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Der israelitische Bote · 1879-01-02 · 1 (2.1.1879) · p. [Seite 5]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
5 (1879)
Issue
1 (2.1.1879)
Date
1879-01-02
Page
[Seite 5] (sequence 6)
Language
German
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r bemerken, daß die Beschuldigungen a h r sind, vor in einer Wahl zum .. :KatiöTu'i- 1*1:113 orthodoxer Feinde gegen mich vt.gebracht wurden, aber nicht hinderten, daß ich unter 50 älteren Nadbinern gewählt?-oorden bin. T e. Schreiber, ^i-'bbiucr und Herausgeber des 5ir.;, o^meinbc- und Familien Bl. Uns schein», daß inzwischen die Redaction des B. B. C. sich eine Klarheü in der Sache hat verschafft. Dieses erl'eunen en : nnigstens aus dein tolerantes Benehmen o^sUdeu, indem sie die Erklärung der Gegenpanei des p. Schreibers Sie Ausnahme gewährte. chm Nuchsleheuden geben wir den Wortlaut dieser ErNälUug mir den entteücnden Worten des genannten ^iaties. Smlnabend, den 21. Dec. 1878. Wir glauben, daß es einer Religion nicht eben zu gute kommt, wenn ihre Jünger sich öffentlich mit allere lei rituell-dogmatisch ridicülen Spitzfindigkeit herumzanken. sWir müssen eine solche Bezeichnung entschieden zurückweisen. D. Red.) Die Oeffentlichkeit sollte im neunzehnten Jahrhundert füglich nur unter dem Titel des Amüsements von derlei Dingen Notiz nehmen — aber es ist schlimm, wenn man sich amüstrt auf Kosten, wenn auch nur angeblich (?? die Red.) „religiöser" Streitigkeiten. Nur weil wir von den Einsendungen des Rabbiner Dr. Schreiber in Bonn über einen recht thörichten (Sehr richtig. Red.) „Preßprozeß" Notiz genommen haben, geben wir auch der nachstehenden Replick seinem Gegners Raum. (So ist es in der Ordnung. Red.) Was aber etwa sonst noch in tiefer höchst wichtigen und weltbewegenden Bouillon-Asfaire zu sagen wäre, damit bitten wir die betheiligten Herren sleundlichst, unsere Leser nicht mehr ennuyiren zu wollen. (O, Schreiber, woßm-aurn die Zuflucht nehmen. Red.) Hier das betreffende Schreiben: Berlin, den 26. December 1878. Verehrliche Redaction! Sie haben in Ihrer geschätzten Zeitung einen Artikel des Dr. Schreiber aus Bonn Anfnabme gewährt, der behauptet, alle die von mir vor Gericht gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen seien unwahr und Verleumdungen. Da hierdurch die öffentliche Meinung verwirrt und so die Wahcheit, die durch den gerichtlich angenommenen Beweis gegenwärtig festgestellt wird, verdunkelt werden könne, sehe ich mich veranlaßt, zu meiner Bertheidigung gegen den Vorwurf der Verleumdung das Wort zu ergreifen. Hier der Beweis: Der rc. Schreiber hat in der oben bezeichneten Nummer Ihres geschätzten Btattes erklärt, alle die gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen (daß er nach jüdischem Gesetz verbotene Speisen genossen, daß er dies zuerst in Abrede gestellt rc.) seien unwahr. In der Verhandlung (Betrifft uns wegen einer Notiz in unserem Blatte Nr. 26 und 27, wir werden zur Zeit ausführlich darüber referiren. Red.) vor dem Zuchtpolizeigericht in Bonn sagte der rc. Schreiber eidlich aus, es sei wahr, daß er die unkoschere Bouillon getrunken, es sei ferner wahr, daß er dies früher in Abrede gestellt habe. Ich enthalte mich hierüber jeder Bemerkung. 