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Der israelitische Bote · 1879-01-16 · 3 (16.1.1879) · p. [Seite 1]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
3 (16.1.1879)
Date
1879-01-16
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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Abonnement: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Pastanstalten entgegen. Erscheint jeden Donnerstag. Verantwortlicher Redacteur Moritz Baum m Bonn, Expedition: Petersstratze Nr. 8. Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pf. Zahlbar hier. Inserate werden bi» Dienstag erbeten. v. Jayrgang. Leitender Artikel. Zu Parschath motr. Die jüdischen Namen. Sehen wir uns in Israel um, wie dasselbe noch heute, wie vor Jahrtausenden alljährlich — in den Reformsynagogen zwar nur alle drei Jahre — die Worte: ^822" 02 mötP 7&81. »Und diese sind die Namen der Kinder Israel" aus der min vorliest; andrerseits jedoch die schonungslos selbst in das Heiligste eingreifende „Verbefferungswuth" dahin gelangt ist, thatsächlich die ^>822" Olt 2122' aus den jüdischen Kreisen zu verbannen, um an deren Stelle andere Namen zu setzen, an welchen nicht die geringste Spur jüdischen Ursprungs mehr zu erkennen ist; so drängen sich uns unwillkürlich die ernsten Fragen auf: Was war wohl die erste Veranlassung zum Aufgeben der jüdischen Namen? Wie kommt es ferner: daß selbst in sonst religiösen Familien diese — ich möchte fast sagen — Verleugnung unserer jüdischen Abstammung Eingang finden konnte? Und welches sind die nachtheiligen Folgen, die hieraus für das religiöse Gefühl und den religiösen Sinn entstehen? Die seit den frühesten Zeiten, ja schon unter Moses unsren Vätern anhaftende Nachahmungssucht, die sich, im Laufe der Zeiten bis auf unsre Tage erhielt und sich besonders bekundete als durch das Schwinden mittelalterlicher Vorurtheile der gesellige Verkehr mit unsren Mitbürgern andern Glaubens erleichtert und befördert wurde, gab den ersten Anlaß zur Einführung der modernen Namen, um nicht durch die jüdischen Namen den Juden sofort als solchen erkennen zu lassen. Man fing an, es sorgfältigst zu vermeiden, den Kindern jüdische Namen zu geben, oder sie auf denjenigen Namen zu benennen, die sie zum heiligen Gedenken an die Heimgegangenen Voreltern tragen — sollten. Ja, man schämte sich eines jüdischen Namens und setzte einen gewissen Stolz darein, einen recht wohlklingenden?! modernen Namen zu führen. Daß nun selbst in religiösen Familien diese Geringschätzung unsres jüdischen Stammes, auf welchen wir doch naturgemäß mit einem berechtigten Ahnenstölze Hinblicken sollten, sich Eingang verschaffen konnte, kann seine Erklärung nur in dem Umstande finden, daß nicht genug auf die Wichtigkeit des Gegenstandes aufmerksam gemacht wurde, und die so Vieles mit sich fortreißende Zeitströmung ihren verderblichen Einfluß da geltend machte, wo es versäumt und ver- Bonn, 16. Januar 1879 (5639), nachlässigt worden war, derselben frühzeitig genug einen kräftigen Damm entgegenzusetzen. Hören wir nun, um zur Beantwortung unsrer dritten Frage zu gelangen, zunächst, welch einen hohen Werth die min selbst auf die 2822" 02 ni22' j legt. Gewiß nicht umsonst werden dieselben so oft und bei jeder Gelegenheit in der miri aufgeführt. (Siehe ^20 zur Stelle 2. B. M. 1, 1.) Nicht umsonst mußte der Hohepriester sie an Mantel und Brustschild, in Edelsteinen eingefaßt zum Schmucke, zur Schau und zur steten Erinnerung tragen. Deren sprachliche Bedeutung wird bei der Geburt jedes Einzelnen der Söhne Israels in der min angegeben. Auf dem Sterbebette segnet Jakob seine geliebten Enkel Ephrajim und Menasche mit den Worten: p712H '271228 '>71128 2^1 '>22' 