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Der israelitische Bote · 1879-02-20 · 8 (20.2.1879) · p. [Seite 3]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
8 (20.2.1879)
Date
1879-02-20
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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-einde, die einen unbescholtenen Lebenswandel gehaben, denen aber die Mittel zu ihrer Erhaltung jt, und die wegen Altersschwäche sich nicht mehr -ernähren können, Unterhalt und Wohnung zu gewähren, begeht im Laufe dieses Jahres ihr 50jähriges Bestehen. Die hiesige Beerdigungsgesellschaft vom Jahre 1828 hat dieses Institut in's Leben gerufen. Halberftadt. Am 20. Januar fand die Beerdigung des Herrn Meyer Rüben statt. Der Verstorbene erreichte das schöne Alter von 80 Jahren. Die hiesige Gemeinde verliert in ihm einen treuen Nathgeber, einen Mann der ein Leben der Liebe zur nTQyi min D^Dnni^ÖJl führte. Die Beerdigung fand eine rege Betheiligung. Anwesend waren unter Anderen Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer aus Berlin, Herr Rabbiner Dr. Auerbach, Herr Nabbinatsassessor Lange hier, der Schwiegersohn des Verstorbenen Herr Jsffe aus Hamburg. . N Brannschweig. Der hiesige literarische Verein „Lessing" beging am 22. Jan. den 160jährigen Geburtstag in erhebender Weife. Das Denkmal und das Grab des großen Dichters wurden bekränzt. Posen, 10. Febr. (Priv.-Mittß.) In Vieth an der Ostbahn beging gestern das Silbersteinffche Ehepaar das seltene Fest der eisernen Hochzeit. Die Jubelbraut ist im 9!., der Bräutigam im 98. Lebensjahre. Die alten braven Leute erfreuen sich noch großer körperlicher Rüstigkeit im Kreise einer äußerst zahlreichen Nachkommenschaft, von der 12 lebende Kinder, ' 9 Söhne und 3 Töchter. die Häupter eben so vieler Familien bilden, die im Ganzen aus 146 Gliedern bestehen und die sich aus 12 Schwiegerkindern, 58 Enkeln, 23 Schwiegerenkeln und 40 Urenkeln zusammensetzen. Den Namen für dieses im Leben so wenigen Glücklichen beschiedene Fest hat unser greiser Kaiser gewählt, der selbst, wie auch die Kaiserin, das in günstigen Verhältnissen lebende Ehepaar anläßlich ihrer Ehrentags mit zahlreichen Gnadenbszeugungen beehrt hat. Ein eigenhändiges Handschreiben des Kaisers, welches in Begleitung eines werthvollen Geschenkes die alten Leute vor 5 Jahren, anläßlich der gefeierten Brillanthochzeit erfreute, wird in der Familie gleich einem Talisman hochgehalten. Es dürfte für unsere Leser von Interesse sein, zu erfahren, daß die Jubelbraut, Frau Silberstein, in Gnesen geboren, eine Schwester des kürzlich in Berlin verstorbenen Kommiss sionsraths S. Jaffe, (siehe Nr. 7.) der ebenfalls ein geborener Gnesener war und eine Base, des Kommerzienraths Samuel Jasfe in Posen ist. Hier wohnt eine Schwägerin und Nichte derselben. Auch Herr Silberstein scheint ein Kind unserer Provinz zu sein, da ein großer Theil seiner Verwandten noch hier zu Lande wohnt. Wir wünschen dem Jubelpaar noch viele frohe Tage und Jahre. Red. Dresden. Kürzlich wurde hier ein Mitglied der ebaua,eiiiü)tu Frcmenkirchen-Parochie exeommunicirt, und zwar aus Grund des § 8 der Kirchen-Synodalordnung, weil er sein von einer jüdischen Frau gebornes Kind in die jüdische Religionsgemeinschaft hat ausnehmen lassen. Der evangelische Kirchenvorstand hat darin eine Mißachtung und Verleugnung seines christlichen Glaubens gesunden und ihm das active und passive Wahlrecht bei kirchlichen Wahlen entzogen. Trib. Osnabrück. Der Inhalt des im Verlage eines hiesigen Buchhändlers erschienenenKalenders 1879soll, wie wir hören, Veranlassung zur Einleitung einer Klage von Seiten der Israeliten mehrerer hannoverscher Städte gegen den Buchhändler bilden. Altona. 