2. Der p. Schreiber behauptet ferner, die gegen ihn vorgebrachten Bedenken rührten von orthodoxen Feinden her; dem gegenüber erkläre ich, und übernehme dafür volle Verantwortung, daß sie herrühren von den Herren Rabbiner Dr. Treuenfels in Stettin, Oberlandesrabbiner Dr. Landau in Dresden, Landrabbiner Dr. Meyer in Hannover; was den literarischen Theil der Bedenken betrifft, so rühren dieselben vorzüglich von dem Professor der (evangelischen) Theologie, Herrn Dr. Herrman Strack her. (Vergl. Nr. 2 des literar. Centralblattes Leipzig 1878.) Ueberhaupt ist die Ansicht, als ob es sich um Parteistreitigkeiten der orthodoxen und der nihilistischen Richtung behandelte, entschieden zurückzuweisen; unsere Meinung war selbst im Sinne derer, die eine Uebertretung der jüdischem Speisegesetze für irrelevant, die aber die Wahrhet heilig halten, ausgesprochen. Da ich der Verleumdung in. Ihrem gesch. Blatte geziehen worden, einige Worte über die Motive zum Vorgehen gegen den p. p. Dr. Schreiber zu sagen. Ich kenne den Herrn nicht persönlich; die Absicht der Beleidigung liegt mir daher bei allem, was ich gegen ihn geschrieben und noch schreiben werde, durchaus fern; wenn der Mann sondern lediglich deshalb, weil wir gerne in Bezug auf die Anmaßung, die in obiger Berichtigung zu Tage tritt durch den Ausdruck ultraorthodoxes Blättchens, es den Neugierigen anheimgeben möchten, sich von der Qualität und Quantität des Gem.- u. Fam.- Bl. zu überzeugen. Wir sind durch Zufall im Besitze mehrerer Exemplare, die wir gern auf Wunsch zur Verfügung stellen. Natürlich ' eine Retournirung keineswegs erforderlich. Die^" — nicht Rabbiner wäre,3) hätte ich ihn niemals bekämpft. Erwägen Sie aber, daß bei der Wahl emes christlichen Geistlichen eine dogmatische Streitigkeit genügt, um dl. Bestätigung zu versagen, erwägen Sie ferner, baß wir Juden in Preußen weder Consistorium noch Oöerkirchenbehörde haben, und daß jede Gemeinde autonom ihre Beamten wählt, so werden Sie zugeben, daß uns doch zur Ausrechterhalmng ber Ehre des Judenthums, der Reinheit des geistlichen Standes, zur Verfechtung der Wahrheit wenigstens das freie Wort gestattet werden muß : in diesem Sinne bitte ich mein Vorgehen zu betrachten. Schließlich muß ich noch die Bezeichnung Jüdischen Presse als hyperorthodoxes Blättchen zurückweisen. Ich darf wohl von der Loyalitätder übrige?: Blätter, die über diese Sache berichtet haben, erwarten, daß ,sir auch dieser meiner Erklärung Raum gewähren. Mit vorzüglich«:^ Hochachtung! Dr. S. Meyer, Herausgeber und Chefredacteur der Jüd. Presse. 3) In der Jsr. Wochenschrift Nr. 26, 28. Juni 1877 wird nachstehendes berichtet: Zur Ehre der Berliner Hochschule (Hochreform. Red.) sei's gesagt, daß der Rector in talmnäiois an derselben Herr Dr. Levi, ihm (dem Dr. Schreiber Red.) wie wir erfahren, die pnnn nicht ertheilt hat. Red. Cölrr, 30 Dec. Ein unabsehbarer, Zug wie wir ihn nur letten gesehen, bewegte sich gestern Nachmittag ernst und feierlich durch die Straßen unserer Stadt dem Rheine zu. Es galt die Begleitung der Leiche unseres hochgeachteten Mitbürgers des Herrn Samuel Marks, der nach kurzem Krankenlager leider viel zu früh seiner frommen Gattin, seinen 10 unmündigen Kindern, seinen Verwandten und Freunden und seiner Gemeinde entrissen worden. Der Verstorbene zeichnete ,leit seiner frühen Jugend durch wahre, ungeheuchelte Frömmigkeit, durch den rechtschaffensten Lebenswandel, müe durch unermüdlichen