Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 4 (23.1.1879)
- Date
- 1879-01-23
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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IN Oestreich taufen lasten wolle. Prinz Edmund /will erklärte sofort, daß er zu einem solchen swürdigen Schritte seine Zustimmung nicht geben rönne und daß es seine Pflicht sei, die Sache der Behörde anzuzeigen, was denn auch geschah. Der Kreislandrath Herr Mayer ordnete nun an, daß die Früu mit dem Kinde sofort über die Grenze nach Kalisch znrückkehren und von dort eine Bescheinigung übersenden solle, daß das Kind wieder richtig an seine Eltern übergeben worden sei. Auf Betreiben des Prinzen Radziwill unternahm es der Schornsteinfegermeister Herr Adamek, die Frau sammt dem Kinde nach Kalisch zurückzubrigen, wo er jedoch in Folge eines Missverständnisses Anfangs von Seiten der dortigen Israeliten mehrfache Insulten erdulden mußte, da man ihn für den Anstifter der Entführung hielt. Die Sache klärte sich jedoch auf und Herr Adamek konnte ohne weitere Unannehmlichkeiten nach Ostrowo zurückkehren. Die Frau dagegen, welche das Kind nach Ostrowo gebracht hatte, ist in Kalisch gefänglich eingezogen, gegen die Familie des Beamten Szajkowski ist eine strenze gerichtliche Untersuchung eingeleitet und auch der Pfarrer an der Bernhardinerkirche in Kalisch, Ksieski, bereits in Verhör genommen worden, da er im Verdachte steht, bei dem Stückchen betheiligt gewesen zu sein, um der allemseligmachmden Kirche ein neues Mitglied zuzuführen. Bert. Dolksztg. Straßburg. Die „Augsburger Zeitung" brachte vor Kurzem einen Artikel über die landwirthschaftlichen Crediwerhältnisse in Elsaß-Lothringen. Dieser Artikel fand sich auch in der Samstag- und Sonntagsnummer der „Straßburger Zeitung". Es herrscht darüber in hiesiger Stadt unter der isr. Bevölkerung eine große Aufregung. Das „Elsässer Journal" sagt hierüber folgendes: „Der Verfasser dieses Aufsatzes macht die ganze israelitische Bevölkerung, das heißt, gegen 40,000 Bürger, haftbar für die wucherische Thätigkeit gewisser Leute, welche da und dort auf dem Lande Vorkommen und übrigens nicht blos von den Angehörigen einer gewissen Confession oder einer gewissen Klasse der Bevölkerung ausgeübt werden. Der Abdruck dieses Artikels durch die offizielle „Straßburger Zeitung" mußte die natürliche Folge haben, die Israeliten unserer Stadt in Aufregung zu versetzen und zwar um so mehr, als man in den genannten Spalten die Ansicht der Regierung selbst zu suchen gewohnt ist. Andererseits wird es Niemand läugnen, daß solche Artikel unter gewissen Umständen eigentliche Ruhestörungen zu veranlassen und die Israeliten in eine gefährliche Lage zu bringen geeignet sind. Was wir hier sagen, wird nur denen'als Träumerei Vorkommen, welche die Ereignisse vergessen haben, die sich in unserem Lande in den letzten Jahren zutrugen oder die sie nicht kennen. Wenn wir gut unterrichtet sind, so sollen von den gesetzlichen Vertretern der isr. Bevölkerung Straßburgs offizielle Schritte beim Oberprästdium geschehen, um dort die von fraglicher Publikation hervorgerufenen Gefühle kund zu geben und auf die Gefahren hinzuweisen, welche der Eintracht der Bürger und der Ruhe des Landes daraus erwachsen könnten, wenn ein ganzer Theil der Bevölkerung in dieser Weise gleichsam in die Acht erklärt werden sollte." Meppen, 9. Jan. (Or.