Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 9 (27.2.1879)
- Date
- 1879-02-27
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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n den letzten Regierungsjahren des Kurfürsten ankte ein naher Verwandter desselben. Die behan- .den Aerzte vermochten keine Heilung zu verschaffen. wurde Stilling mit der Behandlung betraut und gelang es diesem, in verhältnißmäßig kurzer Zeit Heilung zu verschaffen. Darob wurde bei ihm angefragt was ihm lieber sei, ein Orden oder der Titel Obermedicinalrath, er könne zwischen Beiden wählen. Stilling war aber stolz genug, sowohl den Orden, als auch den Titel auszuschlagen, er nahm keinerlei Auszeichnung an. Er kämpfte mit großem Muthe für das Judenthum und schreckte vor nichts zurück wenn es galt, demselben seine Rechte zu wahren. So wandte er sich nach dem deutsch-französischen Kriege bei Gelegenheit eines ausgeübten Judenhasses direkt an den Kaiser, der auch nach seinem Wunsche entschied. Schließlich wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß der Geh. Rath Dr. Stilling die Correspondenz mit seinen Verwandten bis zu seinem Tode stets in jüdischdeutscher Schrift führte. Oesterreich. Prag Am 26. Januar verstarb plötzlich infolge eines Herzschlages der frühere Landtagsabgeordnete und der Redacteur des „Tagesboten aus Böhmen," Herr David Kuh. Der Todesfall erregte die allgemeinste und lebhafteste Theilnahme. Alle deutschen Institute zeigten auf ihrem Gebäude Trauerfahnen. Der Verstorbene war ein kühner und warmer Verfechter seiner Glaubensgenossen und trat er stets für die Rechte derselben und für die Ehre des Judenthums ein, selbst sein Eigenthum und seine Freiheit dabei einsetzend. Er war eine seltene Charaktergröße, zeigte die größte Unbestechlichkeit und hatte eine hohe schriftstellerische Begabung. Am Grabe widmete ihm Herr Prof. Med. Dr. Ritter einen Nachruf. Lemberg, 21. Feb. Der Ausschuß des Vereines Schom. Jsr. hat in seiner letzten Sitzung den Beschluß gefaßt, für den 24. April l. I. als dem Tage der silbernen Hochzeitsfeier Ihrer Majestäten, eine Huldigungsdeputation an das allerhöchste Hoflager nach Wien zu entsenden, wie dies beim 25jährigcn Regierungsjubiläum des Kaisers geschehen ist. Diese Deputation wird in einer demnächst stattsindenden Generalversammlung gewählt werden und soll aus 3 Ausschußmitgliedern und 3 Vereinsmitgliedern aus der Provinz bestehen. — Herr Leo Thom, dieser in unserem Lande bekannte Großindustrielle wurde von Sr. Majestät dem Kaiser durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Josefs-Ordens ausgezeichnet. L. I. Frankreich. In Paris erregt die bevorstehende Heirath des Fürsten Etienne Galitzin, Sohn des Fürsten Augustin Galitzin, mit Fräulein Valentine Ben6dite, einer Nichte des Herrn Levy Cremieux, eines bekannten Jüdischen Banquiers, dessen Wohlthätigkeit man ebenso rühmt wie sein Reichthum, großes Aufsehen. Die Galitzin sind eine der ältesten Slavischen Fürsten-Familien. — Herr Baron Hirsch hat, trotzdem er Oestcrreichischer Unterthan geworden ist, das Commandeur-Kreuz der Ehrenlegion erhalten. England. London. Mrs. I. Cohen, die Mutter der verstorbenen Baronin Meyer von Rothschild und Großmutter des