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Der israelitische Bote · 1879-02-20 · 8 (20.2.1879) · p. [Seite 1]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
8 (20.2.1879)
Date
1879-02-20
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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Erscheint jed-m Donnerstag. Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. V. Jahrgang. Leitender Artikel. Iu ll^DstPD Von den in unsrem Wochenabschnitte enthaltenen zahlreichen göttlichen Geboten, die zum Theil, — da ihre Erfüllung an Palästina, an den israelitischen Staat und an unsre eigene Gerichtsbarkeit geknüpft ist, — für uns in der Zerstreuung unausführbar geworden, sind doch auch gar Manche, als in allen Zeiten und Verhältnissen geltend, besonders hervorzuheben. Widmen wir folgenden fünf Punkten, von welchen wir im 2. B. M. Kap. 23 und 24 lesen, eine kurze Betrachtung. 1. Unparteilichkeit. .lana Tina xb bi) nr£ dw nn« rpnri xb „Folge nicht der Menge zum Bösen. Und den Armen begünstige nicht in seiner Streitsache." Wie in Gerichtsfachen besonders, wird uns hier überhaupt und im Allgemeinen die Unpartheiligkeit als einzige Richtschnur für alle und in allen Verhältnissen des Lebens dringend an's Herz gelegt. Unsre heilige Thora stellt uns als unverbrüchliche Lebensregel die Mahnung hin: „Laß', o Jsraelite, die Unpartheilichkeit zum Grundzuge deines Charakters werden!" Diese Unpartheilichkeit, sie äußere sich im Verkehr mit deinen Mitmenschen; sie verpflanze sich in deine innersten Gesinnungen gegen dieselben und bethätige sich in deinem Urtheile über dieselben; vorzüglich aber bekunde sie sich in Bezug auf deine Religion. Da darf und soll dich keine persönliche Rücksicht Ws Rang und Stellung irgendwie beeinflussen. Da hüte dich wohl; der Menge zu folgen, wenn du sie auf falscher Bahn wandeln siehst; da sei und bleibe die Glaubens- und Ueberzeugungstreue deine einzige Führerin. 2. Falsches Zeugniß wird als ein Frevel, als eine Gewaltthat bezeichnet. •aan ny mb ytn ay *]T ntyn hx „Biete deine Hand nicht dem Frevler, ein Zeuge der Gewaltthat zu sein." Und wahrlich! Wer seine Hand dem Frevler bietet, um als Zeuge der Ungerechtigkeit aufzutrcten, wie traurig muß es mit dessen Gefühl für Wahrheit und Recht bestellt sein! — Wer nun sich aus irgend welchen Rücksichten zur Theilnahme an religionswidrigen Institutionen verleiten läßt; wer die Kraft nicht in sich fühlt, den an ihn von Seiten der Irrlehre gestellten Anforderungen zu widerstehen; wer auf haltlosem Boden, zwischen den Gegensätzen schwankend DWDn >nty bv nais, schließlich dennoch vom Wege der Wahrheit abgelenkt wird; der legt gewifsermaßen auch ein falsches Zeugniß ab zur Steuer der dem Herrn verhaßten Lüge. Der Baurrnkönig und die Jüdin. (Von Johann Czynski.) ,Nun so sprecht," erwiderte der König. „Ich - erkenne die ganze Größe Euerer Verdienste an. Ihr haöt mir geholfen, das Glück meines Volkes befestigen und ein Land ohne Blutvergießen erobern. Sprecht, ich werde mich glücklich schätzen, Euch meine Dankbarkeit zu beweisen." „Herr König," sprach Ben Josef, seit meiner Kindheit bin ich an Entbehrungen gewöhnt. Mäßige Nahrung, einfache Kleidung und eine hölzerne Hütte sind Alles; was ich für mich brauche. Wenn ich meine Wünsche vor Eurem Thron niederlege, so sind sie für mein Volk und für Eueren Ruhm." „Ich bewundere Euere Uneigennützigkeit," erwiederte der König. „Euer Volk hat einen doppelten Anspruch auf meine Gunst. Ich bin ihm Gerechtigkeit schuldig, weil ich eS in meinem Lande ausgenommen habe, und ich bin ihm Dank schuldig, weil ich in seiner Mitte die Gattin gefunden habe, welche zur Vervollständigung meines Glücks mir fehlte." „Ihr ermuthigt mich, Herr König," fuhr Ben Josef fort.. „Möchte der Allgegenwärtige, der