2712 82pO Und durch sie soll genannt werden mein Name und der Name meiner Väter 271228 und pnm. — Worte, die zwar von vielen Mischen Müttern ihren lieben Kleinen als Nachtgebet vor dem Schlafengehen, in den Mund gelegt werden, aber durch die That ihre traurigste Widerlegung finden. Denn wer könnte z. B. in unsrem heutigen Alfred und Arnold noch den Namen unsres Erzvaters 271228, wer in Isidor oder Julius den Namen unsres Urahnes pnm mehr erkennen? Wie anders unsre alten Ausleger der min über diesen Punkt dachten, das mögen einige Aussprüche derselben, die wir hier folgen lasten, uns deutlich zeigen. Im 821722 2022 lesen wir: ni22o y>tf: 71122' ^4Dp "!2"2"p"2D' 8212 ,228 ^>822"2 Schön silw die Namen für ^822", da uns die heilige Schrift berichtet, daß Gott selbst sie gegeben. Talmud Beracholh sol. 76: 12^ 82p 2282 2iy^8 "2 228 20: 822>2 ^02!78 1082 2122' 22' 22>8 "2 711^22 1171 :ni22> 828 nw 82pn Rabbi Elieser findet in dem angeführten Verse die Andeutung, daß eine Namensverwischung gleichbedeutend ist mit einer gänzlichen Verwüstung und Zerstörung und dieselben in sich schließt; während in der Namenserhaltung gleichsam die Bürgschaft für die Verewigung liegt. Darum ni228 *6y 0711220 182p werden ja auch auf Erden ganze Erdtheile, Staaten, Länder, Städte, Straßen, Schiffe, ja selbst Planeten nach den Namen berühmter Männer benannt, um diese hierdurch in ihren Erfindungen, Entdeckungen und Werken unsterblich zu machen. — Hierdurch erklärt sich auch in nTDO 71202 bei Aufzählung der Familien, die sonst auffallend scheinende Wiederholung »r* 3. des Namens, wie >2)71,2 ,22D2'2^022 um zuz igerz, wie jede Familie strenge darauf hielt, sich nach ihrem Stammhause zu nennen. Auch sagen unsre Weisen: 20222 1^80 1:01128 :Dni22' 718 i:2> 8^ 711212 Unsere Vorfahren wurden aus 2022 erlöst, weil sie durch Beibehaltung ihrer Namen ihre Nationalität als Israeliten hoch hielten. Die nachtheiligen Folgen der Verdrängung unsrer jüdischen Namen ergeben sich zur Genüge auf manchfache Weise. Ist es ja gar nichts Seltenes mehr, daß junge Leute beim Aufrufen zur min ihren 2H1p 22' nicht anzugeben wissen, was zwar durch die in vielen Synagogen eingeführten Aufrufkarten weniger fühlbar geworden, darum aber den Uebelstand an und für sich in seinem Widerstreite gegen den jüdischen Geist in keinerlei Weise mildert. Eben so häufig kommt es vor, daß jüdische Mädchen und Frauen, da sie sich mit ihren jüdischen Namen —, wenn sie überhaupt einen solchen erhalten haben—, niemals nennen hören, denselben gar nicht einmal kennen, so, daß die Klage des Psalmisten: 221*> 8^1 "2iy 2822" 22' leider bei einem großen Theile unsres Volkes ihre volle Anwendung findet. Räthselhaft bleibt es immerhin, daß während einerseits unser Judenthum von seinen sämmtlichen Bekennern, welcher Richtung sie auch angehören mögen, auf das Eifrigste gegen jeden feindlichen Angriff von Außen vertheidigt wird; auf "der andern Seite sich gleichsam eine Verleugnung des jüdischen Charakters durch die Verdrängung der jüdischen Namen kund gibt. Möchten wir, Abkömmlinge von pnm 271228 2py>1 doch eben durch unsre ^822" 02 ni22' an uns bestätigen: "2 22' >2 f2871 TO ^2 1821 "p^y 82p:> »Alle Nationen der Erde sollen es sehen, daß der Name des Ewigen über dich genannt wird"! Möchten wir es ernstlich bedenken, wie durch Abstreifung der jüdischen Namen der religiöse Sinn in mehr als einer Beziehung geschädigt wird, indem wir uns dadurch unsrer Abstammung gewissermaßen entfremden. Möchten wir uns selbst von den Banden der Nachahmungssucht zu befreien streben, auf daß es von unsren Namen wieder Heiße: 02 2122' 71^81 ^>822", und sich die segensvolle Verheißung an uns erfülle: 2^22^1 226 2228 