13. Febr. Der Verein zur Unterstützung hülfsdeoürftigerIsraeliten von 5631 A. M.hieltam 13. Jan. Abends in der israelitischen Gemeindeschule seine ordentliche Generalversammlung ab. Zunächst erstattete der Präses Ascher Behrend Bericht über die Vereinsthätigkeit im verflossenen Jahre. In 43 Fällen wurden an hiesige Familien Geldunterstützungen verabreicht und 24 Geldportionen unter die Mitglieder verloost. Die ausscheidenden Vorsteher, Jonas Bing und Daniel Cohen, wurden einstimmig wiedergewählt. Einen Antrag, den Namen des Vereins abzuändern, glaubte der Präses nicht zur Debatte stellen zu dürfen, da derselbe eine Statuten-Aenderung in sich fasse; die Mehrheit der Versammlung stimmte dem bei. Nach Schluß der Generalversammlung constituirte sich der Vorstand und wurde Herr Behrend als Präses, A. Möller als Kassirer und H. Unna als Schriftführer erwählt. Oesterreich. Carlsbad. Am 28. Jan. starb hier die Wittwe Mirjam Fischer aus Lichtenstadt in dem hohen Alter von 103 Jahren. Nach den Aussagen der Verstorbenen stammte dieselbe von Anhängern des Schabbathai Zewi ab. Ihre Familie hatte deswegen manche Anfeindungen zu bestehen. Die Verstorbene war eine Urenkelin des R. Jonathan Eibenschütz. Frankreich. Paris. Dis Alliance israelite universelle hielt am 19. Jan. eine Versammlung ab .und besprach die rumänische Judenfrage. Sie berieth über die Schritte, welche nothwendig seien, damit die Rechte der rumänischen Glaubensgenossen gesichert werden. Der rumänische Abgesandte weilt hier, um unsere Regierung zu veranlassen, daß sie zu einer nicht vollständigen Emanzipation der Juden ihre Zustimmung ertheile. Während Gambetta, der jetzige Kammerpräsident nicht abgeneigt war, seinem Wunsche zu willfahren, weigerte sich der Minister Waddington, Rumänien anzuerkennen, wenn es nicht den Bestimmungen des Berliner Friedens Nachkomme und die Juden völlig gleichstelle. Bordeaux, 10. Febr. Der Assisenhof hat den Director der Münze von Bordeaux, Delebecque, (siehe Nr. 6 d. Bl.) welcher angeklagt ist, einen sehr großen Betrag an Silberbarren theils unterschlagen, theils gefälscht zu haben, zu sechs Jahren Gefängniß und 150,000 Fr. Geldbuße verurtheilt. Italien. Nom. Auch hier haben die Bestrebungen fRofelttS1 wenig Aussicht auf Erfolg. Am 21. und 22. Jan. wurden auch die rumänischen Zustände im Senate besprochen. Bei dieser Gelegenheit erklärte der Ministerpräsident Depretis, daß die Anerkennung der Unabhängigkeit Rumäniens und Serbiens von der Einführung der Emanzipation abhängig sei. Rumänien Bukarest. Wie sehr sich die Rumänen gegen die Muauzipalion der Juden sträuben, beweist ein Brief über die rumänische Judensrage, den der rumänische Senator Joan Ghika in der „Times" veröffentlichte. In diesem Briese wird behauptet, daß es unmöglich sei, die rumänischen Juden zu emanzipiren. In gar schneidiger Weise entgegnete ihm Herr von Worms, in dem er die verschiedenen Grausamkeiten hervorhob, die ihnen infolge ihrer Rechtlosigkeit