Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 4 (23.1.1879)
- Date
- 1879-01-23
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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f jrtotÜ sw'"' y 1 hL Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. Erscheint jeden Donnerstag. Verantwortlicher Redacteur Moritz Baum in Bonn, Expedition: Petersstratze Nr. 8. V. Jahrgang. Wann, 23. Januar 1879 (5639). Bonn, 22. Jan. In einem Preß-Prozeß, der am 27. d. M. dahier in der Apell-Znstanz zur Verhandlung gelangt, wird es nicht uninteressant sein zu erfahren, daß der angeblich Beleidigte (es ist dies der neugewählte Rabbiner (?) Schreiber, welcher sich über den Ausdruck „Am- Haarez" dahin ausgesprochen, als enthalte dieser Ausdruck die allergrößte Beschimpfung, die ein Israelit dem andern zufügen könne, gleichbedeutend wie „verworfener Mensch", von dem man eine Tochter nicht zur Frau nehmen dürfte und dgl. Schmähworte, die wir hier nicht wiedergeben wollen,) selbst in einem von ihm herrührenden uns zur Verfügung gestellten Schreiben den Ausdruck „Amme-haarez" auf die D'DnB in d. h. auf die Vorsteher der Israelitischen Gemeinden in Deutschland rc, im Allgemeinen angewendet hat. Was sagt Herr Dr. Magnus in Berlin und seine andern Collegen im deutschen Reiche dazu? Doch später Näheres. Leitender Artikel. Die taknmdischm Krundsähe über Schechitah und Terepha. Fortsetzung. (Siehe Nr. 50.) Untersuchen wir endlich die Fälle, wo die beiden Methoden durch wenig geübte Hände in Ausführung gebracht werden, oder die Fälle, wo aus irgend welcher Ursache das Thier eine Zeit lang verlassen wird, ohne daß die Operation zu Ende geführt worden ist. Bei der Methode der Thierschutzvereine sind die Leiden schrecklich, wenn das Thier nicht mit hinreichender Energie todtgeschlagen wird, es gibt alsdann heftige Bewegungen, Convulsionen und Schmerzen. Wenn bei der jüdischen Methode die alsbald zerschnittenen Blutgefäße selbst in ungenügender Weise geschehen sein sollten, so wird der Blutfluß weniger stark, der Todeskampf länger sein; aber der Tod ist dennoch sicher und ohne große Schmerzen, denn weder die Nerven, noch das Gehirnsystem ist angegrissen. Bei der Methode der Thierschutzvereine kann das Thier in einiger Zeit wieder zu sich kommen, wenn die Erschütterung nicht stark genug; das Thier kann selbst vielleicht noch lebend sein, wenn man anfängt, es in Stücke zu zerlegen. Welche schreckliche Leiden hat es alsdann anszustehen! Bei der jüdischen Methode erlaubt es der Blutfluß dem Thiere niemals wieder zu sich zu kommen. Ich endige also mit dem Vorschlag für die Mitglieder der Thierschutzvereine, bei den Israeliten in die Schule zu gehen, ihre Gebräuche zu lernen und sie in den christlichen Schlachthäusern einzusühren. Zweiter Theil. Talmudische Gesetze über Trepha Die jüdische Tradition verbot das von einem Raubthier zerrissene oder verwundete Thier, das, wenn cs auch vom Hirten den Klauen des Raubthiers entrissen worden wäre, dennoch nicht mehr lauge hätte leben können. Dieses Verbot wurde in analoger Weise auf alle Thiere ausgedehnr, welche von einer unheilbaren und den Tod schnell herbeiführenden Krankheit befallen waren. Diese Analogie schien um so mehr gerechtfertigt, als das von einem Raubthier angegriffene Vieh als ein krankes, vom Gifte dieses Raubthieres angestecktes, betrachtet wurde. Man gab zu, daß die Raubthiere, wie der Löwe, der Wolf, der Sperber, der Adler u. s. w. ein Gift in ihren Tatzen besitzen. Dieses Gift, sagte man, wäre um so gefährlicher für das Opfer, als das Raubthier durch den Widerstand