Frl. Hanna von Rothschild, welche sich unlängst mit dem Earl von Rosebery verheirathtete, ist am 12« ds. zu London im Alter von 68 Jahren gestorben. Rußland. Warschau. sPanik unter den Juden.) Wie die Krakauer und Lemberger Blätter melden, flüchten sich die Juden nach dem Auftreten der Pest in größerer Menge aus den russischen Gouvernements nach Galizien. Die Eisenbahnverwaltungen sehen sich genöthigt, Extrazüge abgehen zu lassen, um nur die Masse der Flüchtenden weiter befördern zu können. Diese Panik unter den Juden ist theilweise durch die Furcht vor der Pest, theilweise aber auch durch das Gerücht veranlaßt worden, nach welchem das Volk die Juden für die Ursache der Epidemie ansehen und dieselben zu bestrafen beabsichtigen. Schwei?. Aaran Ein schöner Beweis der Toleranz ist aus Hiesiger Gegend zu melden. Der isr. Lehrer Hermann Guggenheim ist von der in unserer Nähe gelegenen christlichen Gemeinde Liebersten als Oberlehrer angestellt worden. Herr Guggenheim ist an den israel. Feiertagen vom Schuldienste dispenstrt. Annonce! "TO Wein nDS Eine Rheinwein-Handlung sucht sofort tüchtige Vertreter, welche den provisions und commissionsweisen Verkauf von "lTO Weinen engros et detail übernimmt. Suchender besitzt "TO<*1 von anerkannten Autoritäten. Franco-Offerten mit Referenzen befördert die Exped. d. Bl. 2268 >i Emilie Wolfs, l! Jonas Bing, f I Verlobte. P! Hamburg, im Febr. Frankfurt a. M. J Programm zur Feier der Einweihung der neuen Synagoge zu Flamersheim bei Borm, am Freitag den 7. und Samstag, den 8. März 1879. 1. Freitag Nachmittag um 3% Uhr wird in der alten Synagoge das Mincha-Gebet und l'chu n'ranano verrichtet. Der Prediger spricht daselbst kurze Abschiedsworte, worauf der Cantor die Thorarollen aus der Bundeslade nimmt und solche den ältesten Gemeinde- Mitgliedern überreicht. 2. Der Zug wird vor der alten Synagoge auf folgende Weise geordnet; 1) Die Fahnenträger; 2) das Musik- und Singchor nebst Cantor; 3) die Knaben der Gemeindemitglieder mit Fähnchen; 4) die Thorarollen, welche unter einem Himmel getragen werden; 5) die kleinen Mädchen der Gemeinde-Mitglieder mit Blumenbouquets in den Händen; 6) ein weiß gekleidetes Mädchen mit grünem Kranze auf dem Kopfe, trägt auf einem schön verputzten Kiffen den Synagogenschüssel; 7) der Prediger, das hohe Beamtenpersonal, der Vorstand der Gemeinde, der Baumeister und das Festcomite; 8) die Gemeinde-Mitglieder und die verheiratbeten Fremden; 9) die unverheiratheten Mannspersonen, und 10) die Frauen und die Mädchen. 3. Vor dem Abzüge aus der alten Synagoge wird der Choral: „Hehr und heilig ist die Stätte" :c. gesungen. 4. Der Baumeister empfängt den Schlüssel und überreicht denselben dem Vorsteher der Gemeinde. Dann wird mit einem Musikstück so lange angehalten, bis der ganze Zug in der Synagoge ist. Die Thoraträger stellen sich der Reihe nach auf die Stufen zur heiligen Lade. 5. Willkommensgruß des Predigers und dann mah tauwu. 6. Der Cantor tritt vor das Betpult und stimmt das Sch'ma-Gebet und schehechijonu mildem Chor an. 7. Hierauf wird vom Cantor und Chorwaihibinsaua gesungen. Dann wird mit den Thorarollen ein Umzug gehalten, wobei die Verse: onno adonai, elohe horuchaus und gauel chosok dreimal wiederholt werden. 