seien zugesügt worden. Derartige Manöver werden aber den Rumänen nichts nützen und werden sie wohl oder übel die Gleichberechtigung anerkennen müsien. So hat die deutsche Reichsregierung in dem Reichsetat für einen Geschäftsträger in Belgrad und einen Gesandten in Bukarest bestimmte Summen angesetzt, doch wird die Ernennung dieser Beamten erst dann erfolgen, wenn den Bestimmungen des Berliner Vertrages in allen Theilen nachgekommen sein wird. — 7. Febr. Der Minister des Auswärtigen, Campineano, nahm bei den Berathungen des Senats Veranlassung, in ausführlichster Weise aus die Frage der Judenemanzipation einzugehen und machte dabei hauptsächlich geltend, daß die politische Lage des Landes die politische Gleichstellung der Juden zu einer unabweisbaren Nothwendigkeit mache. Türkei. Konstantirwpel- Abermals hat Herr Baron v. Hirjch erneu Beweis seiner großen Mildthätigkeit gegeben. Er erklärte sich nämlich bereit, die Kosten, welche die Unierhaltung des Handwerksunterrichts verursache, allein zu tragen. Adrianopel. Auch hier ist ein Handwerksunterricht für jüd. LchAinge im Entstehen begriffen. Es hat sich schon ein Aufsichtscomits gebildet und sind bereits 5 Lehrlingen Stellen angewiesen worden. Literarisches. Joseph. Israelitische Jugend-Zeitung. Herausgeber und Redakteur: S. Freuthal, Lehrer an der städtischen Simultanschule zu Kattowitz. Erscheint monatlich zweimal. Preis: vierteljährlich 1,00 Mark; Einzelnummern 20 Pfennig. Kattowitz P. Schönwald. Ueber den Zweck des vorliegenden Unternehmens sagt der Prospect: „Nach dem der Unterricht in der biblischen Geschichte mit der Zerstörung des Tempels seinen Abschluß gefunden hat, ist die Geschichte der väterlichen Religion ebenfalls abgeschlossen und für Israels Jugend muß es erscheinen, als sei das Judenthum in seiner Zerstreuung während zweier Jahrtausende fundamentlos, ohne Geschichte, als ob Helden nie gekämpft, Märtyrer nie gelitten, große Geister nie gedacht hätten in der väterlichen Religion seit dieser langen Zeit. — Die „Jsr. Jugendzeitung" will das Fehlende ergänzen, sie will der israelitischen Jugend eine Lektüre bieten, die ihr zeigt, daß auch ihr eigner Glaube die Menschen zu allem Hohen und Edlen erziehe, daß er auch Menschen aufzuweisen hat, deren Namen durch alle Zeiten klingen werden, daß das Judenthum keine Pflanze ohne Wurzel, keine Erscheinung ohne Geschichte sei, kurz: die „Israelitische Jugendzeitung" will eine Jugendliteratur begründen und verbreitendie im jüdischen Leben wurzelt. Sie wird daher enthalten: 1) Erzählungen für die Jugend mit jüdischen Hauptpersonen und jüdischer Tendenz; 2) Biographie und Charakterbilder im Rahmen der jüdischen Geschichte; 3) Beschreibungen der Verhältnisse der Juden aus allen Ländern der Erde; 4) Poetische Erzeugnisse, welche dem Zwecke der „Jsr. Jugendztg." entsprechen. Die am 15. d. M. ausgegebene Probenummer enthält an prosaischen Erzeugnissen außer dem Prospekt: „Der Messias" von Fr. Geelis. „Der Melammed". Ein Chanukah Märchen von Strebes. Beide Arbeiten genügen gewöhnlichen Ansprüchen. In der dritten Arbeit „Zwei jüdische Dichter aus alter Zeit" werden Biographien von Gabirol und Halevi gegeben, welchen Proben der besprochenen Dichter in deutscher Uebertragung untermischt sind. Die beiden Gedichte „die Perle" von Sander-Zabrze und „das höchste Gut" von