewählt: Herr Moritz Ellinger, der bereits ein wichtiges, einflußreiches Amt bekleidet, und Herr Edwin Einstein, ein angesehener Kaufmann. Vermischtes. In Kaufas City brachte ein Schneider auf seinem Schilde einen ungeheuren Apfel an. Als man ihn fragte, was diese Frucht mit seinem Geschäft gemein habe, antwortete der Mann: Du lieber Gott, was wäre aus uns armen Schneidern geworden, hätte Eva dem Adam nicht den Apfel gereicht. (Von dem Momente an bedurften die Menschen der Kleider.) (Postalisches). Ueber die Willfährigkeit und Geschicklichkeit der „Deutschen Reichspost" im Entziffern von mysteriösen Adressen wird man bald einen mehrbändigen Anekdotenschatz zusammenftellen können. Jede Woche bringt fast eine neue Legende von den wunderbaren Kreuz- und Querzügen eines unbestellbar scheinenden Briefes. Vor einigen Tagen versandte ein Herr in Stettin, der den Scharfsinn und die berühmte Geduld der deutschen Postbeamten auf die Probe stellen wollte, eiue Postkarte, deren Adresse in hebräische» Lettern abgefaßt war. Der Absender glanbte, man würde mit einer einfachen Postkarte keine besonderen Umstände machen, und dieselbe als unbestellbar bei Seite legen. Er irrte sich jedoch, sie gelangte an ihren Bestimmungsort. Jedenfalls hatte das Postamt in seiner nicht genug zu rühmenden Gewissenhaftigkeit einen Kenner des Talmud vor sich beschieden und von demselben die fremdartigen Schriftzeichen deuten lassen. Literarisches. Vin dies ist der Titel einer neuen Zeitschrift, von der uns das erste Heft zugegangen ist. Diese Zeitschrift wird von B. Goldberg und M. Adelmann in Paris herausgegeben und wird noch unedirte hebr. Manuskripte zum Abdruck bringen. Allmonatlich erscheint ein. Heft. Das erste Heft enthält: 1. Beschreibung der Reise des Rabbi Elija von Pesaro, von Venedig nach Famaguste (Cypern) aus dem Jahre 1563. (Manuscript aus der Nationalbibliothek zu Paris). 2. Response von Raschi. (Oxforder Manuscript.) 3. Response rbm T1KD (Pariser Mannscript). Wir begrüßen dieses Unternehmen mit Freuden und wünschen ihm eine rege Betheiligung. Die Adresse des Herausgebers lautet: B. G o l d b e r g, Rue de8 Rosiers, Paris. Hy. in israelitisches Mädchen für die Haus-Arbeiten zur Wechselzeit gesucht. 2297 Uerdingen. Fra« A. H. Leven. nter sehr günstigen Bedingungen kann die Uebernahme eines renommirten Wädchen-Vmfionates, daß eine ßlärrzeyde Zukunft haben würde, in einer reizend gelegenen Stadt Sützdeutfchlands zu Ostern oder zum Herbst d. I.. stattpnden. Gefl. Anfragen sud Chiffre 123 befördert die Exp. dfs. Bl. 2293 Gefindedienstbiicher pro Hundert 6 Mark, 50 Stück 3 Mark versenden gegen baar oder Nachnahme 2263 B. L. Monasch & Co., Krotoschin. Bei Entnahme von 500 Stück wird auf Wunsch die betr. 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