-Eorr.) Es ist jedenfalls lobenswerth und verdient es Anerkennung, wenn eine Gemeinde, so klein sie auch sei, sich es zur Aufgabe setzt, dem Herrn eine bleibende Stätte zu gründen, besonders, wenn die Lösung einer solch heiligen Aufgabe große Opfer erheischt. Diese Anerkennung müssen wir in vollem Maaße unserer Nachbargemeinde Papenburg zollen. Diese junge Gemeinde hat in ihrer jüngst stattgehabten Versammlung den Beschluß gefaßt, ein Gotteshaus zu erbauen. Wir wünschen diesem ihrem Streben den besten Erfolg, und möchte ks ihr gelingen, die etwa ihr entgegentretenden Hindernisse zu überwinden. II. Schrimw, 15. Jan. In der in Nr. 3 c. der Zeitung des Judenthums enthaltenen Correspondenz aus Schrimm wird, um Bewerber für die vom gegenwärtigen Gemeindevorftand ausgeschriebene Nabbinatsstelle zu gewinnen, öffentlich mitgetheilt, daß zu der Dotation des Rabbiners noch das Honorar für den Religionsunterricht am Gymnasium und an der Töchterschule kommt. Demgegenüber können mehrere Gemeindemitglieder nicht Unterlasten zu coustatiren, daß diese Correspondenz, welche sich eine wahrheitsgetreue nennt, eine geradezu wahrheitswidrige ist. Religionslehrer am Königlichen Gymnasium seit fünf Jahren und an der Töchterschule seit Eröffnung derselben, ist der rito pronaovirts wegen seiner gediegenen talmudischwissenschaftlichen Bildung, sowie um seines edlen Charakters, seiner aufopfernden Wohlthätigkeit u. s. w. willen von uns hochgeschätzter Herr Dr. Tietz, an welchen wir uns auch vertrauensvoll Behufs Entscheidung ritueller Fragen wenden, den wir ferner mit der Verrichtung rabbinischer Functionen beauftragen und dessen vortrefflichen Religionsunterricht wir endlich unsere erwachsene Jugend anvertrauen. Allerdings hat Herr Dr. Tietz wegen seiner momentan etwas angegriffenen Gesundheit sich Schonung auferlegen und den Unterricht am Gymnasium einige Zeit sistiren müssen; er wird aber denselben, nachdem er nunmehr wieder völlig wiederhergestellt ist, demnächst wieder aufnehmen. Der hier anzuftellende Rabbiner wird hiernach von seinem Einnahme-Etat die Position: „Honorar für Religionsunterricht am Gymnasium und an der Töchterschule" abzusetzen haben. Denn wenn wir auch wissen, daß eine gewisse Partei, insbesondere gewisse Privatleute zu den unzähligen Kränkungen und Unbilden, welche sie bereits ans die Hinterbliebenen unseres unvergeßlichen in Gott ruhenden Rabbiners der durch ein halbes Jahrhundert getreulich seines seelsorgerischen Amts Hierselbst waltete, häuften, noch gern die Krönung ihres wenig beneidenswerthen Werkes hinzufügen möchten und zwar damit, daß sie den Schwiegersohn des verst. Rabbiners Herr Dr. Tietz aus den oben erwähnten Stellungen verdrängen, dürfte sich doch nicht so leicht ein Rabbiner finden lassen, der sich zum elenden Werkzeug solcher niederen Pläne hergebeu würde. Sollte aber wider alles Erwarten der letztere Fall dennoch eintreteu, dann werden wir mit der zähen Ausdauer, welche die Verfechtung einer guten Sache verleiht, die Verwirklichung dieser Unthat dadurch zu verhindern wissen, daß wir im Verein mit den humanen Direktoren, der quest. Anstalten, welche Herrn Dr. Tietz werthschätzen und hochachten, nöthigenfalls an höchster Stelle dem Rechte desselben nach Kräften wahrnehmen. Mehrere Gemeindemitglieder. Aus Württemberg, 2. Jan. (Priv.