Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 9 (27.2.1879)
- Date
- 1879-02-27
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Erscheint jeden Donnerstag. Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmeck. alle Postanstalten entgegen. Mt V V« Leitender Artikel. äu dem bevorstehenden "HK 'T Welchem Umstande verdankt Moses die Unsterblichkeit seines Ruhmes. Eine eben so schöne wie geheimnißvolle Parabel unserer Weisen sei es, welcher wir heute unsere Betrachtung widmen wollen. Wir gestatten uns hiermit eine neue Erklärung dieser Parabel zu Ehren des Tages, an welchem alljährlich das Andenken Mosis gefeiert wird, und zwar des 7. Adar, an welchem, wie unsere Tradition annimmt, der große Gesetzgeber geboren und gestorben ist. Diese Parabel lautet:*) „Gott sprach dereinst zu dem Todesengel: Mache dich aus um mir die Seele Mosis zu bringen! Er ging hin, um sich seines Auftrages zu entledigen. Moses erwiederte ihm: Du vermagst es nicht einmal an dem Orte zu stehen, an welchem ich sitzen darf! Dennoch wagst du es, mit einem solchen Ansinnen an mich heranzutreten? Der so Angeredete ging beschämt von, dannen und hinterbrachte Gott die Worte Mosis. Er erhielt aber zum zweiten Male denselben Auftrag, vermochte aber diesmal nicht, Moses aufzufinden. Er wandte sich an das Meer und frug dasselbe: Hast du vielleicht Moses gesehen? Es sprach, seit dem Tage, da er das Volk Israel hindurchführte, sah ich 1200») 5(5 «nm -](> 2102760(5 n'-'apn 20K *) 6 p wo b“m i6y 2oyi -)(>2 wo btt? nna pa 2025 vmtt? oipo2 (>"K 22000 ■pooo 6 p 6 2öik 22*1 2ioyy (5125 250*21 o"20 -p2, am «q 2y) 2"2p2 bfm 210* ,2212)2 '&b 'nm -pn 20*0 btt? 12000 6 anm -](? bvm -)(n ,woo mb\ 10721 ioipo(> “inyn^ 0150 Vw ,^«1 20*0 20K wn onn bttm *(52 ,125^2 mb n bsrw» 0150 V# ,025*2 20*0 bum ,2iy2)i ,121)5*2 mb wdd 22122 ns bzptt? b"m '25*2 20*0 b"* mm (?o* -)(>n bttm Tj^n mb 121*1 5^yoo* 100* 5)2 bxm b“m ,025*2 20*0 b"m o>"20 ,025*2 20*0 b"m (5*20*5 (?^r* -)(5n ,*12 D2x ,ioipo 2* vt mm 122-1 pan n^ibm b"m nyn5 2522 (>2 p*i n"niy 5^r6 id) ‘bm .imiap dk 0*5* vt *(n >)a ihi*22p5i 20*)0> Klage des Dnkel Chajim über die moderne Welt. Aus dessen schriftlichem Nachlasse herausgegeben von I. Herzberg. Fortsetzung und Schluß. Wie tritt diese Sucht, dem jüdischen Leben in und außer dem Hause, ja im Gotteshause einen modernen unjüdischen Anstrich zu geben, selbst bei Aeußerlichkeiten hervor, nur um alles, was an Juden und Judenthum irgendwie erinnert, mit Stumpf und Stiel auszutilgen. Wie gar eifrig ist man bestrebt, selbst Kleinigkeiten umzuwandeln und ihnen ihren eigentlichen Charakter zu rauben, wie trachtet man unausgesetzt darnach unjüdische Handlungsweisen und Manieren auf's Genaueste nachzuäffen, und heilige, alte, jüdische Gebräuche dem Verfalle, der Vergessenheit preiszugeben. O, mich ersaßt, ein Gefühl des Unwillens, so ich daran denke, daß gar manches Haus am Weihnachten seinen Weihnachtsbaum schmückt und die Kinder und das Gesinde beschenkt, während des herrlichen Chanukahfestes mit keinem Worte gedacht wird, wenn ich gewahre, daß man die jüdischen heiligen Tage nicht begeht, dagegen an denjenigen anderer Confessionen Verantwortlicher Redacteur Moritz Baum in Bonn, Expedition: Petersstratze Nr. 8. Monn, 27. Ieöruar 1879 (5639). Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Vf. Zahlbar hier. Inserate werden bis Dienstag erbeten. .Mr 0 ihn nicht wieder. Daraufhin ging er zu den Bergen und Hügeln und richtete an sie dieselbe Frage. Diese erwiderten: Seit dem Tage, da Moses die Thora auf dem Sinai empfangen, kam er uns nicht wieder zu Gesicht! Er verfügte sich darauf nach dem Gehinnom und frug daselbst nach Mose. Hier wurde ihm der Bescheid, daß man allerdings von seinem Namen gehört habe, wie wohl er selbst in diesen Räumen nie gesehen wurde. Ec ging nunmehr zu den Engeln und frug diese nach Mose. Sie antworteten: Er befindet sich unter den Menschenkindern! Darauf ging er zu diesen, erhielt aber zur Antwort: Gott allein kennt seinen Weg und weiß seine Stätte! Im Uebrigen hat er ihn für die Unsterblichkeit bestimmt! Kein Wesen außer Gott kennt seine Ruhestätte, wie es heißt: Und er begrub ihn im Thale im Lande Moab, gegenüber dem Baal keor und Niemand kennt sein Grab bis auf diesen Tag"! So weit die Parabel! Nach unserem Dafürhalten soll durch dieselbe das Verdienst Mosis veranschaulicht werden, durch welches er hauptsächlich die Palme der Unsterblichkeit unter den Menschen errungen und bei dessen Anblick vorwiegend alle Einsichtsvollen voller Bewunderung und Verehrung stehen bleiben für den großen Lehrer nicht nur des Volkes Israel, sondern der ganzen Menschheit! So viel wußte der Tod, sofern wir uns denselben personificirt denken, daß er keine Macht über Mose habe; denn ein Moses stirbt nicht, sondern er lebt ewig in der Menschheitsgeschichte fort und obgleich Niemand sein Grab kennt, geschweige denn das Denkmal, welches dasselbe schmückt, so sind doch seine Thaten seine ewigen Denkmäler, welche kein Zahn der Zeit zu zerstören vermag! ODO 05pH2 btt? )rp-Dp bv 210*2) po*iy p* -0)1221 p in p50*y00* Allein, welchem Umstande hat Moses hauptsächlich die Unsterblichkeit seines Ruhmes zu verdanken? Vielleicht dem Meere, dessen Fluthen er gespalten, so daß die Israeliten trocknen Fußes dasselbe durchzogen? Durchaus nicht! Denn also sprach das Meer: Seit dem Tage, da Moses Israel durch mich hindurchgeführt, habe ich ihn nicht wiedergesehen. Ohne Bild heißt dies nichts Anderes als: Das Wunder, das am Meere geschehen ist mir ein ephemeres gewesen, wirkte aber nicht weiter fort und ,212 2122 WO was gewesen ist, ist gewesen! Vielleicht aber beruht der unsterbliche Ruhm Mosis auf der Offenbarungsgeschichte auf dem Berge Sinai? Auch dies ist nicht der Fall, denn diese war eine göttliche That, an welcher alle Israeliten gleichen Antheil hatten. Wenn auch Moses bei derselben eine hervorragende Rolle gespielt, so hat er diese nur seinen höheren geistigsittlichen Kräften zu verdanken, sie ist aber nicht sein eigenstes persönliches Verdienst! Vielleicht aber auf der absoluten Unfehlbarkeit, auf der vollkommensten Sündenreinheit Mosis? ^Rit Nichten! Denn selbst ein Moses hat nicht den Latz: *025 r6l 210 20*y5 21t?m P282 pH2 pK einzustoßen vermocht; einen Augenblick vergaß auch er sich im Leben und zwar gelegentlich der Haderwasser. Ist auch diese seine Sünde durch das Volk Israel veranlaßt worden 2y 05p2D 2)00*0 2"2 D"202 so war er doch für sie im vollsten Maße verantwortlich, so zwar, daß es ihm um ihrentwillen nicht vergönnt war, das Land stiner Sehnsucht zu betreten. Daher spricht das Gehinnom: Allerdings habe ich von seinem Namen gehört, wenn ich ihn selbst auch nicht gesehen habe. Wenn aber nicht auf allem diesen, worauf sonst beruht der unsterbliche Ruhm Mosis? Nun denn, dies lehrt uns der Schluß unserer Parabel! Der Todesengel begab sich zu den Engeln und fragte dieselben nach Mose. Sie antworteten: Er befindet sich unter den Menschenkindern! Mit anderen Worten: Wohl wissen wir, daß es einem Mose mehr, als allen anderen Menschen vergönnt war, das Ordnen und Fügen, das Schalten und Walten eines höheren Wesens in der Natur und in der Geschichte zu erkennen und das göttliche Wirken in einem lichten Spiegel zu schauen. 