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Der israelitische Bote · 1879-01-09 · 2 (9.1.1879) · p. [Seite 1]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
2 (9.1.1879)
Date
1879-01-09
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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Abonnement: Vierteljährlich 3 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Psstanstalten entgegen. Erscheint jeden Donnerstag. Verantwortlicher Redacteur Moritz Baum in Bonn, Erpeditio«: Petersstratze Nr. 8. V. Jahrgang. A onn, S. Januar 1879 (5639). Leitender Artikel. -scob. wk dp voDin u. mpvi rnab tont?' lmpii rorrnnpn 'omnpi ornDD •onKtwi „Als die Tage Israels zum Sterben nährten, rief er: Wenn ich bei meinen Vätern liegen werde, so trage mich aus Aegypten und begrabe mich in ihrem Begräbniße." 1. M. 47, 29. 30. Selten wurde ein Leben von so vielen Sorgen und Betrübnissen gekränkt, wie dasjenige dieses Patriarchen. Obschon er so zärtlich von seiner Mutter geliebt war und durch sie auch den vorzüglichen letzten väterlichen Segen erhielt, vernichtete der unversöhnliche Haß, der im Herzen seines Bruders gegen ihn glühte, das unschuldige Glück, welches er im Schooße seiner Familie genoß und nöthigte ihn, das väterliche HauS zu verlassen. Diese mühsame Abreise setzte seinen Befürchtungen kein Ende, denn der Haß seines BruderS verfolgte ihn und beraubte ihn aller Güter l) womit die väterliche und mütterliche Fürsorge ihn versehen hatte, und dieser Sohn aus so guter Familie, wurde so in das Leben eines armen und flüchtigen Reisenden versetzt. Da er nur seinen Stock zum Reisegefährten hatte, und in seinen traurigen Gedanken versunken war, mußte ihm seine Reise den großen Unterschied von denen seiner Väter in Erinnerung bringen. Seine Väter von ihren Lebensgefährtinnen begleitet, von Gütern beladen und von einer zahlreichen Dienerschaft umgeben, ein fürstliches Leben führend, ste hatten in den königlichen Palästen freien Zutritt und wurden von ihren fürstlichen Genossen mit Ehren und Reichthümern überhäuft. Dennoch sein unglückliches Geschick mit religiöser Ergebung ertragend, forderte er von Gott in seiner Armuth nur Brod und Kleidung und unbesorgt für daS Nachtlager, wo er sich von seiner Müdigkeit erholen konnte, brachte er die Nacht unter freiem Himmel zu, mit seinem Kopfe auf einem Steine liegend, aber voll des Vertrauens auf Gott, der ihn nicht verlaßen wird. Im Hause seines Oheims Laban angekommen, wie viel Widerwärtigkeiten hatte er nicht von seinem trugerfüllten und treulosen Verwandten zu ertragen, um sich eine Familie zu gründen und die nüthigen Mittel zu den Bedürfnissen eines häuslichen Lebens zu erwerben! Dem Neid dieses Schwagers aulgesetzt, mußte er endlich wieder die Flucht ergreifen, und zum zweiten Male wurde er aus derselben von seinem Ver» 1) S. Midr. Rab. 1. M. 66. wandten verfolgt; aber der Schutz Gottes verließ ihn nicht, und ruhig konnte er von seinen treuen Gefährttnnen und von seinen lieben Kindern begleitet, nach dem väterlichen Hause zurückkehren. Von diesen Nebeln befreit und nach dem Glücke schmachtend, nach einer solchen langen Abwesenheit seine theuren Eltern wieder zu sehen, bekam er die schreckliche Nachricht, daß die Feindseligkeit seines BruderS sich erneuert habe, und daß er mit einer zahlreichen und bewaffneten Schaar ihm entgegen komme. Diese kündigte sich ihm schon am Vorabend, in einem nächtlichen Kampfe mit einem göttlichen Wesen an, welches nach dem Talmud, der Schutzengel seine- Bruders war, aber dem er siegreich zur Verherrlichung seiner Nachkommen entgangen ist. Sein Recht der Erstgeburt wurde ihm durch erneu himmlischen Segen und eine freundliche Aufnahme von seinem Bruder bestätigt. Durch diesen Schutz wieder beruhigt, hätte unser Patriarch seine Reise mit fröhlichem Herzen fortsetzen können. Doch es sagt der Psalmist: „Viele Leiden hat oft der Fromme; ' ein schrecklicher Schlag traf ihn während seines Aufenthaltes zu Sichem: die Tochter dieses tugendhaften, heiligen