-Mitth.) Trotz der nichts weniger als günstigen allgemeinen Zeitverhältnisse, haben die philantropische Zwecke verfolgenden Vereine Württembergs unausgesetzt ihren Gang verfolgt und haben im Süllen fortgewirkt und sich vergrößert. Dies doeumenttrt sich auch bei dem in dieser Woche veröffentlichten Rechenschaftsberichte des Vereins zur Unterstützung von Wittwen und Waisen armer Israel. Lehrer und Vorsänger in Württemberg. Derselbe erfreut sich eines gedeihlichen Fortgangs,'und das schwache Reis, das er vor 16. Jahren in den Boden der Menschenliebe gepflanzt hat, ist bereits zu einem starken fruchttragenden Baume erstarkt. Die Einnahmen, darunter eine huldvolle Gabe von 45 Mark von unserer erhabenen Landesmutter, und Spenden von Gemeinden im Betrage von 1485 M., belaufen sich auf 2795 M., die Ausgaben, darunter Unterstützungen an arme Lehrerswittwen im Betrage von 750 M>, betragen 912 M. Das Vercinsvermögen beträgt 16635 M. und hat um 1700 M. zugenommen. Die Zahl der red. Mitglieder, Lehrer und Vorsänger Württembergs beträgt gegenwärtig 51. Die größte Beisteuer zum Erreichen dieses schönen Zweckes leisteten die Stuttgarter Israeliten, besonders durch die Bemühungen des Herrn Hofraths Dr. Levi, der Ehrenmitglied des Vereins ist. Aus Württemberg, 7. Inn. 5 er in dieser Woche veröffentlichte Bericht des Israel. Waisenhauses „Wilhelmspflege" in Eßlingen Pro 1. Juni 1S77—78 führt den Freunden dieser Anstalt die schönsten Resultate vor. Trotz der Ungunst der Zeiten, die unverkennbar jba und dort der Anstalt in ihren Einnahmen Abbruch rhut, durfte sie sich doch wieder so zahlreicher Zuflüsse j erfreuen, daß ihr Vermögen Heuer um 7560 Mark! zugenommen hat und jetzt incl. des Werths des Grundbesitzes 205,570 Mark beträgt.! Se. Majestät unser geliebter Landesvater hat die! Anstalt mit einer huldvollen Gabe von 175 M. beobacht und viele christliche Menschenfreunde in Stuttgart haben dieselbe mit dem Gesammtbetrage von 330 Mark unterstützt. Die Anstalt beherbergt gegenwärtig 28 Zöglinge, und ist verbunden mit einer Fortbildungsschule für konstrmirte Töchter zu deren Ausbildung in den weiblichen Handarbeiten. Oesterreich. In Rzeschow, (Galizien) starb der Polizeirevisor Kristkowskt; das Leichengesolge bestand wie der „W. Isr." meldet, zu drei Theilen aus jüd. Personen, und jüdische Musikanten gingen dem Zuge voran; warum dies? Weil der Verstorbene seines Amtes in ehrlicher humaner Weise gewaltet und die armen jüd. Markverkäuferinnen vor Chikanen geschützt hatte. Frankreich. Paris. Zwischen den Componisten Offenbach und Wagner hat folgender interessanter Briefwechsel stattgefunden. Dieser übersandte nämlich jenem, unerfroren genug, sein „Judenthum in der Musik." Offenbach schrieb ihm: „Theurer Mästro! Ich glaube, Sie thäten besser Musik zu schreiben?" Wagner verstand und sandte Offenbach alsbald sein neuestes Werk^ Die Meistersinaer. Darauf erhielt er wieder ein kleines ' \ Briefchen: „Liebster Wagner! Ich habe die Sach^ einmal gründlich erwogen und finde jetzt, im Ge^ satz zu meinem letzten Briefe, überhaupt, daß es dr. am besten ist, wenn Sie Broschüren schreiben." Rußland. Labrujisk. Am Sonnabend den 14. d. M. wurden hier die Juden während des Morgengottesdienstes im Tempel von eindringenden Christen überfallen und mißhandelt. Die hinzueilenden Soldaten haben anstatt die Juden zu beschützen an den Mißhandlungen theilgenommen. Die so bedrängten Juden setzten sich zur Wehre und so entstand eine Schlägerei die