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Der israelitische Bote · 1879-02-06 · 6 (6.2.1879) · p. [Seite 2]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
6 (6.2.1879)
Date
1879-02-06
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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geworden: Euer Wohlgeboren benachrichtige , die Anzeige vom 18. d. M., daß das Benehdes Referendars M. bei dem in der Nacht vom , zum 8. d. im Caff6 stattgehabten bedauerlichen Vorfall im Disciplinarwege die geeignete Rüge gefunden hat. Der erste Präsident des kgl. Appellationsgerichtes. In Vertretung: Doncalis. Stuttgart, 24. Jan. (Priv.-Mitth.) In ihrer heutigen Sitzung genehmigte die Kammer der Abgeordneten den jährlichen Staatsbeitrag für die israel. Centralkirchenkasse mit 24,500 Mark ohne jede Debatte. Unter den im Jahre 1878 von der Kgl. Universität Tübingen mit einem * akademischen Grade Bedachten befinden sich auch A. Singer, Rabbiner in Schubin und L. Winterer, Rabbiner in Ungarn, welche von der philosophischen Fakultät zum Doctor promovirt wurden. Göttingen. Herr Lehrer Schlesinger, Vorsitzender des Lehrervereines der Prov. Hannover wird am 9. März d. I. sein 50jähriges Dienstjubiläum feiern. Wir wünschen dem wackeren Schulmanne, daß dieser Tag zu einem freudigen für ihn sich gestalten möge l Hamburg. Am 21. Dezember feierte Herr I. A. Haag, Werksührer im Cigarrengeschäfte der Herren A. B. Cohen u. Co., ein gar seltenes Fest, nämlich sein 60jähriges Jubiläum als Angestellter in obigem Geschäfte. Der Jubilar steht in einem Alter von 73 Jahren und erfreut sich noch der besten Gesundheit. Schon als 13jähriger Knabe begann er seine Thätigkeit in diesem Geschäfte und liefert diese Thatsache ein beredt'.s Zeugniß für den Angestellten sowohl, als auch seiner Vorgesetzten. Der Jubilar zeigte stets, während der ganzen Zeit seiner Wirksamkeit eine seltene Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit. Sowohl von den Vertretern der Firma, als von anderen Seiten wurden ihm verschiedene Auszeichnungen zu Theil. — Großes Aufsehen erregte eine edle That des Herrn S. Kalker, derselbe hat nämlich ein am Schaarmarkte belegenes ausgedehntes Grundstück für 250,000 Mk. erstanden, von welcher Kaufsumme er bereits die Hälfte abbezahlt hat. Einen Theil dieses erworbenen Terrains hat er nun zur Errichtung von Freiwohuungen für hilfsbedürftige Familien bestimmt und sollen bereits 16 solcher Wohnungen in allernächster Zeit fertig gestellt und an hilfsbedürftige Familien vergeben werden. Eine gleiche Anzahl soll später fertig gestellt werden. Drei angesehene hiesige Bürger sind mit der Leitung dieses höchst anerkennenswerthen Unternehmens beauftragt worden, und haben dieselben die einlaufenden Gesuche zu prüfen. Diese edle That hat um so mehr die weitesten Kreise überrascht, als der edle Stifter bislang durch aus nicht für vermögend gehalten wurde, ja, seine Lebensweise ihn als arm erscheinen ließ. Frankfurt a. M. Bezugnehmend auf unsere in der vorigen Nummer gebrachte Nachricht über das erfolgte Ableben des so hochgeehrten und so sehr geliebten Rabbiners Dr. Meier Frenkel erlauben wir uns heute, unserem Versprechen gemäß, eine kurze Lebensskizze des Verblichenen hier zu geben. Rabbiner Dr. Meier Frenkel wurde im Jahre 1812 zu Witzcnhausen geboren. Mit dem regsten Eifer widmete er sich schon im frühesten Alter dem Thorastudium, und in einem Alter von 15 Jahren besuchte er schon die Jeschibah des berühmten Rabbiner Hirsch Kunreuth er b“'*1) in Gelnhausen, ebenso die des Rabbiners Jakob Ettling er ^'¥"1 in Mannheim, des späteren