Mannes ist entehrt worden I Nein, diese auserwählte Familie konnte eine solche Schande nicht ertragen,-und noch zum größten Unglücke mußte dieser Schcnrdfieck durch das Blut einer ganzen Stadt abgewaschen werden. Eine neue Angst für unfern friedsamen Patriarchen, der eine schreckliche Rache und einen allgemeinen Aufstand befürchtete; aber so wie der Psalmist hinzufügt: „Doch aus allen Leiden errettete ihn der Ewige", verbreitete Gott einen Schrecken auf alle umliegenden Gegenden so daß man ihn nicht verfMte. Aber kaum von diesem Nebel befreit, unterorrrrcre ihn' ein neues Unglück, das am lebhaftesten seine zärtlichsten Empfindungen berührte; aus dem Wege verlor er seine geliebte Lebensgefährtin und er hatte das Glück nicht, dieselbe seinen theuern Eltern vorstellen zu können und mit derselben das väterliche Haus zu zieren. Endlich am Ziele seiner Wünsche an ^kvmmen, erfüllt von dem Glauben, ruhig das häusliche Glück und die Früchte seiner mühsamen Arbeit genießen zu können, da entfalten gar traurige Begebenheiten sich vor unseren Augen in der Geschichte Josephs, seines geliebtesten Sohne-! Welches Herz war nicht tief gerührt bei demjLesen dieser rührenden Geschichte, wo ein Bruder in die Hände seiner unbarmherzigen Brüder die ihn haßten, gefallen, die ihn schon dem Tode preisgegeben hatten, dem er nur durch die Sklaverei entkommen, ohne das Greisenalter eines Vaters zu verschonen! Aber die Vorsehung, die durch das Leben dieses heiligen Mannes der Welt ein seltsames Beispiel der Tugend, der religiösen Demüthigung und einer musterhaften Ergebung, darbieten wollte, hat ihm ein glück¬ Jnse'rate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pf. Zahlbar hier. Inserate werde» bir Dievstserdeten. Wto.ß. liche- Alter von 17 vollkommen guten Jahren in Aegypten^) Vorbehalten. Sie hat seine letzten Jahre mit solcher Segenfülle und Glückseligkeit überhäuft, nach welchen wenig Sterbliche aspiriren können. Daher sah er ruhig diesen bedeutenden Augenblick herannahen, der ihn mit seiner heiligen Familie in die ewige Glückseligkeit vereinen sollte, und seine einzige Sorge vor seinem Scheiden war, seinen Kindern den Glauben an eine Offenbarung zu übertragen, einen in der Familie fortgepflanzten Glauben, zufolge dessen Gott dem Stammvater Abraham einen ewigen Bund den Nachkommen Sems, zugeschworen hatte. Um uns von den letzten und erhabenen Besorgnissen, die unsere frommen Patriarchen beschäftigten, zu überzeugen, brauchen wir nur daS, waS uns der heilige Text davon sagt, aufmerksam durchzulesen, und wir werden ste deutlich angezeigt finden in den so bedeutungsvollen und so lehrreichen Worten: „Als die Tage Israels zum Sterben naheten, ließ er seinen Sohn Joseph rufen u. s. w. Die Tage zum Sterben! Ja, Gott in seiner unendlichen Güte betrübt ja nie den Menschen durch die Qual eines Todes von der Dauer einiger Tage! Nein, die Macht des Todesengels ist sogar nicht von der Dauer eines Tages, sondern nur eineeinzigen Augenblickes, und so lange dieser Augenblick nicht in dem undurchdringlichen Plan des Gottes des Lebenbeschlossen ist, empfindet der Mensch noch immer die heilsamen Wirkungen des Balsams der Hoffnung, und Niemand .arm ihm daS Recht, noch lange unter dm Lebenden zu figuriren, absprechen. Wie müssm wir also diese Worte verstehen: die Tage Israels nahetm zum Sterben? Die Auflösung dieser Frage findet man in der Unterhaltung eines Talmudlehrers mit seinen Schülern.2) R. Elasar lehrte eines Tages, daß der Mensch einen Tag vor seinem Tode Buße thun müsse. Da fragten ihn seine Schüler: Unser Lehrer, kennt denn der Mensch seinen Sterbtag? Desto eher erwiderte der weise Rabbi, ist er verpflichtet, alle Tage seines Lebens sich dazu vorzubereiten. In diesem Sinne giebt uns die heilige Schrift unsem heiligen Patriarchen zu erkennen, durch den Ausdruck: die Vage Israels naheten zum Sterben; ja für ihn handelte es sich nicht um einen Tag vor seinem Tode, nein, alle seine Lebenslage waren für ihn dem Tode nahe; sich immer