Dr. Rosenthal sind zu unbedeutend und außerdem für dem Leserkreis des „Joseph" unverständlich. Wir empfehlen die „Israelit. Jugendschrist" den Interessenten, da die in Deutschland erscheinenden Jugendschriften mehr oder weniger einen christlichen Charakter an sich tragen. Gelegentlich bemerken wir, daß ein auf vielen deutschen Schulen eingefährtes Lehrbuch, Herbst, Historisches Hülfsbuch, (Mainz, Kunze Nflg.) die jüdische Geschichte als Ganzes unbeachtet läßt und sie nur soweit sie in die Geschichte der Römer eingreift, behandelt. B. — ^Arbeit und Handwerk im Talmud von Dr. S. Meyer, Herausgeber der „Jüdischen Presse." Berlin. Julius Benzian 1878. In der neuesten Zeit tritt immer mehr das Streben hervor, auch dem Laien den Inhalt des Talmuds verständlich zu machen, um einerseits ihm die Möglichkeit anheimzugeben, sich selbst ein Urtheil über dieses altehrwürdige Denkmal bilden zu können, andrerseits selber die verschiedenen Angriffe, die gegen den Talmud gerichtet werden, abzuwehren. Dieses geschieht entweder durch einzelne Vorträge, oder auch durch Brochüren, die auch dem Nichtisraeliten gestatten, von den Prinzipien des Talmuds Kenntniß zu nehmen und die constatiren, wie unhaltbar die verschrobenen Urtheile über denselben sind. Da bei dem ungeheuren Material, das dieses Riesenwerk darbietet, eine eingehendere Behandlung desselben unmöglich ist, so können nur einzelne Prinzipien aus demselben einer eingehenderen Behandlung unterzogen werden. In dem uns vorliegenden Werke finden wir das Thema: „Arbeit und Handwerk im Talmud" behandelt. Die Behandlung ist eine erschöpfende und beruht aus eingehende Talmudstudien. Es wird uns hier gezeigt zunächst, daß die Arbeit und das Handwerk zur Zeit des Talmuds in der Theorie sowohl, welche in den Sentenzen zum Ausdruck gelangt, wie in der Praxis, die sich in der Stellung der Frauen und der Gelehrten zur Arbeit und zum Handwerk kundgiebt, hochgeschätzt und gepflegt wurden; so dann wird aus das Allgemeine über einzelne Handwerke eingegangen und die höhere oder niedere Stellung, sowie die Gliederung und Organisation einzelner Arbeiter- und Handwerkerktassen dargestellt. Die Darstellung ist anziehend, der Inhalt höchst belehrend und bietet des Interessanten gar Vieles dar. Wir empfehlen es hiermit aufts Angelegentlichste. Der Leser wird das Werk nicht unbebefriedigt aus den Händen legen. Hg. esucht wird eine durchaus tüchtige isr. Köchin. 2242 S. Heinemann, Gr. Goltern bei Hannover. Grau Therese Gronaus 15jährige bestehende erste Erziehungs-Anstalt für Töchter mos. Glaubens in Berlin im yerrttchen Thiergarten, Molikestr. 4, I. gelegen, nimmt noch Zöglinge jeden Alters bei vielseitigster, gediegener, geistiger und praktischer Ausbildung, liebevoller Erziehung und Pflege unter allermäßigsten Bedingungen auf. 2235 Jüdisches Knaömpenfional in Köttingen. In meinem seit langen Jahren bestehenden Pensionate finden noch einige Zöglinge liebevolle Ausnahme behus Besuchs höherer Schulen resp. Vorbereitung dazu. Beste Referenzen. Näheres durch Prospect. 2236 Lehrer Schlesinger CJJür in mein an Sabbath- und Feiertagen streng fj geschloffenes Eisenwaaren- und Haushaltungsgegenständen-Geschäft, suche baldigst einen dazu qualifizirten jungen Mann als Lehrling. 2237 Jnlins Kasel in Trier.

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