17180. Ja, ich werde Euch zum ruhmvollen Namen bringen! Trier im Monat Tebeth 5639. Michel Levy. Predigt gehalten von A. A. Wolfs, Dr. und Prof., Oberrabbiner. Fortsetzung (siehe Nr. 1.) Ihr seht es, dieser herrliche Freudentag, den der unendlich gütige Gott mir in meinem Leben beschert hat, wird für mich der Tag, an dem ich ernstliche Rechenschaft abzulegen habe. O! meine lieben Brüder und Schwestern! was soll ich da antworten? Ich habe das Bewußtsein, stets die Pflichten des Priesters vor Augen gehabt zu haben. So wie ich in meinem Berufe alt geworden bin, so habe ich auch alle Sorgfalt und allen Ernst aufgeboten, dessen ich fähig war, um das Ziel zu erreichen, das der Gesandte Gottes sich vorsetzen soll, ich habe mein Werk beurtheilt mit aller meiner Urtheils- und Unterscheidungskraft. Aber ist diese Ueberzeugung für mich genügend? Kann ich mich zufrieden fühlen, wenn ich zu mir selbst sagen kann: Mein Wunsch war es, Deinen Willen zu thun, o mein Gott! und ich habe Deine Lehre in das Innerste meiner Seele eingegraben. Ich habe die Gerechtigkeit in einer großen Versammlung verkündet und ich hielt meinen Mund nicht verschlossen. O, Herr! Du weißt eS!1) Ja, der Herr weiß es. Ach! sieh, wie wenig 1) Pst 40. V. 9-10. mein eigenes Gewissen im Stande ist, mich zu beruhigen. Er weiß es allein, bis zu welchem Grade meine Absichten rein gewesen find, und die Mittel die ich angewandt, um die Aufgabe meines Berufes zu erfüllen; die Entscheidung dieser Frage ist in den Händen des höchsten Richters. So beuge ich mich denn mit der tiefsten Ergebung vor Dem, der Alles sieht, der Alles weiß, der unsere geheimsten Gedanken kennt, unsere verborgensten Thaten, und ich wiederhole das Gebet, das gestern aus dem Munde dieser gläubigen Versammlung kam: „Gehe nicht in's Gericht mit Deinem Diener, denn kein lebender Mensch wird vor Deinem Angesicht für gerecht befunden. Aber sei Du mir gnädig mein Gott! Lösche Du meine Sünde aus wegen Deiner großen Barmherzigkeit!*) Verwirf mich nicht in meinem Alter, sondern laß' den Abend meines Lebens in derselben Klarheit strahlen, wie dessen Morgenröthe, damit ich auch in meinem vorgerückten Alter durch meine Gedanken, meine Worte und meine Handlungen für würdig erachtet werde, in Wahrheit der Gesandte des Ewigen genannt zu werden, des Herrn der Heerschaaren! Der Gesandte Gottes zu sein, ist sicherlich ein hoher wichtiger Beruf. Als Gesandter 1) Ps. 18, 3. Gottes macht der Priester Gottes Sache zu seiner eigenen; zu jeder Zeit und an jedem Orte soll er bereit sein, Seine Befehle mit aufrichtiger Liebe, mit Freude und Fröhlichkeit auszuführen; er soll arbeiten für die erhabensten Interessen des menschlichen Herzens, er soll die kostbarsten Güter der Menschheit verwalten, in Ordnung bringen und zu deren Gedeihen beitragen; er soll arbeiten, seine Brüder aufzuklären und zu heiligen, um sie ewig glücklich zu machen. Das ist in Wahrheit ein sehr schwieriger Beruf. Er erfordert viel Wissen, viel Liebe, viel Treue, viel Opferfreudigkeit. Allerlei Schwierigkeiten, alle möglichen Hindernisse finden sich auf seinem Wege; er hat peinliche Prüfungen, bittere und sogar tiefentmuthigende zu bestehen. Was wären wir jedoch selbst mit unseren eifrigsten Anstrengungen, um ein Bote Gottes zu werden und zu bleiben, wenn Gott nicht mit uns wäre und uns nicht die Kraft gäbe, uns fest an Ihm zu halten; wenn der Allmächtige uns nicht bewaffnete mit einem ausdauernden Muthe gegen die Drohungen und Versuchungen der Welt? Welche Kraft, welche Stärke verleiht uns nicht diese Verheißung: „Ich werde mit Dir sein und Dich lehren, was Du sagen sollst."*) 1) Ps. 18, 3.

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