noch gereizter wäre, welchen das Opfer selbst oder der Hirt ihm entgegensetzte. Man erkannte das Vorhandensein dieses Giftes an der Röthe des angegriffenen Organs oder an einigen Tropfen Blut (Chulin, sol. 52 u. 53. Jedwede Krankheit machte das Vieh nicht trephah. Die Krankheiten mußken unheilbar und schnell tödtlich sein, wie der Angriff des Raubthieres und sein Gift. Rabbi, der Verfasser der Mischna, betrachtet die Krankheit nur dann als trephah, wenn sie den Tod in einem Monate herbeisühre. Radbi Simon, Sohn des Gamliel, sagt: „Wenn die Krankheit sich schnell verschlimmert, so ist das Vieh trepha. Andere haben die Krankheiten aufgezählt, welche nach der Tradition als trepha machend angesehen werden. Später verlängerte Rabbi Ehouna den Termin des Todes bis auf ein Jahr (Ehulin sol. 57) anstatt bis auf einen Monat, wie Rabbi sagte; Rabbi Ehouna hat wahrscheinlich Fälle gesehen, in welchen diese Krankheiten das Thier noch einige Monate und bis zu einem Jahre leben lassen. Alle Krankheiten, welche nach dem Talmud das Vieh trepha machen, werden noch heut zu Tage mit einigen wenigen Ausnahmen als unheilbar und den Tod schnell herbeiführend betrachtet. Sie heißen: 1. Vollständige Durchbohrung des Weschet, der Speiseröhre, daraus entsteht Ergießung oder Entladung der Nahrungsstoffe. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pf. Zahlbar hier. Inserate werden bis Dienstag erbeten. 2. Quergehender Schnitt der Gargeres, der Luftröhre; der in die Länge gehende Schnitt macht nicht trepha. 3. Durchbohrung der Hirnhaut des Gehirnsystems. 4. Vollständige Durchbohrung des Herzens. 5. Bruch der Wirbel mit Zerfleischung der eüout haschedrah des Rückenmarkes. 6. Zerstörung oder beträchtliche Verkümmerung der Leber; sie veranlaßt aoüolie d. h. Galllosigkeit, eine schnell den Tod heröciführende Krankheit. 7. Verlust der Lungensubstanz oder Durchbohrung der Lunge und der beiden Blättchen des Brustfells. Als Folgen schwerer Krankheiten, endigen sie schnell mit dem Tode. Rabbi Nachman sagt mit Recht, daß, wenn die Durchbohrung durch eine solide Adhäsion verstopft wird, das Vieh nicht trepha ist (Chulin fol. 48). 8. Durchbohrung eines der 4 Magen bei wiederkauenden Säugethieren. Es erfolgt daraus eine Entladung von Nahrungsstoffen und einen schnellen Tod herbeiführende Bauchfellentzündung. Der Talmud wußte sehr wohl, daß, wenn diese Duchbohrung durch eine solide Adhäsion verstopft wird, das Thier nicht trepha ist, denn in diesem Falle gibt es keine Entladung. 9. Durchbohrung der Gallenblase; Durchbohrung des Darmkanals; in diesen beiden Fällen gibt es Entladung ins Bauchfell und tödtliche Bauchfellentzündung. In diesen beiden Fällen, sagt der Talmud, ist das Thier nicht trepha, wenn eine solide Adhäsion da ist, welche die Durchlöcherung verstopft. (Chulin fol. 48). 10. Zerreißung des övsor ha-hophe eth hakhere?, des Netzes, der Haut, welche den Magen bedeckt; diese Krankheit führt herbei eine schwere Bauchfellentzündung. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen. Deutschland. Bonn, 23. Jan. Heute am ‘jtfp USD Gefeiert der Verein Xü'Hp min zu Wesel sein hundertjähriges Bestehen. Herr Rabbiner Dr. Frank zu Cöln ist dahin berufen, um die Festrede zu halten. Bonn. Herr Rabbiner Nathan Bamberger, Sohn des vor 3 Monaten verstorbenen großen Rabbiners Bamberger ist mit großer Majorität vorerst auf ein Jahr auf dem Rabbiners-Sitz zu Würzburg gewählt worden. "v"v. Bonn. Rabbiner Dr. Frenkel, früher in Witzenhausen,seit mehren Jahren in Frankfurt a. M. lebend, ist wenige Tage nach dem Hinscheiden feines besten