bis zum Nachmittag dauerte. Bei derselben wurden 37 Juden verwundet und 6 getödtet. Bei den Christen befanden sich 21 Verwundete. Die Rädelsführer wurden gerichtlich eingezogen und gaben vor Gericht an, sie hätten geglaubt, daß sich die Juden am Sabbath nicht wehren würden. Vermischtes. Gegenwärtig, da die Augen Aller auf Afghanistan gerichtet sind, wird es die gesch. Leser interessiren, Näheres über die in diesem Reiche lebenden Glaubensgenossen zu vernehmen. Wir theilen folgende Details mit: Die Muttersprache der in Afghanistan lebenden Juden ist die persische, die überhaupt die Umgangssprache der höheren Elasten ist. Sie bewohnen in den Städten eigene Viertel (Mahal-i-Jehudijeh), die nur während der Tageszeit geöffnet sind. Ihre Tracht ist die Afghanische. Sie tragen jedoch einen schwarzen Turban als Zeichen der Trauer über die zerstörte Stadt Jerusalem. Mit Vorliebe widmen sie sich der Arzneikunst, und nehmen sie die nöthigm Studien dazu entweder bei einem ihrer Aerzte, oder bei einem Wundermann (Heiligen). Die hervorragendsten Gemeinden sind in Kabul, Kandahar, Herat, Ghizni und Balkh. In ersterer Stadt soll schon, der Behauptung dortiger Juden nach, zu den Zeiten des Königs Nebukadnezar eine jüdische Gemeinde existirt haben.(?) Es befinden sich daselbst auch die Ruinen einer Synagoge die zu dieser Behauptung berechtigen. Der Ritus weicht von dem unsrigcn sehr ab. Die Rabbiner, die zugleich auch als Richter fungiren, kommen meiftentheils aus Persien oder Maskat, aus welchem Lande sie auch ihre Religionsbücher beziehen. In letzter Zeit hat Schir Ali, der Beherrscher Afghanistans, die Bestimmung erlassen, daß auch die Juden die Lasten der Landesvertheidigung mittrageu^ sollen. Die Jehudijeh (Juden) nämlich, die vom Militärdienste befreit sind, müssen eine „Harlich" (Kriegssteuer) zahlen. Berichtigung. In voriger Nummer 1. Sp. Zeile 32 aus denjenigen soll heißen: mit. Daselbst Zeile 33. Gedenken soll heißen: Andenken. Spr. 2. Berachoth 76 soll heißen: Fol. 7. b. Spalte 4, Zeile 6 v. o. statt wovon l. worin.! Holzminden. Am 18. mtD starb Herr G. I.!Kitzitasi von hier. Der Verstorbene bat durch seine «Frömmigkeit. Tugend und Rechtschaffenheit, fein men-! schenfreundliches Wirken einen Namen sich erworben, jber, obgleich der Verewigte keine Kinder hinterläßt, 'stets hier mit Ehrfurcht genannt werden wird.! Der Heimgegangene verwaltete das Amt eines! Vorstandsmitgliedes in hiesiger Gemeinde seit mehr 'denn 20 Jahren mit der größten Aufmerksamkeit und l Pflichttreue. Die Beerdigung fand Mittwoch, den 20. Januar i statt und war die Betheiligung an derselben eine sehr j große. Nicht allein die jüdische Gemeinde von hier j und die JehMm aus der Umgegend, sondern auch viele Freunde und Bekannte anderer Consessionen fühlten das Herzensbedürfniß, dem Dahingeschiedeneu noch den letzten Beweis wohlbegrüudeter Liede und Achtung zu geben. 2216 , .4. Sr Für eine höchst achtbare Familie, die durch die härtesten Schläge des Schicksals an dem Rande des Verderbens steht, hat der Unterzeichnete ein von namhaften Autoritäten empfohlenes Werk (Aphorismen aus Talmud und Midrasch) drucken lassen, durch dessen Abnahme der qu. Familie geholfen werden soll. Das schöne Bewußtsein, Unglücklichen geholfen zu haben, wird ein herrlicher, Segen bringender Lohn dafür sein. Lemgo, 5. Jan. 1879. 2218 Landesrabb., Verw. u. Jnspector der isr. Schulen.