alle Herzen Verantwortlicher Redacteur Moritz Baum in Bonn, Expedition: Petersstratze Nr. 8. natpn bv ’pam vn vb a^tPiTaty njnn »p) .pay amn ’pnv» p ex xbn „Die Bestgesinnten in Jeruschalajim Unterzeichneten niemals irgend einen Akt, sie mußten denn im Voraus wissen, wer die Mitunterzeichner seien." (Talmud ^Sanhedrin fol. 23, a.) 3. Heiligung des Sabbath. Wie oft und eindringlich unsre min auf diesen Grundpfeiler, worauf gleichsam das ganze Religionsgebäude ruht, zurückkommt, ist allbekannt. Bald erscheint uns der Sabbath als Erinnerung an das Schöpfungswerk rMPK"Q' ntyyab "Dt; bald tritt er uns als Andenken an den Auszug aus Mizrajim entgegen — DTttD riiWb 121 —; und in unsrem Wochenabschnitte wird uns der Grund der Sabbathfeier in den Worten angegeben: "pny iyab -paa "sNaxi auf daß dein Knecht und deine Magd ruhen sollen, gleich dir." — Der natP soll also in erster Linie den Glauben an einen ewigen und allmächtigen Weltschöpfer in uns befestigen und somit das ganze lächerliche System der Naturalisten über Haufen werfen. Er zeigt uns ferner Gott als unumschränkten Beherrscher der Naturgesetze, die Er beim Auszuge aus Mizrajim zu Gunsten Israels , auf wunderbare Weise bewältigte. Und endlich lehrt, der Sabbath uns, auch gegen unsre Untergebenen menschlich zu fühlen und denselben nach den Tagen angestrengter Arbeit einen Tag der Ruhe und Erholung zu gönnen. Unsre Weistn sagen: pnaiPD xbabw td ]ribbna ninatp int? bmtp* (Talmud Sabbath fol. 118, b.) „Wenn Israel nur zwei Sabbathe richtig feierte, so wäre die Erlösung da. Und in der That! Wenn wir die in den zwei Sabbathen angedeutete Doppelfeier — Ruhe des Körpers und Erhebung der Seele — beobachten, dann fühlen wir uns befreit und erlöst aus den beengenden Banden des nieder« und niederdrückenden Erdenlebens und mit jedem neuen Sabbath unsrer erhabenen, ewigen Bestimmung näher gebracht. Möchten wir daher die Sabbathheiligung in ihrem ganzen Umfange hoch halten und zu bethätigen suchen! 4. Warnung gegen Abgötterei. Wenn auch die eigentliche Abgötterei in unsren Tagen als eine Verleugnung des gesunden Menschenverstandes betrachtet und verlacht wird; so begegnen wir doch unter verschiedenen anderen Gestalten noch so mancher Abgötterei, vor welcher nicht nachdrücklich genug gewarnt werden kann. Denn ist die Sucht nach Geld und Gut, das Haschen nach Glanz und Pracht nicht auch Abgötterei, wenn ergründet, mir in diesem Augenblick beistehen und machen, daß Ihr meine Hoffnung und meinen Wunsch theilt. Als Ihr den Juden Zuflucht gewährtet, habt Ihr es aus Mitleid gethan. Ihr habt sie ausgenommen als Tagdiebe, die nur von Wucher zu leben wüßten, die durch ihren Aberglauben und ihre Habsucht, sich überall Haß, Verachtung und Verfolgung zugezogen hätten. Und Ihr habt gehofft, Euere Großmuth würde eine heilsame Wirkung auf sie äußern, und aus diesen überall wie wilde Thiere gehetzten Landstreichern arbeitsame Unterthanen machen." „Das war mein Gedanke," sagte Kasimir. „Herr König," fuhr Ben Josef fort, „die Juden haben diese Verfolgungen nicht verdient. Sie sind stolz auf ihr Unglück. Sie sind Märtyrer des Gesetzes, bestimmt, das Licht über die. Welt zu verbreiten, sie zu * ehren und zu verjüngen. Sie mußten unter den Streichen ihrer wüthenden Gegner fallen und selbst Diejenigen, für welche sie sich aufopfern. Die Sünden unserer Väter haben dies Unglück "s geladen. Unser Gesetzgeber hat es uns von.asgesagt. „Der Herr," sagt Moses, „wird euch zerstreuen unter allen Völkern von einem Ende der Erde zum andern, und ihr werdet dort die fremden Götter anbeten, welche ihr und eure Väter nicht kanntet, die Götter von Holz und Stein. Und wenn ihr unter diesen Völkern seit, Jjuferate: Die Petitzeir» «W Raum 10 Pf. Inserate bu MMstaz erbeten. --A Wro. 