Fleiß und Berufstreue aus. Seiner Ueberzeugung ist er in allen Verhältnissen stets treu geblieben, ihr hat er wirkliche Opfer gebracht. So bewährte er sich als Charakter, was in unseren Tagen ganz besonders rühmend hervorzuheben ist. Geboren zu Mörs am Niederrhein, von frommen Eltern erzogen, trat Marks als 14jähriger Jüngling in die kaufmännische Lehre bei dem auch in weiten Kreisen als wahrer, frommer '»TUT bekannten Portmann y* zu Creseld, in dessen Hause der Samen echter Frömmigkeit sich zur herrlichsten Pflanze entwickelte, die sein ganzes Leben auf Reisen, wie im Hause ("pH "jrD^ni ^ratSD) im Kreise seiner Freunde, wie im Rathe gelehrter Männer, verherrlichte. So lebte und wirkte der Entschlafene, geliebt von den Seinen, geachtet von der ganzen Gemeinde, bis er nach Gottes unersorschlichem Rathschlusse 54 Jahre alt, am vor. mt£> 11V einging in ein besseres Leben ra^ 1^225 Fast alle männlichen Mitglieder unserer Gemeinde folgten der Leiche und bewiesen dadurch, welch' hohen Grad von Achtung der Verstorbene genoß. Oesterreich.? Wien. Am 13. d. M., wurde Fräulein Rosa Wett an der Universität Bern, wo sie ihre medicinischen Studien „mit Auszeichnung" vollendet hatte, zum Doctor der Medicin ordnungsmäßig promovirt. Als Promotor fungirte Professor Valentin, der die junge Doctorin in glänzender Rede beglückwünschte. Fräulein Welt ist die erste dieses akademischen Grades theilhaftige Oesterreicherin. In Czernowitz 1856 geboren, besuchte sie daselbst das Gymnasium und bestand, ebenfalls mit Auszeichnung, die Maturitäts-Prüfung. Eine jüngere Schwester, Eleonora Welt, widmet sich philosophischen Studien und befindet sich bereits im letzten Jahrgange derselben, um dann ebenfalls den Doctorgrad zu erlangen. Eine dritte Schwester, Sarah Welt, bereitet sich für die Maturitäts-Prüfung vor. Die drei Schwestern verweilen derzeit in Wien bei ihren seit mehreren Jahren hier lebenden Eltern, deren einzige Kinder sie sind. N. W. T. England. — Sir Moses Montefiore, der große Philantrop und der greise Gönner seiner Stammesgenoffen, welcher vor Kurzem seinen 94. Geburtstag gefeiert hat, begiebt sich demnächst nach Palästina, um sich von dem Fortgange der Bestrebungen, welche gegenwärtig im gelobten Lande zur Hebung der wirthschaftlichen Lage der dortigen Juden gemacht werden, persönlich zu überzeugen. Das wäre nun die 8. Reise Lord Montefiore's nach dem gelobten Lande. Laranka (Insel Ceylon). Gewiß ist es für die Leser Ihres Blattes von Interesse, zu erfahren, wie wir dahier das Neujahrsfest und den Versöhnungstag gen Mi. Wahrscheinlich sind es metr viele Jc^ daß diese überhaupt auf dieser Insel gch wurden; dis jetzt heben wir noch keinen eingeboren Juden offen. Wr sind 25 Israeliten an Zahl,;; und diese kleine Anzal/. äst ein Gemisch verschiedene^ Nationalitäten, Engländer, Deuffcy,, Franzosen, GBechen, , Italiener und Türken. '; Am n"1 konnten wir den Gottesdreckst^KLchTJ'^ll-' ständig halten, da wir keine min 1SD und lein isifö besaßen, obgleich wir darum nach Byrmont telegraphier hatten. Am waren wir besser daran, da hatten wir einen 'ii, eine mir ^22 und ein 1212V aus Alcxandrierß Wir hatten ein Zimmer gemiethet; ver' Civil-Gouverneur hatte zwei Poltzeidiener zu unserem Schutze Verfügung gestellt, die wir aber nicht benöthigten, -da wir in keiner Hinsicht belästigt-wurdm^ Wir hoffen, daß