225*0 2)5*0* *52(>2DN2 622 D) DW>2)2 (>2 22WD *52(5p2DK2 ^220) 1)22 20*0 Hat er aber darum sich nicht auch vermessen, nach dem Wie und Warum, nach dem Wesen Gottes selbst zu forschen? Hat er nicht gegrübelt über das Unfaßbare, nicht geklügelt über das Unbegreifliche? Mit Nichten! Vielmehr anerkannte er, daß cs Geheimnisse gibt, welche kein Sterblicher zu entschleiern vermag und an denen das menschliche Erkennest seine Grenze findet! i)5)i6i vb 26:021 '(5*p3 21220)2 - Als er die Limme Gottes aus dem brennenden Dornbüsche, welcher nicht verzehrt wurde vernahm, trat er zwar hin, um diese wunderbare Erscheinung aus der Nähe zu betrachten, aber er unterließ es, da er diese nicht zu fassen vermochte, seine Kräfte durch unnützes Nachdenken zu erschöpfen! Er verhüllte sein Angesicht vor diesem geheimnißvollen Räthsel und lauschte nur ehrfurchtsvoll dem göttlichen Rufe, der zu ihm herübertönte und welchem zu folgen ohne Zweifel und ohne Zögern er seine freudige Bereitschaft zu erkennen gab! DaS ist das persönliche Verdienst Mosis, daß er die hochfli'egenden Schwingen seines Geistes nach menschlicher Möglichkeit entfaltete, ohne jedoch einen Ausflug auf dasjenige Gebiet zu versuchen, welches den erblichen Wesen verschlossen ist und an den Scheinergebnissen solcher unnützen Mühe sich und andere irre und wirre zu machen: K2 >6 6*2 6 nm 05222 2y22*2 (522002 (>2 2i2>6 20 D5)s6 20200(5 20 2(?yo(5 20 obiy() feiert und das Geschäft schließet! So sucht man allem specifisch Jüdische den Rücken zu wenden, und selbst mit Aufwand von Kosten das Unjüdische hervortreten zu lassen. Ja, man verschmäht es, man scheut es selbst, die schönen, alten und gehaltvollen Namen der jüdischen Ahnen öffentlich zu führen, jene Namen, die gar mächtige Erinnerungen in uns wachrufen, die ein ganzes Stück tugendhaften Lebens vor den geistigen Blick uns führen, die ein erhabenes Denkmal grauer Vorzeit sind und die Bilder jener biblischen Heroengestalten vor der Seele uns auftauchen lassen. Muß uns nicht ein Gefühl tiefster Verehrung beschleichen, müssen wir nicht von einem Stolze ergriffen werden und muß unser Auge nicht verklärt aufleuchten, so die Namen „Abraham, Isaak, Jakob, Josef, Moses, David, Salomo" unseren Lippen entfahren. Müssen sie nicht eine Mahnung sein, den Trägern derselben nachzueifern, müffen sie nicht das Bestreben in uns erwecken, ihre Tugenden uns zu eigen zn machen, in ihren gottgefälligen Wegen zu wandeln? — Aber ach, wer läßt noch bei Nennung jener heiligen Namen derartige Gedanken in sich aufkommen! Ihr Klang beleidigt vielmehr so manches Ohr, und ruft eine spöttische Geberde bei so Manchem hervor. Geben diese Namen ja auch offen zu erkennen, daß ihre Träger Sprößlinge des jüdischen Stammes, daß sie Angehörige jenes noch so sehr verkannten und hier und da mißachteten Volkes sind. Und wer möchte so frei und frank seine Nationalität zur Schau tragen: Wer möchte darum „Abraham" heißen? „Adolf oder Albert" klingt doch weit schöner und moderner und läßt nicht so leicht das Jüdische herauserkennen, wenn nicht sein Träger die niemals zu verleugnende Physiognomie trägt, die ihm sein Stamm aufgedrückt. Wie häßlich klingt doch der Name „Isaak! Julius oder Isidor" klingt doch viel schöner. Wer möchte heutzutage noch den Namen „Jakob" führen; ist er doch so häßlich. Wie klangvoller ist dagegen der Name „Kart". So nennt sich „Moses — Max oder Möritz," „Levi wird in Louis, oder Leopold, oder Ludwig umgewandelt. Ob die Umwandlung in irgend welcher Beziehung zu dem ursprünglichen Namen, das ist es. was man am allerwenigsten beachtet, nur muß alles „Jüdische" verbannt werden. Und die Folge solcher Umwandlungssucht? Treten sie nicht Jeglichem klar vor's Auge? Ich selbst habe schon in meinen letzten Jahren gar traurige Erfahrungen machen müssen. Die Jugend kennt gar oft gar nicht mehr ihren eigentlichen jüdischen Namen, so die Nennung desselben beim öffentlichen Gottesdienste erforderlich ist. Dieser letzte Gedanke ist es, der mich auf ein Feld führt, das ich nur mit schwerem Herzen betrete — cs