mit Gott versöhnend, dachte er alle Tage daran, damit er, wenn dieser Tag in Wirklichkeit erscheinen soll, rein von allen Sünden vor .ihm erscheinen kann. jWas verlangte er aber von seinem Sohne? Verlangte er, daß Andere für ihn beten sollten oder durch Wohlthätigkeits-Handlungen für sein Seelenheil sorgen? Nein, in dieser Hinsicht bedarf er der Andern Hilfe nicht, seine eigenen Tugenden gingen vor ihm her und bereiteten ihm eine ehren- 1) S: d. Sohar. „ 2) Jalm. Schabb. Seet. Schoel. Der Murrnkönig und die Jüdin. (Von Johann Czynski.) Der Hauptmann der Gorallen unterschied sich in der Kleidung durchaus nicht von seinen Untergebenen. Aber bei'm ersten Anblick fiel er auf durch seine Gestalt, welche die seiner Genoffeu wett überragte, und durch seinen kräftigen Glieverbau, der ihn in Stand setzte, einen Wolf zu erwürgen und eine Eisenstange zwischen den Händen zu zerbrechen. Auch die schwarze Farbe seines Haupthaares und seines Bartes unterschied ihn von den anderen Gorallen, welche im Allgemeinen blond waren. Die Gebirgsleute munkelten, er sei nicht von dem reinen Gorallenschlsg; seine Mutter sei die schönste Bäuerin in ihrer Gegend gewesen, und einige Tropfen adeliges Blut fließe in seinen Adern. Der Teufelsarm empfing Ben Josef ziemlich kalt. Er warf ihm Wortbruch vor, weil er ohne Maaren gekommen ist. Als er aber den Brief mit dem königlichen Siegel sah, und als der Jude ihm den Inhalt näher erklärte, da entrunzelte sich seine Stirn. Obwohl von Jugend auf an Gefahren und Entbehrungen gewöhnt, nahm er mit Freuden die Gelegenheit wahr, dem Räuberleben zu entsagen, seine Brüder zum rühmlichen Kampf zu führen, und ihnen die Freiheit und ein besseres Leben zu sichern. Jndeß erklärte er nicht augenblicklich seine Zustimmung zu den Vorschlägen Ben Josefs. „Ich werde aufgesucht," sagte er mit weithallender Stimme, „weil man meine Leute braucht. Aber wer bürgt mir dafür, daß der König nach Beendigung des Kriegs seine Zusage halten wird?" „Er wird Deiner stets bedürfen," antwortete Ben Josef, denn er hat stets den Adel gegen sich." „Er giebt uns Freiheit. Aber was soll uns Freiheit ohne Obdach und Brod? Wie soll ich meine sechstausend Mann unterbringen?" „Am Fuß des Gebirgs find eine Menge unbebaute Felder, Kasimir überläßt sie Dir als Eigenthum und schafft obendrein herbei, was zur Anstedlung nöthig ist," sagte der Jude. „Du sagst, der König brauche Reiter. Meine Leute können wohl reiten, aber sie haben keine Pferde." „In diesem Augenblick," erwiederte der Jude, „kaufen meine Brüder alle Pferde in der Umgegend von Krakau auf. Morgen bei Tagesanbruch wirst Du in der Ebene von Lobsow für Jeden Deiner Leute ein Pferd finden." „Und wo bleibt der Unterhalt von sechstausend Menschen und eben so diel Pferde?" „Im ersten WirthShaus in der Ebene wirst Du Handelsleute finden, welche Deine Weisungen erwarten, wann und wohin sie das Nöthige liefern sollen. Uebrigens werde ich-Dir Geld genug in die Hände geben zur Bestreitung aller Ausgaben während deS Feldzugs. Und endlich will ich Dir eine Bürgschaft für meine Aufrichtigkeit geben." „Worin soll diese bestehen?" „Ich blsibe bei Deinen Leuten als Geisel, während Du zum König gehst." „DaS ist unnöthig. An der Spitze von sechstausend Gorallen würde ich mir selber Recht schaffen, wenn man mir eS verweigerte." Der Teufelsarm stand auf und stieß in'S Horn. Alle Echo der Berge antworteten wie gehorsame Diener, und von allen Seiten kamen die Gorallen herbei, — von den Höhen herab, aus den Thälern herauf, von Ost und West, von Süd und Nord. Noch an demselben Abend rückten sie in die Ebene. Am folgenden Tag waren sie beritten, und als das Heer Kasimir'S sich in Bewegung setzte, bildeten ste den Vortrab. DaS polnische Heer rückte, von Kasimir geführt; nach der Gränze von Reußen. Auf seinem ganzen Weg drängten sich die Einwohner herbei, um ihren GesetzgAW zu sehen und zu begrüßen» Von allen Seiten kamen Wagen mit Borrtthen alß Gefcher'

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