8. Vor dem Altar, wo jetzt die Thoraträger den Cantor umgeben, wird vom Chor haudu und j'hallelu gesungen. 9. Während des Hallelujah bewegen sich die Thoraträger wieder nach der heiligen Lade. Der Cantor öffnet dieselbe, wobei das uw'nuchau vom Chor und Cantor verSweise gesungen wird. 10. Psalm 84. ii. Festrede, danach Psalm 30, Weihgebet, Gebet für den Landesvater rc. 12. Chor singt den Choral: „O, gebet Gott" rc. 13. Psalm 180 mit Chor. Dann folgt der gewöhnliche Abendgottesdienst maa* riw, welcher mit jigdal geschlossen wird. 14. Am Samstag, Morgens 8 Uhr, feierlicher Gottesdienst mit Predigt. Samstag, den 8. März, Abends 8 Uhr Ball. Sonntag, den 9. März, Nachmittags 4 Uhr Coueert nachher Ball. Aas Iest-Komitö. I-est-Irograrnm zur Feier der Einweihung der neuen Synagoge zu Flamersheim am Freitag, den 7., Samstag, den 8. und Sonntag, den 9. März 1879. Donnerstag, den 6. März am Vorabend, Ankündigung des Festes durch Böllerschüsse. Freitag, den 7. März, Nachmittags 3 Uhr Zug durch's Dorf und Abholen der Thorarollen aus der alten zur neuen Synagoge. Samstag, den 8. März Großer Fest-Ball bei den Gastwirthen Schäfer und L i n g s ch e i d t, Anfang 8 Uhr Abends. Sonntag, den 9. März, Nachmittags 4 Uhr Voeal- und Juftrumental-Coucert im Saale des Gastwirthes Schäfer, ausgeführt von der W enigmann' scheu Kapelle, unter gefälliger Mitwirkung des „Männer Gesang-Vereins" zu Flamersheim. Nach dem Concerti Ball bei Schäfer und L i n g s ch e i d t. Entrc6 zum Balle für Herren 2 Mark, wofür freies Tanzen. Damen frei. Entrcä zum Concert h Person 50 Pfennig. Concert-Programm. 1. Abtheilung. 1) Marsch „Prinz Friedrich Carl" von B ilse. 2) Gesang „das deutsche Vaterland" von R eich ardt. 3) Ouvertüre v. H. Manfred i. 4) Gesang „der Schmied" von Kreutzer, 5) „Abend und Morgen" Potpourri v. Moskau. 6) Komischer Vortrag „Carousselchesmann" von Roesberg. 7) „Conventgarden-Walzer^ von P a r l o w. 8.) Gesang „Der erste Liebeskuß" von Kunze. Pause. 2. Abtheilung. 9) Ouvertüre „B. A. C. H." von Ivo Bach. 10) Gesang „Der deutsche Sängerbund" v. F. A. Schulz. 11) Chor aus der Oper: „Joseph" von F. Mehul. 12) Komischer Vortrag: „Inzwischen ist etwas passirt" von E. Linderer. 13) Arie mit Chor a. d. Oper: „Die Belagerung von Corinth" von Rossini. 14) Gesang: „Frühlingslied," 15) „Husaren Polka-Mazurka" von Parlow. 16) Gesang-Potpourri. Schluß: Komischer Vortrag. 2274 fc$- Die koschere Restauration besindet sich bei Gastwirth Schäfer. Am 7. und 9. März ist besondere Fahrgelegenheit per Omnibus vom Bahnhofe zu Euskirchen aus. Das Fest-Comits. Statt ibrsonderer Anzeige. Heute Nachmittag 5 Uhr entschlief sanft nach langem Leiden unser treuer Gatte, Vater, Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Hermann Benedikt, im Alter von 47 Jahren. Um stille Theilnahme bitten die trauernden Hinterbliebenen. Köln, 24. Febr. 1879. Paroches, Seser-Mäntelchen, Schulchan» Decken, sowie alle Stickereien für Synagogen in Gold, Silber uud Seide, liefere billigst in geschmackvollster Ausführung. 2162 Ebenfalls halte stets reichhaltiges Lager fertiger Seser-Mäutel und versende auf Verlangen gerne Probestickereien, Zeichnungen und Kosten-Anschläge. I. Kaufsmann, Buchhandlung, Frankfurt a. M.