Freundes, des Rabbiners Wetzlar ins ewige Leben abberufen worden. Ausführliches in nächster Nummer. Der Bsuernkönig und dir Jüdin. (Von Johann Czynfki.) Achtundzwanzigstes Kapitel. Die Zusammenkunft. Die Bewohner von Krakau erwarteten mit Ungeduld Nachrichten aus Reußen. Adelige und Bürger wußten, daß vor den Mauern Lembergs ihr Schicksal sich in umgekehrtem Verhältniß entschied. Siegte der König, so befestigte er seine Macht zum Vortheil des befreiten Volks. Ward der König besiegt, so mußte er den Adel um Hülfe bitten und sich auf Kosten des Volks vor ihm beugen. Der Pan von Wola und der Priester Martin, welche fest auf die Niederlage des Heeres von Leibeignen rechneten, hatten bereits ein neues Complott geschmiedet und eine Urkunde entworfen, in welcher die Krone Polens Ludwig, dem ältesten Sohn des Königs von Ungarn angeboten wurde. An den jungen Fürsten ward sogar ein Bischof abgeschickt mit der Einladung, nach Krakau zu kommen, unter dem Vorwand eines Besuchs bei seinem Oheim Kasimir. Man kann sich leicht die Wuth der Unzufriedenen j und die Freude des Volks denken bei der Kunde von i dem glücklichen Ausgang des Feldzugs, und später bei der Nachricht, daß Kasimir mit einer zweiten Herrscherkrone nach Krakau zurückkomme. Die Leibeigenen jubelten, die Bürger machten Anstalten zu Festen und bereiteten Triumphbogen und Geschenke. Die Edelleute zogen sich auf ihre Schlösser zurück, zufrieden zwar, daß das Gebiet Polens vergrößert war und daß der Feind hatte weichen müssen, aber mißvergnügt, daß sie das dem Bauernkönig verdanken. Während sie voll Verdruß die Hauptstadt verließen, zog die Masse der Einwohnerschaft dem König entgegen. Die Zünfte, jede unter ihrer Fahne, boten ihm Brot und Salz dar. Während dieses Volksjubels saß in einer Hütte bei Krakau ein Mädchen, welches ungedulviger als irgend Jemand auf die Rückkehr des Königs gewartet hatte, ohne sich darum zu kümmern, ob er Sieger oder besiegt wäre. DieS Mädchen war Efterka, die ihn feit dem Gerichtstage nicht wieder gesehen hatte. Bei dem Fest, welches mit Enthüllung der Verschwörung schließen sollte, war sie mit den morgenländischen Sängern in den großen Saal gekommen. Kaum aber hatte sie den reichen Putz der Hofdamen bemerkt, so schämte sie sich des zwar werthvollen, aber einfachen j Schmucks von fremdartiger Form, in welchem sie eine! Schauspielerin vorstellte, während sie darauf Anspruch machte, hinter keiner jener Damen zurückzustehen. Sie wollte lieber auf die Theilnahme am Feste verzichten und das Glück, den König zu sehen, verschieben, als vor seinen Augen unkenntlich inmitten eines Sängerchors dasitzen. Sie kehrte in das einsame Gemach zurück, welches ihr bei ihrer Ankunft im Schlsß angewiesen worden war, und hörte schlaflos das ferne Geräusch des Festes und dann das Getöse der Aufläufe in der Stadt. Gegen Morgen erst, als Alles ruhig geworden war, schlief sie ein, ohne zu wissen, daß der König sie, während sie sich auskleidete, betrachtet hatte. Während sie noch schlief war der König ausgeritten und ehe derselbe zurückkam, hatte Ben Josef sie wieder in die Wohnung ihres Vaters geführt. Unterwegs aber hatte Ben-Josef sie von neuem der Liebe Kasimir's versichert und ihr berichtet, daß Rokiczana das Schloß verlassen habe. Sie wußte also nicht nur, daß sie geliebt war, sondern auch, daß sie keine Nebenbuhlerin mehr zu fürchten hatte. Um so schmerzlicher empfand sie die Abwesenheit des Königs, um so heißer ersehnte sie seine Rückkehr. Während Tausende theils seinen Sieg, IheilS seine Niederlage wünschten, betete sie blos um Erhaltung fei** Lebens»