Oberrabbiners von Altona. Beide Männer bedachten, wie sehr die Zukunft; Israels von Esterka abhing. Die schlimmsten Ahnuni gen stiegen in ihnen auf, uud sie riesen: „Wehe, wehe Israel! Wir sind verloren!" Dreißig st es Kapitel. Die Kette des Burggrafen. Am Tag nach Esterka's Hochzeit wollte Ben Josef sich zum König begeben, um diesem seinen inhaltschweren Wunsch vorzutragen. Er ging früh aus, und nahm einen Umweg nach dem Verfluchten Sand, um sich durch einen Besuch bei seinem Freund Gregor und durch den Anblick der von diesem gegründeten Colonie zu erheitern. Als er sich der Hütte näherte, welche Gregor einstweilen für sich und Marja errichtet hatte, bemerkte er einen Reiter, begleitet von mehreren Dienern, welche, der Weisung ihres Herrn gemäß, auf die Hütte zueilten. Im nächsten Augenblick erkannte er in dem Reiter den Herrn von Wola, und errieth, was derselbe hier wollte. -Der Edelmann war eben im Begriff, nach dem Kispiel anderer Unzufriedenen, Krakau zu verlassen d in sein Schloß zurückzukehren, welches mit dem Mchen Geld bereits wieder halb aufgebaut war, 'r an den Verfluchter! Sand kam und große Er war beiden ein fleißiger Schüler und ward von ihnen sehr geliebt. Er erhielt von diesem auch die PIK11PI mRn. Sodann besuchte er die Universität zu Marburg, um sich auch in den profanen Wissenschaften auszubilden. Trotz den größten Entsagungen die er sich hier aufzuerlegen hatte, lebte er streng nach dem jüdischen Religionsgesetze und setzte seine Thorastudien mit unermüdlichem Eifer fort. Nachdem er seine Studien hier vollendet hatte, übernahm er das Nabbinat in Witzenhausen, das er rein Dt&6 ohne jegliche Gratification mit einer seltenen Berufstreue 37 Jahre lang bekleidete. Als jedoch die Gemeinde seiner Vaterstadt immer geringer wurde, und er somit keine genügende Wirksamkeit mehr finden konnte, siedelte er nach Frankfurt a. M. über, wohin seine Kinder schon früher gezogen waren. Hier verbrachte er den Rest seines Lebens unter Thoralernen und Ausüben frommer Werke. Schon in Witzenhausen knüpfte ihn ein inniges Freundschastsband an den kürzlich verstorbenen Rabbiner Wetzlar bund blieb dieses Band bis zu ihrem Ende ein festes. Die Beerdigung des Rabbiners Dr. Meier Frenkel fand am Donnerstag, den 9. Jan. Morgens statt. Die Betheiligung war eine sehr rege und waren auch viele Auswärtige aus Mainz, Darmstadt, CarlSruhe u. s. w. herbeigeeilt, um dem theuren Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Von den erschienenen Rabbinern nennen wir: Herr Rabbiner S. Hirsch aus Frankfurt am Main, Dr. Lehmann aus Mainz, Dr. Plato auS Cöln, Dr. Auerbach aus Halberstadt, Dr. Marx aus Darmstadt, ferner Herr Hirsch Oppenheim aus Hannover, so wie Herr Benjamin Hirsch aus Halberstadt. Der Verstorbene hatte sich jede Trauerrede verboten. Die Beerdigung fand auf dem Friedhofe des israel. Religionsgesellschaft statt. Das Andenken an diesen Gerechten wird stets uns Allen ein gesegnetes sein! n"2"^"y'ri Biberach. Einer Einladung aus hiesigen Gelehrtenkreisen freundlich Folge gebend, sprach vor kurzem Herr Rabbiner Weiman aus Buchau im Gafthofe zum Rad hier über den Talmud.*) Eine äußerst zahlreiche Versammlung von Herren und Damen hatten sich zu diesem Vortrage eingefunden, von denen Mancher wohl begierig sein mochte, zu erfahren, wie es dem Redner möglich werden dürfte, über das wichtigste Gesetz- und Lehrbuch der Israeliten in einer ausnehmend christlichen Versammlung zu sprechen. Der Redner aber, ein ehrwürdiger Herr mit schneeweißem Haare und im Besitze eines angenehmen Organs, hat seine schwierige Aufgabe wirklich glänzend gelöst. Nach trefflicher Einleitung warf derselbe folgende 4 Fragen aus: 1) Wie ist der Talmud entstanden. 