wir bald an Zahl so stark sein werden, um eine Gemeinde zu bilden. (Jew. Ehr.) Vermischtes. — Das Neueste, welches die Börse jetzt belustigt, ist ein seltsames russisches Lexikon, das ein Börsianer entworfen hat. Nach der Ansicht dieses tiefblickenden Sprachforschers ist jedes Wort russisch, das auf „off" oder „ow" endigt, und da ergeben sich denn unter Anderm folgende Uebersetzungen. Zuerst ganz sinngemäß: „Gortschakoff" — die Staatskunst; „Schuwaloff" — die Vermittelung; „Esiipoff" — das Talent „Kantschukoff" — die Rohheit; „Arapoff" — die Schönheit; „Malakoff" — die Trunksucht; Dann schon etwas gewagter: „Holthoff" — die Verteidigung; „Johann Hoff" — die Reklame; „Treptow" — das Krebseffen; „Lützow" — die Jagd; „Fetschow" — der Hausknecht. Nun immer verwegner: „Hosenstoff" — die Beinbekleidung; „Viehhof" — die Abschlachtung und zuletzt mit einem kühnen orientalischen Seitensprung für Eingeweihte: „Maffeloff" — die Beglückwünschung .... Apres cela il faut tirer l’echelle! — Eine Kaiserin mit ihrem bürgerlichen Name einen Notariats-Act unterzeichnen zu sehen, das ist ein Schauspiel, das man nur in Frankreich beobachtet kann. Die „Petites Affiches" veröffentlichen folgenden am 9. und 10. Oktober vor dem Notar Portefin zu Paris vollzogenen Verkaufscontract: „Frau Marie Eugenie von Gusman, Gräfin von Teba, Wittwe des Karl Ludwig Napoleon III., und ihr Sohn, wohnhaft in Chislehurst (England), verkaufen an Herrn Baron Hirsch v. Gereuth (den bekannten „Türken-Hirsch"): 1. ein großes Hotel, Avenue Gabriel 26 und Rue de l'Elysöe 2; 2. ein Hotel, sogenanntes Englisches Haus, Rue de I'Elysöe 4, und 3. ein Hotel sogenanntes Englisches Hau^, Rue de l'Elysee 6, um den Gesammtpreis von 2,361,500 Francs." Das erste der drei genannten Gebäude war in den letzten Jahren des Kaiserreichs Sitz der Oesterreichischen Botschaft, das dritte ist seit dem Kriege von Herrn Rouher bewohnt. — Auch ein Widerruf. Das „Saalfelder Kreisblatt" enthält folgende drollige Ehrenerklärung: „Ehrenerklärung. Meine angeblich gethane Beleidigung, die ich beim Nahen einer Schafheerde gesagt haben soll: „Jetzt kommt der Schmiedefelder Gesangverein", nehme ich hiermit zurück. Wallendorf, 2. December. Adolf Kohl." — Vom Pferd auf den Esel. Der frühere Se* kretär der Stöcker'schen christlich-sozialen Arbeiterpartei, Grüneberg, der in der letzten Zeit durch die Polizei an der Gründung einer neuen christlich-sozialen Parte* verhindert wurde, hat die politische Laufbahn verlasse und in der Provinz eine Stelle als Portier ang nommen. Literarisches. — Wiener Jüdischer Kikeriki. — Unter diesem Ti erscheint in Wien eine humoristische Zeitschrift in hebe ischen Lettern und deutscher Sprache. Die uns v liegende Nummer dieses Witzblattes ist recht schön ausgestattet und läßt an Heiterkeit nichts zu wünschen übrig. Diese Zeitschrift, einzig in ihrer Art, erscheint am 1. und 15. eines jeden Monates. Berichtigung. Seite 2, Rubrik 3 im Hauptblatte muß es heißen: Zeit 5 von unten Jugendbildner anstatt Jadenbilder. Im Leitartikel der Beilage zu voriger Nummer, Bericht nebst Ansprache bitten wir folgendes zu berichtigen : Spalte 1, Zeile 36 von oben fehlt in, ferner Zeile 7 von unten statt im — in. Spalte 2, Zeile 7 von oben ist aus zu streichen, Zeile 35 von unten fehlt immervoraus.

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