8 dadurch die Gottesverehrung verdrängt, die Befolgung der Gottesgebote verhindert wird? Ist der gottesleugnerische Materialismus nicht Abgötterei? Und ist endlich die Einführung des Fremdartigen und Unjüdischen in das jüdische Leben und in den jüdischen Tempel nicht auch Abgötterei? Darum willst du, mein glaubenstreuer Bruder, nicht in die Sünde der Abgötterei verfallen, so hüte dich vor jeglicher Form und Gestalt, vor jeglicher Maske, unter welcher dieselbe dir erscheinen wird. Bleibe bei deinem Gotte, bei deinem Gottesglauben, bei deinem Gottesdienste und bei deiner Gottesverehrung, so wie sie dir von deinen Vätern in der schriftlichen und mündlichen Lehre, in Halacha und Minhag überkommen. So wären wir denn zum Schluffe unsrer Betrachtung gelangt, nämlich: 5. Feierliche Annahme der von Moses vorgelesenen Gesetze. bi inani oyn waa mpvi man nsa Njri .yaaai ntpyj "n nnn ntpk „Und er nahm das Buch des Bundes und las es vor den Ohren des Volkes und sie sprachen: „Alles, was der Ewige geredet, wollen wir thun und hören." Mit dem Opferblute, das zur Hälfte auf den Altar und zur Hälfte auf das Volk gesprengt wurde, ward der Bund GotteS mit Israel geschlossen. Tausend und tausend Mal seit jenem feierlichen Momente haben unsre frommen Väter das yDDOl HtTO mit ihrem auf dem Altäre der Glaubenstreue freudig geopferten Herzblute besiegelt. Wie nun damals die bxnty*> ’OpT die Alten mit den bxntt^ \Da Tyü mit den Jünglingen Hand in Hand gingen, unter dem ganzen Volke nur eine Stimme vernommen wurde nn# Tp Dyn bl }y^1 und Alles einmüthig in den Ruf: yatWl HtTO einstimmte, so wollen auch wir, glaubensstark, glaubenstreu und glaubensfest zusammenstehen! Wie es damals hieß new ab aym — nab ntpa tra. „Moscheh trete allein hinzu —, das Volk aber soll nicht hinzutreten," so soll auch jetzt Keiner vom Volke sich unterstehen, in die innere Gestaltung des Gesetzes einzugreifen, demselben eine andere Deutung gebend. Wie damals selbst den Priestern geboten Zwar: „DITnnWiT pnnD" Werfet euch nieder von Ferne! So sollen auch unsere heutigen Priester, anstatt als Gesetzesverbefferer resp. Gesetzeszerstörer sich an das Heiligste zu wagen, in ehrerbietiger Entfernung sich anbetend vor Gott niederwerfen. Dann wird es von uns heißen: na ibbT anyj ay arjpi mbina m wnina "n Dt? Jünglinge und auch Jungfrauen, die Alten mit den Jungen, loben zusammen den Namen des Herrn. werdet Ihr kein Ruhe finden, keine Stelle, worauf ihr eure Fußsohlen setzen möget. Der Herr wird euch daselbst ein bebendes Herz geben und schmachtende Augen und eine lechzende Seele. Euer Leben wird im Ungewissen vor euch schweben. DeS Morgens werdet ihr sagen: Wer wird mich den Abend sehen lassen! und des Abends: Wer wird mich den Morgen sehen lassen! So sehr wird euer Herz von Entsetzen erfüllt sein, so sehr wird der Anblick der Dinge, so vor. eueren Augen geschehen, euch erschrecken!" „Das Wort des Propheten ist in Erfüllung gegangen. Das Volk der Juden ist zum Gespött der Kinder und zum Spielball der Knechte geworden. Aber Gott ist barmherzig. Er hat verheißen, nach einer langen Reue des auserwählten Volks einen gnädigen Blick auf dasselbe zu werfen und es über alle Völker dee Erde zu erheben, indem er ihm den hohen Berus gäbe, die Welt umzugestalten, die Gesellschaft neu zu gliedern und das Jammerthal hienieden in ein irdisches Paradies zu verwandeln, in eine Stätte, wo es keine Verbrechen und kein Elend mehr gäbe, wo Alle sich einander liebten, wo Alle das Leben in Frieden und Ueberfluß genössen. Und Gott hat verheißen, daß diese wunderbare Verwandlun stattfinden sollte, wenn Israels Verzweiflung aufs höchste gesti- .oäre unt'' gräulichen Verfolgungen und Qualei Aonn. 20. Aeöruar 1879 (5639).

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