2) Welches ist sein Inhalt. 3) In welchem Verhältnisse steht der Talmud zu den Bekennern anderer Religionen und 4) Welchen Einfluß übt derselbe auf seine eigenen Bekenner aus. Der Redner greift nun um Jahrtausende zurück, zeigt, wie in grauer Vorzeit von Mund zu Mund Geschichte und Gesetze sich überliefern, bis 190 n. d. g. Zeitrechn. Rabbi Jehuda unter Marc Antonin unter dem Namen Mischna die erste Sammlung niedergeschrieben. Die hohe Schule zu Jerusalem, vornehmlich aber die zu Babylon, suchen die Sammlungen zu vervollständigen und so entstand um's Jahr 500 n. Ehr. der aus 12 Bänden bestehende bsbhlonische Talmud. Auf dessen Inhalt übergehend, aus Verordnungen ^und Erzählungen bestehend, werden Herder, Leffing, Rückert und Mendelssohn uns vor das Auge *) Wir haben unlängst hierüber berichtet; einer unserer geehrten Abonnenten ersuchte uns um die ausführliche Aufnahme. Red.; Haufen Holz bemerkte, welches Gregor die Weichsel i hatte herabkommen lassen, um Häuser davon zu bauen. Bei diesem Anblick, der ihn an dem plötzlichen Glück seines ehemaligen Jägers nicht zweifeln ließ, erinnerte er sich an deffen Weigerung, ihm Geld zu leihen, und an seine eigene Drohung, dafür Rache an ihm zu nehmen. Diese Rache sollte einfach darin bestehen, daß er Marja als seine Leibeigene mit sich nähme. Da er keinen Menschen in der Nähe der Hütte sah, so zweifelte er nicht, daß die Wegführung ungehindert geschehen könnte, und ritt langsam weiter. Ben Josef lief hinter den Knechten des Pan in die Hütte, fiel dem Verwalter, welcher Marja bereits ergriffen hatte, in den Arm und fragte ihn, wie er sich unterstehen könne, in das Haus eines Krakauer Bürgers einzudringen. Der Verwalter erwiderte, er thue, wie sein Herr ihn geheißen. Uebrigens gehöre der Verfluchte Sand nicht zum Weichbild der Stadt, und die Hütte auf demselben genieße nicht die Vorrechte, welche den Häusern der Bürger bewilligt seien. Marja klammerte sich an den Freund ihres Mannes an, und bat ihn, sie nicht ihrem grimmigen Feind zu überlassen. Ben Josef suchte die Leute des Pan von Wola einzuschüchtern, indem er sagte: „Ihr seid des Todes, wenn ihr nicht ablaßt. Dieser Ort steht unter der Gerichtsbarkeit des Burggrafen von Krakau, und gestellt. Mit hoher Achtung und Anerkennung spr der Vortragende von den Verdiensten, welche christl, Gelehrte und Forscher sich um das Studium des Ta», mud erworden. Wir hören mit Entzücken wie Reichlin' in Tübingen und Ulrich von Hutten über denselben sprechen und eine Blüthenlese wunderschöner Parabeln vollendete die Antwort auf die zweite Frage. Die dritte aber führt den Beweis, daß der Talmud seinen Bekennern gebietet, alle außerhalb Palästina wohnenden Völker zu lieben. Liebe Gott über alles, Deinen Nächsten wie Dich selbst; was Du nicht willst, das Dir die Leute thun, das thue Ihnen nicht; das Alles ist schon im Talmud vorhanden. Der Redner beweist, daß der Wucher nicht vom Talmud befohlen, wie vielfach in der Gegenwart Zeitungen und Redner zu verbreiten gewohnt sind. Nicht mit Unrecht weist der Redner auf die Judenverfolgungen im Mittelalter hin. Nicht Bürger, nicht Meister, nicht Grundbesitzer konnte der Jude werden, so war er verdammt, zum Handel zu greifen und wenn er auf diesem Gebiete sich Uebergriffe erlaubte, so trägt doch der Talmud keine Schuld daran. Zuletzt noch zeigt der würdige Geistliche, welchen Einfluß derselbe auf seine Bekenner ausübte. Er ist das einzige Buch, dessen Inhalt jeder (?) Jude versteht, wohne er in Mecka oder in Stockholm, sein Gesetz regelt auf das Strengste, das Leben seiner Bekenner. Er gebietet ihnen den unbedingtesten Gehorsam gegen jede Regierung, er lehrt Vaterlandsliebe und den Patriotismus. Zum Schluffe eilend prüft der Redner die hohen Verdienste der Gegenwart, die wie der Bergmann niedersteigend in die Schachte der Vergangenheit, die Schätze des Wissens zu Tage fördert, zum Besten der Menschheit, zum Frieden unter allen Confeffionen. Stürmischer Beifall lohnte den greisen Redner und Herr Rektor Speidel brachte demselben in den anerkennendsten Worten den Dank der Versammlung mit der Bitte, der gelehrte Herr Rabbiner möchte aus dem reichen Schatze seines Wissens hier noch öfter freundliche Proben geben. (Schwäb. Krön.) Dresden. Während der neulichcn Anwesenheit des Kronprinzen von Oesterreich hier, ist eine kuriose Geschichte passirt, deren Zusammenhang aus nachstehender Notiz der „Dresd. Nachr." erhellt: „Die Einladung des Herrn Synagogsn-Vorftandes Markus Bergmann an den Kronprinzen Rudolf von Oesterreich, bei seinem neugebornen Knaben Pathenstclle zu vertreten, hat nicht blos in den Kreisen unserer ehrenwerthen israelitischen Mitbürger wegen der eigenthümlichen Umstände (erst nachträgliches Bekanntgeben des Umstandes, daß es sich nicht um eine Taufe, sondern um eine Beschneidung handelte) gerechtes Befremden erregt, sondern auch in der Vorstandschaft des österreichischungarischen Vereins zu lebhaften Auseinandersetzungen geführt. Christen können bei dem Akte der Beschneidung überhaupt nicht als Theilnehmer Mitwirken, sondern nur als Zuschauer. Die Beschneidung erfolgt in der Weise, daß zehn Glaubensgenossen während der Handlung das vorgeschriebene Gebet sprechen. Als der k. k. Legationssecretär von Biegeleben hinter den wahren Sachverhalt kam, hat derselbe unter starker Betonung seines Mißfallens sofort erklärt: die Sache sei aus. Eine Anfrage an den Kronprinzen über dessen etwaigen Willen hat nicht stattgefunden. Mehrere Mitglieder des Vorstandes deS österreichisch-ungarischen Vereins haben ihr Amt niedergelegt, und der österreichische Gesandte, Herr von Frankenstein, hat in Folge der Täuschung, in welche der Kronprinz Rudolf versetzt worden ist, auf das fernere Protektorat über den Verein verzichtet, Der Verein ist durch diese Vorgänge sehr erschüttert. Markus Bergmann Vater und Rudolf Bergmann Sohn befinden sich jedoch sehr munter." wer, anstatt von ihm Recht zu begehren, sich selber hier Recht verschafft, dessen HalS ist dem Strick verfallen. Ihr wißt, daß auf zwei Stunden von der königlichen Hofstadt nur der Burggraf oberster Richter ist." Der Verwalter entfernte sich mit seinen Leuten. „Wo ist denn Gregor?" fragte Ben Josef die erschreckte Frau. Sie erzählte ihm, daß ihr Mann mit hundert seiner Leute in Kähnen auf der Weichsel sei, um mehrere durch das angeschwollene Wasser fortgetriebene Flöße zurückzuholen. „Ruft geschwind die zurückgebliebenen Leute herbei," sagte Ben Josef. „Es gilt vor Allem, Zeit zu gewinnen. Dort kommt der Pan mit seinen Leuten zurück." Marja rief zum Fenster hinaus um Hülfe, und alsbald kamen Leute, die hinter dem aufgeschichteten Holze arbeiteten, mit ib-en Werkzeugen zum Vorschein und liefen auf die Hüue zu. Der Pan von Wola erschien gleichzeitig und sagte seinen Leuten: „Macht keine Umstände, und bekümmert euch nicht um das Geschwätz des Juden. Vom königlichen Schloß bis zum verfluchten Sand sind mehr als zwei Stunden. Der Burggraf hat hier nichts zu sagen, und ich kann mein Eigenthum nehmen, wo ich es finde." Fortsetzung folgt.

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